Deutsche Post: Beschwerden über die Zustellung haben sich fast verdoppelt

Ihr hattet in letzter Zeit Probleme mit der Briefzustellung? Dann seid ihr nicht alleine: Auch ich musste in den letzten Wochen mehrmals ungewöhnlich lange auf einzelne Sendungen warten. Selbst innerhalb derselben Stadt brauchten Briefe teilweise 4-5 Tage Laufzeit. Ein anderer Maxibrief war an mich fast 2 Wochen unterwegs. Und derlei Erfahrungen mussten laut Bundesnetzagentur viele Menschen in Deutschland machen, denn die Anzahl der Beschwerden über die Briefzustellung hat sich im Vergleich zum Vormonat im Oktober in etwa verdoppelt.

Unter anderem griff das auch die Tagesschau auf. Die Post rechtfertigt sich mit einem hohen Krankenstand, bedingt durch Corona-Ausfälle. Zudem falle es im angespannten Arbeitsmarkt schwer, weitere Kräfte zu rekrutieren. Im Oktober 2022 gingen jedenfalls bei der Bundesnetzagentur ca. 9.700 Beschwerden ein – im September 2022 waren es „nur“ 5.000. Insgesamt verbucht die Behörde über die Briefzustellung im Jahr schon mehr als 30.000 Beschwerden, was für eine deutliche Verschlechterung der Zustellqualität spricht. Denn im gesamten Vorjahr, also 2021, waren es nur 15.000. Allerdings beziehen sich die Beschwerden erst einmal auf alle deutschen Paket- und Briefdienstleister.

Das Gros der Beschwerden soll sich aber auf die Deutsche Post richten, welche bei der Briefzustellung eindeutig den Markt dominiert. Jeden Monat stellt die Post in Deutschland etwa 1,2 Milliarden Briefe zu. Prozentual gesehen, sind die Beschwerden also geringfügig. Doch nicht jeder, der sich ärgert, startet eben auch gleich den Beschwerdeprozess. Daher kann man mit einer hohen Dunkelziffer rechnen. Es gibt auch kritische Stimmen, die der Deutschen Post vorwerfen, aus Kostengründen den Personaleinsatz zu knapp kalkuliert zu haben. Corona sei nur ein Vorwand.

Die Deutsche Post bleibt jedoch bei ihrer Version und spricht von insgesamt 6.800 Corona-Ausfällen, etwa im Juli 2022. Außerdem merken Unternehmenssprecher an, dass sich die Zahl der Beschwerden auch durch die mediale Berichterstattung erhöht habe. Dies habe man auch schon in der Vergangenheit bemerkt. So erhöhen die Artikel jeweils den Bekanntheitsgrad der Bundesnetzagentur als zuständige Beschwerdeinstanz.

Laut Deutscher Post stelle man immer noch mindestens 80 % der Briefe am nächsten Werktag zu und mindestens 95 % am übernächsten, so wie es im Gesetz als bundesweiter Schnitt gefordert sei. Es gebe zwar lokale Probleme, nicht aber flächendeckend. In etwa 100 der 5.000 Zustellbezirke, vorwiegend in Ballungszentren, gebe es Probleme. Teilweise würden bis zu 30 % des Personals fehlen.

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29 Kommentare

  1. Wie heißt es so schön: es wird nicht so heiß gekocht wie es gegessen wird…

  2. Martin Vader says:

    Am Ende sind es die bescheidenen Arbeitsbedingungen und die miserable Bezahlung, die Menschen von solchen Jobs fernhält oder krank macht.

    • Was sind denn „bescheidene Arbeitsbedingungen“ bei der Deutschen Bundespost❓
      Und miserable Bezahlung kenne ich dort auch nicht. – Aber du hast sicher Recht, dass das Abstandsgebot zwis hen Nichtstun / Geld kassieren und Arbeiten nicht stimmt.
      Bei über 2 Mill. Arbeitssuchenden, nein, Arbeitslosen dürfte es dieselben eigentlich nicht mehr geben ‼️

      • Gunar Gürgens says:

        Wäre es die Deutsche Bundespost, würde das bestimmt nicht so ausfallen, da die Briefträger verbeamtet waren und ein ausgezeichnetes Salär bekommen hatten.
        Wir haben aber seit 1995 die Deutsche Post AG, die 14,89€ die Stunde für die Zusteller zahlt, aber auch weiterhin an Sub-Sub-Subler weiterleitet. Nicht in einem großen Maße wie es andere machen, aber es passiert noch.
        Es gibt jedenfalls bessere Jobs für Ungelernte als bei der Deutschen Post zu arbeiten, aber ihrem Bereich sind sie wohl mit die gescheitesten.

      • Martin Vader says:

        Die unzureichende Bezahlung und vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen, sind seit Jahren immer wieder Gegenstand von hitzigen Diskussionen.
        Brief- und Paketzusteller ohne Pausen, massig Überstunden und überlange Touren sind an der Tagesordnung.
        Sich aus diesen nachweislichen Gegebnheiten, im Kommentar dann faule Menschen zu konstruieren, ist fast schon menschenverachtend.

      • Nur weil du bunte Ausrufezeichen verwendest, wird der Quatsch halt auch nicht besser … als ob man mit Hartz 4 zu viel bekommen würde und der Mindestlohn ein großartiges Einkommen wäre. Gerade in Zeiten der Inflation und stetig steigenden Preise ist der Druck auf Menschen mit niedrigen Einkommen nicht zu unterschätzen.

  3. Sind auch davon betroffen. Seit geraumer Zeit werden bei uns abonnierte Zeitschriften nicht mehr zugestellt – verschwinden einfach 🙂

  4. Dank der DHL App und briefankündigung konnte ich seit Monaten feststellen das ich zentral in Berlin nur noch zweimal die Woche beliefert wird, ist ärgerlich bei Amtsgericht, Finanzamt usw … Anschreiben mit fristen hat.

    Bitte ganz unten das Formular benutzen
    https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Post/VerbraucherservicePost/start.html

    • Das mit den Fristen ist natürlich Quatsch, weil diese grundsätzlich erst ab Zugang zu berechnen sind.

      Zugang ist bei „normaler“ Post, wenn diese derart in den Herrschaftskreis des Empfängers gelangt, dass dieser im üblichen Rahmen vom Inhalt Kenntnis erlangen kann (aber nicht muss). Und bei Postzustellungsurkunden (also den gelben Umschlägen) zählt eh das auf dem Umschlag vermerkte Datum.

      Abgesehen habe ich das mittels der Briefankündigung auch in Bremerhaven festgestellt….

      • Gilt nur leider nicht uneingeschränkt bei Behördenpost. Art. 41 Abs. 2 BayVwVfG (in anderen Ländern vergleichbar) sagt: „Ein schriftlicher Verwaltungsakt, der im Inland durch die Post übermittelt wird, gilt am dritten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben.“ Wenn das Schreiben (deutlich) später zugeht, kann man zumindest einmal mit Ärger rechnen.

        • Die Zugangsfiktion ist schon klar. Aber das ist dann doch nicht so oft der Fall und passt (außer beim FA) auch nicht auf das obige Beispiel. Im Übrigen ist selbst der BFH nicht mehr so ganz auf der Linie, es gab ich meine vergangenes Jahr bereits anderslautende Entscheidungen, habe sie aber nicht zur Hand.

        • § 41 Abs. 2 Satz 3 VwVfG Bund: „Dies gilt nicht, wenn der Verwaltungsakt nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Behörde den Zugang des Verwaltungsaktes und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen.“ 😉

  5. Hausgemachtes Problem und die Werbung.

    Würde die Post oder diejenigen die Werbung darüber versenden, den Papier Müll sein lassen würde man auch die Zusteller entlasten. Unser Austräger hatte letzte Woche 1und1 Werbung jeden Haushalt den Tag darauf die Kaufland Werbung und Samstag den Einkauf Aktuell. Dazwischen war dann noch eine Werbung normaler Brief von einer Versicherung. Ja es ist ihr Job, aber man kann ja einen auch zu müllen.

  6. Welche Zustellung?

  7. Probleme mit der App: Paket liegt schon abholbereit in der Packstation. Erst Tage nachdem ich
    verkäufer um Sendungsnummer bitte & die dann in die App eingebe, wird mir der ganze Vorgang in einem Rutsch aufgelistet. Und die ‚Digitale Zustellbenachrichtigung aktivieren‘ scheint nicht zu funzen. DHL ist anscheinend schon im Vorweihnachtlichen Stress.

  8. Spätestens mit Einführung des Bürgergeldes werden wir keinerlei Post mehr zugestellt bekommen

    • Als ob das ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre …

    • Lass mich raten, du wählst jetzt schon „die einzige Alternative“…?!

    • Gunar Gürgens says:

      Mit einer Minute Recherche würde man herausbekommen, dass ein Zusteller bei der Post laut Stellenausschreibung aktuell mit 14,89€ pro Stunde verdient und das bei 38,5 Wochenstunden. Wenn man jetzt noch eine Minute den Taschenrechner bemüht würde man rausbekommen, dass somit der Bruttolohn knapp 2300€ pro Monat beträgt, was deutlich mehr ist, als das Bürgergeld.
      Es wären also nur zwei Minuten nötig gewesen sich diesen völlig sinnfreien und überflüssigen Kommentar zu sparen.

      • Wenn man weiterrechnet und der Zusteller eine Frau und zwei Kinder hat würde man sehen, dass die ganze Familie (je nach Wohnkosten) ganz ohne Arbeit ein monatliches Netto(!) von rund 2.500 Euro hätte, und das schon jetzt. Mit dem Bürgergeld wird es zusätzlich vereinfacht, sich damit einzurichten.

      • 1630€ netto pro Monat, abzgl. 800€ Wohnung / Heizung, abzgl. 120€ Werbungskosten, abzgl. 20€ GEZ, abzgl. Zuzahlungen Gesundheit, RA, Behördengeb… o.ä. 20€, macht ganz grob 670€ übrig. Ein Privatleben hat man nicht mehr da man statt 38,5h ca. 48h arbeitet (Mehrarbeit unbezahlt). Bürgergeld 502€ , also wer soll für 168€ mtl. sein Privatleben und seine Gesundheit opfern ? Ich sehe aber nicht das Gehalt als Hauptproblem, es gibt viele Jobs wo man wenig verdient, sondern die Arbeitsbedingungen, viel zu hohe Sozialleistungen und nicht bekämpfte ausufernde Inflation

  9. Überraschend (für mich) wie viele Briefe ihr bekommt.
    Ich kriege seit Jahren nur noch GEZ & Finanzamt/Behörden per Brief. Da ich den genauen Zeitpunkt des Versands nicht kenne, kann ich nicht beurteilen ob der Brief ein oder fünf Tage zu mir gebraucht hat.
    Ja, ich könnte mir den Stempel ansehen, aber es ist mir halt auch völlig egal.

    Hätte echt nicht gedacht das Brief noch so viel genutzt wird, schon gar nicht von Besuchern eines Tech-Blogs.

    • Viele Kleinstwaren werden heute als Brief verschickt, Bank- SiM und Speicherkarten. Arztbefunde als DVD, Knopfzellen, Schrauben, Tabletten und Unmengen an China Bestellungen was man früher normal im Laden holte. Hier liegt das Hauptbroblem der Post, der Zusteller hat pro Haus statt 10 jetzt nur 8 normale Briefe (Ersparnis 10sek.) dafür hat er statt 600 Haushalte jetzt 1000 und statt in jedem 20sten Haus nun in jedem 2 Haus Waren (Verlust pro Sendung ~ 30 Sekunden). Corona ist natürlich eine willkommene Ausrede, Hauptgrund ist natürlich Arbeitsverdichtung.

  10. Richtig schlimm inzwischen bei uns.
    Post kommt vielleicht 1 oder 2 mal die Woche.
    Richtig geil, wenn man Briefankündigung hat und man weiß, welche Post man bekommen sollte.

    DHL performt inzwischen auch ähnlich schlecht.
    Pakete brauchen ewig

  11. Die Einwände und Erklärungen der deutschen Post scheinen mir glaubhaft.
    Um mich herum haben viele Covid19, oder andere Atemwegserkrankungen und sind arbeitsunfähig.
    Auf vielfache Nachfrage haben weniger als die Hälfte der Corona Erkrankten einen PCR Test machen lassen und tauchen deshalb nicht in den offiziellen Zahlen auf.
    Die Wintersaison, mit neuen Mutanten und die Grippewelle stehen noch bevor.

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