Facebook: Neue, schwere Vorwürfe über das Teilen von Daten

Facebook hatte ein schlechtes Jahr. Das Netzwerk fällt eigentlich nur noch durch Datenschutzpannen auf. Und bereits letzte Woche wurde bekannt, dass man ausgesuchten Partnern wohl Zugriff auf bestimmte Daten der Nutzer gegeben haben soll. Laut der New York Times soll das Problem aber ein größeres sein.

Die Times ist an interne Dokumente gelangt, die angeblich zeigen sollen, was genau abging – und wenn das stimmen würde, wäre dies unglaublich. So wird behauptet, dass Spotify, Netflix und die Royal Bank of Canada Zugang zu privaten Nachrichten hatten, zudem konnte man sehen, wer an welchem Nachrichten-Thread teilnahm.

Und auch Apple soll besonderen Zugriff auf Telefonnummern und Kalendereinträge gehabt haben, obwohl man aussagte, dass man diesen Zugriff nicht habe. Sprecher der Unternehmen haben sich bereits geäußert. Laut einem Netflix-Sprecher: „Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit gebeten, dies zu tun“. Spotify hat gesagt, dass es von diesem Zugang nichts wusste, und die Royal Bank of Canada hat bestritten, dass sie einen solchen Zugang hatte.

Microsoft hatte Zugriff auf die Namen der Freunde von Facebook-Benutzern und erstellte anscheinend Profile von Facebook-Benutzern auf seinen eigenen Servern, während Sony und Amazon die E-Mail-Adressen der Freunde eines Benutzers erfassen konnten.

Auch die New York Times selbst wird mit einer App gelistet, die 2011 eingestellt wurde, hier war weiterhin die Möglichkeit vorhanden, auf Freundeslisten zuzugreifen.

Und natürlich hat sich Facebook bereits zu diesen ungeheuerlichen Vorwürfen geäußert. Man relativiert, aber das überrascht wahrscheinlich keinen mehr.

Erstens konnten die Nutzer auf ihre Facebook-Konten oder bestimmte Facebook-Funktionen auf Geräten und Plattformen zugreifen, die von anderen Unternehmen wie Apple, Amazon, Blackberry und Yahoo entwickelt wurden. Diese werden als Integrationspartner bezeichnet. Zweitens konnten die Menschen mehr soziale Erfahrungen machen – wie Empfehlungen ihrer Facebook-Freunde – in / auf anderen beliebten Apps und Websites wie Netflix, The New York Times, Pandora und Spotify. Keine dieser Partnerschaften oder Funktionen gab Unternehmen ohne die Zustimmung von Nutzern Zugang zu Informationen, noch verstießen sie gegen Facebooks Vergleich mit der FTC aus dem Jahr 2012.

Die Menschen nutzten diese Funktionen auf viele verschiedene Arten, auch durch:

Apps, die es Personen ermöglichten, auf ihr Facebook-Konto auf ihrem Windows Phone Gerät
zuzugreifen.

Benachrichtigungen über ihre Aktivitäten auf Facebook, die sie während der Nutzung von Safari oder anderen Browsern aktivieren konnten.

„Social Hubs“, die ihre Feeds über Facebook, Twitter und andere Dienste konsolidieren.

Messaging-Integrationen, die es den Leuten ermöglichten, Dinge wie Songs von Spotify an Freunde weiterzuempfehlen.

Suchergebnisse in Bing und anderswo basierend auf öffentlichen Informationen, die ihre Freunde mit anderen geteilt haben.

Tools, die ihnen halfen, Freunde auf Facebook zu finden, indem sie ihre Kontakte von E-Mail-Anbietern wie Yahoo hochladen.

Facebook war im Laufe der Jahre öffentlich über diese Funktionen und Partnerschaften informiert, weil man wollte, dass die Menschen diese tatsächlich nutzen – und viele Menschen taten es. Sie wurden von einer Vielzahl von Journalisten und Datenschutzbeauftragten diskutiert, überprüft und geprüft.

Aber die meisten dieser Funktionen sind jetzt weg, so Facebook. Man habe die sofortige Personalisierung, die die Funktionen von Bing unterstützte, 2014 eingestellt und die Partnerschaften mit Geräte- und Plattformunternehmen vor Monaten nach einer Ankündigung im April beendet.

Dennoch sei man sich bewusst, dass man ein strafferes Management dafür benötige, wie Partner und Entwickler via der APIs auf Informationen zugreifen können. Man sei bereits dabei, alle APIs und die Partner, die auf sie zugreifen können, zu überprüfen.

Auch zu den Nachrichten-Zugriffen hat man eine Info parat:

Haben Partner Zugang zu Nachrichten erhalten?
Ja, aber die Leute mussten sich zuerst explizit bei Facebook anmelden, um die Messaging-Funktion eines Partners zu nutzen. Nehmen wir zum Beispiel Spotify. Nachdem du dich in der Desktop-App von Spotify bei deinem Facebook-Konto angemeldet hast, kannst du dann Nachrichten senden und empfangen, ohne die App jemals zu verlassen. Unsere API ermöglichte den Partnern den Zugriff auf die Nachrichten der Person, um diese Art von Funktionen zu nutzen.

Bedeutet also, dass man die Schnittstellen für Partner freigab, damit Funktionen von Facebook auch außerhalb von Facebook genutzt werden konnten. Mal schauen, ob diese neuen Vorwürfe und Informationen zu weiterem Vorgehen gegenüber Facebook führen und ob ein Umdenken der Nutzer einsetzt. Ich empfehle unabhängig mal einen Blick in die verbundenen Apps und da sollte man alles rauswerfen, was man nicht braucht.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Das könnte dir auch gefallen…

Mit dem Absenden eines Kommentars willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

22 Kommentare

  1. Ich habe keine Lust mehr auf den Verein…
    Passiert da endlich mal etwas vom Gesetzgeber?

  2. Mal gut, dass ich Facebook das letze Jahr nicht wirklich mehr genutzt und meinen Account vor ein paar Monaten gelöscht habe. Man man man was da alles hochkommt in den letzten Monaten, Wahnsinn…

    • Jo, ist echt nicht mehr schön.
      Meinst du wirklich, dass deine Daten gelöscht wurden?

      Ich gehe jede Wette ein, dass die Daten niemals gelöscht werden.

      Und den Account löschen hat ein großen Nachteil. Jemand kann deine Identität übernehmen und es soll ja im Frühjahr ne Einstellung bei FB geben, dass man die Verfolgungsdaten von Cookies löschen kann.
      Das geht auch nur mit Account…

      • So steht es da zumindest. Wissen tue ich das natürlich nicht 100%, weil ich keinen Einblick auf die Server habe. Da hast du mich aber gerade darauf gebracht, mich mal bei dem Datenschutzbeauftragen mal zu informieren.

        Alle Facebookfreunde von mir wissen Bescheid, dass ich mich gelöscht habe und NIE wieder kommen werden.

      • Meinst du nicht es ist ein gutes Zeichen sein Account zu löschen. Wenn Facebook immer mehr Nutzer verliert hat das Signalwirkung.

  3. Christian EM says:

    Und wieder: täglich grüßt das Murmeltier ^^

  4. Verstehe ich das richtig? Platform Apps, denen man Zugriff auf Nutzerdaten erlaubt hat hatten Zugriff auf Nutzerdaten? Ist das nicht… by design? 😀

    Der NYT Artikel dazu ist halt auch derart vage, es ist fast schon lustig.

    > Facebook […] gave Netflix and Spotify the ability to read Facebook users’ private messages.

    Was soll das heißen? Die Nachrichten aller Nutzer? Also so um die 2.2 Mrd Nutzer betroffen? Das wichtigste ausgelassen.

    Presse lebt halt auch immer ein bisschen von Panik. 😀

  5. Die Hardcore FB’ler werden auch diese Kröte schlucken weil sie inzwischen wie Drogenabhängige von FB abhängen. Da kann eine Schlechte News die Nächste jagen, Wem nicht zu raten dem nicht zu helfen. Sollen sich die FB’ler halt ausspionieren lassen. Sollte später mal einer kommen und heulen, dann gibts eins auf den Deckel 😉

  6. Schon erstaunlich was sich der Laden alles erlauben kann, ohne dass gegen die Verantwortlichen nach solchen Aktionen mal Freiheitsstrafen ausgesprochen werden.

    • Bei allem Respekt, in diesem Kontext Freiheitsstrafen ins Spiel zu bringen, ist m.E. schon recht überzogen.

      • Wir führen hier eine offene Diskussion, Du darfst gerne anderer Meinung sein. Aber in meinen Augen ist das das offenlegen privater/vertraulicher und nicht öffentlicher Kommunikation in diesem Stil an externe Firmen gleichzusetzen mit einer massiven Verletzung des Briefgeheimnisses.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung. Mit dem Absenden willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.