E-Books an Schulen: knapp die Hälfte der Lehrer würden sie im Unterricht verwenden

artikel_ebookDie Digitalisierung des Bildungsbereiches, in Deutschland nach wie vor ein Trauerspiel. Erlebe ich selbst tagtäglich an der rückständigen Schule meiner Tochter. Allerdings lässt es sich auch leicht über den Zustand motzen, denn was zu so einer Digitalisierung alles dazu gehört, lässt man gerne – auch ich – außer Acht. Der Branchenverband Bitkom hat nun eine Umfrage in Auftrag gegeben, die sich mit E-Books im Unterricht beschäftigt. Die Ergebnisse sind meiner Meinung nach sehr durchwachsen. Denn zwar können sich vier von zehn Lehrern vorstellen, elektronische Bücher im Unterricht einzusetzen, allerdings bevorzugt jeder siebte Lehrer „die sinnliche Wahrnehmung von Papier“.

Für Schüler klingt es ähnlich verlockend wie für die Eltern. Einen E-Book-Reader in den Schulranzen und schon ist man kiloweise Totholz los. Seit Jahren wird davor gewarnt, dass gerade die jüngsten Schüler viel zu schwere Schultaschen herumtragen müssen. Die leichteste Lösung wäre ein E-Book-Reader oder ein Tablet. Das würde nicht nur jede Menge Gewicht einsparen, sondern auch dafür sorgen, dass immer das passende Lehrmaterial mitgebracht wird.

Das ist aber alles gar nicht so einfach. Es müssten Geräte angeschafft werden, was erst einmal mit einem enormen finanziellen Aufwand für die Schulen verbunden ist. Und es müssten Inhalte her. So lange die Systeme in Schulen nicht eingesetzt werden, gibt es entsprechende Materialien auch nicht als E-Book, wobei dies sicher noch die geringste Hürde darstellt.

Lehrer sind E-Book-Readern generell nicht unbedingt abgeneigt, wie die von Bitkom Research durchgeführte Umfrage ergeben hat. Immerhin 43 Prozent der Befragten würden gerne E-Book als Lehrmaterial verwenden. Sie können dies auch begründen, besonders vorteilhaft sehen sie die Möglichkeit für Anmerkungen und Notizen sowie die Übersetzung fremdsprachlicher Wörter. Auch die Update-Möglichkeit der Inhalte wird von den meisten begrüßt, ebenso wie der einfache Bezug der Inhalte.

Während die Vorteile nur von den befragten Lehrern genannt wurden, die E-Books gegenüber positiv eingestellt sind, wurde die Frage nach Hemmnissen am Einsatz von allen Lehrern beantwortet. 73 Prozent dieser sind der Ansicht, dass die Lesegeräte leichter zu zerstören sind als gedruckte Bücher. Auch der Preis, sowohl für Geräte als auch für E-Books ist mehr als jedem zweiten Lehrer (51 und 53 Prozent) zu hoch. 44 Prozent der Befragten stören sich an den vielen verschiedenen E-Book-Formaten.

Ein Drittel der Lehrer bemängelt, dass nicht alle Lehrmaterialien als E-Book zur Verfügung stehe, während sich 29 Prozent nicht damit abfinden wollen, dass man ein E-Book nicht wie ein Buch aus Papier verleihen kann. Immerhin halten nur 19 Prozent der Befragten die Bedienung für zu kompliziert. Und dann waren da noch die eingangs erwähnten 13 Prozent, die der Meinung sind, dass Schüler und Lehrer die sinnliche Wahrnehmung von Papier schätzen.

Es sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus für E-Books im Klassenzimmer. Ein wichtiger Punkt ist ja, dass die Lehrer mitspielen. Diese kennen die Vorteile und würden auch E-Books einsetzen, befinden sich aber noch in der Minderheit. Das wird aber nicht mehr lange so sein, dann gilt es nur noch die anderen Hürden – wie die Finanzierung – zu überspringen und schon sind die Schulen bereit für ein zeitgemäßeres Auftreten.

(Quelle: Bitkom)

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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29 Kommentare

  1. Ist das Konzept „Schule schafft zentral Tablets an, wartet diese und sperrt viele wichtige Funktionen“ nicht auch rückständig? Warum nicht BYOD?

    Das Problem ist halt häufig auch, dass EBooks häufig nur die Schulbücher als PDF o.ä. sind. Dadurch verschenkt man Miele Vorteile elektronischer Bücher wie bspw. Einbindung von Animationen, Videos oder Audiodateien.

  2. Klingt doch sehr positiv! Ein paar Hürden, die sich von der Branche ganz gut aus dem Weg schaffen lassen:
    – Die großen Verlage digitalisieren ihr Programm (33%)
    – … auf ein einheitliches Format – mit z.B. Tolino-Readern spielt das Format eh keine große Rolle (44%).
    – Zu teure eBooks kann durch die geltende Buchpreisbindung auch für eBooks eigentlich nicht sein (51%).

    Die Geräte sind teurer, dafür haben die Bücher keinen Verschleiß mehr. Wiegt sich nicht auf, schwächt aber ab.

    Interessant wird dann die Verteilung der Bücher auf die Geräte. Wenn die Bücher weiterhin der Schule gehören, müsste die Schule eine Art Online-Bibliothek betreiben, wo die Schüler die Bücher für ein Jahr ausleihen. Ähnlich der Onleihe, und die funktioniert für Tolinos schon. Oder ein Gerät wird als „5. Klasse“ markiert und holt sich die Bücher selbst. Wie gesagt, interessant 🙂

  3. Übersehen wird aber auch, dass es schon Lehrer gibt, die kein Problem mit e-books und Co im Klassenzimmer haben, bzw die paar Schulbücher, die es per App gibt auf Smartphones und Tablets mitbringen lassen.

  4. @DerJo83: Onleihe würde BYOD gleich mitbringen – solange das Gerät damit funktioniert, kann jeder wie er will. Funktioniert z.B. auch mit dem iPad.
    Bei interaktiven Inhalten gebe ich Dir Recht, das wäre optimal. Aber bis dahin sind noch einige mehr Hürden zu meistern (vor allem fehlende interaktive Inhalte). Und der reine schritt von analogen zu elektronischen Büchern sieht so leicht machbar aus, dann sollte man den zuerst gehen, und nicht gar nichts tun, weil man’s nicht auf Anhieb perfekt machen kann.

  5. BYOD klappt vielleicht an einem gutbürgerlichen Gymnasium, aber es gibt jede Menge Schulformen, bei denen die Eltern eben nicht Geld im Überfluss haben.

    Ich bin selbst Lehrer an einer kleinstädtischen Gesamtschule (kein Brennpunkt) und hier haben Eltern teilweise nicht genügend Geld um ihren Kindern das ermäßigte Mittagessen von 1,- € zu buchen / bezahlen.

  6. Zunächst einmal gilt es, in den Schulen die infrastrukturellen und personellen Voraussetzungen für Tablets zu schaffen.
    Reine E-Book Reader sind imho nicht sinnvoll, da sie in ihrem Einsatzzweck zu unflexibel sind. Also Tablets.
    Hierfür wird in den Schulen allerdings eine strukturierte Verkabelung und eine prof. angelegte WLAN Infrastruktur nötig sein. Im Vergleich zu diesen Kosten sind die Anschaffungskosten von Endgeräten oft Peanuts…

  7. @macundschule.de: E-Book-Reader sind flexibler (im Umgang, nicht physisch) als Bücher, also schon ein Fortschritt. Im Vergleich zu Tablets sind sie günstiger, teilweise praktischer (Akku) und brauchen deutlich weniger Infrastruktur. Warum nicht den ersten einfachen Schritt machen?

  8. Na dann – Viel Spaß mit einem Atlas auf einem Ebook-Reader.

  9. Ist es nicht so, dass finanziell schlecht gestellten Eltern heute schon die Bücher aus Papier (wenigstens teilweise) gesponsert werden? Für die Kohle bekomme ich dann aber auch einen brauchbaren Reader.

  10. In Hannover ist die Einführung von Tablets beschlossen. Behörden-typisch wurde dabei nicht auf den Preis geschaut: Es dürfen nur und ausschließlich iPads sein. Einen nachvollziehbaren Grund für die teuerste und inkompatibelste aller verfügbaren Lösungen gibt es nicht.
    In Nürnberg gibt es anscheinend schon Tablets in den Schulen.
    Bremerhaven zählt nicht gerade zu den reichsten Städten, ebenso dürfte das Durchschnittseinkommen sein. Das erschwert die Einführung natürlich zusätzlich.
    Bedenken von Lehrern und Eltern wird es immer geben, immerhin könnte man damit ins Internet gehen und das besteht – wie Du weisst – ausschließlich aus Sex, Killerspielen und Mobbing.

  11. Neu ist nicht besser.

    ebook-reader sind sehr wunderbar geeignet belletristik oder die eine oder andere moerderschmonzette zu lesen.

    Sie haben einige wesentliche nachteile gegenueber buechern.
    Man kann zum lernen und arbeiten nicht verschiedene seiten aus verschiedenen buechern aufgeschlagen haben.
    Man kann nicht schnell hin- und her blaettern.
    Der sichtbare teil ist gegenueber einem buch wesentlich kleiner – mehr wie ein bullauge, waehrend das klassische buch eher eine ganze wohzimmerfront ist.

    Wo – abgesehen von dem gewicht und dem hype – ist der vorteil?
    Ich sehe nur nachteile fuer die schueler.

  12. @Kai Blankenhorn: Weil die Teile nicht zur Umsetzung von Schulbüchern geeignet sind. Größe, kein Farbdisplay, keine Annotationsmöglichkeiten …

  13. @Sebastian
    Als Android-Fan der ersten Stunde leuchtet es mir duchaus ein, dass Hannover in den Schulen auf iPads setzt. Gerade die für mich deutlichen Vorteile von Android sehe ich auf offiziellen Schul-Tabs als Nachteil. Rooten geht in der Regel Ruckzuck, das Ding ist bis ins kleinste Detail anpassbar, veränderbar … Software aus inoffiziellen Quellen lässt sich spielend leicht installieren usw.
    Das wäre innerhalb kürzester Zeit ein Riesenspaß im Klassenzimmer. Gerade hier macht das geschlossene und abgeschottete System von Apple Sinn.

  14. Ein zweischneidiges Schwert. Der Vorteil ist sicher das geringe Gewicht und das der Schüler praktisch alle Schulbücher immer dabei hat. Allerdings sehe ich bei Lösungen mit Readern keinen sonst keinen Nutzen darin. Anders sieht es bei Lösungen mit Tablets aus – oder sähe es aus, wenn es mehr gut gemachte Apps für den Unterricht geben würde. Die weitaus meisten Apps in den Stores (egal ob Windows, Apple oder Google) sind doch reine Zeitverschwendung.

    Eine andere Sache ist die Finanzierung. Es ist ja nicht damit getan nur die Geräte anzuschaffen – die nötige Infrastruktur muss in den Schulen ja auch installiert werden. Verkabelung, WLAN und Server auf denen die Unterichtsmaterialien bereitliegen.

    All das kostet eine Menge Geld. Und dieses Geld müssten die Länder und Kommunen aufbringen. Denn wie wir alle wissen ist die Bildung Ländersache.

  15. Also um das nochmal zu verdeutlichen: ich bin (als Lehrer) nicht gegen E-Books. Nur eben nicht auf einem klassischen E-Book Reader.

  16. @Bernhard: s.o.
    zu den Inhalten: Es gibt inzwischen sehr wohl inhaltlich hervorragende Pass für den schulischen Bereich – zumindest bei Androide und iOS. Windows (App Store!) hinkt da doch aktuell sehr hinterher.

  17. Die Gegenargumente sind doch überwiegend unsinnig.
    – Keine Annotationen möglich … also meine Tochter darf in ihren Papierbüchern auch keine Annotationen machen, denn die werden ja mehrfach genutzt
    – Viel Spaß mit dem Weltatlas als Ebook … man muss ja nicht gleich das Papier vollständig abschaffen, der großformatige Atlas macht wohl auch in Zukunft Sinn. Aber bei vielen Büchern wäre es möglich, Hendrik
    – Kosten … wenn ich sehe was wir jedes Jahr für Bücher ausgehen bin ich mir sicher, dass sich ein Ebook-Reader in kurzer Zeit amortisieren würde
    – Kein Farbdisplay … in welchem Jahr leben Sie, Herr Lehrer MacUndSchule.de?

  18. Lieber Herr Nicht-Lehrer Peter Pan,
    Kosten: Die Verlage werden natürlich Ihre Schulbücher als E-Books verschenken, nicht wahr?!
    – Bitte zeigen Sie mir einen E-Ink Reader (der taugt, bezahlbar ist und in etwa Buchgröße besitzt). Ich gehe davon aus, dass wir hier von E-Ink E-Book Readern sprechen. Tablets aka Amazon Fire HD etc., die sich als solche ausgeben, bringen genau die gleichen infrastrukturellen Voraussetzungen mit sich wie -sie erraten es- Tablets, weil sie nichts anderes sind.
    Achso..2016..wie Sie denke ich.

  19. vergessen: meine natürlich einen E-Ink Reader mit Farbwiedergabe.

  20. @KSD: Die Stadt hat beispielsweise auch die Illusion, das gleiche Modell in den nächsten 10 Jahren anzuschaffen. Mein 5 Jahre altes Android-Tablet funktioniert noch problemlos, während ein iPad nach einem Jahr veraltet ist und dann schleichend keine Updates mehr bekommt. Rooten ist genauso einfach möglich wie bei Android. Dagegen fehlen so Kleinigkeiten wie App-Berechtigungen (Stichwort: Lernen des verantwortungsvollen Umgangs) und nicht zuletzt: Gute Android-Geräte gibt es schon für weit weniger Geld. Ich möchte nicht in der Haut der Lehrer stecken, die Eltern erklären müssen, dass sie für ihre drei Kinder zusätzlich zu den Schulbüchern (die als Ebooks natürlich ebenso Geld kosten wie in Print) noch schlappe 1200 Euros für iPads aufbringen sollen.

    Wie bei den meisten Neuerungen besteht die große Gefahr, dass einfach die eingetretenen Wege weiter genutzt werden – was nicht zum Gerät passt. Sinnvoller als reine Ebooks wären z.B. Schulbuch-Apps. Interaktive Erklärungen an Stelle gescannter Buchseiten, selbst-überprüfende Hausaufgaben, etc.

  21. Das mit der Buchpreisbindung ist ein häufiger Irrtum.

    Die Bindung gilt pro Ausgabe. Will sagen: Gleiche ISBN-Nummer, gleiches Cover, gleiche Herstellung, muss dann überall gleich viel kosten.

    Wenn Du das Buch noch mal mit rosa Umschlag druckst, darfst Du es auch für den halben Preis in den Laden stellen.

    Preis des eBooks = Preis des Buches ist ja i.d.R. auch nicht der Fall.

  22. @jörg: leider ist die Differenz von E-Book zu gedrucktem Buch (Paperback) zumindest hier in D leider sehr oft marginal.

  23. Leider sieht das im universitären Bereich weniger optimistisch aus.
    Ich nutze in meinem wirtschaftswissenschaftlichem Studiengang ein Surface Pro-Modell von Microsoft, die Kindle-App dort in Verbindung mit dem Paperwhite, den ich für die übrige Zeit (zuhause, unterwegs,…) zum Lesen wissenschaftlicher Lektüre verwende. Die Geräte zeigen sich als ein hervorragendes Duo: unterschiedliche Markierungen, Anmerkungen, Nachschlagefunktion, die Synchronisation über alle Geräte hinweg und nicht zuletzt die häufig benötigte Stichwortsuche machen das Arbeiten erheblich effizienter und einfacher!

    ABER: Viele Dozenten lassen eine eBook-Zitation nicht zu! Das Zitieren ist aber Grundlage und unverzichtbares Handwerkszeug jeder wissenschaftlichen Arbeit. Andere Professoren erkennen die Vorteile, z. B. von einer wesentlich genaueren Angabe der Positionsnummer anstatt der Seitenzahl, welche variieren kann. Fachliteratur organisiere ich mir zu einem überwiegenden Großteil als digitale Variante an den Uni-Bibliotheken, seltenst als Totholzvariante. Leider sind diese häufig nur als PDF verfügbar, so dass die Kindle-Variante zwar nicht unmöglich wird, aber doch einiges an Komfort einbüsst. Aber auch hier gibt es für das Surface (bzw. hier für Windows) hilfreiche Applikationen, wie z.B. Drawboard, oder andere PDF-Anwendungen, die Notizen, Markierungen etc. erlauben.
    Wenn Deutschland führend bei der Hochschulbildung sein / bleiben will, dann muss hier eindeutig bereichs- und fachübergreifend offener in „neuen“ Technologien gedacht werden. (Kindle gibt es seit 2007 – eBook schon wesentlich länger)

  24. @PeterPan PostIt haftnotitzen gehen auch bei geliehenen Büchern, und dann gibt es immer noch Zettel die zwischen den Seiten liegen können. beides geht digital nicht

  25. iPads sind für den Unterricht und Schulen deutlich besser geeignet als irgendwelche Android-Tablets. Selbst wenn man mal von den teilweise dramatischen Sicherheitslücken bei Android absieht, ist das Angebot seitens der Verlage und diverser Softwareschmieden für die Schule unter iOS WESENTLICH besser als bei Android. Zudem sind sie deutlich einfacher zu administrieren und wesentlich einfacher zu handhaben.

  26. Ich bin bei digitalen Büchern für den Unterricht eher skeptisch. Ich habe selber ein iPad, und wollte es ursprünglich gerade auch zum Lesen von Publikationen verwenden, aber die Trägheit in der Bedienung (insbesondere Annotationen) und die Unfähigkeit, mehrere Publikationen/Seiten gleichzeitig in gut lesbarer Größe zu betrachten, hat dafür gesorgt, dass ich das iPad nur für diesen Zweck nutze, wenn ich gerade keinen Zugriff auf eine ausgedruckte Version habe.

    Früher habe ich auch schon mit nem Lernen von Vorlesungsfolien am Tablet experimentiert und auch hier haben die selben Effekte das Lernen mehrfach ineffizienter als mit einer ausgedruckten Version gemacht.

    Persönlich finde ich Tablets und eBook Reader als Medium zum lesen von Büchern nur dann geeignet, wenn der Inhalt der Bücher sich für ein streng lineares Lesen eignet. Für Belletristik einwandfrei, im Schulunterricht sehe ich aber nur einen Nutzen beim Lesen von Literatur für den Deutsch- und Fremdsprachunterricht. Dazu kommen natürlich interaktiv aufbereitete Inhalte, die mit Büchern gar nicht möglich wären.

    Ich kann mir Tablets daher gut als Ergänzung, aber nicht als Ersatz für Schulbücher vorstellen. Dafür aber werden sich nur schwer die Kosten rechtfertigen lassen – es würde den freien Zugang zur Grundbildung untergraben.

  27. FriedeFreudeEierkuchen says:

    ich lese täglich Zeitung auf dem Tablet, Bücher lese ich aber lieber auf einem e-Book-Reader.
    Für den Schulalltag sehe ich aus meiner Erfahrung mehrere Probleme.

    Zum einen wären das praktische Probleme:
    Wie Yu sehe ich ein Problem beim schnellen Blättern. Das wäre sicherlich über einfach erreichbare Lesezeichen, schnell zugängliche Inhaltsverzeichnisse, saubere Stichwort- Indizes etc verbesserungsfähig. Aus meiner Erfahrung sehe ich aber bei den wenigsten Verlagen das Engagement zu einer solchen sauberen Arbeit.
    Ein weiteres Problem sind die beschränkten Formate. Man bräuchte für einen vernünftigen Atlas sicherlich mindestens 12“, eher 14“ und größer. Schon mit einem 10“ wird es schwer, Inhalten ausreichend Raum zu geben (meine Erfahung aus der täglichen Zeitungslektüre).

    Obwohl ich bei meinem eBook-Reader einige Vorteile gegenüber Tablets sehe (kein spiegelndes Display, geringeres Gewicht, lange Akku-Laufzeit, größere Robustheit), sind die Geräte im Schulumfeld nach derzeitigem Technikstand nicht geeignet. Wer als Gestalter schon mal versucht hat, einen komplexen Inhalt in eine übersichtliche Grafik nur in Schwarz/Weiß zu packen, weiß dass ein e-Ink Display ungeeignet ist. Selbst die wenigen farbigen Displays auf dem Markt haben viel zu wenig Farbstufen, um eine differenzierte Gestaltung zu erlauben.

    Ein Schulbuch darf nicht im Unterricht ausfallen.
    Geht man davon aus, dass e-Ink Reader auf längere Sicht noch ungeeignet sind, kommt man zum nächsten Problem: Das Akku-Management. Aber wer stellt das sicher? Stromanschluss an jeder Schulbank ist in der Praxis weder erwünscht, noch ohne starke Einschränkungen für die Flexibilität des Klassenzimmers machbar.
    Wer stellt sicher, dass die Geräte immer einsetzbar sind, was passiert bei einem Absturz oder Ausfall im Unterricht?

    Ein viel größeres Problem sehe ich in den Kosten für die Geräte. Egal welchen Hersteller man nimmt, vernünftige 10“ Geräte kosten ab 200€ aufwärts. Nimmt man ein teures, leistungsstarkes Gerät, dann mag man bis zu 5 Jahre maximal damit arbeiten können (rein theoretisch und sehr optimistisch gesehen). Ein günstiges Gerät wird nach spätestens 3 Jahren, eher schon nach 2 Jahren nicht mehr ausreichen.
    Während Apple in der Regel bis zu 5 Jahre Updates liefert, stellen andere Hersteller (z.B. Samsung) den Software Support nach einem Jahr ein. Damit fallen die Geräte, unabhängig von ihrem physischen Zustand, entsprechend früh aus.

    Bei all dem sind noch nicht einmal Schäden berücksichtigt: Der eine oder andere mag ein ruhiges und gut strukturiertes Kind daheim haben. Wenn man sich umschaut und mit Lehrern unterhält, ist diese Spezies spätestens in der Pubertät äußerst rar. Die Geräte werden vergessen, unbedacht durch die Gegend geworfen, gehen bei Rangeleien kaputt oder werden aus der Schultasche geklaut etc. Mit einer hohen Ausfallsrate ist zu rechnen.

    Staatliche Stellen können aus prinzipiellen Erwägungen nicht alleine auf Apple Geräte setzen. Es entstünde ein Monopol, das sicherlich nicht zu einer Senkung der Preise beitragen würde. Apple hat gute Konzepte, aber sie sind nicht umsonst einer der reichsten Konzerne der Welt. Eine gleichwertige Hardware, mit größerem Reparaturnetz bekommt man bei anderen Herstellern für viel weniger Geld. Außerdem ist Apple äußerst schwach bei der Nachhaltigkeit. Fest verbaute Komponenten (z.B Akku, CPU, RAM) ,Hier würde staatliches Geld alleine dem Profitstreben eines Konzern dienen.
    Nimmt man dies alles zusammen, kommt man nur in den weiterführenden Schulen auf mindestens zwei Tablets pro Schüler und Schulzeit Dazu kommen die Kosten für eine deutlich aufwändigere IT, entsprechende Deputatsstunden, Schulungen etc.
    Man muss ein extrem großer Optimist sein, wenn man annimmt, dass unsere Schulen so viel mehr Etat bekommen. Oder sehr optimistisch bei der Einschätzung der Finanzkraft der breiten Masse der Eltern sein. Schule darf nicht finanziell schwache Schüler ausgrenzen.

    Ein e-Book kann kaum billiger sein, als ein gedrucktes Buch. Die Druck-, Lager und Transportkosten haben nur einen sehr geringen Anteil an den Erstellungs-Kosten. Vor allem bei Schulbüchern steckt ein hoher personeller Aufwand für redaktionelle Aufgaben dahinter.
    Auch das Lizenzmodell für e-Books ist ungünstig: kein Verkauf, kein Verleih. Gleichzeitig behandeln die Verlage aber ein e-Book nach wie vor wie ein gedrucktes Buch. Es gibt keine Update-Angebote, sondern man muss jedesmal eine neue Lizenz erwerben.
    Dazu kommen noch Lizenzserver oder ein Onleihe-Modell, was wiederum Kosten erzeugt.
    Auch hier sehe ich kein Einsparpotential.

    Unter dem Strich bleibt für mich derzeit wenig Mehrnutzen, gegenüber sehr hohen Mehrkosten und vielen Nachteilen beim Handling.
    Würde man unsere Schulen in dem Maße finanziell unterstützen, der ihrer Bedeutung für die Gesellschaft und Entwicklung eines „Wissensstandorts Deutschland“ entspricht, könnte man sicherlich mit e-Books bzw. Tablets einige interessante und pädagogisch sinnvolle Dinge umsetzen. Solange aber nicht mehr Geld fließen wird, müssen Schulen die hohen Ausgaben mit Einsparungen an anderer Stelle wett machen.
    Da aber jetzt schon Geld fehlt, um den Grundauftrag angemessen zu erfüllen (was in der Regel auf Kosten der Lehrer geht – unbezahlte Mehrarbeit), sehe ich in der Praxis wenig Spielraum für die Einführung von e-Books im Unterricht. Schon gar nicht flächendeckend.

  28. Schon in der fünften Klasse dürfen die Kinder bei fünf Fächern am Tag gerne mal 8-10 Bücher mitbringen. Englisch z.B.: Schulbuch, Workbook, ein Buch welches gerade gelesen wird und u.U. noch ein Vokabelbuch. Je nach Lehrer werden dann ein Arbeitsheft, ein „Schönschreibheft“ und ein Vokabelheft eingefordert.

    In der Oberstufe, wo man auch mal von 7:45-18:30 oder so Unterricht haben kann (mit Mittagspause, klar), darf man gerne mal 10-12 Bücher mitschleppen. Klar, da interessiert es die Lehrer immer weniger und man kann es sich aufteilen, aber trotzdem. Mit einem eReader hätten alle immer alles dabei, auch zum Lernen in der Mittagspause nicht schlecht.

    Meiner Meinung nach: In Deutsch/Fremdsprachen/Mathe Hefte zum Schreiben (lernen), alles andere darf gerne digital sein. Leichtes Tablet + eReader, finde ich super. Aber: Schreiben lernen sollte dennoch dabei sein (und korrektes Schreiben von Formeln etc.) und man sollte freie Software soweit möglich bevorzugen. Wenn einzelne Schüler mit Papier besser lernen können, sollten die Lehrkräfte da tolerant sein.

  29. @Georg: Das Gewicht der Schulbücher lässt sich einfacher lösen.

    In meiner Schule wurden für alle Klassen Spinte angeschafft. Diese benötigten wenig Raum und erleichterten die Lagerung von Unterrichtsmaterialien. Davor wurden Bücher einfach in der Lade des Tisches gelagert, was zugegeben in manchen Klassen ein Problem sein kann – Beschädigung von Büchern im Rahmen von Mobbing, oder sonstigen dummen Streichen. Das war vermutlich der Grund für die Anschaffung der Spinte… Die meisten schwereren Bücher – etwa der Atlas – wurden ohnedies nur in Ausnahmefällen zu Hause benötigt.

    Zudem gab es typischer Weise für jedes Schuljahr ein separates Textbuch für alle Fächer, sodass schwere Wälzer die Ausnahme bildeten.

    Am Ende konnte man großes Gewicht leicht vermeiden, indem man halt immer nur die Sachen mitgenommen hat, die auch gebraucht wurden.

    Im übrigen: Wie sieht es mit eigenen Erfahrungen mit Lernen von digitalen Unterlagen aus? Wie gesagt, ich habe es im Studium probiert. Und bei allen theoretischen Vorteilen, die Nachteile bei der Handhabung waren einfach zu schwerwiegend. Für mich eignen sich eReader und Tablets nur zum passiven Konsum von Texten, nicht zur aktiven Arbeit mit ihnen.

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