Deutscher Mail-Dienst Posteo mit Transparenzbericht

Posteo, der kleine Mail-Anbieter aus Berlin mit rund 30.000 Kunden (Stand Januar 2014), hat nach eigenen Aussagen „als erster deutscher Telekommunikationsanbieter“ einen Transparenzbericht veröffentlicht. Posteo hatte untersuchen lassen, inwiefern dies deutschen Unternehmen überhaupt erlaubt sei – ein Gutachter ist laut Aussage von Posteo zum Schluss gekommen „dass das Veröffentlichen von Transparenzberichten zulässig ist, solange keine Ermittlungen gefährdet werden“.

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Der Transparenzbericht soll alle Anfragen von Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten aufzeigen, die man seit dem Jahre 2013 bekommen hat. Man nutzt diesen Bericht auch zur Offenlegung eines „Behördenskandals“ – Beamte des Staatsschutzes haben im Juli 2013 eine Durchsuchung bei Posteo durchgeführt und angeblich versucht, das Unternehmen zu einer rechtswidrigen Kooperation zu nötigen.

Hans-Christian Ströbele,  deutscher Rechtsanwalt und Politiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen, steht anscheinend auf der Seite des Mail-Anbieters, der sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Er teilte mit:

Ich habe sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen, dass heute das Berlin-Kreuzberger Unternehmen Posteo, das verschlüsselte E-Maildienste anbietet, als erster deutscher Dienst mutig einen detaillierten Transparenzbericht veröffentlicht hat über dort eingegangene Auskunftsersuchen deutscher Strafverfolger. Ich werde mich für eine Klarstellung der Rechtslage – entsprechend dem von Posteo eingeholten Rechtsgutachten – dahin einsetzen, dass Posteo und alle ähnlichen Unternehmen zukünftig außer statistischen Angaben auch Einzelinformationen über solche Ersuchen veröffentlichen dürfen, ohne dabei Sanktions-Androhungen zu befürchten.”.

Wie viele Anfragen von Behörden der Dienst bekam? Sieben – zwei seien davon formal korrekt gewesen.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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18 Kommentare

  1. HeinzDerHeinz says:

    Einer der Wenigen die es richtig machen. Hoffentlich frisst niemand der Großen diesen kleinen Indie-Anbieter.

  2. Bin gerne Kunde bei Posteo.de – bisher sehr zufrieden. Nur die Weboberfläche könnte was moderner sein.

  3. Mr.Gerard says:

    Daran könnten sich die anderen Anbieter mal ein Beispiel nehmen. Besonders erschreckend ist doch die Diskrepanz zwischen eingegangenen und korrekten Ersuchen.

  4. Macht diesen Mail-Anbieter in meinen Augen echt sympathisch! Hatte den Mail-Anbieter noch gar nicht auf dem Schirm. Werde ihn mir also mal anschauen 🙂

  5. Kann diesen Mail-Anbieter nur empfehlen! Wie die sich bemühen, da von können sich die anderen einiges abschauen. Weiter so!

  6. Nutze den Dienst nun seit nem guten halben Jahr. Toll finde ich vor allem den Service (i.d.R. sehr schnelle Beantwortung von Anfragen und schnelle Lösungen bei Problemen) und die Qualität des Spamfilters. Das ist mir die 1 Euro pro Monat wert!

  7. Mr.Gerard says:

    @Mathias: Wie kommst du darauf? Die haben in meinen Augen ein glaubwürdigeres Geschäftsmodell, als viele andere „werbefinanzierte“ Kltischen, die vor allem in ihren Datenbeständen ein Kapital sehen.

  8. Wie soll ein Laden aufgekauft werden, der nicht an der Börse ist und nicht verkaufen will? Warum sollten sie pleite gehen? Es sind Überzeugungsmenschen, nicht nur in Sachen Datenschutz und Transparenz, auch in Sachen Umweltschutz. Da könnte man auch jedem Hippie unterstellen zum Bankster zu werden.
    Sie haben derzeit mindestens 360.000 Euro Einnahmen pro Jahr. Meines Wissens nach schreiben sie schwarze Zahlen.
    Wie auch immer, abwarten, falls dennoch eines der beiden Fälle eintritt, wechselt man halt, aber es ist kein Grund den Dienst nicht zu nutzen.

  9. Reiner Reibach says:

    Das ist also unser Staatsschutz, der sich scheinbar durch Nötigung versucht Zugang zu geschützten Informationen zu verschaffen. Alles klar…

  10. Bin auch schon Monate bei Posteo, immer zuvorkommender, schneller und vor allem seriöser Support. Habe dann mal Mailbox.org probiert, die Oberfläche (Open Xchange) ist nicht so angestaubt wie bei Posteo (Roundcube), aber Posteo ist mir persönlich sympathischer und transparenter.

  11. Jaja, der „Staatsschutz“. Soll hier der Staat vor den Bürgern geschützt werden? 😉

    Jetzt würde uns natürlich brennend interessieren, wieviel mehr die größeren deutschen Provider (wie gmx, web.de, 1&1, t-online usw.) mit dem „Staatsschutz“ zusammenarbeiten. Aber die hüllen sich natürlich in Schweigen…

    Caschy, wie wär’s mal mit einer Anfrage bei den großen deutschen Mailprovidern?

  12. Bin auch seit einige Zeit bei Posteo für meine Privaten mails. Ich finde es unaufgeregt normal.

    @Mathias hast du dir mal die Story in brand eins über die Durchgelesen wie dieser Dienst überhaupt entstand? Profit ist nicht deren Ziel.

    Eine Firma ist nicht immer da Gewinne zu produzieren 😉
    Sondern man kann auch damit Systeme aufbauen, die anderen wiederum helfen können.

  13. Habe auch einen Account bei denen. Alles flutscht wie es soll für nen schlappen 1.- im Monat. Das unsere Stasi 2.0 versucht Dinge zu beschlagnahmen und den Anbieter zu nötigen ist ein dickes Ding. Das zeigt uns immer deutlicher in was für einem dämlichen Euro-Steuer-Diktatur-Land wir leben. Langsam wird es kritisch hier.

  14. Seit ich mich von GMX getrennt habe bin ich auch bei Posteo und rundum sehr zufrieden. Einzig der etwas spartanisch ausgerüstete Webclient trübt das Bild. Da ich allerdings fast nur Mailclients wie Thunderbird und K-9 verwende, fällt das bei mir nicht weiter ins Gewicht. Diesen obligatorischen 1 EUR pro Monat für einen fairen, transparenten, sicheren und komplett werbefreien Mail-Provider bezahle ich mit Freuden.

  15. Für mich keine Option von gmail zu Posteo um zusatteln. Posteo hat für mich zu wenig Einstellungen, alleine der Verlust der gmail Labels wiegt schon schwer,

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