E-Rezept verzögert sich weiter

Wir erinnern uns: Das E-Rezept sollte Anfang 2022 verpflichtend werden. Das Problem: In den Testregionen gab es Probleme und nur extrem wenige E-Rezepte wurden ausgestellt, 41 statt 1000. Schon Ende September wurde klar, dass sich der bundesweite Test verzögern wird.

Das Bundesgesundheitsministerium sagte nun die für den 1. Januar geplante verpflichtende Einführung des E-Rezepts ab, so APOTHEKE ADHOC unter Bezug auf ein Schreiben des Ministeriums an die Gesellschafter der Gematik.

Demnach werde es deutlich, dass „anders als oftmals von den Akteuren kommuniziert, die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen“, so Thomas Renner, Leiter der Unterabteilung „Digitalisierung und Innovation“ im BMG. Allerdings sei jene flächendeckende technische Verfügbarkeit gemäß § 360 Abs.1 Sozialgesetzbuch Grundvoraussetzung für die verpflichtende Einführung.

Der langen Rede kurzer Sinn: Es wird Anfang 2022 nicht verpflichtend, dass das E-Rezept zur Verfügung steht. Stattdessen werde der kontrollierte Test- und Pilotbetrieb schrittweise fortgesetzt und ausgeweitet. Hiermit wolle man die Rahmenbedingungen für die Einführung des E-Rezepts möglichst schnell schaffen und daraufhin nach einem noch festzusetzenden Verfahren den bundesweiten Rollout starten.

Wer zum ersten Mal vom E-Rezept hört:

Benötigt wird für das E-Rezept eine elektronische Gesundheitskarte mit Zugangsnummer und PIN. Jene wird zur Registrierung in der App verwendet, weshalb auch ein NFC-fähiges Smartphones mit mindestens  iOS 14 bzw. Android 6 notwendig ist. Seid ihr registriert, so könnt ihr Rezepte direkt vom Arzt in digitaler Form empfangen und jene auch in dieser Form direkt an eine Apotheke weitergeben. So könnt ihr Folgerezepte vom Arzt ohne einen weiteren Besuch im Quartal empfangen und Rezepte auch vor Abholung direkt zur Apotheke übermitteln. So ist es auch einfach möglich, die Verfügbarkeit eines Medikaments bei umliegenden Apotheken direkt zu prüfen.

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen: ein Rezept-Code, welchen die App anzeigt.  Jener enthält eine digitale, fälschungssichere Signatur. Verpflichtend wird das E-Rezept für Ärzte mit Kassenzulassung dann aber erst zum Jahreswechsel. Bis dahin sollen auch private Krankenversicherungen bereit sein für das digitale Rezept. In Papierform existiert das Rezept auch weiterhin, in Form eines Ausdrucks des Rezept-Codes. Für all jene, die auch weiterhin auf das „rosa Rezept“ in Papierform setzen wollen oder schlicht kein (kompatibles) Smartphone haben, bleibt auch nach wie vor eine analoge Variante, die wie folgt, ausschaut:

Das E-Rezept wird von der Arztpraxis ausgestellt und verschlüsselt auf einem zentralen Speicher abgelegt. Erhaltet ihr es in Papierform, dann könnt ihr es durch den Scan des QR-Codes auch einfach digitalisieren. Der Zugriff vom Patienten erfolgt per Smartphone, der Zugangsschlüssel kann zum Einlösen an eine Apotheke nach eigener Wahl übermittelt werden. So ist es auch weiterhin möglich, dass man das Rezept weitergibt und Angehörige es einlösen. Auch der Medikationsplan kann in elektronischer Form übermittelt und in der elektronischen Patientenakte aufbewahrt werden. Neben des Komforts steht wie gesagt auch die Fälschungssicherheit im Fokus. Zudem dürfte es einfacher sein, die Wechselwirkungen von zentral erfassten Medikamenten zu prüfen.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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14 Kommentare

  1. Ich wollte letztens für meine Versicherungskarte die PIN beantragen, darauf wurde mir mitgeteilt ich muss dafür persönlich im Service Center erscheinen. So kann man die Verbreitung auch im Keim ersticken. Man arbeitet zwar am VideoIdent und ich verstehe auch das Gesundheitsdaten höchst sensibel sind aber trotzdem … so nutzt das doch niemand freiwillig.

    Wie wäre ist mit der AusweisApp und dem nPA zur Identifikation?

    • Das hat meine Krankenkasse gut gelöst. Die Identifizierung erfolge über Nect und die unterstützen auch den nPA. Hat alles einwandfrei funktioniert.

      • Hab ich vergessen says:

        Aber auch das ist blöd. Ich habe diese Nect Ding auch mal durchmachen müssen.
        Richtiger wäre es, solche Krüppellösungen einzustampfen und es mit dem ePA gleich richtig zu machen.
        Genau so n mist ist das VideoIdent.
        Für was haben wir die Onlinefunktion im Personalausweis wenn man sie nirgendwo ernsthaft nutzen kann.

      • Bei mir hat es alles andere als einwandfrei funktioniert.
        Ich hab auf der Internetseite meiner Krankenkasse keine andere Möglichkeit als den Besuch einer Geschäftsstelle gefunden.
        Über die ePA-App wurde auch postident angeboten. Da könnte ich dann auch den nPA nutzen.
        Nächstes Problem: einen Umlaut im Namen. Bei der Kasse stand es von früher ausgeschrieben. Wurde geändert. Nur nicht in den Stammdaten für die ePA.
        Telefonieren musste ich ein paar Mal mit denen. Die Feinheiten waren auch für die Neuland.
        Nach Rücksprache wäre ein Besuch einer Filiale nötig. Später wurde mir mitgeteilt, dass es doch geht.
        Jetzt warte ich auf die PIN.
        Theorietisch alles kein Problem. Wenns nicht so kompliziert wäre und so Randfälle auftauchen.
        Ich bin gespannt wann das erste eRezept bei mir ankommt.

  2. Ewig angekündigt, immer wieder verschoben. Besser kann man IT-Kompetenz in Deutschland nicht beschreiben.

    • Wo ist dein Konzept für eine sichere und zukunftsfähige IT-Infrastrukur und dazugehörigen Apps, um E-Rezepte zu benutzen?

      • maschineding says:

        Was hat Björn damit zu tun?

        • Konstruktive Kritik ist immer ok, aber so pauschal die mangelnde IT-Kompetenz in Deutschland anpöbeln klingt eher nach jemandem, der davon selbst absolut keine Ahnung hat.

          • DragonHunter says:

            Ne, es ist eher eine trockene und traurige Feststellung, was im „Hochtechnologieland Deutschland“ genau nicht funktioniert: die Digitalisierung.
            Welches grössere IT-Projekt das von irgendeiner öffentlichen Stelle kam, hat denn schon pünktlich funktioniert?
            Die TI ist ein Graus, die eGK ne Todgeburt…
            De-Mail: Totgeburt…
            ePA: fast nicht sinnvoll nutzbar…
            Führerschein in der App: hat Andy Scheuer voll vermurkst…
            Digitalisierung der Bürgerdienste: äh ja, bald bestimmt…
            Smart Metering: schon vor der Geburt tot…
            LiMux: aus politischen Gründen getötet.
            zahlreiche Fälle von Ransomwares in Stadtverwaltungen und sogar schon Unis…
            Eine nicht voran schreitende Umstellung der PCs der Bundesverwaltung…
            Also bitte: WAS funktioniert da?

    • Hab ich vergessen says:

      Ich habe letztens bei YouTube ein Video gesehen, wo vorgestellt wurde, wie das in den USA funktioniert.
      Egal ob Rezepte, Steuern, „Behördengänge“ etc. fast alles geht Digital und Online.
      Nur das mit den Banken haben die noch nicht ganz im Griff. Papier Checks werden immer noch ausgestellt und per Post verschickt.
      Abgesehen davon, war ich total Überrascht. Deutschland ist wirklich nur normal peinlich, was das angeht.

    • Ich finde die Entscheidung die einzig richtige.
      Besser Probleme erkennen und den Plan anpassen als mit Vollgas gegen die Wand.
      Spahn wollte die Digitalisierung ohne wenn und aber durchdrücken. Nicht sehr weitsichtig.

  3. Nein! Doch! Oh! 😀

  4. GooglePayFan says:

    Oh, die Frau Dr. Mustermann wird doch wohl hoffentlich keine Acne inversa haben?

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