„Far Cry 5“: Er wollte ballern

„Er wollte ballern…“ bei uns im Teamchat hat sich der Satz als geflügeltes Wort dafür etabliert, wenn einer von uns die Blogartikel zeitlich besonders eng taktet. Allerdings dachte ich mir genau das auch in den letzten Tagen des Öfteren beim Anzocken von „Far Cry 5“. Ich komme leider erst jetzt dazu über den Open-World-Shooter von Ubisoft zu bloggen, da ich mir einen UK-Import gesichert hatte. Na ja und wie das so mit Post von der Insel ist: Die braucht auch schonmal etwas länger. Doch vielleicht war das ganz gut so, denn aus Wut über die KI in diesem Shooter hätte ich beinahe meinen Xbox-One-Controller zerschmettert.

Beim Publisher Ubisoft galt jahrelang: Kennt man eines ihrer Open-World-Games, kennt man alle. Letztes Jahr weichten die Franzosen ihre ausgelutschte Formel mit „Assassin’s Creed: Origins“ aber bereits gehörig auf. So nahm man sich für das neueste Assassinen-Abenteuer etwa Titel wie „Horizon Zero Dawn“ zum Vorbild. Eine Frischzellenkur, die meiner Ansicht nach komplett gelungen ist. Auch für „Far Cry 5“ hat Ubisoft einige Serientraditionen über Bord geworfen. Beispielsweise jagt man zwar noch Tiere, bastelt aus deren Fellen und Innereien aber nicht mehr größere Rucksäcke oder anderweitige Items. Stattdessen verkauft man den Krempel nur noch. Das nimmt den Kämpfen mit der Fauna etwas den Reiz, entschlackt das zuvor sehr Sammel-lastige Gameplay jedoch.

Auch das Erklimmen von Türmen haben die Entwickler verbannt. Stattdessen schaltet ihr neue Punkte auf der Karte nun frei wie in etwa „The Elder Scrolls V: Skyrim“. Sprich wenn ihr an einem interessanten Ort vorbeikommt, in Briefen darüber lest oder in Gesprächen davon hört, wird er auf der Karte markiert. Sinnvolle Neuerung, die sich im Spiel auch deutlich besser in den Flow integriert. Auch die Sammelorgien wurden allgemein stark zurückgefahren. Gut, manchmal erhält man noch Aufträge wie „Sammle zwölf Feuerzeuge“, aber die Haupt- und Nebenaufgaben sind durchaus abwechslungsreich.

So haben die Entwickler sich ein wenig vom satirischen Humor der Spielreihe „Grand Theft Auto“ inspirieren lassen. Ganz so bissig sind die Charaktere und ihre Nebengeschichten zwar nicht, die Richtung steht „Far Cry 5“ aber gut zu Gesicht. Wiederum liest man nun in vielen Reviews eben gerade, dass „Far Cry 5“ wesentlich sozialkritischer hätte sein könnte und hier Potential verschenke. Aus meiner Sicht ist das aber Meckern auf hohem Niveau. Ja, die Storyline ist eher zweckmäßig, aber ich finde das war bei „Far Cry 3“ oder auch seinem Nachfolger ebenfalls kaum anders. Es blieben jeweils die Schurken hängen – und das bleibt auch bei Teil 5 gleich. Der Kult-Anführer Joseph Seed ist nicht ganz so überdreht wie Vaas oder Pagan Min, das empfinde ich aber eher als angenehm. Seed tritt hin und wieder, genau so wie seine Sippe, als charismatischer Drahtzieher in Erscheinung und das passt auch gut.

Was weniger passt, ist die KI. Hier bekleckert sich „Far Cry 5“ speziell bei den strunzdoofen Begleitern leider absolut nicht mit Ruhm. So bleibt mir eine Szene besonders im Gedächtnis: Ich stehe im Rahmen einer Hauptmission auf einer Anhöhe und soll auf einen rettenden Hubschrauber warten. Währenddessen strömen Gegner auf mich zu, die ich mit Mühe und Not über einen Mörser auf Distanz halte. Mein Compadre Merle könnte nun durchkommende Angreifer mit seiner Wumme stoppen. Betonung liegt hier auf „könnte“. Stattdessen fummelt er sich quasi genüsslich an der Hose herum, während mir der Schädel zerknüppelt wird. Dass er auf diese Weise anschließend selbst über den Jordan geht, scheint ihn nicht zu kratzen.

Ähnlich sieht es aus, wenn man einen der Außenposten erobern will – was neue Schnellreisepunkte freischaltet. Bis auf den Hund Boomer, der keinen lauten Rabatz macht, erweisen sich im Grunde alle Begleiter als Trampel, die direkt die Aufmerksamkeit der ganzen Basis auf sich ziehen. Dabei ist das Schleichen, wenn es dann mal gelingt, in „Far Cry 5“ durchaus ratsam. Mit einem Bogen bewaffnet kann man Feinde im Stillen ausschalten und hat es so deutlich leichter, den Alarm und damit anrückende Verstärkung zu vermeiden. In der Regel endet es aber eben doch schnell in einer Ballerorgie.

Schlimm ist das ja auch nicht unbedingt. Schließlich ist „Far Cry 5“ ein Shooter und kein Stealth-Game. Auf dem Schwierigkeitsgrad „Hard“ wurde zumindest ich aber meist schnell über den Haufen geschossen. So wurden Scharfschützengewehre blitzschnell zu meinen Lieblingswaffen, um nicht direkt als Sammelstelle für Pistolenkugeln zu enden. Die gegnerische KI geht dabei übrigens schlauer vor, als die der eigenen Begleiter. Ich wurde häufig umzingelt und steht ein Auto in der Nähe, sind die Gegner tatsächlich so schlau und brettern damit gerne mal in meine Deckung hinein. Taktisches Vorgehen ist hier also äußerst ratsam.

Hier kommt „Far Cry 5“ seine spielerische Freiheit zugute: Nach der bockschweren Eröffnungssequenz kann man sich in der Spielwelt direkt frei bewegen. Es gibt im Grunde drei verschiedene Areale in der Spielwelt, die unterschiedlichen Familienmitgliedern unterstehen. Wo man zuerst für Unruhe sorgt, bleibt einem selbst überlassen. Auch auf welchen Wegen man die Seed-Familie sabotiert, kann man sich aussuchen: Außenposten erobern, Konvois sprengen, Geiseln befreien, Silos demontieren… Durch all diese Aktionen erntet man Punkte und kommt quasi näher und näher an den Anführer heran, dessen Zorn sich steigert.

Klar, kauft man sich währenddessen bessere Waffen, wertet über Perks seinen Charakter auf und sichert sich nach und nach mehr Einfluss. Mir gefällt dabei eben besonders, dass man Orte nun selbst unverhofft in der Pampa entdecken kann und die Spielwelt deutlich vielseitiger und facettenreicher wirkt. Eigentlich ist jeder neu aufgestöberte Ort interessant und beinhaltet auch etwas lohnenswertes. Dadurch kommt es auch schnell zum typischen Kreislauf „Ach, nur noch da einmal nachschauen, was das für ein interessantes Gebäude am Horizont ist…“ – und schon will man wieder einen Außenposten erobern, entdeckt einen Charakter mit neuen Nebenaufgaben oder sucht nach einem Lager mit Waffen und Vorräten.

Mir gefällt auch gut, dass „Far Cry 5“ auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad tatsächlich herausfordernd ist – denn die meisten Games empfinde ich persönlich mittlerweile als zu leicht. Unfaire Abschnitte, wie leider bei diesem Titel die Eröffnungssequenz mit einer Rail-Shooter-Einlage im Auto, nerven mich auch. Aber ich finde ein wenig Challenge sollte eben dabei sein, damit es sich auch lohnt taktisch bzw. mit Finesse zu spielen und die Erfolgserlebnisse Gewicht haben. Das gelingt „Far Cry 5“ wirklich gut.

Technisch ist das Spiel an der Xbox One X, die ich mittlerweile für solche Multiplattformtitel nutze, ein echter Kracher. So handelt es sich hier um eine native 4K-Präsentation, welche weitgehend der PC-Version mit hohen Einstellungen und eben 30 fps entspricht. Das finde ich für eine Konsole mehr als beeindruckend. Mit zugeschaltetem HDR zählt „Far Cry 5“ an 4K-Fernsehern jedenfalls ohne Frage zu den aktuell hübschesten Konsolentiteln. Zumal auch die Performance extrem stabil bleibt – selbst bei harten Feuergefechten. Kompliment an die Entwickler bei Ubisoft!

Sollter ihr jedenfalls Bock auf einen echt unterhaltsamen Open-World-Shooter haben, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, dann kann ich „Far Cry 5“ nach meinen bisherigen Eindrücken wärmstens empfehlen. Ubisoft hat das Gameplay zwar bei dieser Serie nicht so stark überarbeitet, wie bei „Assassin’s Creed: Origins“, das frische Setting und die vorhandenen Neuerungen sollten aber ausreichen um Veteranen bei der Stange zu halten und eventuell auch einige neue Fans zu gewinnen. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Ballereien – auch wenn mein Controller vielleicht bei ein paar weitern KI-Aussetzern meiner Begleiter Gefahr läuft noch gepflegt in der Ecke zu landen.

Gut, aber das zeigt auch, dass „Far Cry 5“ beim Zocken mitreißt. Habt ihr schon in das Game reingeschnuppert oder plant eine Runde? Ach, wer anders als ich auf Multiplayer steht: Mit „Far Cry Arcade“ steht hier ein mächtiger Baukasten bzw. Modus zur Verfügung, der sicherlich auch lange bei der Stange halten wird. Und auch im Koop lässt sich zocken – leider behält dann aber nur der Host den Spielefortschritt. Ihr seht also: „Far Cry 5“ bietet wirklich viel Spiel fürs Geld und zeigt, dass Ubisoft nach ziemlich langer Stagnation wieder den richtigen Weg eingeschlagen hat.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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15 Kommentare

  1. Ich kann es mir ja nicht verkneifen, bei der Überschrift das Video hier zu posten 😀

    https://youtu.be/G5uNrtuQ_8Q – Er wollte Ballern, joa hat er gegricht

  2. Mir gefällt FC5 eigentlich richtig gut. Spiele auch auf der XBOX One X.
    Das einzige was mich aktuell tierisch aufregt ist der Nacht-Bug. Den wird früher oder später jeder ereilen. Ich stecke jetzt seit über einer Woche darin fest und habe seit dem auch nicht mehr gespielt. Denn andauernd nur Nacht nervt. Gerade weil FC5 so klasse aussieht am Tage bzw. bei Sonnenaufgang/Untergang. Ubisoft bekommt es einfach nicht hin, diesen großen Bug zu fixen… stattdessen werden Live Events schon rein gepatcht anstatt das zu fixen. Im Ubisoft-Forum ist der Thread dazu mittlerweile 13 Seiten lang.
    Bei Reddit gibts einen Thread, bei Steam auch. Und Ubisoft? Patcht Live Events rein… wtf.

  3. Christian EM says:

    Ich spiele seit dem Launch und bin sehr zufrieden mit dem Spiel. Far Cry ist mir das Geld wirklich voll wert 🙂

  4. André Westphal says:

    Bisher bin ich vom Nacht-Bug zum Glück verschont geblieben – las heute auch drüber. Ansonsten ist für mich persönlich Teil 5 das bisher beste „Far Cry“ – Ubisoft überrascht aktuell positiv. Auch „Assassin’s Creed Origins“ fand ich halt schon klasse.

    • Ja, ansonsten tolles Spiel und klasse Setting. Mir gefällt das Montana richtig gut. Die könnten ruhig auch den Multiplayer Kram entfernen und dafür mehr Singleplayer/Coop Inhalte bringen. Für Multiplayer gibts genug andere Spiele, die speziell darauf ausgelegt sind. Und das ist gut so. Bei FC brauche ich das nicht (persönliche Meinung). 🙂
      Assassins Creed Origins ist auch genial geworden.
      Im Sommer kommt dann noch The Crew 2.
      Freue mich da auch schon drauf. Hoffentlich aber ohne Nacht-Bug…

  5. Das verbuggteste Stück Software was ich in den letzten Jabren gespielt habe. Eine absolute Frechheit wasUbisoft hier geliefert hat. Über den ArcadeModus schreib ich lieber erst gar nichts. So produziert man 0815 Einheitsbrei für die Massenzombies.

    • André Westphal says:

      Auf welcher Plattform spielst du denn? Ich spiele wie gesagt an der Xbox One X und muss sagen, dass ich bisher erstaunlicherweise nicht einen Bug hatte – sieht man eben von den erwähnten KI-Patzern bei den Begleitern ab. Mir kommt „Far Cry 5“ deswegen für so einen großen Open-World-Titel ziemlich feingeschliffen vor. Oder ich habe bisher einfach nur Glück.

      • Ps4 Pro. Es gibt zig Missions Bugs. Missionen werden nicht korrekt fortgeführt oder gar nicht erst getriggert. Im Koop sind wir nach dem wir gestorben ständig irgendwo eingeschlossen gewesen und nicht mehr rausgekommen. Wirf mal ein Blick ins Ubisoft Forum wieviele Threads es dort gibt zu irgendwelchen Kaputten Spielständen, Missions Bugs etc.
        Allein im Technical Support Thread alleine 1600 Threads zu Bugs und Problemen.

        • André Westphal says:

          Hm, also ich hatte auch bei Missionen bisher null Probleme und habe auch schon relativ viel gespielt. Entweder ich habe eben einfach Glück bisher oder die Xbox-One-X-Variante ist bugfreier als die PS4-Version :-(.

          Dass es bei so einem großen Open-World-Game Bugs gibt, ist ja generell immer zu erwarten. Ich mag ja generell solche Games und bin da auch schon oft betroffen gewesen. Wie gesagt, deswegen kommt mit „Far Cry 5“ aber ziemlich sauber vor. Kann aber eben auch nur von meinen subjektiven Erfahrungen berichten.

  6. FarCry5 spielt man ja auch am PC und nicht an der Konsole. Ansonsten stimme ich weitgeweit zu, der Strunzdoofe den man mit dem Heli retten muß hat mich auch einige Nerven gekostet.

  7. AliceMcFly says:

    Super Artikel. Gefällt mir sehr gut und spiegelt meine Meinung genau wieder! 🙂

    • André Westphal says:

      Vielen Dank, das freut mich natürlich – vermutlich schreibe ich nächste Woche auch was zum neuen „God of War“ – aktuell gibt es ja reichlich Kracher :-D.

  8. Ich warte noch etwas bis weitere Fehler behoben werden und die Preise fallen, als großer Fan schlage ich dann natürlich auch noch zu 🙂

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