E-Books an Schulen: knapp die Hälfte der Lehrer würden sie im Unterricht verwenden

artikel_ebookDie Digitalisierung des Bildungsbereiches, in Deutschland nach wie vor ein Trauerspiel. Erlebe ich selbst tagtäglich an der rückständigen Schule meiner Tochter. Allerdings lässt es sich auch leicht über den Zustand motzen, denn was zu so einer Digitalisierung alles dazu gehört, lässt man gerne – auch ich – außer Acht. Der Branchenverband Bitkom hat nun eine Umfrage in Auftrag gegeben, die sich mit E-Books im Unterricht beschäftigt. Die Ergebnisse sind meiner Meinung nach sehr durchwachsen. Denn zwar können sich vier von zehn Lehrern vorstellen, elektronische Bücher im Unterricht einzusetzen, allerdings bevorzugt jeder siebte Lehrer „die sinnliche Wahrnehmung von Papier“.

Für Schüler klingt es ähnlich verlockend wie für die Eltern. Einen E-Book-Reader in den Schulranzen und schon ist man kiloweise Totholz los. Seit Jahren wird davor gewarnt, dass gerade die jüngsten Schüler viel zu schwere Schultaschen herumtragen müssen. Die leichteste Lösung wäre ein E-Book-Reader oder ein Tablet. Das würde nicht nur jede Menge Gewicht einsparen, sondern auch dafür sorgen, dass immer das passende Lehrmaterial mitgebracht wird.

Das ist aber alles gar nicht so einfach. Es müssten Geräte angeschafft werden, was erst einmal mit einem enormen finanziellen Aufwand für die Schulen verbunden ist. Und es müssten Inhalte her. So lange die Systeme in Schulen nicht eingesetzt werden, gibt es entsprechende Materialien auch nicht als E-Book, wobei dies sicher noch die geringste Hürde darstellt.

Lehrer sind E-Book-Readern generell nicht unbedingt abgeneigt, wie die von Bitkom Research durchgeführte Umfrage ergeben hat. Immerhin 43 Prozent der Befragten würden gerne E-Book als Lehrmaterial verwenden. Sie können dies auch begründen, besonders vorteilhaft sehen sie die Möglichkeit für Anmerkungen und Notizen sowie die Übersetzung fremdsprachlicher Wörter. Auch die Update-Möglichkeit der Inhalte wird von den meisten begrüßt, ebenso wie der einfache Bezug der Inhalte.

Während die Vorteile nur von den befragten Lehrern genannt wurden, die E-Books gegenüber positiv eingestellt sind, wurde die Frage nach Hemmnissen am Einsatz von allen Lehrern beantwortet. 73 Prozent dieser sind der Ansicht, dass die Lesegeräte leichter zu zerstören sind als gedruckte Bücher. Auch der Preis, sowohl für Geräte als auch für E-Books ist mehr als jedem zweiten Lehrer (51 und 53 Prozent) zu hoch. 44 Prozent der Befragten stören sich an den vielen verschiedenen E-Book-Formaten.

Ein Drittel der Lehrer bemängelt, dass nicht alle Lehrmaterialien als E-Book zur Verfügung stehe, während sich 29 Prozent nicht damit abfinden wollen, dass man ein E-Book nicht wie ein Buch aus Papier verleihen kann. Immerhin halten nur 19 Prozent der Befragten die Bedienung für zu kompliziert. Und dann waren da noch die eingangs erwähnten 13 Prozent, die der Meinung sind, dass Schüler und Lehrer die sinnliche Wahrnehmung von Papier schätzen.

Es sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus für E-Books im Klassenzimmer. Ein wichtiger Punkt ist ja, dass die Lehrer mitspielen. Diese kennen die Vorteile und würden auch E-Books einsetzen, befinden sich aber noch in der Minderheit. Das wird aber nicht mehr lange so sein, dann gilt es nur noch die anderen Hürden – wie die Finanzierung – zu überspringen und schon sind die Schulen bereit für ein zeitgemäßeres Auftreten.

(Quelle: Bitkom)

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Sascha Ostermaier

*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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29 Kommentare

  1. Ist das Konzept „Schule schafft zentral Tablets an, wartet diese und sperrt viele wichtige Funktionen“ nicht auch rückständig? Warum nicht BYOD?

    Das Problem ist halt häufig auch, dass EBooks häufig nur die Schulbücher als PDF o.ä. sind. Dadurch verschenkt man Miele Vorteile elektronischer Bücher wie bspw. Einbindung von Animationen, Videos oder Audiodateien.

  2. Klingt doch sehr positiv! Ein paar Hürden, die sich von der Branche ganz gut aus dem Weg schaffen lassen:
    – Die großen Verlage digitalisieren ihr Programm (33%)
    – … auf ein einheitliches Format – mit z.B. Tolino-Readern spielt das Format eh keine große Rolle (44%).
    – Zu teure eBooks kann durch die geltende Buchpreisbindung auch für eBooks eigentlich nicht sein (51%).

    Die Geräte sind teurer, dafür haben die Bücher keinen Verschleiß mehr. Wiegt sich nicht auf, schwächt aber ab.

    Interessant wird dann die Verteilung der Bücher auf die Geräte. Wenn die Bücher weiterhin der Schule gehören, müsste die Schule eine Art Online-Bibliothek betreiben, wo die Schüler die Bücher für ein Jahr ausleihen. Ähnlich der Onleihe, und die funktioniert für Tolinos schon. Oder ein Gerät wird als „5. Klasse“ markiert und holt sich die Bücher selbst. Wie gesagt, interessant 🙂

  3. Übersehen wird aber auch, dass es schon Lehrer gibt, die kein Problem mit e-books und Co im Klassenzimmer haben, bzw die paar Schulbücher, die es per App gibt auf Smartphones und Tablets mitbringen lassen.

  4. @DerJo83: Onleihe würde BYOD gleich mitbringen – solange das Gerät damit funktioniert, kann jeder wie er will. Funktioniert z.B. auch mit dem iPad.
    Bei interaktiven Inhalten gebe ich Dir Recht, das wäre optimal. Aber bis dahin sind noch einige mehr Hürden zu meistern (vor allem fehlende interaktive Inhalte). Und der reine schritt von analogen zu elektronischen Büchern sieht so leicht machbar aus, dann sollte man den zuerst gehen, und nicht gar nichts tun, weil man’s nicht auf Anhieb perfekt machen kann.

  5. BYOD klappt vielleicht an einem gutbürgerlichen Gymnasium, aber es gibt jede Menge Schulformen, bei denen die Eltern eben nicht Geld im Überfluss haben.

    Ich bin selbst Lehrer an einer kleinstädtischen Gesamtschule (kein Brennpunkt) und hier haben Eltern teilweise nicht genügend Geld um ihren Kindern das ermäßigte Mittagessen von 1,- € zu buchen / bezahlen.

  6. Zunächst einmal gilt es, in den Schulen die infrastrukturellen und personellen Voraussetzungen für Tablets zu schaffen.
    Reine E-Book Reader sind imho nicht sinnvoll, da sie in ihrem Einsatzzweck zu unflexibel sind. Also Tablets.
    Hierfür wird in den Schulen allerdings eine strukturierte Verkabelung und eine prof. angelegte WLAN Infrastruktur nötig sein. Im Vergleich zu diesen Kosten sind die Anschaffungskosten von Endgeräten oft Peanuts…

  7. @macundschule.de: E-Book-Reader sind flexibler (im Umgang, nicht physisch) als Bücher, also schon ein Fortschritt. Im Vergleich zu Tablets sind sie günstiger, teilweise praktischer (Akku) und brauchen deutlich weniger Infrastruktur. Warum nicht den ersten einfachen Schritt machen?

  8. Na dann – Viel Spaß mit einem Atlas auf einem Ebook-Reader.

  9. Ist es nicht so, dass finanziell schlecht gestellten Eltern heute schon die Bücher aus Papier (wenigstens teilweise) gesponsert werden? Für die Kohle bekomme ich dann aber auch einen brauchbaren Reader.

  10. In Hannover ist die Einführung von Tablets beschlossen. Behörden-typisch wurde dabei nicht auf den Preis geschaut: Es dürfen nur und ausschließlich iPads sein. Einen nachvollziehbaren Grund für die teuerste und inkompatibelste aller verfügbaren Lösungen gibt es nicht.
    In Nürnberg gibt es anscheinend schon Tablets in den Schulen.
    Bremerhaven zählt nicht gerade zu den reichsten Städten, ebenso dürfte das Durchschnittseinkommen sein. Das erschwert die Einführung natürlich zusätzlich.
    Bedenken von Lehrern und Eltern wird es immer geben, immerhin könnte man damit ins Internet gehen und das besteht – wie Du weisst – ausschließlich aus Sex, Killerspielen und Mobbing.

  11. Neu ist nicht besser.

    ebook-reader sind sehr wunderbar geeignet belletristik oder die eine oder andere moerderschmonzette zu lesen.

    Sie haben einige wesentliche nachteile gegenueber buechern.
    Man kann zum lernen und arbeiten nicht verschiedene seiten aus verschiedenen buechern aufgeschlagen haben.
    Man kann nicht schnell hin- und her blaettern.
    Der sichtbare teil ist gegenueber einem buch wesentlich kleiner – mehr wie ein bullauge, waehrend das klassische buch eher eine ganze wohzimmerfront ist.

    Wo – abgesehen von dem gewicht und dem hype – ist der vorteil?
    Ich sehe nur nachteile fuer die schueler.

  12. @Kai Blankenhorn: Weil die Teile nicht zur Umsetzung von Schulbüchern geeignet sind. Größe, kein Farbdisplay, keine Annotationsmöglichkeiten …

  13. @Sebastian
    Als Android-Fan der ersten Stunde leuchtet es mir duchaus ein, dass Hannover in den Schulen auf iPads setzt. Gerade die für mich deutlichen Vorteile von Android sehe ich auf offiziellen Schul-Tabs als Nachteil. Rooten geht in der Regel Ruckzuck, das Ding ist bis ins kleinste Detail anpassbar, veränderbar … Software aus inoffiziellen Quellen lässt sich spielend leicht installieren usw.
    Das wäre innerhalb kürzester Zeit ein Riesenspaß im Klassenzimmer. Gerade hier macht das geschlossene und abgeschottete System von Apple Sinn.

  14. Ein zweischneidiges Schwert. Der Vorteil ist sicher das geringe Gewicht und das der Schüler praktisch alle Schulbücher immer dabei hat. Allerdings sehe ich bei Lösungen mit Readern keinen sonst keinen Nutzen darin. Anders sieht es bei Lösungen mit Tablets aus – oder sähe es aus, wenn es mehr gut gemachte Apps für den Unterricht geben würde. Die weitaus meisten Apps in den Stores (egal ob Windows, Apple oder Google) sind doch reine Zeitverschwendung.

    Eine andere Sache ist die Finanzierung. Es ist ja nicht damit getan nur die Geräte anzuschaffen – die nötige Infrastruktur muss in den Schulen ja auch installiert werden. Verkabelung, WLAN und Server auf denen die Unterichtsmaterialien bereitliegen.

    All das kostet eine Menge Geld. Und dieses Geld müssten die Länder und Kommunen aufbringen. Denn wie wir alle wissen ist die Bildung Ländersache.

  15. Also um das nochmal zu verdeutlichen: ich bin (als Lehrer) nicht gegen E-Books. Nur eben nicht auf einem klassischen E-Book Reader.

  16. @Bernhard: s.o.
    zu den Inhalten: Es gibt inzwischen sehr wohl inhaltlich hervorragende Pass für den schulischen Bereich – zumindest bei Androide und iOS. Windows (App Store!) hinkt da doch aktuell sehr hinterher.

  17. Die Gegenargumente sind doch überwiegend unsinnig.
    – Keine Annotationen möglich … also meine Tochter darf in ihren Papierbüchern auch keine Annotationen machen, denn die werden ja mehrfach genutzt
    – Viel Spaß mit dem Weltatlas als Ebook … man muss ja nicht gleich das Papier vollständig abschaffen, der großformatige Atlas macht wohl auch in Zukunft Sinn. Aber bei vielen Büchern wäre es möglich, Hendrik
    – Kosten … wenn ich sehe was wir jedes Jahr für Bücher ausgehen bin ich mir sicher, dass sich ein Ebook-Reader in kurzer Zeit amortisieren würde
    – Kein Farbdisplay … in welchem Jahr leben Sie, Herr Lehrer MacUndSchule.de?

  18. Lieber Herr Nicht-Lehrer Peter Pan,
    Kosten: Die Verlage werden natürlich Ihre Schulbücher als E-Books verschenken, nicht wahr?!
    – Bitte zeigen Sie mir einen E-Ink Reader (der taugt, bezahlbar ist und in etwa Buchgröße besitzt). Ich gehe davon aus, dass wir hier von E-Ink E-Book Readern sprechen. Tablets aka Amazon Fire HD etc., die sich als solche ausgeben, bringen genau die gleichen infrastrukturellen Voraussetzungen mit sich wie -sie erraten es- Tablets, weil sie nichts anderes sind.
    Achso..2016..wie Sie denke ich.

  19. vergessen: meine natürlich einen E-Ink Reader mit Farbwiedergabe.

  20. @KSD: Die Stadt hat beispielsweise auch die Illusion, das gleiche Modell in den nächsten 10 Jahren anzuschaffen. Mein 5 Jahre altes Android-Tablet funktioniert noch problemlos, während ein iPad nach einem Jahr veraltet ist und dann schleichend keine Updates mehr bekommt. Rooten ist genauso einfach möglich wie bei Android. Dagegen fehlen so Kleinigkeiten wie App-Berechtigungen (Stichwort: Lernen des verantwortungsvollen Umgangs) und nicht zuletzt: Gute Android-Geräte gibt es schon für weit weniger Geld. Ich möchte nicht in der Haut der Lehrer stecken, die Eltern erklären müssen, dass sie für ihre drei Kinder zusätzlich zu den Schulbüchern (die als Ebooks natürlich ebenso Geld kosten wie in Print) noch schlappe 1200 Euros für iPads aufbringen sollen.

    Wie bei den meisten Neuerungen besteht die große Gefahr, dass einfach die eingetretenen Wege weiter genutzt werden – was nicht zum Gerät passt. Sinnvoller als reine Ebooks wären z.B. Schulbuch-Apps. Interaktive Erklärungen an Stelle gescannter Buchseiten, selbst-überprüfende Hausaufgaben, etc.

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