Dyson 360 Heurist im Test: Kleines, teures Kraftpaket mit Luft nach oben

Dyson hat mit dem Dyson 360 Heurist Anfang März die zweite Generation seines Saugroboters vorgestellt und möchte damit die Konkurrenz in den Schatten stellen. Ob das klappt und wo die Stärken und Schwächen des kleinen Kerls liegen, habe ich versucht für euch herauszufinden.

Im Paket selbst befinden sich die üblichen Dinge, eine Dockingstation, das passende Netzteil, etwas bedrucktes Papier und der Roboter selbst.

Dieser ist im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr grau, sondern kommt in einer Kombination aus Nickel und Blau zum Käufer. Wie auch der Vorgänger, so ist das Gerät nicht besonders groß. Ich musste regelrecht schmunzeln, als ich den kleinen Kerl aus der Packung nahm, lediglich 120 x 242 x 230 mm misst das Ding. Hier mal eine Gegenüberstellung von Roborock und Dyson:

Zwar ist er im Durchmesser nicht besonders groß, dafür aber umso höher. Wie sein Vorgänger ist auch der Heurist 12 Zentimeter hoch und damit nicht unbedingt praktisch, wenn es darum geht, unter Möbelstücke zu kommen. Wo andere ohne Probleme darunter durchfahren können, rauscht der Dyson quasi gegen eine Wand. Keine Ahnung, warum die Dyson-Ingenieure das Teil nicht einfach etwas breit gedrückt haben. Ist bei mir in der Wohnung kein echtes Problem, da die Möbelstücke entweder ausreichend hoch oder gänzlich unpassierbar sind.

Eingerichtet wird der Dyson 360 Heurist per Dyson Link App und das geht gewohnt zügig von der Hand.

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Entwickler: Dyson Inc.
Preis: Kostenlos
Dyson Link
Dyson Link
Entwickler: Dyson Ltd
Preis: Kostenlos

Einfach ein neues Gerät hinzufügen, den Roboter automatisch erkennen lassen, Smartphone in die Nähe bringen, WLAN-Details hinzufügen und das war es auch schon.

Ist das erledigt, müsst ihr dem Heurist natürlich erst einmal begreiflich machen, wo er überhaupt zu fahren hat. Dazu erstellt ihr eine Karte per App. Einfach in den Kartenmodus wechseln auf den dazugehörigen Button tippen und der Roboter fährt munter in der Gegend herum, bei der Kartenerstellung allerdings ohne zu saugen. Um sich in der Gegend zurechtzufinden, nutzt der Heurist ein 360°-Kamerasystem bestehend aus einer Rundum-Kamera und einem LED-Ring, der bei schlechtem Licht genutzt wird. Die Bilder der Kamera und die Daten der verbauten Sensoren ergeben kombiniert Kartendaten, die der Roboter in seinem Speicher ablegt.

Die Kartenerstellung des Testgeländes dauerte in meinem Fall ca. 37 Minuten. Ganz schön lange für gerade mal 35 qm Fläche. Die erstellte Karte könnt ihr nun in Zonen aufteilen, dem Roboter also verklickern, wo sich Räume befinden und so weiter. Außerdem könnt ihr dem Roboter innerhalb der App noch sagen, in welchen Bereichen innerhalb der Karte der Einsatz der Bürste tabu ist oder nichts erklommen werden darf.

Habt ihr damit die initiale Einrichtung abgeschlossen, kann der Roboter nach dem ersten Aufladen des Akkus, der laut Dyson im Leise-Modus 75 Minuten halten soll, mit der Arbeit beginnen. Die Reinigung kann entweder per Zeitplan entsprechend terminiert werden oder ihr triggert das Ganze per Druck auf den Reinigungsknopf in der App oder auf dem Gerät. Der kleine Kerl wird euch nun – egal ob manuell oder eingeplant – fragen, in welchem Saugmodus die Reinigung vonstattengehen soll. Drei verschiedene Saugstufen stehen dabei zur Auswahl:

  • Leise: wenig Saugkraft, maximale Laufleistung
  • Hoch: leistungsstarke Reinigung und mittlere Laufleistung
  • Max: Maximale Saugkraft, wenig Laufleistung

Wie auch andere Saugroboter arbeitet der Dyson 360 Heurist mit einer rotierenden Bürste. In diesem Fall geht diese über die komplette Länge des Gerätes, deshalb verzichtet Dyson auch auf eine oder zwei Seitenbürsten, die bei anderen Robotern den Dreck in die große Bürste fegen. Die Bürste besitzt antistatische Carbonfasern und kommt bereits in den Akkusaugern des Herstellers zum Einsatz. Die Fasern sind im Vergleich zur Konkurrenz strapazierfähig und kommen etwas härter daher.

Neben einem kleinen Rad vor der Walze setzt Dyson bei seinem Roboter auf die Fortbewegung durch rotierende Ketten. Dadurch kann er besser auf der Stelle drehen und ist in der Lage Hindernisse leicht zu erklimmen. Der berühmte Schwingstuhl, mit dem so einige Roboter Probleme haben, ist für den Heurist beispielsweise kein Problem.

Im Herzen des Roboters schlägt der Dysons „Digitaler Motor“ in der zweiten Ausführung und sorgt in Kombination mit der Radial-Root-Cyclone-Technologie, die auch in Akku- und Bodensaugern zum Einsatz kommt, für ordentlich Power. Lässt man den Dyson durch die Wohnung fahren, ist dieser zwar selbst im Hoch-Modus deutlich lauter als seine Konkurrenten aber auch wesentlich gründlicher. Zum Vergleich: Weder i7+, Roborock S6 noch Vorwerk VR300 kommen mit einem IKEA-Hochflor-Teppich so gut zurecht wie der Dyson. Er ist sichtbar sauberer und auch sonst liest das Gerät Katzenstreu und Co. wesentlich besser auf.

Wie gesagt, ist die Höhe bei mir kein Problem. Wo er durch seine schmale Bauform punkten kann, ist das Erreichen von Nischen, in die andere aufgrund der Breite nicht reinpassen würden. Wenn man genauer hinsieht, hat es der Heurist auch schwer in die Ecken zu kommen. Das hat am Ende jeder Sauger, der rund ist, aber durch die fehlenden Seitenbürsten bleibt eben noch mehr Platz der Ecke einfach ungesäubert. Da wir sowieso ab und an auch mit dem normalen Staubsauger durch die Wohnung huschen, ist das kein Problem. Bei dem Preis muss das aber nicht sein.

Zum Thema Akkulaufzeit muss ich sagen, dass ich schon hart enttäuscht bin. Nach einer halben Stunde ist der Ofen im Hoch-Modus aus, das Gerät muss in die Ladestation und fährt dann den Rest der Reinigung weiter ab. Eine halbe Stunde hört sich theoretisch nicht so schlecht an, das Problem ist aber die Navigation des Roboters.

Im Inneren des Heurist werkelt ein Quad-Core-Prozessor, der auf 10 GB Arbeitsspeicher zurückgreifen kann. Dort werden Kartendaten verarbeitet und die Einheit soll dem Roboter die smarte Navigation verschaffen. Konkret verfügt das Gerät über ein heuristisches Verhalten, kann also lernen und verbessert die Navigation innerhalb der Wohnung mit der Zeit.

Diese smarte Navigation ist zumindest in meinem Test noch nicht smart genug, denn das Gerät benötigt fast doppelt so lange für dieselbe Fläche wie etwa ein iRobot i7+. Das liegt eventuell daran, dass der Heurist immer 5 x 5 Meter große Segmente reinigt und den Bereich erst in diese einteilt. Ist er mit dem ersten fertig, fährt er zum nächsten. Weiterhin habe ich ihn dabei ertappt, wie er ziemlich oft irgendwie planlos in der Gegend herumfuhr.

Habt ihr also eine große Wohnung, die das Gerät reinigen soll, fährt er etwa 37 Minuten mit der ersten Akkuladung die ersten Zonen ab, lädt dann zwei Stunden und macht weiter. Die Gesamtzeit sollte man also bedenken, wenn man die Reinigung einplant. Man will ja, dass die Wohnung sauber ist, wenn man nach Hause kommt.

Irgendwann möchte der Dyson 360 Heurist natürlich auch entleert werden. Dazu betätigt man eine kleine graue Taste direkt neben dem Staubbehälter. Bei keinem der Saugroboter, die ich bisher testen durfte, war die Reinigung besonders hygienisch. Auch hier nicht. Den Behälter bekommt man mehr schlecht als recht auf und muss dann Katzenhaare und Co. aus dem Behälter kratzen, da sich diese in den Rundungen verfangen. Nicht wirklich elegant gelöst. Am besten klappt das Entleeren beispielsweise beim Roborock.

Wobei wir auch schon bei einer Art Fazit wären. 999 Euro ruft Dyson für das Gerät auf und wir alle wissen, dass die Briten es eh nicht so mit dem Thema „Preisgünstig“ haben. Ob man diesen Preis bezahlen möchte, muss ab Ende jeder für sich selbst entscheiden. Wer das tut, bekommt jedenfalls eine sehr gute Reinigungsleistung, eine gelungene App und mehr.

Ich bin jedoch etwas enttäuscht davon, wie wenig man aus dem ersten Gerät offensichtlich gelernt hat. Man hat das Navigationssystem „verbessert“, den Akku verstärkt und die Saugkraft erhöht. Die eigentlichen Kritikpunkte aus dem ersten Teil wie Höhe, Staubbehälter und Co. hat man aber nicht angepackt. So hat man etwas das Gefühl, man hätte den 360 Eye einfach nur in ein neues Gewand gepackt.

Schade eigentlich, aber die Konkurrenz macht vor wie es geht, in puncto Funktionalität. Für einen Bruchteil des Preises bekommt man beispielsweise einen Roborock mit einer ebenfalls guten Saugleistung, Wischfunktion und vielem mehr. Dyson wird mit dem 360 Heurist wahrscheinlich nur die Fans wirklich glücklich machen und diejenigen, die über genug Geld verfügen, denn ein kleiner Roboter dieses Typs, wird mit sehr großen Wohnungen wohl einiges zu tun haben.

Dyson 360 Heurist bei Amazon

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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11 Kommentare

  1. Was zum Geier ist ein digitaler Motor? Kennt der nur den Zustand An und Aus?

  2. 10GB RAM?! WTF! Was will man mit so viel RAM in einem Saugroboter?! Oder haben die ihre Software so ineffizient programmiert, dass die das brauchen.
    Mal abgesehen davon folgende Frage: Wie ist denn die Saugleistung im Vergleich zum Roborock?

    • Du kannst dir die beiden Testberichte anschauen, die ich im anderen Kommentar verlinkt habe.
      Danach erübrigt sich wahrscheinlich die Frage.

    • Oliver Posselt says:

      „ Zum Vergleich: Weder i7+, Roborock S6 noch Vorwerk VR300 kommen mit einem IKEA-Hochflor-Teppich so gut zurecht wie der Dyson. Er ist sichtbar sauberer und auch sonst liest das Gerät Katzenstreu und Co. wesentlich besser auf.“

    • Der Roboter hat meiner Meinung einige Designfehler:

      Nutzung einer Kamera anstatt Lidar:
      Kamerabilder auszuwerten um Karten zu erstellen
      ist deutlich aufwendiger und fehlerträchtiger als via Lidar.
      Es geht (IRobot), muss aber nicht wie in diesem Fall.
      Daher 10GB RAM.

      Er hat eine höhere Saugleistung wie andere Roboter.
      Wenn er die zu reinigende Stelle denn findet 😉
      Und ihm duch die hohe Saugleistung nicht vorher die Puste ausgeht (37 Min)
      und er dann anschliessend auch wirklich zuverläßig die Ladestation findet.
      Die höhere Saugleistung bring auf Hartböden gar nichts.
      Eine automatische Teppicherkennung fehlt.

      Fehlende Seitenbürste:
      Saugroboter haben immer etwas Probleme mit 90 Grad Ecken.
      Dem Dyson fehlt die Seitenbürtse, so das er die Ecken noch viel
      schlechter reinigen kann als alle Anderen.
      Um Stuhlbeine o.ä. funktioniert die Reinigung dadurch so gut wie gar nicht.
      Sieht man sehr gut in einem der Videos.

  3. Der Dyson 360 fällt in anderen Testberichten komplett durch.
    Speziell die Navigation ist eine Katastrophe, fehlende Seitenbürste, Probleme beim finden der Ladestation,….

    https://youtu.be/RxvdjYS53FQ

    https://youtu.be/LFvmBkGxJwY

    • Bekannter von mir hat seinen nach 2 Tagen zurückgeschickt. Das Teil hat es in der Zeit kein einziges Mal geschaft, das Wohnzimmer komplett zu saugen.
      Zudem ist der zu hoch um unters Sofa, Bett oder Sideboard drunter zu kommen, am Sofa ist er hängengeblieben. Problem mit dem Rückweg zur Ladestation gab es ebenfalls.

      So gut die Akkusauger von Dyson sind ( wir haben den V8 ) so einen Schrott haben die hier gebaut, da können andere Hersteller deutlich besser und günstiger.

  4. Absolute Enttäuschung der Roboter.
    Hab meinen nun retourniert.
    Preis Leistung passt überhaupt nicht

  5. Die Reinigungsleistung ist in dem Video ja wirklich ne Katastrophe: https://youtu.be/LFvmBkGxJwY
    Was hat sich Dyson nur dabei gedacht? ‍♂️

  6. Wir haben in der Firma einen 360 Eve der navigiert echt schneller und besser als der neu angeschaffte Heurist, aber Dyson wird das mit Updates noch regeln.

  7. Also wenn mich der Preis nicht abschrecken würde, die furchtbare Farbe würde es.
    Ein Hand Staubsauger darf ruhig bunt sein, den kann ich nach Gebrauch wieder verstecken.
    Aber mein S50 steht deutlich sichtbar im Wohnzimmer unter einem Schrank.
    Da möchte ich kein quietsch blaues Spielzeug stehen haben.
    Und generell hält einen der Bericht ja davon ab, das Teil zu kaufen.

    Das enttäuscht mich doch schon.

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