Deutschlandnetz: 1.000 Standorte für Schnellladesäulen und Preismodell vorgestellt

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur(BMVI) hat das Deutschlandnetz vorgestellt: 1.000 Standorte für neue Schnellladesäulen sollen Teil davon sein. Auch ein Preismodell präsentierte man. Ziel: Jeweils nur 10 Minuten Fahrt zur nächsten Ladestation – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Daher baue man bundesweit 1.000 Schnellladehubs mit jeweils mehreren Ladepunkten bis 2023 auf.

Das Deutschlandnetz soll die bereits vorhandenen Schnellladestandorte ergänzen. Ein wichtiger Faktor sei dabei aber natürlich der Preis an der Ladesäule. Deshalb habe man bei der Ausschreibung der Standorte festgesetzt, dass die Obergrenze bei 44 Cent pro kWh liege. Insgesamt investiere man für den Aufbau der 1.000 Schnellladestandorte rund 2 Milliarden Euro. Die Errichtung und der Betrieb des Deutschlandnetzes werden im Rahmen von zwei getrennten Ausschreibungen vergeben. Die Höhe der genannten Preisobergrenze von 44 Cent pro kWh sei sowohl unter Betrachtung marktwirtschaftlicher Gesichtspunkte als auch klimapolitischer Aspekte gewählt worden.

Der Schritt von der Förderung zur Ausschreibung sei laut BMVI ein Paradigmenwechsel bei der staatlichen Unterstützung des Ausbaus von Ladeinfrastruktur in Deutschland. Zusätzlich zu den Förderprogrammen des BMVI für öffentliche und nicht-öffentliche Ladeinfrastruktur existiere damit nun ein Ansatz, in dem für die Gewinner des Ausschreibungsverfahrens Aufbau und Gewährleistung des Betriebs der Ladepunkte vertraglich verpflichtend seien. Die Bewertungskriterien umfassen Kosten, Konzept und Kundenfreundlichkeit.

Die 900 Suchräume verteilen sich auf 23 Regionallose in insgesamt 6 Regionen (Nord-West, Nord-Ost, Mitteldeutschland, Süd-Ost, Süd-West und West). Diese Suchräume geben ein bestimmtes Gebiet, z. B. rund um einen Verkehrsknotenpunkt vor. In jedem Suchraum soll ein Schnellladestandort mit mindestens vier und bis zu 16 Schnellladepunkten entstehen. Die Bieter müssen geeignete Standorte innerhalb dieser Suchräume einbringen bzw. finden. Angesprochen werden mit diesem Verfahren regional tätige Betreiber sowie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Die Ausschreibung der Regionallose soll am 15. September 2021 erfolgen.

Die bundesweiten Autobahn-Lose umfassen ca. 200 Standorte auf unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen. Sie sollen eine lückenlose Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen schaffen. Mit dieser Ausschreibung sollen insbesondere Unternehmen, die deutschland- und europaweit tätig sind, angesprochen werden. Die Ausschreibung der bundesweiten Autobahn-Lose wird im Herbst durch die Autobahn GmbH erfolgen, folgt also etwas später.

Parallel bestätigte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), dass man bis Ende 2025 insgesamt 500 Millionen Euro für den weiteren Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland zur Verfügung stelle. Ziel sei es, insgesamt mindestens 50.000 Ladepunkte (davon mindestens 20.000 Schnellladepunkte) zu errichten. Dafür wurde der erste Förderaufruf der neu aufgelegten Förderrichtlinie „Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ veröffentlicht: Ab 31.08.2021 können Unternehmen, Städte und Gemeinden, öffentliche Einrichtungen und Privatpersonen Förderanträge stellen.

Im ersten Förderaufruf werden gefördert:

  • rund 9.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 22 Kilowatt (Normalladepunkte),
  • rund 9.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte mit einer maximalen Ladeleistung von mehr als 22 Kilowatt, an denen ausschließlich das Laden mit Gleichstrom (DC) möglich ist (DC-Schnellladepunkte) und
    der zu einem geförderten Ladepunkt gehörende Netzanschluss bzw. die Kombination aus Netzanschluss und Pufferspeicher.
  • Gefördert werden bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Alle geförderten Ladesäulen müssen öffentlich zugänglich sein und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.? Die Anträge im ersten Förderaufruf können vom 31.8.2021 bis zum 18.01.2022 gestellt werden.

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14 Kommentare

  1. Ich fahre selbst seit langer Zeit elektrisch, halte das Konzept aber nur für mittelgut… bei max. 10 Minuten bis zur nächsten Lademöglichkeit braucht man doch schon mehrere hundert solcher Hubs alleine für eine Großstadt wie Berlin. Preislich wäre das für DC tatsächlich sehr attraktiv, aber die Sache mit der Erreichbarkeit in 10 Minuten halte ich für utopisch. Es wäre allerdings schon sehr hilfreich, wenn zu fairen Preisen überall entlang der Autobahnen ausreichend DC-Lader stünden. Die oftmals geförderten AC-Lader sind ja insbesondere als Ziel-Ladestation in Städten/Ortschaften unbrauchbar, da das leere EV daran zu lange stehen muss und dann oftmals sehr hohe Strafgebühren pro Stunde bei den meisten Tarifen drauf kommen.

    • Mit „10 Minuten“ ist wahrscheinlich nicht der Berufsverkehr in einer Großstadt gemeint. Schnellader wird es vorerst sicherlich nicht an alle 1-2 km geben.

  2. Was genau macht das BMVI hier jetzt, tritt es nur als Initiator und Förderer auf und die Ladesäulen selber werden später von Drittfirmen wie Badenova oder RWE bewirtschaftet? Oder baut das BMVI die „quasi selber“ auf und man tankt den Strom später auch beim BMVI als Anbieter und nicht etwa bei Drittfirmen?

    • Hier geht um eine Ausschreibung, die sich an Ladesäulen-Betreiber bzw Investoren richtet. Und man hat halt aus Fehlern z.B. beim Mobilfunk gelernt und bietet jeweils attraktive und unattraktive Standorte im Paket an. Wenn ein Unternehmen darauf keine Lust hat, muss es ohne diese Förderung auskommen, darf dafür dann bauen wo sie wollen.

    • Das nennt man Öffentlichkeitsarbeit. Ziel: Die Leute sollen sehen das man überhaupt was tut.

  3. Ich bin gespannt.
    Eine strategische Basisversorgung mit Schnellladern ist wichtig.

  4. Martin Deger says:

    Alle 10 Minuten auf Autobahnen halte ich fast für zu häufig. Dann werden an jedem Standort weniger Ladepunkte sein, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass bei Ankunft kein Ladepunkt verfügbar ist. Das geht also nur auf hoch frequentierten Autobahnen, so dass es sich trotzdem lohnt, 10 Ladepunkte aufzustellen.

    Zumindest für die nächsten Jahre ist das so. Langfristig, wenn der Großteil der Autos elektrisch fährt, kann man das so ausbauen.

    Wichtig für die Standorte ist auch, dass es kaum ein Umweg ist. Eine Autobahnraststätte ist schon deutlich attraktiver als ein Autohof.

  5. Ich halte das für reines Wahlkampfgetöse. 1000 Schnellladehubs hört sich im ersten Moment gut an. Die Aussage „mit mehreren Ladepunkten“ ist dann aber doch wieder ziemlich undefiniert. Bei steigender Zahl von BEV auf unseren Straßen wird das „#Deutschlandnetz“ nicht viel helfen. Der Ladepunkt kann evtl. in „wenigen Minuten“ erreicht werden. Ob er dann auch frei oder betriebsbereit ist steht auf einem anderen Blatt.

    • Martin Deger says:

      Es ist von 4 bis 16 Ladepunkten pro Hub die Rede. Ich denke schon, dass das für sehr viele zusätzliche Ladestellen sieht. So viele benötigt man schließlich auch nicht in näherer Zukunft. Zur Zeit gibt es an den Autobahnen mehr Schnelllader als nötig – ich lade fast immer alleine, obwohl es meist mehrere Säulen gibt.

    • Die Betriebsbereitschaft ist genau das was hier aber erstmals geregelt wird.
      Und auch ordnetliche Strafen mit sich bringt wenn die Säulen nicht gehen bzw nicht zeitnah repariert werden.

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