Apple erklärt, warum man Apps zur elterlichen Kontrolle aus dem App Store entfernte

Mit iOS 12 führte Apple eine neue Funktion namens Bildschirmzeit ein, mit der sich eine Menge Informationen zur iPhone-Nutzung sammeln lassen. Welche App hat wie viel Zeit in Anspruch genommen? Wie lange habt ihr mit welchem Spiel zugebracht? Neben der reinen Informationsfunktion können Eltern damit außerdem Nutzungszeiten für Kinder festlegen und entsprechende Limits setzen. So weit, so gut. Nun hat der Konzern Apps aus dem App Store verbannt, die genau dieselben Funktionen erfüllen, Zeiten monitoren und Limits festlegen – zur elterlichen Kontrolle eben.

Die New York Times nahm das zum Anlass eine kontroverse Diskussion vom Zaun zu brechen, ob Apple damit den Wettbewerb verhindern will und den Nutzer zwingen möchte, Bildschirmzeit zu nutzen. Apple hat mit einem offiziellen Statement reagiert. Das Ganze sei kein Wettbewerbsthema, sondern eine Sache der Sicherheit, man erklärt auch warum.

Bereits 2017 hat der Konzern festgestellt, dass Apps zur elterlichen Kontrolle die Informationen zur Nutzung des Gerätes nur sammeln und Limits nur festlegen können, weil man sich MDM-Funktionen zunutze macht. Das Mobile Device Management ist eine für Unternehmen entwickelte Funktion, die eine Menge Eingriffe in das Gerät möglich macht. Die Apps können theoretisch den kompletten Standortverlauf des Kindes, den Browserverlauf, E-Mails und vieles mehr tracken.

Wer solche Apps nutzt, gewinnt zwar Einblicke in das Nutzungsverhalten des Kindes, opfert dafür aber eine Menge Privatsphäre. Die Nutzung von MDM im privaten Sektor verstößt weiterhin ganz klar gegen die App-Store-Richtlinien, die Entwickler der Apps wurden wie alle anderen auch mit der Bitte angeschrieben, entsprechende Verstöße innerhalb von 30 Tagen zu beheben. Da das nicht passiert ist, hat man 11 der 17 bekanntesten Apps zur elterlichen Kontrolle aus dem App Store genommen.

Apple hat schon immer Anwendungen von Drittanbietern im App Store unterstützt, die Eltern bei der Verwaltung der Geräte ihrer Kinder helfen. Im Gegensatz zu dem, was die New York Times am Wochenende berichtete, geht es hier nicht um Konkurrenz. Es geht um die Sicherheit.

In dieser App-Kategorie und wie in jeder anderen Kategorie auch, sind wir bestrebt, ein wettbewerbsfähiges, innovatives App-Ökosystem anzubieten. Es gibt viele äußerst erfolgreiche Apps, die Funktionen und Dienste ähnlich wie die von Apple in Kategorien wie Nachrichten, Karten, E-Mail, Musik, Webbrowser, Fotos, Notizen-Apps, Kontaktmanager und Zahlungssysteme anbieten, um nur einige zu nennen. Wir sind bestrebt, diesen Apps einen Ort zu bieten, an dem sie wachsen können, da sie die Benutzerfreundlichkeit für alle verbessern.

Nutzt ihr Bildschirmzeit aktiv auch zum Beschränken der Nutzung durch eure Kids, nur zu Informationszwecken oder gar nicht? Wie sieht es bei den Android-Nutzern aus, nutzt ihr Digital Wellbeing aktiv?

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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15 Kommentare

  1. Ich finde die Reaktion von Apple sehr gut. Das Ausnutzen der MDM Richtlinien für private „Zwecke“ soll und darf nicht ausgenutzt werden. Wir selber haben bei uns in der Firma Airwatch MDM auf unseren iOS Geräte aktiv, daher weiß ich, was damit alles möglich ist bzw. wäre.
    Ich selber nutze die Funktion auch für meine Kinder. Auch auf Android. Dort mit der von Google angebotenen Software „Family Link“. Dort kann man allerdings leider (noch) nicht so granular die Apps selber zeitlich beschränken. Würde gern die eine oder andere App (z.B. Telefon) grundsätzlich zulassen, andere aber zeitlich begrenzen.
    Aber vielleicht kommt das ja noch.

  2. Und immer wieder werde ich daran erinnert warum es gut war Apple den Rücken zu kehren. „Die einzigen, die den User gängeln dürfen sind wir selbst“ – Wahlspruch von Apple?

    • Das ist Unsinn. Mit dem MDM liegt Apple jedem (!) das notwendige Werkzeug dafür in die Hand, entsprechende „Gängelungen“ zu vollziehen. Gegenfrage: Kennst du dich mit dem MDM aus?
      Das Problem ist, dass es im Falle es eines Datenmissbrauchs eben nicht heißt, App-Anbieter xyz hat Missbrauch mit den Daten betrieben sondern „Datenleck beim iPad“. Wenn die also schon den Kopf dafür hinhalten, sollte wenigstens dann auch die Verantwortung entsprechend klar sein.

      • “ Mit dem MDM liegt Apple jedem (!) das notwendige Werkzeug dafür in die Hand, entsprechende „Gängelungen“ zu vollziehen. “
        Erstens meinst du „..legt Apple..“ 😛
        Und zweitens:
        „research has shown that MDM profiles could be used by hackers to gain access for malicious purposes.“ Aber Apple stellt es trotzdem Geschäftskunden zur Verfügung..weil Datenmißbrauch bei
        denen keine Rolle spielt? Oder das etwaige Klagen irrelevant wären im Falle des Falles? Wohl kaum.
        Der (auch zeitliche) Zusammenhang zwischen Ankündigung eigener Maßnahmen und Verschärfung von Regeln mitsamt Ausbootung der effizienteren Konkurrenztools lässt sich da nicht so einfach von der Hand weisen. Und das kann man durchaus als Gängelung betrachten, da es sich „nur“ um den
        Privatsektor handelt. Rechtlich dürfte auch nicht jeder Arbeitgeber MDM derart umfassend nutzen,
        wie es Apple zur Verfügung stellt, aber das scheint ja auch kein Problem zu sein.

        • Ähm, Du hast da was nicht verstanden. Die MDM-Profile liegen dann bei einem der App-Anbieter.
          Wenn eine Firma die Telefone ausgibt und die Profile selber hostet, ist das glaube ich etwas ganz anderes. Mal überlegt was passiert wenn bei nem Anbieter Profile geklaut werden?
          Es war auch schon immer untersagt, MDM im privaten Sektor zu nutzen. Da liegt keine Änderung der Regeln vor. Nur werden sie jetzt durchgesetzt.

          • Die Profile, von denen du redest, liegen auf den überwachten Smartphones, also auf denen der Kinder… Und Zugriff darauf haben die Eltern per Server auf dem eigenem Gerät. Der App-Anbieter hat abseits der üblichen Verbindungen keinen weitergehenden Zugriff auf eins der Geräte, von ihm können keine Profile „geklaut“ werden. Das ist eher im Business- und Bildungssektor möglich – hier reicht ein gezielter Angriff um Zugriff auf ganze Schulen oder Firmennetzwerke zu bekommen.
            „and updated our guidelines based on that work in mid-2017“
            Das liest sich ganz klar nach einer Änderung, wenn auch keine grundlegende. Die Apps wurden
            eben solange geduldet, wie man sich selbst eher stiefmütterlich um das eigene Angebot gekümmert hat – die haben ja die Jahre davor die gleichen Schnittstellen benutzt – inklusive dazugehöriger Erklärung auf deren Seiten. Das war kein „Geheimnis“, das Apple erst im Jahr 2017 zufällig feststellen musste – die Apps haben ja geradezu damit geworben, weitergehende Funktionen als die hauseigenen Apps mittels MDM zu beherrschen.

        • Hallo David , wenn ich als Betrieb meinen Mitarbeitern Betriebsmittel , egal ob Hard- oder Software , für Ihre Arbeit zur Verfügung stelle , habe ich auch das uneingeschränkte Recht über die Art und Weise der Nutzung dieser Betriebsmittel zu bestimmen . Angefangen von Betriebsvereinbarungen bis hin zu technischen maßnahmen – z. B. Sperren von Schnittstellen an Dienst-PCs. Das ist etwas anderes als ein Verhältnis zwischen Personen die in keinem Dienst-oder Arbeitsverhältnis zueinander stehen.

          • So ein „ueingeschränktes“ Recht gibt es nicht, wenn wir von allen möglichen Betriebsmitteln reden.
            Ich habe zB eine Chipkarte für das Firmengebäude, der an meinem Schlüsselbund hängt, das gibt dem AG noch lange nicht das Recht, mich überall zu „tracken“, schon gar nicht außerhalb des Firmengeländes. Und wir reden hier von mobilen Geräten, die ja nicht nur an einem Arbeitstisch/Raum benutzt werden, sondern überallhin mitgenommen werden, Toilette, Pausenraum, unterwegs zur „Konferenz“, Zuhause. Gerade Iphones werden doch auch dank MDM für die Arbeit als auch für die private Nutzung zur Verfügung gestellt (jedenfalls in den USA), da ist schon von vornherein klar, dass der AG seinen Mitarbeitern nicht hinterherspionieren darf. Aber es wäre eben doch möglich, und der Reiz, diese Möglichkeit zu mißbrauchen, ist bei einem AG durchaus gegeben – er hat ja alle Kontrollmöglichkeiten in der Hand. Und da sehe ich ein größeres Risiko als einen Mißbrauch bei einzelnen Eltern, wo jemand auch erstmal das Phone der Eltern quasi hacken muss. Apple muss jetzt ja nicht deswegen auf dieses lukrative Geschäft verzichten, wenn sich die Arbeitgeber+Nehmer freiwillig diesem Risiko aussetzen – aber wenn die Eltern das deutlich kleinere Risiko auch in Kauf nehmen, muss Apple hier auch nicht die Nanny spielen – in jedem Fall sind es Erwachsene, die bewusst einen Deal eingehen.

  3. Mit Digital Wellbeing kann man sich selbst überwachen, aber keine anderen Geräte (etwa der Kinder). Googles Family Link funktioniert seit Android 9 bei mir nicht mehr, insofern muss ich nun auf andere Anbieter ausweichen.

    • Welcher Teil funktioniert nicht mehr? Der Eltern- oder der Kinderpart?
      Ich selber hab A9 und kann noch alles einstellen. Das Gerät meiner Tochter hat allerdings noch A8 (vielleicht kommt ja das A9 Update für das Moto G6 diese Jahr irgendwann …).

    • Daniel Däschle says:

      Ich kann mit Kaspersky Safe Kids nur positives berichten. Kostet 10€ im Jahr, was auch ein Preis ist, der absolut in Ordnung ist.

  4. Mein Sohn ist 4,5 Jahre alt. Dem drücke ich kein so komplexes System wie ein Smartphone/Tablet zum Daddeln in die Hand. Im Urlaub darf er auf dem Tablet (nen Kindle Fire 7″ irgendwann mal rabbatiert für 40,-€ genau dafür gekauft) mal eine/n Serie/Film schauen, wenn das Wetter schlecht ist. Eher lasse ich ihn Mario Bros oder Mario Kart auf der Wii U oder dem 3DS spielen. Das bekommt er hin, kann nicht viel falsch machen, kann quasi keine unpassenden Inhalte konsumieren. Und die Zeit behalte ich selber im Blick. Mein Smartphone bekommt er nicht, das ist kein Spielzeug (sind auch nur verdammt selten irgendwelche Spiele installiert, schon gar nicht für seine Altersklasse).

    • Ich habe meinem Sohn ein FireTablet gekauft und das Freetime Unlimited Abo dazu für (Primekunden) 2,99 im Monat. Da kann man ganz genau einstellen, was er sehen / spielen darf.
      Und umgehen ist unmöglich, es sei denn, das Kind findet den Code der Elter raus. Ansonsten bewegt sich das Kind nur in der gesicherten Umgebung des Angebots. Man kann auch problemlos sehen, was konsumiert wurde und die Zeiten einstellen. Es gibt Spiele, Filme und Bücher.

      • Bitte beachten, meine persönliche Meinung:
        Solange (m)ein Kind ein System nicht zumindest ansatzweise versteht – es kann im Falle meines Sohnes noch nicht mal lesen – halte ich es einfach für falsch, ihm ein solches System zur Verfügung zu stellen. Auch nicht – oder vielleicht grade deshalb – wenn die Eltern die Nutzung mit Hilfe einer App regelmentieren, statt persönlich für die Einhaltung von Regeln zu sorgen. In dieser Verantwortung sehe ich mich als Vater in jeder Hinsicht (nicht nur bei diesem Thema).
        Mir scheint es nicht richtig, sowas einer App zu überlassen, ohne, dass ich mich weiter darum kümmern muss, sobald die App einmal eingerichtet ist. Mein Kind soll auch die Erfahrung machen dürfen, das es Folgen haben kann, sich über Regeln hinweg zu setzen. Das wird er nicht lernen, wenn ein Gerät für mich/ihn unausweichlich diese Grenzen zieht.

  5. Ich finde es äußerst bedenklich, wenn Eltern meinen, es sei das normalste der Welt, die Intimsphäre ihrer Kinder bis ins kleinste auszuspionieren zu müssen. Aber wahrscheinlich sind das die gleichen Eltern, die den ganzen Tag über Kinderfotos auf Facebook posten. Sollten Eltern auf solche Apps ausweichen müssen, haben sie im Vorfeld wohl einiges nicht erledigt.

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