Blendle: digitaler Zeitungskiosk verkauft Einzelartikel auch bald in Deutschland

Das Internet macht es Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern sehr schwer, ihre Arbeit zu finanzieren. Es gab bereits mehrere Anläufe über verschiedenen Finanzierungsmethoden, so richtig durchgesetzt hat sich bisher aber keine. Kommt ein Abo, holt man sich die Information anderswo, auch das ist Internet. Blendle ist ein niederländisches Startup, das in seinem Heimatland durchaus erfolgreich ist und den Publishern in den Niederlanden mehr Geld eingebracht hat als beispielsweise Apple. Das Prinzip von Blendle ist schnell erklärt, der Nutzer zahlt nicht für eine ganze Zeitung oder Zeitschrift, sondern kauft einzelne Artikel.

Blendle

Was uns das Ganze interessiert? Blendle hat Neuigkeiten zu verkünden. Das Startup hat nämlich einen Deal mit den großen deutschen Publishern abgeschlossen. Wie Business Insider berichtet umfasst der Deal alle wichtigen deutschen Verleger, beinhaltet 18 Tageszeitungen und 15 wöchentlich erscheinende Zeitschriften. Interessant hierbei: auch Verlage, die bereits eine Paywall integriert haben, können ihre Artikel über Blendle anbieten. Blendle umgeht dann quasi den Abozwang und man kann die Bezahlartikel einzeln abrufen, wenn man daran interessiert ist.

Wie teuer ein Artikel ist, wird von den Publishern festgelegt, um Schnitt kostet der Abruf rund 20 Cent. Die Bezahlung erfolgt mittels einmalig hinterlegter Kreditkarte über Blendle. Blendle behält einen Teil der Einnahmen und gibt den Rest an die Verlage weiter. Für den Nutzer gibt es ebenfalls ein großartiges Feature. Artikel, die einem nicht gefallen haben, werden sofort erstattet, wenn man eine Begründung mitliefert. Muss man sich im Nachhinein wenigstens nicht ärgern, wenn einem ein Artikel nicht gefallen hat, sondern man bekommt einfach sein Geld zurück.

Wann das Blendle-Angebot auch in Deutschland starten wird, ist nicht bekannt. Auf der Webseite kann man jedoch sein Interesse bekunden und eventuell sogar schon vor dem offiziellen Start einen Zugang erhalten. Dass Blendle nach Deutschland kommt, ist hingegen sicher, das steht groß auf der Webseite.

Spannendes Modell, ob es sich jedoch durchsetzen wird? Wie sieht es da bei Euch aus, lieber Einzelartikel aus verschiedenen Zeitungen lesen oder direkt ein Abo für eine Zeitung, dafür aber auf den Rest verzichten? Bis zu welchem Betrag würdet Ihr Artikel pro Monat kaufen?

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Sehr interessanter Ansatz – warum eine ganze Zeitung kaufen, wenn man nur einen oder weniger Artikel lesen will. Hoffentlich bald in Deutschland!

  2. Ein Abo würde ich heute nicht mehr abschließen. Zeitschriften sind qualitativ sehr schwankend – manche Artikel-/Artikelreihen sind sehr spannend. Dann gibt es von der gleichen Zeitschrift richtig schlechte Ausgaben – von daher finde ich die Möglichkeit einzelne Artikel(reihen) kaufen zu können sehr interessant.

    Sind diese Artikel eigentlich dann offline verfügbar und archiviert und vor allem sind die Zeitschriften ohne Werbung?

    Ps:
    Unten kann man sich mit einem WP Daten einloggen – auch wenn dieser Selfhosted ist?

  3. Ich bin da auch sehr dafür. Häufig interessiert einen doch sowieso nur wenig von einer Zeitschrift. Mir fehlt zumindest häufig auch die Zeit zu mehr.

    Zudem kann man vielleicht auch dann gut recherchierte und ausgewogene Artikel belohnen.

    Und die Befürchtung, dass dann nur noch Schocker und Sex als Lockvogel für Mist-Artikel verwendet werden, ist ja mit der Geld-Zurück-Garantie zumindest grob ausgeräumt.

  4. Eine Blendle Flat wäre toll. Ähnlich wie spotify nur für Zeitung. Zahle 10€/Monat und lese was du willst. Und die Verlage kriegen dann anteilig je gelesenen Artikel Ihr Geld.

  5. Auf den ersten Blick vielleicht eine gute Sache. Auf den zweiten Blick sehe ich das Geschäftsmodell ein wenig skeptisch.
    1. Das gut geschriebene und recherchierte Artikel durch ein Bezahlmodell mehr gelesen wird wage ich stark zu bezweifeln. Ansonsten wäre die Bild schon längst pleite.
    2. Ein Abo der ganzen Zeitung kann nur garantieren, dass alle Bereiche qualitativ auf einem hohen Niveau bleiben kann. Ansonsten sterben bestimmte Themen einfach aus, weil die Artikel entweder zu wenig oder gar nicht gelesen werden.

    Trotzdem spricht erstmal grundsätzlich nichts dagegen, wenn dies als weitere Einnahmequelle genommen wird.

  6. michael_cgn says:

    Das Problem ist doch eher auch der Journalismus selbst?
    Wo gibt es noch wirklich gut recherchierte Artikel, die keine Meinungsjournalismus betreiben?

    In Zeiten des Internets, wo jeder Nachrichten direkt hinterfragen kann, muß man leider zu oft feststellen, dass der „seriöse Journalismus“ oft genau so einseitig Ereignisse und Zusammenhänge berichtet, wie etwa politische Gruppen.

    Spiegel, Zeit, FAZ, Welt: sie sind oft keinen Pfennig Wert.

    Wie ein Modell aussieht, dass gute geleistete Arbeit honoriert? Die Frage muss noch beantwortet werden.

  7. Ich halte den Ansatz durchaus für interessant und habe auch schon für einzelene Artikel im Netz bezahlt (Stiftung Warentest z.B.). Von daher kann ich mir das durchaus generell für bestimmte Artikel vorstellen.
    Das funktioniert aber natürlich nur dann wenn auch wirklich eine hohe Qualität abgeliefert wird und keine Sommerloch Füllartikel.

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