Apple möchte iOS künftig noch besser (gegen das FBI) absichern

artikel_appleApple gegen den Staat, seit ein paar mehr Tagen beschäftigt eine Forderung des FBI nach einer Umgehung von Sicherheitsmerkmalen eines iPhone die Welt. Vielleicht nicht die ganze Welt, aber der technisch und vielleicht sogar politisch Interessierte wirft ein Auge darauf. Apple soll ein iPhone so manipulieren, damit es das FBI entsperren kann, um an Informationen zu kommen, quasi eine Sicherheitslücke schaffen. Diese soll zwar theoretisch nur in einem Fall zur Verfügung stehen, praktisch ließe sich eine solche Lücke dann aber immer wieder ausnutzen. Das aktuellste Kapitel der Geschichte lest Ihr in diesem Beitrag.

Aber Apple scheint einen Plan zu haben, selbst wenn der aktuelle Kampf vielleicht gegen Apple ausgeht. Begonnen hat ein Katz und Maus-Spiel, denn Apple soll laut New York Times bereits an einer Verschärfung der Sicherheitsmechanismen arbeiten. Die jetzige Absicherung wurde mit iOS 8 eingeführt, nachdem die Snowden-Enthüllungen der Welt zeigten, wie einfach es staatliche Behörden haben, an Daten zu kommen. Das FBI ist aber nicht die NSA, Apple ist kein Telekommunikationsanbieter. Für letztere ist es nämlich ganz klar geregelt, diese müssen Daten bereitstellen, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Eine neue iOS-Version wird also voraussichtlich dafür sorgen, dass Behörden – selbst wenn sie den San Bernardino-Fall gewinnen – wieder eine neue Methode brauchen, um an die Daten zu kommen. Vermutlich mit Hilfe von Apple, ebenso vermutlich erst wieder nach langwierigen Prozessen vor Gerichten. Erinnert fast ein wenig an den Kampf Apple gegen die Jailbreak-Community vor ein paar Jahren, als auf einen verfügbaren Jailbreak meist recht schnell ein iOS-Update kam, das die ausgenutzte Lücke schloss. Die neue Methode soll es unmöglich machen, ein iPhone zu knacken.

Für eine Lösung des aktuellen Falls müsste der Kongress einschreiten, klare Regeln festlegen, wie Firmen wie Apple oder Google zu behandeln sind. Welche Daten in welchen Fällen herausgegeben werden müssen. Bis dahin wird Apple weiter gegen die Manipulation angehen. Und so findet Apple-CEO Tim Cook auch die entsprechenden Worte in einem Interview mit ABC News:

“For all of those people who want to have a voice but they’re afraid, we are standing up, and we are standing up for our customers because protecting them we view as our job.”

Interessant wird es dann, wenn der Kongress tatsächlich einschreitet und Apple als Firma dann so behandelt wird wie ein Telekommunikationsanbieter. Bereits jetzt ist ja jede Firma bereits dazu verpflichtet, unter bestimmten Voraussetzungen Daten preiszugeben. Ist nun mal so, kann sich auch Apple nicht dagegen wehren. Wohl aber kann man sich dagegen wehren, ein sicheres System auf Staatsanfrage für alle unsicher zu machen. Das tut Apple in diesem Fall – und das ist gut so. Nicht nur für Apple-Nutzer.

Apple

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Ich finde es sehr schön, dass sie es probieren, aber was bringt es? Solange NSA Zugriff hat bzw. gesetzlich vorgeschrieben ist, wird Apple daran scheitern. Aber trotzdem drücke ich Apple die Daumen.

  2. Würde Google mit Android nur genauso denken… da gibt diesen Schutzmechanismus (Selbstlöschung nach X Unlockversuchen) noch nicht mal :((

  3. Apple gewinnt alle Terroristen und Kriminellen als Kunde, nicht schlecht!

  4. Apple will also ein bereits 100%-ig sicheres, perfektes System sicher machen.

    Also war alles bisher Vorgebrachte eine einzige große Lüge.

  5. @ Billy: Lese mal bitte den dritten Absatz nochmal genauer bevor du hier unreflektiert deinen Senf dazu gibst!

  6. @Billy
    Ein Besoffener hätte es früh um 3:00 Uhr mit 2,5 auf dem Zeiger auch nicht besser ausdrücken können. Gut gemacht.

    Die ganze Angelegenheit erinnert an die National Security Letters mit denen die NSA bei vielen Unternehmen ein- und ausgegangen ist. Bis ein kleiner Hoster aus New York damit mal zu einem Anwalt gegangen ist und ein Urteil erreicht hat. Google ist darauf hin mit einer Petition an die Öffentlichkeit gegangen, ist aber leider gescheitert. Seit dem kämpfen die Unternehmen dagegen in Washington an. Obama hat mal ein paar der CEOs von Google, Apple und Co eingeladen als es um seine neue Health Care-Seite ging. Da war aber eher diese Angelegenheit hier grosses Thema.

    http://www.wired.com/2013/04/google-fights-nsl/

    http://www.cnet.com/news/judge-orders-google-to-comply-with-fbis-secret-nsl-demands/

  7. @EGH
    Ich kann nur hoffen, daß das ein Scherz, wenn auch ein richtig mieser, sein sollte…

    Wie würde es dir gefallen, wenn eine Behörde an dich herantritt und die direkte Herausgabe deines privaten, entsperrten Smartphones verlangt?
    Wenn dir das jetzt doch nicht mehr so angenehm mehr ist, kannst du dein Smartphone auch direkt vor den Augen deines Partners entsperren und es ihm/ihr dann mal nur für 1 Woche zur Nutzung überlassen. Kann kein Problem sein, denn es ist keine Behörde und es bleibt ja in der Familie. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die meisten Beziehungen bereits nach 1 oder 2 Tagen in leichte Schieflage geraten würden.
    Wenn du darin immer noch kein Problem siehst, kannst du das Smartphone wieder entsperren und mal deinen Kindern zur Nutzung übergeben.

    Falls du jedoch das Smartphone ausschließlich zum Telefonieren nimmst, brauchst du genau genommen auch kein Smartphone mit dem Funktionsumfang einer eierlegenden Wollmilchsau. Dann wäre selbst ein quersubvenioniertes Smartphone für Umme oder den obligatorischen Euro im Grunde rausgeschmissenes Geld.

  8. In der Regel geschieht der Zugriff auf die Daten ja nicht am Endgerät sondern im „Medium“ Internet. Daher sollte man sich bei einer vollständigen Überwachung der Kommunikation nicht darauf verlassen, dass die persönlichen Daten auf dem Endgerät sicher sind. Zudem sollte man sich die Besonderheit des aktuellen Falles vor Augen führen. Ich denke dass ein Terrorist das Smartphone anders nutzt als der Normalo, und auch anders als die Leser hier im Blog.

    Der Widerstand von Apple ist auf jeden Fall zu begrüßen und zu unterstützen. Sobald eine Backdoor in einem System eingebaut wurde schränkt dies die Freiheit jedes einzelnen Users ein.

  9. marketing to the fullest – es gibt berichte die besagen, dass apple eine backdoor einbauen oder beim auslesen des telefons helfen wollte – die einzige bedingung war, dass dies nicht öffentlich wird. da es nun zu einer öffentlichen sache geworden ist, muss die marketing-abteilung bei apple natürlich gegensteuern und beteuern, dass sie sowas nie vorhatten und die daten des kunden heilig sind (ausgenommen natürlich werbepartnern etc. gegenüber 😉 …)

    wer wirklich glaubt, dass die unternehmen im interesse des verbrauchers handeln, glaubt auch an den weihnachtsmann…

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