„Forza Horizon 5“ im Test: Der verspätete Sommerurlaub

Microsoft und Playground Games haben das neue Open-World-Rennspiel „Forza Horizon 5“ veröffentlicht. Schon den Vorgänger hatte ich hier fürs Blog getestet. Nach dem Ausflug nach Großbritannien ist man nun in Mexiko angekommen. Außerdem wurde das Spiel dieses Mal von Anfang an für die neue Konsolengeneration, also die Xbox Series X|S, optimiert. Aus meiner Sicht liegt hier dann auch trotz Cross-Generation-Entwicklung einer der beeindruckendsten Titel für die aktuellen Konsolen vor.

Getestet habe ich „Forza Horizon 5“ an der Xbox Series X. Hier habt ihr direkt zwei Modi zur Verfügung: Qualität und Performance. Im Performance-Modus wird die Auflösung reduziert, dafür zockt ihr mit 60 fps. Auch ist hier mehr Pop-in zu bemerken. Das heißt, ihr könnt ab und an gut erkennen, wie Objekte eingeblendet werden. Auf der Qualitätsstufe zockt ihr in nativem 4K bei 30 fps. Hier ist das Bild knackscharf und da Playground Games einen sehr weichen Motion Blur verwendet, habe ich die 60 fps nicht vermisst.

Technisch macht man da durchaus einen gehörigen Sprung: Die Qualität der Texturen, die enorme Weitsicht und Partikeleffekte wie Staub und Rauch sehen wesentlich natürlicher aus als noch in „Forza Horizon 4“. Ray-Tracing kommt an der Xbox Series X nicht zum Einsatz, die Beleuchtung ist aber schon so zu unterschiedlichen Tageszeiten extrem stimmungsvoll. Es ist schon der Wahnsinn, was man an den Fahrzeugen beim Brausen durch die Pampa für Details entdecken kann: Wassertropfen an den Stoßstangen, Schmutz an den Reifen, Kratzer am Lack – nicht nur in der Nahansicht ist das alles perfekt zu erkennen. Da bremst man manchmal absichtlich ab, um all diese Details in sich aufzusaugen.

Dazu kommt die mexikanische Spielwelt, die nochmal größer ist als das bereits umfangreiche Areal von „Forza Horizon 4“. Zumal man den Abwechslungsreichtum nochmals erhöhen konnte: Cruisen durch Städte und Stranddörfer, rasen auf einem Berggipfel oder pendeln durch den Dschungel – die Straßen und auch alles drumherum laden zum Erkunden ein. Selbst die Soundkulisse hat man überarbeitet, um die Fahrgeräusche realistischer zu gestalten. Dazu gibt es einen pumpenden Electro-Soundtrack bzw. wahlweise auch krachenden Rock.

Auch wenn „Forza Horizon 5“ generell eher Arcade-lastiges Gameplay anbietet, könnt ihr die Steuerung und das Fahrverhalten anpassen, bis ein gewisser Realismus erreicht wird. Simulations-Fetischisten sind aber sicherlich bei „Forza Motorsport“ besser aufgehoben. Einen Punkt gibt es jedoch, an dem die Fassade kräftig bröckelt: Ihr bastelt euch anfangs einen Avatar zurecht. Im Gegensatz zu Spielwelt und Fahrzeugen sehen die menschlichen Charaktere im direkten Vergleich wie aus der Ära der Xbox 360 entsprungen aus. Das führt dazu, dass die Storysequenzen mit den Figuren schlecht zum Rest des Spiels passen.

Generell ist die narrative Kampagne auch im Gameplay der größte Unterschied zu „Forza Horizon 4“. Ansonsten wird euch das meiste arg bekannt vorkommen: Abermals arbeitet man sich über Nebenaufgaben wie Stuntmissionen, klassische Rennen oder Fotoaufträge von Showcase zu Showcase vor. Letztere sind sozusagen die Hauptaufgaben, welche die Story vorantreiben. Nebenbei levelt ihr so durch das Fahren eure Fahrzeuge hoch, sodass ihr schneller Erfahrungspunkte durch Kombos erhaltet und ähnliches.

Klar und Schritt für Schritt erweitert sich euer Fuhrpark durch das Abschließen von Missionen bzw. Drehs an einem Glücksrad – für das ihr aber kein Echtgeld aufwenden müsst, sondern einfach Spins freispielt. Für viele Fans dürfte der wahre Kern aber in den Multiplayer-Aspekten liegen. Ihr könnt euch in einer Art Battle Royale (Eliminator) miteinander vergnügen, gegeneinander Rennen fahren oder sogar im Koop ans Werk gehen. Wer Kumpels hat, die auch Lust auf gemeinsames Fahren haben, wird hier vermutlich begeistert sein.

Mein Kritikpunkt wäre neben den Avataren eine gewisse Monotonie, die sich im Gameplay verbirgt: Neue Autos in Scheunen entdecken, Sehenswürdigkeiten abklappern, gegen die Konkurrenz durch die Flora rasen – all das kennt man aus den Vorgängern und auch wenn über den Aktivitäten andere Überschriften prangen, ähneln sie sich. Die geballten Anpassungsoptionen für die Fahrzeuge, von der Lackierung über die Felgen bis hin zu extravaganten Designs, trösten über eine gewisse Sterilität hinter den Kulissen nicht hinweg.

Das mag mir so vorkommen, da ich in derlei Games kein Sammelfetischist bin, der unbedingt jedes Fahrzeug, jeden Hut für seinen Avatar oder jede Sonderlackierung freispielen müsste. Wer sich auf die wöchentlichen Herausforderungen einschießt, wird das natürlich anders sehen. Zumal ihr auch selbst in einem mächtigen Editor ans Werk gehen dürft, um selbst Missionen zu basteln. Mir selbst fehlt aber doch eine packende Geschichte oder die Option, auch mal aus dem Auto auszusteigen. Zumal die Spielwelt zwar wunderschön, aber auch etwas leblos geraten ist: Menschen oder Tiere sind hier die Ausnahme.

Auch wird die Karte bereits nach wenigen Einführungsmissionen derart vollgepackt, dass man schon genau wissen sollte, worauf man Lust hat. Denn an die Hand nimmt das Spiel einen dabei kaum. Die verschachtelten Menüs tragen dazu bei, dass sich Neulinge anfangs vielleicht etwas von der Flut der Optionen überfordert fühlen. Vieles kann man allerdings auch zunächst ignorieren, sich seine Lieblingsmissionen auf der Karte auswählen und loslegen. Frust kommt im Grunde nie auf: Ist eine Mission zu schwierig, versucht man zunächst andere, schaltet neue Fahrzeuge frei und besiegt seine Nemesis dann später mit frischem Mut.

„Forza Horizon 5“ perfektioniert dabei im Grunde die Gameplay-Formel von „Forza Horizon 4“. Der Titel ist eine gelungene Evolution – frischer Wind bleibt jedoch aus. Ein wenig ist die Serie wie eine Hochglanz-Postkarte aus dem Traumurlaub: Sieht fantastisch aus, hat aber wenig Tiefe. Man spürt die Liebe zum Detail der Entwickler. Ich selbst würde mir aber einen erzählerisch noch ausgereifteren Karrieremodus wünschen oder eine echte Weiterentwicklung des Gameplays – etwa die Option auch mal etwas zu Fuß zu erledigen.

Wer „Forza Horizon 4“ geliebt hat, wird allerdings auch „Forza Horizon 5“ lieben. Daran habe ich keine Zweifel. Und auch wenn manche meiner Aussagen kritisch anmuten: Auch ich hatte und habe viel Spaß mit dem Game. Technisch holt man hier einiges aus der Xbox Series X raus, sodass Abonnenten des Game Pass schon deswegen mal zuschauen sollten, wie ihre Konsole die Muskeln spielen lässt.

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15 Kommentare

  1. „…etwa die Option auch mal etwas zu Fuß zu erledigen.“
    Das würde die Zielgruppe eines Rennspiels sicher unheimlich motivieren das Spiel zu kaufen! Was hast du noch für sensationelle Vorschläge? FIFA ohne Tore dafür mit Rätselaufgaben?

    • André Westphal says:

      Das ist ein recht blödsinniger Vergleich, da hier analog zu deinem Beispiel nicht die Rede davon ist etwas zu streichen, sondern etwas zu ergänzen ;-).

  2. Vor einiger Zeit konnte ich den Vorgänger mittels Xbox Game Pass mal anzocken. Das Spiel gefiel mir, jedoch hatte es einen markanten Makel. Ständig hatte ich Werbung die mir sagte, wie toll es doch wäre wenn ich die Deluxe Version kaufen würde. Das hat mir den Spielspaß so zerstört, das ich bei einer Werbung nach einer Minute mittels der einzig übriggebliebenen Interaktion, Alt+F4, das Spiel beendet und anschließen sogar deinstalliert habe.
    Hat Forza Horizon 5 in der Standard-Version auch unüberspringbare Werbung oder kann man die mal wegdrücken?

    • André Westphal says:

      Ich habe die Premium-Edition gespielt, daher kann ich dir das leider nicht beantworten :-(.

    • Habe die Standard Version auch gespielt und nie Werbung zur Deluxe Version gesehen, wirklich nie. Evtl konnte man das irgendwo abschalten?

      • Kann ich bestätigen, ich habe eine Stunden in Forza Horizon 4 verbracht und noch nie eine Werbung für die Deluxe Version gesehen. Ich habe es auch über den Gamepass. Forza Horizon 5 ist übrigens auch im Gamepass dabei, allerdings „erst“ ab Dienstag glaub ich. Die Premium Version kam ein paar Tage früher.

  3. Werner Preil says:

    Das liest sich wie „Das Game ist toll, aber ich muss hier irgendwas negatives schreiben…“

    Ich bilde mir am 09.11. selber eine Meinung, wenn es im Gamepass verfügbar ist.

    • André Westphal says:

      Das Spiel macht Laune, aber mir persönlich sind die Missionen nach einer Weile zu gleichförmig – was mich aber auch am Vorgänger schon gestört hat. Ich denke das ist der Lizenzierung der vielen Automarken geschuldet, das führt zu weniger Spielraum: Da kann man etwa nicht mit nem lodernden Wagen Stunts vollführen, Bauteile abspringen lassen, auf Tauchgang gehen oder irgendwie sonst was Abgedrehtes machen.

      Ist nur ein Beispiel von mir, aber nach einigen Spielstunden hat man eben doch das Gefühl irgendwie immer das gleiche zu machen – ähnlich wie in den Ubisoft-Open-World-Spielen. Letztere können es aber etwas besser kaschieren, da sie narrativer sind.

      Da spielt aber auch eine große Rolle wie sehr man „Autofetischist“ ist und sich von der geballten Pracht in jenem Bezug fesseln lässt. Ich bin da relativ gleichgültig und von der Sorte „Ach, wenns von A nach B fährt, ist der Rest wurscht“ :-D.

  4. Hallo,

    kann mir das bitte mal einer mit dem Gamepass erklären?
    Gamepass Ultima und ich kann das Spiel auf PC spielen, ohne es zu kaufen, solange ich Abonnent bin?
    Xbox habe ich keine.

    Vielen Dank

    • André Westphal says:

      Wenn du den Game Pass abonnierst, kannst du alle enthaltenen Spiele zocken, ohne sie zu kaufen – ist quasi wie eine Flatrate. Sobald du das Abo kündigst, ist der Zugriff entsprechend auch weg.

  5. Audionymous says:

    Spiele es auf der Series X und hab den Performance Modus gewählt. Läuft einfach Butter weich und grafisch ist es nicht viel schlechter.
    Ein top Spiel, wie auch schon die Vorgänger.

    • Doch die Grafik ist im Performance Modus deutlich schlechter.
      Ist quasi die One-X-Grafik in 60fps.

      Der Qualitätsmodus ist da nochmal eine ganz andere Liga! Allerdings ist das Spielgefühl mit 60fps besser, da muss ich dir Recht geben.

      • Audionymous says:

        Ich seh da nicht viel unterschied

        • Sieht man auch nicht auf den ersten Blick, aber es fehlen doch deutlich Details und man hat deutlich stärkere Pop-Ups.
          Das führt im gesamten einfach zu einer unglaubhafteren Spielewelt. Im Qualitätsmodus wirkt die Spielewelt einfach deutlich realer und intensiver. Schwer zu beschreiben, aber wie gesagt der Performance-Modus ist halt schöne Last-Gen-Grafik während der Qualitätsmodus wirkliche Next-Gen-Grafik darstellt.

  6. SpeedyGonzalez says:

    Horizon 1 und 2 habe ich gesuchtet, danach wurde es langweilig. Auch ständig irgendwelche Klamotten für seine Avatare zu gewinnen haben mich nicht begeistert. Was soll das? Die sieht man eh fast nie.

    Habe mir dennoch den 5. Teil geholt. Auch wenn ich den nicht so exzessiv spielen werde, wie die frühen Titel. Tipp: Im isländischen MS Store kriegt man es deutlich günstiger. Die Premium Edition für 62,50 statt 99,00.

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