Amazon: Streik an sechs deutschen Standorten

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Beschäftigten an sechs Standorten des Versandhandelskonzerns Amazon für Montag und Dienstag zum Streik aufgerufen. Hierbei möchte man den Druck erhöhen und die Kampagne für den Tarifvertrag „Gute und gesunde Arbeit“ fortsetzen. Hierbei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Gesundheit der Mitarbeiter.

Laut ver.di würde Amazon die Aufklärung im Falle der Coronavirus-Ausbrüche an Amazon-Standorten wie Bad Hersfeld vermissen lassen. „Nach unseren Informationen haben sich dort mindestens 30 bis 40 Kolleginnen und Kollegen infiziert“, so Orhan Akman, bei ver.di verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel. „Wie schon im Fall der Ausbreitung von Covid-19 in Winsen (Luhe) mauert die Unternehmensführung auch diesmal und verweigert Aufklärung. Das gefährdet die Sicherheit und Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen, ihrer Familien und die der Anwohnerinnen und Anwohner.“

Die Gewerkschaft fordert den Abschluss eines Tarifvertrags „Gute und gesunde Arbeit“, um den Gesundheitsschutz und die Sicherheit der Beschäftigten abzusichern. Außerdem verlangt ver.di vom Konzern die Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels. Die Streiks in Leipzig, Bad Hersfeld (mit zwei Standorten), Rheinberg, Werne und Koblenz (Kobern-Gondorf) beginnen mit der Nachtschicht zum Montag und werden mindestens 48 Stunden andauern, so ver.di in seiner Meldung an die Presse. Zudem sind an anderen Standorten des Unternehmens, an denen Streiks derzeit u.a. wegen der geltenden Auflagen zur Covid-19-Prävention nicht möglich sind, begleitende Aktionen geplant.

Update: Amazon selbst hat bereits ein Statement abgegeben:

„Was die Gewerkschaft als Ziel beschreibt, ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Amazon längst Realität: Löhne am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird, Entwicklungschancen für viele Menschen und vor allem ein sicheres Arbeitsumfeld. Tatsache ist: Amazon wird bis Ende Juni rund 4 Milliarden US$ in Covid-19 Maßnahmen investiert haben, damit Mitarbeiter und Kunden geschützt sind. Allein in Deutschland haben wir seit Februar 470 Millionen Einheiten Desinfektionsmittel für die Hände, 21 Millionen Paar Handschuhe, 19 Millionen Masken, Gesichtsschilder oder anderen Mund-Nase-Schutz und 39 Millionen Packungen desinfizierende Wischtücher bestellt.“

Der Streikaufruf hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal. Lediglich ein kleiner Teil der Belegschaft beteiligt sich am Streikaufruf.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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22 Kommentare

  1. therealThomas says:

    Da hatte Amazon ja sogar noch diese gespielte „Ich fühl mich wohl und alles ist traumhaft“-Werbung bzgl. Corona-Maßnahmen ausgestrahlt und dann…

  2. Ich verstehe es nach wie vor nicht. Amazon ist der Inbegriff eines effizienten Logistikers, wenn man sich mal anschaut, was dort tatsächlich passiert. Warum dann der höhere Einzelhandelstarif gefordert wird, kann nur ideologische Gründe haben. Ich wurde im Gegensatz zum MediaMarkt zumindest noch von keinem Amazon Mitarbeiter zu einem Produkt beraten noch konnte ich es mir vor Ort anschauen.

    Unbenommen davon ist natürlich alles, was mit Arbeits und Gesundheitsschutz zu tun hat.

    • Damit Verdi seine Provision bekommt. Weshalb streiken sonst nur ein paar Hansel?

    • Natürlich ist Amazon ein Logistiker. Auf der anderen Seite versucht natürlich eine Gewerkschaft für seine Mitglieder bessere Arbeitsbedingungen herauszuschlagen, in dem Fall einen höherwertigen Tarifabschluss.
      Das hat doch nichts mit Ideologie zu tun, sondern ist eine Notwendigkeit für Arbeitnehmer um seine Arbeitskraft besser zu verkaufen.

      • Sinnvoll und konsequent wäre es wenn Verdi sich für bessere Bedingungen für Logistiker einsetzt. Aber da traut sich Verdi nicht ran.

        • Von sinnvoll und konsequent war auch nicht die Rede. 😉
          Andererseits, könnte Verdi bei Amazon einen Tarifvertrag für den Einzehandel durchsetzen, wäre das ein ungemeiner Prestigegewinn.
          Und die Taktik ist ja altbekannt. Utopisches Fordern und sich in der Mitte einigen.

    • Man könnte argumentieren, dass Amazon den Einzelhandel geschrumpft hat und dort Leute arbeiten, die sonst besser bezahlt worden wären.
      OK, ist aber weiter hergeholt.

      Die Frage ist eher, warum (ungelernete) Mitarbeiter im Einzelhandel bessergestellt sein sollen als Mitarbeiter in der Logistik, die teilweise sogar eine entsprechende Ausbildung haben.
      Der Arbeitsleistung und Belastung in der Logistik ist eher höher als im Einzelhandel, auch sind dort auch teils mehr Qualifikationen nötig wie zB. Staplerschein, Gefahrgut, Arbeitssicherheit usw.

      • „Die Arbeitsleistung“ natürlich, blöd, dass man Kommentare nicht editieren kann.

      • Weil Du als Mitarbeiter mit Kundenkontakt in der Regel eine andere Qualifikation brauchst als jemand der – mal etwas überspitzt ausgedrückt – den ganzen Tag nur angeleitet Waren aus dem Regal nimmt und ein Paket zuklebt.

        • In der Logistik gibt es weitaus anspruchsvollere Tätigkeiten als nur Kartons zuzukleben. Erst mal informieren, bevor du sowas raushaust. Beim Mediamarkt Omas teure Handys zu verticken benötigt auch keine gehobene Qualifikation.

          • Habe ich auch nie behauptet.
            Aber gerade die Mitarbeiter in den unteren Lohnstufen bei Amazon sind in der Regel ungelernte Mitarbeiter die einfache Tätigkeiten verrichten. Und dafür ein Gehalt bekommen von dem sie bei ihrer Qualifikation in anderen Firmen nur träumen könnten. Nicht umsonst ist Amazon beliebt als Arbeitgeber.

    • Natürlich ist die Grundforderung von Verdi schon absoluter Schwachsinn. Deshalb nimmt den Laden auch schon länger niemand mehr ernst, und selbst bei den amazon Mitarbeitern ist die Streikbeteilung immer wieder lächerlich gering.

      Alleine das spricht schon Bände.

      • Herr Hauser says:

        Aber es wird immer wieder in den Medien breitgetreten und das ist das ja das Ziel von Verdi, eben Amazon als Evil Corp. darzustellen.

    • Weil der Tarif sich nicht nur auf den Einzelhandelbezieht sondern auch auf den Versandhandel.

    • Der Grund dürfte schlicht sein, dass es absehbar in 10-15 Jahren keinen Einzelhandel mehr gibt, sondern nur noch Supermärkte, in denen Mitarbeiter Dinge ein- und ausräumen. Alles andere, wie Vorbestellung und Bezahlung, geht dann über eine App. Und man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Amazon sehr bald überall Supermärkte eröffnet, sie testen das ja bereits.

      Einzelhändler ist ein aussterbender Beruf, den braucht man bald überhaupt nicht mehr. Das trifft auch noch viele andere Bereiche, wo durch KI Prozesse automatisiert werden, allen voran die Akademiker, vor allem die, die die Entwicklung derzeit noch bejubeln.

      Wir werden einen Rückschritt hin zu einfachen Dienstleistungsberufen sehen. Und da tut Verdi sehr gut daran, schon frühzeitig für Lohnerhöhungen zu kämpfen. Der Einzelhandel wird formal Einzelhandel heissen, aber intern Logistik sein, noch viel viel mehr als heute.

      Insofern muss man dafür sorgen, dass nach Branche bezahlt wird. Und wenn Amazon klassische Geschäftsfelder wie Lebensmittel, Technik und dergleichen anbietet, die man auch im Einzelhandel bekommt, dann ist das Einzelhandel. Rewe hat auch Logistikzentren, alleine keine Ladengeschäfte zu haben, ändert nicht viel.

  3. Ahhh… jetzt verstehe ich auch, warum mein am WE bestellter Kindle aus einem italienischen Lager auf dem Weg zu mir ist.

  4. Betriebsräte und Gewerkschaften…. ich glaube jeder weiß, dass hier nur um das eigene Überleben und Politik geht… Arbeitnehmer ade…

    • Daran sind aber auch die Arbeitnehmer Schuld. Als die fetten Jahre erkämpft wurden, hat man sich danach ausgeruht, ist größtenteils wieder ausgetreten und hat sich nicht gekümmert. Was soll eine Gewerkschaft ohne Mitglieder denn tun? Wäre das normal, dass jeder in irgendeiner Gewerkschaft ist, dann hätten wir die heutige Schere zwischen Arm und Reich nicht in der Ausprägung.

      Verdi kann dann eben nur gerade so den Inflationsausgleich erkämpfen, wenn die Mitgliederzahl gerade zur Störung von Abläufen ausreicht, aber nicht eben nicht zum Stillstand.

      Gibt halt keine Solidarität mehr unter den Arbeitnehmern, es glaubt ja heute jeder, er mache Karriere und da stört jeder Kollege den Aufstieg. Würden die mal die Augen aufmachen, würden sie erkennen, dass sie ganz normal ihre Berufslaufbahn durchlaufen und eben genau eines nicht machen, Karriere!

      • > Wäre das normal, dass jeder in irgendeiner Gewerkschaft ist, dann hätten wir die heutige Schere zwischen Arm und Reich nicht in der Ausprägung.

        Also das ist doch wirklich sehr weit hergeholt. Als entstünde die vielbeschworene Schere zwischen Arm und Reich hierzulande über Löhnen.

        Die hiesige Wohlstandskonzentration kommt über Kapitalerträge zustande.

      • Wolfgang D. says:

        @Lars „Wäre das normal, dass jeder in irgendeiner Gewerkschaft ist, dann hätten wir die heutige Schere zwischen Arm und Reich nicht in der Ausprägung“

        In den USA ist doch in etlichen Branchen quasi Mitgliedschaftszwang in der Gewerkschaft, oder? Hilft den Armen auch nicht, wie man sieht.

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