Das Pokémon GO-Fest 2019 in Dortmund: Ein Erlebnisbericht

“SCHEINIIIIIIIIIiiiii!” Da war es wieder, dieses Brüllen nachdem ein weiterer der zehntausenden Spieler eines der besonders begehrten schillernden (shiny) Versionen eines Pokémon während seines Aufenthalts beim Pokémon GO-Fest 2019 im Westfalenpark in Dortmund entdecken und vor allem finden konnte. Ja, ich war vor Ort – besser gesagt bin ich direkt mit Frau und Kind angereist, nachdem Niantic zum Fest geladen hatte. Vielen Dank an dieser Stelle auf jeden Fall auch noch einmal für die Einladung!

Wir spielen beide noch immer sehr regelmäßig und das seit 2016, schon kurz vor dem offiziellen Start von Pokémon GO in hiesigen Gefilden. Und Events wie das diesjährige GO-Fest, das in dieser Form erstmalig in Deutschland stattgefunden hatte, sind einer der Gründe, warum wir wohl auch die nächsten Jahre noch “am Ball” bleiben werden.

Vom 04. bis zum 07.07.2019 wurde der Westfalenpark für den “normalen Besucher” geschlossen, Eintritt hatte dann nur noch, wer eines der Tickets für das GO-Fest 2019 ergattern konnte. 25 € wurden dafür fällig, dann konnte man von 10 – 18 Uhr spielen, Early Access (also von 8 – 18 Uhr) kostete dann pro Person 35 €. Auch wir durften am Sonntag direkt ab 8 Uhr loslegen, waren damit aber weitaus nicht allein – zehn Euro Aufpreis sind für viele Pokemon GO-Trainer kein Hindernis, wenn sie dafür schon zwei Stunden früher auf sämtliche Eventinhalte zugreifen dürfen.

Und da hatte Niantic dann wirklich einiges aufgefahren. Der morgendliche Ansturm auf den umliegenden Parkplätzen des Westfalenparks hatte schon angekündigt, dass es voll werden würde. “Die sollen wohl heute komplett ausverkauft sein” rief man mir zu, als man mein Staunen ob des großen Ansturms deutete. Die Zugänge von der örtlichen Polizei abgesichert, der Einlass übersichtlich, schnell und professionell geregelt – da lief es auf Konzerten mit weniger Besuchern schon deutlich ruppiger ab. Das Personal ist scheinbar sehr gut eingestimmt und trainiert worden auf das, was sie da erwartete.

Kleine Anekdote hier: Als ich mich kurz vor Ende des Events an der Seebühne niederließ, um dort noch ein paar Wasser-Pokémon zu fangen und einfach mal abzuspannen, fiel mir ein liegengelassener Kinderrucksack auf. Darauf wies ich zwei Mädels vom “Staff” dann auch hin, weil den sicher jemand vermissen und suchen würde. Eine der beiden entgegnete ein kurzes “Naja, is ja nicht so, dass da ne Bombe drin wäre – Kinderrucksäcke werden dafür bestimmt nicht genutzt” und lachte kurz, bis ihr der Satz wohl nochmal durch den Kopf ging und sie sich im Namen des Veranstalters bei mir (ich in dem Moment dumm grinsend) für ihre Worte entschuldigte und direkt die Security heran funkte, die den Rucksack dann vorsichtig inspizierten und anschließend mitgenommen haben, nachdem sich das angebissene Brezel darin als nicht gefährlich genug einstufen ließ. Worauf ich hinaus will ist, wie man eben an jeder Ecke spüren konnte, dass Niantic in Zusammenarbeit mit den Dienstleistern vor Ort wirklich sehr bedacht darauf war, dass alles möglichst professionell ablaufen sollte und es sowohl für jung als auch alt (dazu komme ich gleich noch) ein eindrucksvolles Fest werden sollte.

Schon im Vorfeld wurde bekannt, dass der Westfalenpark für die vier Tage in einzelne Zonen und Habitate unterteilt werden würde, und das nicht nur ingame, sondern eben auch in Form von Dekorationen und Konstruktionen, die man dort installieren ließ. Es gab für alle drei Teams eine entsprechende Lounge, wo sich die Trainer einfinden, anfreunden, austauschen oder einfach nur niederlassen und ihre Smartphones/Tablets aufladen konnten. Außerdem fanden dort regelmäßige Aktionen statt, bei denen Giveaways wie Shirts, Team-Orden, Sticker und dergleichen an die Menge verfüttert wurden. Die genannten Habitate waren die Mysterious Woods, das Rocky Terrain, die Steel Factory und der Boat Lake.

Hier konnte man dann entsprechend dem Habitat besonders häufig auf einzelne Pokémon treffen, die anderswo im Park nur selten oder gar nicht zu finden waren. Die Chancen auf ein Shiny waren hier natürlich auch deutlich größer. Außerdem gab es in der Nähe der Teamlounge von Team Wagemut (Valor) auch noch die kleine Fressmeile, bei der man sich den Hunger austreiben und das Portemonnaie stark belasten konnte. Die Preise kennt man dann aber auch von anderen Festivals.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/DUvDmoEizuA

Wer am GO-Fest 2019 teilgenommen hat, bekam vor Ort auch direkt eine neue, mehrteilige Aufgabe verpasst, bei deren Abschluss das seltene Pokémon Jirachi und einige Bonbons dafür abzugreifen waren. Um die Aufgaben zu absolvieren, musste man sich zwangsläufig über das gesamte Areal bewegen, mehrmals. Die Miniaufgaben waren aber auch sehr lohnenswert. So gab es am laufenden Band drei Sonderbonbons, unter anderem für Aufgaben wie “Kämpfe mit einem anderen Trainer”, “Finde drei neue Freunde” und so weiter – also alles vor Ort simpel zu lösen. Natürlich alles im Spiel, ich musste niemandem ein Moped ins Kreuz werfen (Gruß an Joe!) oder meine Kontaktliste im Handy erweitern. Aufgrund der zahlreichen Trainercodes auf Schildern oder als QR-Codes verpackt, war es ein Leichtes, entsprechende Aufgaben zu lösen.

Das Publikum war dabei nicht nur international, sondern vor allem von jung bis alt bunt durchmischt. Unser Sohn durfte mit einem Handy ebenfalls mitwirken, da es ihm sonst während der acht Stunden im Park dann wohl auch irgendwann zu öde geworden wäre. Und gelangweilte Kinder können fies werden…

Was ich aber wirklich stark fand war unter anderem ein Herr hohen Alters, der mit seinem Gehwagen neben mir stehen blieb und zwei Smartphones in einer Halterung an eben jenem Wagen interagierte, um die dortigen Nidoran zu fangen – immerhin tauchte beim Fest ja das begehrte Nidoran, männlich als Shiny auf! Er meinte auf mein Lächeln hin zu mir “Ja ich weiß, wie das aussieht. Aber ich komme so seit Jahren in Bewegung. Wenn man allein ist, sucht man ja oft nach Ausreden, nicht raus zu müssen.” So war also wirklich alles und jeder vertreten: jung, alt, Nerd, introvertiert, krass extrovertiert – aber allesamt so verdammt friedlich untereinander. Zweimal ging in meiner Gegenwart ein Smartphone zu Bruch, beide Male machte die Menge umgehend Platz und half beim Wiederfinden eventuell abgebrochener Teile. Wird wohl keiner kleben wollen, aber die Geste zeigte deutlich, dass man da als Community unterwegs war.

Nun dachte ich ja die ganze Zeit an die Netzprobleme, die man seinerzeit bei den Safari Events erleben musste und schließlich sogar das ganze Event auf die Stadt ausgeweitet werden musste, um einzelne Mobilfunkzellen wieder zu entlasten. Davon war beim GO-Fest 2019 nicht viel zu spüren. Nutzer von o2 hatten hier und da wohl Schwierigkeiten und mussten sich mehrfach anmelden, bis sie dann endlich ins Spiel kamen. Mit dem Netz der Telekom hatte ich durchweg guten LTE-Empfang und musste mich nur dann mit Ladezeiten abfinden, wenn ich in dicht bewuselte Zonen gegangen bin. Vodafone-Nutzer bekam ich bei meinen “Stichproben” aber leider keine befragt.

Alles war jedenfalls in einem sehr gut spielbaren Zustand, wirkliche Ausfälle oder dergleichen gab es nicht. Niantic hat dazugelernt, das war zu merken. Und spätestens kommenden Monat in Yokohama, wo das dritte Pokémon GO-Fest 2019 stattfinden (das erste fand im Juni in Chicago statt) wird, dürften auch diese kleinen Probleme vergessen sein.
Bereits im Vorfeld unseres Aufenthalts schaute ich mir diverse YouTube-Videos von den ersten drei Tagen des Events an. Ich wollte wissen, was uns da erwarten würde – welche Pokémon tauchen wo besonders oft auf? Welche Wege nutzt man am besten? Wie ist die Netzqualität? Dabei fielen mir auch die YouTuber ZoëTwoDots, MYSTIC7, Reversal, The Kruse Ship, Trainer Tips, Spieletrend und Pokémon Master Holly (sie wohl selbst angereist, nicht promoted) auf, die neben weiteren von Niantic gebucht worden sind und nun vier Tage lang am laufenden Band vor Ort ihre Videos drehten und für Autogramm-Sessions zur Verfügung standen.

Erwähnte ich die schieren Menschenmassen?

Hin und wieder huschten auch am Sonntag dann ein paar von ihnen an uns vorbei, der PR-Bereich befand sich direkt neben der Teamlounge von Team Gelb und schnell war klar, dass einige Spieler nicht nur zum reinen Pokémon-GO-Zocken angereist waren. Hätte ich im Vorfeld nicht die Videos durch Zufall entdeckt, ich hätte später googlen müssen. Das liegt aber vor allem daran, dass ich vorrangig gen Reddit und PokemonGO Hub navigiere, wenn ich mich bezüglich dem Spiel auf dem Laufenden halten will. Die Mädels und Jungs kann ich daher nicht beurteilen, der werte „Spieletrend“ schien mir jedenfalls eine angenehme Type zu sein.

Aber auch jenen Aspekt hat Niantic damit ganz klar abgedeckt: beliebte YouTuber mit Hang zum Spiel einfliegen lassen und somit noch mehr Werbung für das Event zu machen. Mit dem einen oder anderen wäre ich im Presse- und Staffbereich sicher später gerne noch ins Gespräch gekommen, aber dorthin sind wir während des gesamten Events gar nicht mehr zurückgekehrt – wir wollten vom Gameplay nichts verpassen.

Merchandise gab es natürlich auch zu kaufen. Caps (17 €), Shirts (30 €), Plüschtiere (16 €; das erste, was ausverkauft war), Portemonnaies (16 €), Stoffbeutel (13 €) und all so Zeugs halt. Davon gab es für jeden der vier Tage ein recht großes Kontingent, das aber dennoch recht früh vergriffen war.

Am Ende des letzten Event-Tages gab es dann natürlich auch noch das obligatorische 18:30-Gruppenfoto für alle Trainer, die dann noch vor Ort waren. Hier hieß es kurz vor Schluss dann zusätzlich, dass man für diejenigen dann auch noch “etwas spezielles vorbereitet” hätte. Hiermit war ein anschließender Last-Test gemeint, bei dem sechs Arenen mit Mauzi als Raidboss auf die umliegende Wiese platziert wurden und sich sämtliche vor Ort befindlichen Trainer dann an Riesen-Raids beteiligen sollten. Mauzi als Raidboss, ein Team Rocket-Heißluftballon wenige Tage vorher am Himmel über der Seebühne – wenn da mal nicht schon in absehbarer Zeit der neue Invasion-Modus auf uns zukommt, der sich vor kurzem erstmals in einer aktuellen APK finden ließ und auch die neuen Schatten-Pokémon einführen soll. Zumindest war dies ebenfalls ein viel diskutiertes Thema auf dem Fest.

Wir waren jedenfalls sehr gerne dabei und werden wohl auch im nächsten Jahr wieder vor Ort sein, wenngleich es hier von offizieller Seite ja noch keine Ankündigung gibt. Vielen Dank auch an die klasse Community, die da echt ausgesprochen respektvoll und hilfreich miteinander umgegangen ist und das sogar trotz teils bestehenden Sprachbarrieren. Pokémon GO ist auf jeden Fall noch lange nicht tot, das konnten die vier Tage definitiv untermauern.

Disclaimer:

Niantic hat meiner Frau und mir den kostenlosen, frühzeitigen Eintritt zum Event am Sonntag, den 07.07.2019 ermöglicht, die Anreise erfolgte auf eigene Faust und Kosten.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

Das könnte dir auch gefallen…

Mit dem Absenden eines Kommentars willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten ein.

10 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben, genau so habe ich auch empfunden. Alles friedlich, viele Kulturen, jung und alt zusammen.

  2. Top geschrieben! Konnte leider nicht dabei sein. Schön, dass du und deine Frau Spaß hattet.

  3. Eine kleine interessante Statistik, beim Poké-Fest waren mehr Gäste in Dortmund als zum evangelischen Kirchentag, einige Tage vorher. Dafür hat der Kirchentag deutlich mehr Chaos in der Stadt hinterlassen.

  4. Bei uns stehen immer traubenweise so Tageslichtuntaugliche Pokemon-Jäger-Gestalten, wildparkend im Kreuzungsbereich und im Halteverbot, auf Ihren (meist mehreren) Smartphones rumhämmernd rum. Schön, dass diese sich immer für wenige Minuten finden/gefunden haben.
    Bei aller Affinität, die ich für (Computer-)Technik habe, NICHTS für mich. Dann doch lieber Geocaching, da sehe ich deutlich mehr Sinn drin und bei guten Caches kann man noch etwas für die (Allgemein-)Bildung mitnehmen..
    Aber jedem das seine!

  5. Ich bin seit vielen Jahren aktiver Ingress Gamer und habe mich mit Pokemon nie wirklich beschäftigt. Dem Bericht merkt man an, dass Niantic anscheinend viel dazu gelernt hat. Wir haben bei Ingress natürlich auch unsere Events, allen voran die Anomalien, aber da ist man an einem Nachmittag mit durch. Die Organisation wird der Community aufgehalst, mit eigenem Engagement halt Niantic sich da vornehm zurück. Man bekommt ein paar bunte Klebebildchen geschenkt. Wer mehr will muss auch hier kaufen.
    Von daher freut es mich für die PoGo Spieler, dass diese Veranstaltung solch einen positiven Eindruck hinterlassen hat.
    Ich vermute mal, Niantic hat sich im Fall von PoGo deshalb mehr Mühe gegeben, weil dort wesentlich mehr Geld abzugreifen ist. Ingresser sind beim Geldausgeben für das Spiel traditionell eher zurückhaltend. Aber dennoch, erfreulich zu hören, dass auch Niantic dazu lernen kann.

  6. Bezüglich Netzabdeckung: [Telekom Netz | Schnelles Netz für das Pokemon Go Fest 2019] https://www.youtube.com/watch?v=igmRmnJy6jA

    Grüße aus Bonn

  7. Wir waren am Samstag mit Frau und Kindern da. Ein wirklich toller Tag! und wir werden nächstes Jahr sicherlich wieder kommen. Bezüglich Netzabdeckung, ich habe Telekom kein Problem. Meine Frau hat Vodafone- katrastrophe, kaum Netz, ständige Abbrüche sogar so schlimm das ich irgendwann ein Hotspot aufgemacht hab und Sie darüber gespielt hat. Freunde von uns haben O2, dort war es auch nicht besser. Also Fazit, echt schöner Tag und die paar € mehr für Telekom lohnen sich 😉

  8. Leider ist mir mein Handy kurz vor Besuch des Events kaputt gegangen. Mein Mann musste durch einen anderen Eingang rein. Treffen im Park verabredet. Aber ohne Handy kein Einlass. Mann macht sich über eine Std Sorgen um mich. Leider war das Security Personal nicht sehr hilfsbereit. Und ein Mitspieler den ich kurz um sein Handy bitten konnte wollte sich auch nicht am abgelegenen Eingang um die Zeit blicken lassen. Auch kannte sich Personal im Park nicht aus.die Food Areas ja. Aber ein Cafe…. Für mich hat das ganze leider einen nicht so schönen Verlauf gehabt. Ich werde wohl nächstes Jahr wieder hin müssen.

  9. Das liest sich alles sehr schön und ich gönne dir und deiner Familie dass ihr einen schönen Tag hattet :
    ich bin aber wahrlich ziemlich enttäuscht denn es gab zunächst keine Kommunikation seitens Niantic ab wann die Tickets verfügbar waren, und als man dann im Nachtrag noch Karten bestellen konnte waren die Wochenenden bereits restlos ausverkauft. Na toll, dafür extra nen Urlaubstag verbraten war dann nicht so meine Motivation..
    Zu hören dass dann gewisse Influencer eingeladen bzw. sogar eingeflogen werden um das Eventimage aufzupolieren ist dann natürlich nochmal mehr salz in die Wunde.. aber so läuft das halt..

    Schade, ich hätte wahnsinnig viel Lust gehabt mit meiner Freundin teilzunehmen, so werde ich aber wohl nie zu einem Event kommen, wenn gewisse Spieler bevorzugt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung. Mit dem Absenden willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.