Facebook führt persönliche Fundraiser ein (vorerst nur USA)

Facebook führt in den USA nun digitale Betteleien persönliche Fundraiser ein. Im Grunde kann dann jede Person, die mindestens 18 Jahre alt ist, für einen selbst gewählten Zweck Spenden einsammeln. Die Beta beginnt in den USA innerhalb der nächsten Wochen. Langfristig dürfte das Feature, sollte in den Vereinigten Staaten alles glattgehen, natürlich auch Deutschland erreichen. Ich persönlich sehe die Funktion allerdings extrem kritisch.

So gibt es viele gute Zwecke, für die man spenden könnte. Was ihr für sinnvoll haltet und was nicht, das entscheidet ihr natürlich selbst. Wichtig ist, dass man sich eine seriöse Organisation herauspickt, bei der die Gelder nicht am Ende größtenteils in der Verwaltung versumpfen, sondern wirklich dort ankommen, wo sie benötigt werden: Seien es nun Menschen oder Tiere in Not oder auch ein Projekt, das vielleicht in einer armen Region dringend benötigte Infrastrukturen verbessert.

Klar, auch „kleinere“ Anliegen können es wert sein, sie zu unterstützen. Gerade Facebooks Beispiele für die persönlichen Fundraiser finde ich aber eher misslungen – auch wenn man natürlich nicht aufwiegen sollte. So wird es ansonsten philosophisch, wenn wir uns darüber streiten, ob Facebooks Beispiel einer Operation für einen Hund finanzierenswert ist, wenn man das Geld auch für traumatisierte und hungernde Kinder spenden könnte. Da will ich mich hier aber gar nicht aus dem Fenster lehnen. Grundsätzlich sind derartige, persönliche Fundraiser für mich persönlich aber eben eine schwierige Sache.

Schaut euch Kickstarter an – dort findet ihr auch Jugendliche, die Geld für unausgegorene YouTube-Kanäle erbetteln wollen oder einfach nur keine Lust haben auf eine neue Grafikkarte zu sparen und hoffen irgendjemand werde schon ein paar Taler zusteuern. Ich bin gespannt, ob über die persönlichen Fundraiser dann auch bald eine derartige Flut von, nun ja ich sage mal „banaler“ Projekte, droht. Facebook scheint sich dieser Gefahr zumindest bewusst zu sein und will sechs spezifische Kategorien für persönliche Fundraiser vorgeben bzw. die Projekte zunächst nur nach manuellen Prüfungen freischalten.

Später soll es mehr Kategorien geben und der Überprüfungsprozess soll automatisiert werden. Ob sich Leute trotzdem „durchschummeln“, muss man dann abwarten. Es besteht eben auch die Gefahr des Betrugs: Jemand, der vermeintlich für die arme, kranke Oma sammelt, die einen neuen Gehwagen benötigt, um wieder an die Sonne zu gehen, verjubelt das eingeworbene Geld womöglich beim nächsten Kneipenabend mit den Kumpels. Ich denke nicht, dass Facebook überprüfen kann / wird, wofür das eingesammelte Geld am Ende tatsächlich genutzt wird. Die Missbrauchsgefahr ist aus meiner Sicht somit riesig.

Die ersten sechs Kategorien für persönliche Fundraiser sind: Erziehung, Medizin, Medizin (Tiere), Krisenhilfe (z. B. bei Naturkatrastrophen), Persönlicher Notfall (z. B. Einbruch), Beerdigung / Trauer. Erklärt sich alles im Grunde von selbst.

Zusätzlich erleichtert Facbeook den Pages das Sammeln von Spenden für Nonprofit-Zwecke. So können verifizierte Pages nun in ihre Live-Übertragungen einen Button für Spenden integrieren. Dadurch können Zuschauer quasi direkt während des Livestreams ohne Umschweife spenden. Das sehe ich dann auch deutlich weniger kritisch, als die persönlichen Fundraiser.

Wie schon erwähnt, geht das alles erstmal nur in den USA an den Start. Wann die Neuerungen Deutschland erreichen, ist noch offen.

(via Facebook)

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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5 Kommentare

  1. Ist doch jedem seine eigene Angelegenheit, ob er für irgendeinen Unbekannten und dessen (scheinbares) Anliegen was spenden will.
    Besser für die Operation eines Hundes als was an diese rumänischen Bettelbanden in den Fußgängerzonen zu geben…..

  2. Man darf also nur Geld für etwas ausgeben, wenn es nichts „finanzierenswerteres“ gibt? Nach der Logik dürfte man sich dann ja nur Wasser & Brot kaufen und den Rest spenden, machst du das auch so? 😉

  3. André Westphal says:

    Schreibe doch exakt das: Dass das eben ein sehr komplexes Thema ist, das man zum einen nicht auf zwei Sätze runterbrechen kann und das sehr subjektiv ist. Flaches Beispiel: Viele Menschen werden vermutlich Spenden für Missbrauchsopfer für bedeutsamer halten als für die Fuss-Op eines Hamsters.

    Aber wo da jeder seine Schwerpunkte setzt / Grenzen zieht ist eben auch hochsubjektiv. Da wird es viele Kontroverse Fälle geben, bei denen die Grenze zwischen „eigennütziger Bettelei“ Bd „gutem Zweck“ verwischt. Primär sehe ich aber die hohe Missbrauchsgefahr kritisch.

  4. Martin Schlatter says:

    Ich weiss schon auf was das hinausläuft: das die Ladies mit den halbnackt-Fotos geld sammeln für das nächste Foto.

  5. Weltraummann says:

    „Es besteht eben auch die Gefahr des Betrugs: Jemand, der vermeintlich für die arme, kranke Oma sammelt, die einen neuen Gehwagen benötigt, um wieder an die Sonne zu gehen, verjubelt das eingeworbene Geld womöglich beim nächsten Kneipenabend mit den Kumpels.“

    Genau das wird zu 90% passieren.
    Die naiven werden spenden, ich nicht.

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