Cell-Broadcast-Warnsystem für Deutschland könnte 2022 starten

Die Bundesregierung bekleckerte sich in den vergangenen Monaten nicht mit Ruhm: So wurden gleich in mehreren Krisensituationen die Strategien der zuständigen Ministerien kritisiert: Auf die Corona-Pandemie reagierte man spät und teilweise unentschlossen, digital stockt die Weiterentwicklung, bei der Evakuierung der Ortskräfte aus Afghanistan zauderte man zunächst und auch die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Juli 2021 wäre eventuell zumindest etwas anders verlaufen, hätte man sich zuvor um entsprechende Warnsysteme bemüht, wie sie in den USA seit Jahren üblich sind. Bei uns soll es nun wohl 2022 losgehen: Dann werde wohl ein Cell-Broadcast-Warnsystem starten.

Das System funktioniert so, dass Nutzer in einem betroffenen Gebiet per Cell Broadcast automatisch eine Nachricht auf ihr Mobiltelefon erhalten. Vodafone geht etwa aktuell davon aus, dass eine Einführung eines Systems bis Ende des Sommers 2022 machbar sei. Auch die Telekom sprach aber in der Vergangenheit davon, dass man so ein System schnell umsetzen könnte. Der Vorteil von Cell Broadcast liegt darin, dass die Nutzer keine spezielle App wie Nina oder Katwarn mehr benötigen.

Technische Vorgaben für das System werden aktuell diskutiert. Dabei muss natürlich die Sicherheit gewährleistet sein. Zudem müsse das System in den Mobilfunknetzen und auch bei den Behörden implementiert werden. Wenn die Vorgaben vorliegen, können die Netzbetreiber ans Werk gehen. Laut einem Sprecher von Telefónica werde die Umsetzung dann jedoch mehrere Monate Dauern. Die Kosten dürften bei insgesamt ca. 40 Mio. Euro liegen – alle Betreiber eingerechnet. Dazu werden aber pro Jahr Betriebskosten in Höhe von einer Mio. Euro kommen.

Cell Broadcast kann dabei am Ende aber natürlich nur ein Baustein sein, der andere Warnungen ergänzt, aber nicht ersetzt. Auch andere Wege, wie Warnungen in Radio und Fernsehen und ein Sirenen-System werden weiterhin ihre Bedeutung haben.

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14 Kommentare

  1. Für alle Experten, die meinen man könnte das doch schon morgen an den Start bringen:
    „Die Einführung des neuen Systems sei keine simple Sache, vielmehr müsse ein komplettes technisches System bei den Netzwerkherstellern bestellt und in Mobilfunknetzen und bei Behörden implementiert werden. »Wir befinden uns bereits im Dialog mit den deutschen Behörden zu Detailthemen wie technischen Realisierungsmöglichkeiten, gesetzlichem Rahmen, Datenschutz, Sicherheitsanforderungen an die Systeme, Prozesse und Schnittstellen.« Der Schutz vor Hackern sei sehr wichtig.“

  2. Ich frag mich ja schon was da großartig „implementiert“ werden muss und woher die Kosten kommen? Anscheinend denken sich die Mobilnetzbetreiber, den Bund kann man ordentlich melken, weil ja sowieso keiner wirklich Ahnung hat, Der Gesetzgeber sollte die Mobilnetzbetreiber dazu verpflichten diesen Dienst kostenfrei anzubieten. Wer da nicht mitmacht verliert dann eben die Lizenz. Es dient ja dem Schutz der Bevölkerung.

    • Ich würde davon ausgehen, dass das teure und noch zu implementierende nicht die Cellbroadcasting Funktion selbst, sondern die Schnittstelle(n) zu den diversen „Warnberechtigten“ sind. Also entsprechend funktionierender und geschützter Anschluss von Ministerien, Verwaltungen, Ämtern und den diversen Leitstellen (und u.a. Leitstellensoftware ist ein ganz besonders… interessantes Feld).

      • Ich dachte mit MoWaS wären die Berechtigungen geklärt und eine entsprechende Anwendungsschnittstelle vorhanden. Kann ja nicht so schwer sein darauf das CellBroadcasting-Warnsystem aufzusetzen. Wenn man als Netzbetreiber eine Geldquelle sieht, dann muss die auch genutzt werden. Ist ja bloß Steuergeld…

        • Keine Ahnung wie gut MOWAS da in der Praxis eingebunden ist und wir modular man das ergänzen kann (beim Warntag letztes Jahr waren ja doch noch einige Schwächen vorhanden…). Kann mir aber vorstellen, dass es schon allein nicht ganz so trivial ist von dem Knopf „warne Staddteil/Stadt/Region/Landkreis/Bundesland/Bund XY“ dann tatsächlich die entsprechenden Funkmasten einigermaßen sinnvoll zuzuordnen und anzusteuern ohne das es größeres Chaos, Doppelungen etc. gibt. Denke das wird nicht ohne (händisch?) kuratierte Listen gehen.
          Aber an den tatsächlichen Details wäre ich auch interessiert…

          • @Jerowski
            Ich sehe trotz deiner Anmerkungen nur wenige Tatbestände die eine Rechtfertigung der aufgerufenen Kosten (40 Mio. € plus 1 Mio. €/Jahr) darstellen könnten. Die Netzbetreiber wissen doch sehr genau welche Bereiche von ihren Funkmasten abgedeckt werden. In der Zeit, in der CellBroadcast für die Zwecke der Netzbetreiber zum Einsatz kam, hat es ja mit der Geolokalisierung auch funktioniert. Jetzt wird so getan als müsste man das Rad neu erfinden und will sich das teuer bezahlen lassen.

            • Wie gesagt, ich spekuliere auch nur und wäre an konkreten Details interessiert. Vielleicht beschäftigen sich der Bund der Steuerzahler oder der CCC sich ja zum Jahresende mal damit…
              Wobei eine kurze Suche und hoffentlich korrekte Taschenrechnerei auch ergibt, dass 40 Mio bei ca 80.000 Masten in Deutschland halt am Ende auch „nur“500€/Mast sind…

              • Was wäre denn am Mast nachzurüsten? Den Antennen ist es doch egal was sie aussenden und die priorisierten Sendekanäle wären sowieso vorhanden, was man so liest, und werden von den Netzbetreibern evtl. immer noch für eigene Zwecke genutzt.

    • Software in die Basisstation und zentrale Netzknoten, Anbindung der Behörden, die darauf zugreifen müssen um entsprechende CellBroadcast-Nachrichten los zu schicken.
      Das passiert nicht von alleine, sondern muss getestet und mplementiert werden und das kostet Zeit und Geld.
      Ein Mobilfunknetz besteht nicht nur aus den Antennen, die in der Landschaft rumstehen.

    • ich auch, denn Europaweit gibts Cell Broadcast schon und Telekom/Vodafone gibt im Ausland genauso. Heißt das System dahinter ist vorhanden.
      Solange man nicht auf 5G only wie die ARD setzt. Wo großteils jedes Smartphone gleich mal ausgeschlossen ist.

      • Ich muss hier mal kurz einhaken, nein, es gibt CB nicht Europaweit. Die Richtlinie der EU verpflichtet die Mitgliedsstaaten zu einem System, das einen Großteil der Bevölkerung erreicht (was realistisch nur mit Sirenen oder Cell Broadcast möglich ist). Das haben aber noch längst nicht alle umgesetzt. Bisher gibt es CB in Rumänien, den Niederlanden, Griechenland, Italien und Litauen, außerdem implementiert Großbritannien gerade CB. Das würde ich nicht als Europaweit bezeichnen.

  3. „Okay, dann klicken wir die Option in unserer Software mal an. Die ist ja eh schon eingebaut. Dafür hätten wir aber gerne 40 Millionen pro Jahr“.

  4. Lustig wie Andre 2032 geschrieben hat.

  5. 40 Millionen und es wird eh wieder ein Flop. Dieses Land kann doch sowieso nichts mehr als Steuergelder verschwenden.

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