Amazon und Google sollen an Telefonfunktion für ihre smarten Lautsprecher arbeiten

Amazon Echo und Google Home haben mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick meinen mag. Auch in dem, was sie nicht können. Aber irgendwann können sollen. Das Wall Street Journal berichtet, dass beide Unternehmen daran arbeiten, ihre smarten Lautsprecher zum Heimtelefon zu machen. Und dabei vor einigen Problemen stehen. Völlig unklar ist allerdings noch, wie die technische Umsetzung aussehen wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von der eigenen Nummer für die Lautsprecher bis zur Integration eines Drittanbieter-Dienstes wie Skype.

Neu ist der Gedanke nicht, bereits seit dem Start von Echo 2014 soll Amazon an einer solchen Funktion gearbeitet haben, die Pläne wurden aber im Laufe der Zeit langsamer verfolgt. Ein großes Problem ist nämlich der Nutzer. Bei einem immer zuhörenden Lautsprecher gibt es sowieso schon Privatsphärebedenken, Nutzer sehen Telefongespräche aber als Sache, die sehr intim ist und die man nicht unbedingt über einen solchen Lautsprecher führen möchte. Diese Angst müssen die Unternehmen überwinden, das ist aber nicht das einzige Problem.

Die Lautsprecher werden per Sprache bedient. So könnte es in einem Telefongespräch durchaus vorkommen, dass „aus Versehen“ aufgelegt wird, wenn man im Gespräch das entsprechende Zauberwort erwähnt. Quasi so, wie Nachrichtensprecher Bestellungen auslösen können. Auch ist unklar, wie Gespräche weitergegeben werden sollen. Bekommt Echo / Google Home eine eigene Nummer, müsste man eine Rufumleitung anlegen, um auch unterwegs erreichbar zu sein.

So richtig konkret, wie Google und Amazon die Probleme lösen wollen, wird der WSJ-Artikel nicht. Vorstellbar wäre zum Beispiel auch einfach eine Anrufweitergabe vom Smartphone an den Lautsprecher, wobei man auch hier wieder vor dem Problem der Sprachsteuerung stehen würde. Und dann bleibt natürlich auch noch die Frage, was die Unternehmen speichern würden.

Die Lautsprecher zeichnen permanent Geräusche auf, um das Aktivierungswort zu erkennen. Das bereitet vielen schon Bauchschmerzen. In Sachen Telefonie soll es dann wohl so sein, dass Amazon „nur“ die Metadaten zu einem Gespräch aufzeichnet, also Dauer und Gesprächspartner, nicht aber die Inhalte eines Gesprächs. Zu Googles Lösung gibt es keine Informationen in diesem Bereich.

Ein weiteres Problem wäre der Notruf. Da ein Anrufsystem von Amazon oder Google über VoIP realisiert werden würde, sind Notrufnummern nicht erreichbar. Über die Integration dessen ist man sich wohl noch nicht so im Klaren. Ebenso wie die Frage zu beantworten wäre, ob Amazon und Google dann als Telekommunikationsanbieter auftreten würden und entsprechend Auskunft über Gespräche geben müssten, wenn Strafverfolgungsbehörden ankommen.

Das Ganze liest sich nicht nach „das Feature ist morgen verfügbar“, sondern vielmehr nach logischen Plänen, die eben im Laufe der Zeit umgesetzt werden. Am einfachsten wäre wohl tatsächlich die Gesprächsübergabe vom Smartphone an den Lautsprecher, aber davon hätten die Anbieter natürlich nicht viel. Für mich persönlich ist Telefonie völlig irrelevant, insofern ist das auch keine Funktion, die ich unbedingt sofort bräuchte. Aber wie sieht es mit denjenigen aus, die viel telefonieren? Vermisst Ihr eine solche Funktion?

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

10 Kommentare

  1. Cool wäre mal eine Hausinterne Intercom Lösung für den Start. Aus der Badewanne „Alexa verbinde Küche“ „Schatz bringst Du mir einen Kaffee?“. 😉

    Ich fänds praktisch. Im Moment machen wir Hausintern viel über interens Telefonieren aber die Echos wären prädestiniert für eine schicke Intercom Lösung.

  2. Mir würde es schon reichen, wenn mein Echo das Bluetooth Hands Free Protokoll unterstützen würde. Richtmikrofone, anständige Sprachausgabe und Bluetooth Anbindung. Eigentlich als Freisprecheinrichtung prädestiniert.

    Zusatz: Ne Steuerung meines Fire TV’s über mein Echo würde mir auch gefallen.

  3. Ich sehe da eigentlich kein großes Problem. Wenn ich das Gerät in der Fritz.box oder einem vergleichbaren System als IP Telefon anlege, kann ich Notrufe wählen und angerufen werden sowie anrufen(auch wenn es technisch VoIP ist) . Das ich auf dem Festnetz nicht unterwegs erreichbar bin, sollte klar sein und war früher auch kein Problem. Dafür gibt’s nen AB

  4. Warum einfach wenn’s auch kompliziert geht. Was ist wenn ich in einem anderen Zimmer bin? Durch die Wohnung brüllen? Smartphone, Smartwatch, Tablet, Notebook kann ich viel einfacher mitnehmen, Anrufe gehen auch auf Zuruf, sogar ne Telefonnummer ist dabei, etc…
    Smart Lautsprecher finde ich extrem überflüssig. Wenn schon dann ne echte Streaming-Box mit Assistent. Die ist auch stationär, macht aber im Wohnzimmer schon eher Sinn. Da habe ich wenigstens Zugriff auf alle meine Inhalte wie Filme, Musik, Fotos, etc.

  5. Notrufe sind bei SIP doch kein Thema. Ansonsten kann man das am Standort auch erkennen. Canary macht es auch so…

  6. … also ich würde gern den AB von der FritzBox abfragen können und ein Intercom wäre auch nicht schlecht.
    Ich hatte AVM diesbezüglich schon mal angeschrieben … vermute aber, dass die andere Ideen haben (?).

  7. @Roman Notrufe sind sehr wohl ein Problem. Was nützt SIP, wenn kein Internet verfügbar, oder Stromausfall ist?

  8. Hierzu hab ich auch schon bei AVM einmal angefragt ob es nicht möglich ist einen Skill für die FritzBox zu erstellen. Echo verbunden über das heimische WLan mit der Fritzbox analog wie das Telefonieren via FritzFon App via WLan funktioniert.
    Telefoniert wird dann über die Firzbox und Echo fungiert wie ein Smartphone auf dem besagte Fritz App läuft.

    Gedanke kam bei der Überlegung, was ist, wenn man in der eigenen Wohnung verunglückt und sich nicht mehr bewegen kann aber Sprechen noch möglich ist?
    Ein „Alexa, ruf bitte [Name] an.“ oder ein „Alexa, ruf die 112 an“. Via FritzBox wer auch das Problem mit der eigenen Rufnummer und VoIP für Notrufe scheinbar gelöst.

  9. Klingt spannend. Ich bin mit meiner Alexa auch ziemlich happy. Hoffe nur, dass es per Update kommen würde und nicht als Alexa 2.0.

  10. Michael, ja was ist denn wenn Stromausfall ist und dein DECT-Telefon nicht läuft? Das ist kein SIP-Problem. Wenn du eine Nummer aus Berlin hast, geht der Notruf nach Berlin. Ansonsten musst du dir die lokale Notrufnummer selbst notieren und wählen.