Eternify nutzt Spotify API zur Unterstützung armer Künstler

Musikstreaming, die nicht mehr ganz so neue, aber auch noch nicht allzu verbreitete Art des Musikkonsums, wird nicht erst seit der Ankündigung von Apple Music heißt diskutiert, wenn es um die faire Bezahlung der Künstler geht. Gerade kleine Künstler fühlen sich benachteiligt, da sie nicht ausreichend entlohnt werden. Logisch, der Kunde zahlt im besten Fall 10 Euro pro Monat, da bleibt pro Stream nicht viel übrig, da ist es egal, ob der Anbieter Spotify, Deezer, Google oder sonstwie heißt.

Eternify

Folglich erhalten weniger populäre Künstler auch weniger Geld, ist ja bei CD-Verkäufen nicht anders. Eine Band, die ebenfalls behauptet, dass Streaming für Künstler nichts wert sei, hat zusammen mit ihrem neuen Album auch eine Web-App hervorgebracht, mit der man Künstler unterstützen kann – oder Spotify in den Ruin treibt. Die Web-App „Eternify“ lässt einen beliebigen Künstler auswählen, von diesem werden dann 30 Sekunden eines Titels abgespielt, in Dauerschleife.

Alle 30 Sekunden – so lange muss gehört werden, um bei Spotify als gestreamter Titel entlohnt zu werden – wandern dann ca. 0,05 Cent auf das Konto des Künstlers. Möglich ist diese Vorgehensweise über eine Spotify-Schnittstelle, ob der Dienst allerdings mit den Spotify Nutzungsbedingungen für die Nutzung der API vereinbar ist, will Spotify laut BBC prüfen.

Auf der Webseite, die ich bewusst nicht verlinke (Google ist da Euer Freund), wird während des Abspielens auch der geschätzte Betrag gezeigt, den man dem Künstler via Spotify zukommen lässt. In meinem Fall haben Robin Schulz & Alligatoah nun also 14 Cent verdient. 14 Cent, die Spotify bezahlen muss, egal, ob ich den Dienst nutze oder nicht, egal ob ich Premium-Nutzer bin oder das erste Mal von Spotify gehört habe. Spotify verdient an mir in diesem Moment gar nichts, weder durch Werbung, noch durch ein Premium-Abo.

Mag sein, dass mit Eternify dem ein oder anderen Künstler geholfen werden kann. Wird so ein Tool aber im großen Stil genutzt, muss Spotify im Zweifelsfall Geld an den Künstler zahlen, das nie verdient wird. Viel schlimmer noch, Spotify muss für das Abspielen von Songs bezahlen, die der Nutzer vielleicht nicht einmal hört. Das geht dann so lange gut, bis ein Streamingdienst dann pleite ist. Ich glaube zwar nicht, dass dies durch Eternify passieren wird, theoretisch möglich ist es aber.

Vielleicht sollten sich die kleinen Künstler, die sich durch Streaming benachteiligt fühlen, auch einfach einmal überlegen, ob ihre Musik nicht mehr wert ist (im kommerziellen Sinn). Auf so eine Weise einen Streaming-Anbieter auszunutzen ist jedenfalls ein ziemlich arschiger Zug und sorgt garantiert nicht dafür, dass sich etwas bessert. Es ist ja nicht so, dass dadurch die großen Künstler weniger bekommen, oder die vorhandenen Mittel anders aufgeteilt werden.

Wer einen „Nischenmusiker“ mag, kann ihn auch auf andere Weise unterstützen, zum Beispiel durch Kauf von Konzerttickets oder Merchandise. Oder man kauft eben ganz oldschool eine CD, auch das ist heute noch möglich. Den Streamingdiensten allerdings die Schuld zu geben, dass man von ihnen nicht leben kann, ist ein äußerst bescheuerter Ansatz. Letztendlich hat sich ein Künstler oder sein Label ja dafür entschieden, seine Werke auch auf dieser Plattform anzubieten.

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

13 Kommentare

  1. Taylor Swift gibt jetzt doch bei Apple Music ihr Album „1989“ frei.

  2. In diesem Satz passt irgendetwas wohl nicht so ganz 😉

    „Möglich ist diese Vorgehensweise über eine Spotify-Schnittstelle, ob es allerdings den Spotify Nutzungsbedingungen für die Nutzung der API ist, will Spotify laut BBC prüfen.“

  3. Die Rechnung ist doch ganz einfach: Die Streaming-Dienste verlangen 10 Euro im Monat. Aufs Jahr gerechnet sind 120 Euro mehr, als der durchschnittliche Deutsche bisher für CDs, Musikdownloads und Co. ausgibt. Zudem behalten die Künstler (Verlage, etc. mit eingerechnet) von jedem Euro knapp 70 Cent beim Streaming mehr Geld ein, als sie beim CD-Verkauf erzielen können, da es bei der CD wesentlich längere Verwertungsketten gibt. Dort muss das Presswerk bezahlt werden, Händler und Zwischenhändler wollen mitverdienen.

    Dagegen ist Streaming eigentlich die demokratische Lösung: Wer am meisten gehört wird, bekommt auch das meiste Geld. Künstler, deren Titel üblicherweise im CD-Regal verstauben, aber dennoch vielleicht aus Statusgründen gekauft wurden, leiden natürlich am meisten unter dieser Regelung. Künstler aber, deren Songs immer und immer wieder gehört werden, profitieren besonders davon, da sie langfristig mehr als die 99 Cent bekommen, die sie beim klassischen Download erzielen würden. Das ist wiederum auch das Hauptproblem. Bei der CD bekommt der Künstler sofort das ganze Geld, wenn er gerade ganz oben in den Charts ist. Wird das Album nicht mehr gekauft, aber noch gehört, gibt es dagegen gar nichts mehr. Beim Streaming verhält sich das genau anders herum. Erst nach und nach kommt das Geld rein, nicht erst, wenn das Album gerade veröffentlicht wurde. Das ist vermutlich auch der Grund, warum so viele Künstler über Streaming meckern. Auch wenn der Song dauernd im Radio gespielt wird, ist die Million nicht sofort auf dem Konto, sondern wird erst über das Jahr hinaus verdient. Im Endeffekt verdienen die (beliebten) Künstler aber mehr, wenn die Menschen auf Streaming umsteigen.

  4. Sascha Ostermaier says:

    @Daniel: Deine Rechnung hat insofern einen Haken, dass die Künstler pro Stream bezahlt werden, nicht anteilig an den Gesamtstreams. Es ist also nicht so, dass 7 Euro auf x-beliebig viele Streams verteilt werden, sondern der Streaming-Anbieter pro Stream zahlt. Wenn das dann auf mehr als 7 Euro hinausläuft, legt der Anbieter drauf. Bei Spotify scheint diese Kalkulation ja nicht aufzugehen, sonst wären es ja keine knapp 200 Millionen Dollar Verlust bei 1,3 Milliarden Dollar Umsatz. Klar, da spielen noch andere Faktoren mit rein, Mitarbeiter, Marketing, Infrastruktur, aber dennoch.

    @Tobi: Danke. Sollte nun passen.

  5. Aus meiner Sicht gibt es einen großen Fehler im Abrechnungsmodell: aktuell ist es meinem Kenntnisstand so, dass alle Einnahmen zusammen genommen werden und davon gehen 70% an Labels usw. Der Anteil wird jedoch auf Basis der globalen Plays berechnet.

    Aus meiner Sicht sollte es pro Account gerechnet werden. Daher wenn ich mit meinem Account ausschließlich einen Label/Künstler höre, dann sollte dieser auch alle 70% von dem was ich bezahle erhalten.

    Das wäre für die „kleinen“ Labels und Künstler um ein vielfaches fairer und insgesamt realistischer. Wenn ich eine CD kaufe ist es ja auch so.

  6. @Sasha:
    Das stimmt so nicht mit dem Pay-Per-Stream. Spotify selbst erklärt es so:

    http://www.spotifyartists.com/site/wp-content/uploads/2013/09/Spotify-Royalty-Formula.png

  7. @Sascha: Soweit ich weiß wird das so berechnet, wie es Andreas beschrieben hat. Deshalb sind die Einnahmen pro gespielten Song so variabel. Wenn der Preis pro Stream festgelegt wird, entstehen nämlich solche Risiken, dass die Nutzer „zu viel“ streamen könnten. Scheint aber insgesamt ein relativ komplizierter Schlüssel zu sein, wie es Spotify beschreibt: http://www.spotifyartists.com/spotify-explained/#wait-i-thought-spotify-paid-a-per-stream-rate

    Es sind aber am Ende immer 70%.

  8. @Andreas: Wenn Hörer von Indie-Artists genauso viel streamen wie Hörer von Mainstream-Musik, ist doch alles in Butter. Ich denke aber, dass das Modell eher die Indie-Artists bevorzugt. Denn so weit ich es einschätzen kann, denke ich, dass unter den Spotify-Nutzern, die abseits vom Mainstream hören, viel mehr sind, die man als Vielnutzer bezeichnen kann, als umgekehrt. Und wenn das stimmen sollte, führt dann sogar zu einer Umverteilung hin zu den Indie-Artists.

  9. Das Problem ist nich die geringe Zahlung, sondern dass die Plattenindustrie im Interesse der Künstler durch Klagen gegen illegale Downloader verpasst hat, Werte für Musik und Verantwortung des Konsumenten zu vermitteln. Ich selber versuche jedes Album was ich dauerhaft höre via Google Music auch auf Vinyl zu besorgen (falls vorhanden). Ist es nich auf Vinyl zu haben ist es ein Kompromiss, wie Künstler an mir mitverdienen. Zudem hör ich die ganzen bereits gekauften Vinylalben ja eh via Streaming also verdienen die Künstler damit doppelt.

    Ich vergleiche Streaming also nich mit Plattenkäufen sondern eher mit Auftritten. Wenn man die Möglichkeit hat eine Band zum beliebigen Zeitpunkt live zu hören (rein hypothetisch) würde man dann sich das Album nur wegen des hörens kaufen?!? Nein – nur zum unterstützen des Künsters weil man Fan ist und was daheim von ihm rumfliegen haben will.

    PS: Sascha du hörst Alligatoah? Cool

  10. Wenn Eternify auch Werbung Einspielen würde dan würde es Spotify wohl weniger stören…

  11. Hat nur ein paar Tage gehalten: „Spotify has now put an end to this.“

  12. App ist offline. Gut so. Auf die Art wird ein funktionierendes Geschäftsmodell torpediert, und sowas ist widerlich.