ANC: Geräuschunterdrückung ohne Kopfhörer entwickelt sich weiter

Mittlerweile gibt es ANC (Active Noise Cancelling) nicht nur für Over-Ear-, sondern sogar für In-Ear-Kopfhörer. Und das Prinzip der aktiven Geräuschunterdrückung funktioniert erstaunlich gut. Im Wesentlichen werden störende Nebengeräusche aus eurer Umgebung mit den passenden Frequenzen überlagert. Am besten funktioniert das freilich mit monotonem Lärm, etwa dem Brummen eines Motors. Nun soll sich auch das ANC ohne Kopfhörer weiter entwickeln.

Forscher der University of Technology Sydney bzw. dessen Centre for Audio, Acoustics and Vibration haben kürzlich ein neues ANC-System vorgestellt, das die Technologie in einer Kopfstütze unterbringen kann. Die Idee ist durchaus nicht völlig neu. 1991 nutzte der Nissan Bluebird in Japan etwa ein ähnliches System. Doch seitdem hat sich an der Technik kaum etwas getan. Anders sieht es bei Kopfhörern aus, bei denen die Voraussetzungen jedoch andere sind. So ist dort die passive Geräuschunterdrückung ebenfalls ein Faktor, welche durch die Ohrpolster der Kopfhörer gewährleistet wird und insbesondere vor hochfrequenten Geräusche abschirmen kann.

In Sydney hat man nun ein ANC-System für sowohl hoch- als auch niederfrequente Geräusche entwickelt. Getestet wurde es bereits mit typischen Geräuschen aus dem Inneren von Flugzeugen, menschlicher Sprache und dem Sound eines vorbeifliegenden Flugzeugs. Die Forscher sprechen von virtuellen ANC-Kopfhörern, da man mit dem neuen Kopfstützen-System nahe an Kopfhörer herankomme.

Allerdings gibt es aktuell auch noch einen Faktor, der das Team ausbremse: die Kosten. Denn es kommen für die Systeme auch Laser-Doppler-Vibrometer zum Einsatz, welche eigentlich als wissenschaftliche Werkzeuge gelten und entsprechend teuer sind. Für den breiten Einsatz sind die neuen ANC-Systeme somit aktuell noch nicht geeignet. Man hofft aber mehr Kosteneffizienz zu erreichen. Es gibt auch noch weitere Baustellen wie etwa das Head-Tracking, das verbessert werden könnte. Auch die Qualität der Geräuschunterdrückung ist noch verbesserbar. Man darf aber gespannt sein, wie es da noch weitergeht.

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13 Kommentare

  1. Wäre schön wenn man so ein System in Ear auch nutzen könnte um Tinitus aktiv auszublenden.
    Im Moment nervt er mich ziemlich.

    Gruß Enne

    • Tinnitus hat keine physikalischen Schallwellen als Ursache, die man mit ANC auslöschen kann. Das dürfte also leider nicht funktionieren.

      • Aber die Grundidee der Frequenz Überlagerung sollte wohl trotzdem irgendwie anwendbar sein – die Tinnitus Frequenz müsste dafür dann individuell bestimmt werden.
        Da gibt es bestimmt spezielle bzw professionelle Lösungen für, zu spezialisiert für „normale“ Kopfhörer mit ANC

        • Leider nein, deshalb ist die EU-weit akzeptierte evidenzbasierte Leitlinie nach wie vor ein psychologischer Ansatz. Trotzdem etwas für Techies: Es gibt Apps, die bei der Umsetzung der Leitlinie helfen. Ein Beispiels ist da „Kalmeda“. Die ist interessant, weil sie eine der ersten Apps im neuen DiGA-Verzeichnis des BfArm war und somit in der Erstattung durch Krankenkassen ist.

          Weiterlesen hier: https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis

          @Caschy & Co: Wäre übrigens auch mal ein Thema für den Blog – habe glaube ich noch nichts gesehen zu den aktuellen (digitalen) Entwicklungen im Gesundheitswesen.

  2. Aber die Grundidee der Frequenz Überlagerung sollte wohl trotzdem irgendwie anwendbar sein – die Tinnitus Frequenz müsste dafür dann individuell bestimmt werden.
    Da gibt es bestimmt spezielle bzw professionelle Lösungen für, zu spezialisiert für „normale“ Kopfhörer mit ANC

  3. Es gibt da doch schon was mit Leutsprechern für Büroräume bezüglich Sprache (Soundmasking): https://cambridgesound.com/
    Das könnte doch evtl. für Flugzeuge etc anwendbar sein?

  4. Der Tinnitius ist quasi ein Kurzschluss im Hörapparat. Der Ton wird nicht durch Schallwellen die auf das Trommelfell treffen erzeugt. Daher hilft Antischall auch nicht. Tinnitus wird meist durch Überlagerung von Rauschen bzw. angenehmen Klangteppichen wie Wald, Meeresrauschen usw. Maskiert.

  5. Mein Problem mit ANC ist immer, dass ich es ein wenig als Anstrengung oder Belastung empfinde. Es ist ja halt so, dass man nicht „nichts“ hört, sondern zwei Geräuschkulissen, die sich überlagern… das muss den Körper bzw das Gehör doch anstrengen, oder? Trotzdem geniesse ich es mal für einige Stunden das drumherum im Flugzeug auszublenden, aber den ganzen Tag will ich das nicht haben.

  6. Mein persönliches ANC nennt sich derzeit Ohropax. Funktioniert erstaunlich gut, das Getrampel und Gestöhne der Nachbarn wird zumeist effektiv ausgeblendet 🙂 Leider höre auch ich weiterhin meinen Tinnitus – fieses kleines Ding. So ein ANC für Umgebungsgeräusche ganz ohne Kopfhörer hätte aber gerade für Anwohner, die nahe belastender Lärmquellen wohnen, sicherlich überaus erfreuliche Auswirkungen.

    • Grundsätzlich hast du ja Recht. Allerdings wäre es die weitaus bessere Idee die Lärmbelastung der Menschen zu reduzieren. Ich nutze die AirPods Pro wenn ich in den Öffis unterwegs bin. Das funktioniert sich sehr gut, allerdings vermute ich auch, dass es das Gehör auf Dauer ermüdet. Es wird halt andauernd mit Schall und Antischall beballert. Ist ein wenig so, als wenn man erst die Luft verschmutzt und den Menschen dann (auf eigene Rechnung) Luftfilter verkauft. Dafür, dass wir im 21. Jahrhundert leben ist z.B. die Geräuschentwicklung im Öffentlichen Nahverkehr ein Offenbarungseid.

  7. Gibt es das auch für meinen Chef ??? 😉

  8. Solange Hupen nicht mehr hörbar sein wird und Martinshörner, ist alles gut…. oh wait…!!

    • Ja da sollte man sich mal international auf Frequenzen einigen die als Warnsignal genutzt werden aber in der Musik nicht so wichtig sind, die dann nicht rausgefiltert werden.

      Wenn das ein standard für alle signalhornproduzenten und Anc Produkte Produzenten wird, wäre das Nen echter Fortschritt.

      (gerade jetzt wo Anc bei der breiten Masse angekommen ist, vor 10 Jahren kannte man das ja nur als bose quiet comfort Besitzer)

      Wären die Berliner Autofahrer nicht so umsichtig h hätte man mich schon längst mit Kopfhörern bzw ohrhörern über den Haufen gefahren.

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