Ägypten sperrte Facebooks Free Basics wegen fehlender Überwachungsmöglichkeiten

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Facebook wollte in Ägypten dauerhaft „Free Basics Internet“ anbieten. Dadurch konnten Nutzer grundsätzlich ohne Kosten ausgewählte Websites ansteuern – unter anderem natürlich auch das soziale Netzwerk selbst. In Ägypten wurde allerdings Ende 2015 seitens der zuständigen, staatlichen Behörden eine Weiterführung des Angebots untersagt. Damit musste Free Basics Ende letzten Jahres nach nur rund zwei Monaten Betrieb in Ägypten seine Dienste einstellen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf zwei anonyme Quellen beruft, seien nun die Hintergründe ans Tageslicht gelangt: Facebook habe der ägyptischen Regierung geforderte Möglichkeiten zur staatlichen Überwachung verweigert.

So habe die Regierung die Nutzer von Free Basics ausspionieren wollen. Das verweigerte Facebook und so kam es dann zur Einstellung des Dienstes. Klingt natürlich auch ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, wie viele Daten Facebook selbst gierig von seinen Usern einheimst. Free Basics musste kurz vorher auch in Indien den Betrieb einstellen, dort war aber die laut Regierung verletzte Netzneutralität der ausschlaggebende Punkt. Dies ist ein allgemeiner Kritikpunkt am kostenlosen Internet via Free Basics: So könnten Nutzer darüber nur ausgewählte Websites abrufen, was der Netzneutralität entgegen stehe.

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Die ägyptische Regierung bezog sich jedoch nicht auf die Netzneutralität, als Free Basics dort eingestellt wurde. Vielmehr habe man dem Mobilfunkanbieter Etisalat von Anfang an erstmal nur für zwei Monate die Erlaubnis für den Dienst gegeben. Laut Reuters stimme dies jedoch nicht. Die ägyptische Regierung habe sich Möglichkeiten erbeten, um die Sicherheitsmaßnahmen von Free Basic zu umgehen und die Nutzer auszuspionieren. Was genau die Regierung an Daten speziell interessiert habe, wollten die beiden Quellen Reuters jedoch nicht mitteilen.

Facebook hat sich zur Angelegenheit genau wie der Mobilfunkanbieter Etisalat eines Kommentares enthalten. Ein Sprecher des ägyptischen Ministeriums für Kommunikation, Mohamed Hanafi, verweigerte sich ebenfalls konkreter Stellungnahmen zum Thema staatlicher Überwachung und nannte als Gründe für die abgelehnte Verlängerung des Free-Basics-Dienstes nur allgemein: „Der Dienst wurde Kunden kostenlos angeboten. Die nationalen Telekommunikations-Regulationsbehörden erkannten hier aber eine Schädigung anderer Wettbewerber.“

Auch wenn Free Basics an sich umstritten bleibt, denn seitens der beteiligten Unternehmen, zu denen neben Facebook z. B. auch Samsung, MediaTek und Qualcomm zählen, geht es natürlich auch um Eigennutz, loben Datenschützer die Weigerung der Regierung Zugriff auf Nutzerdaten zu gewähren und dafür auch eine Einstellung des Dienstes in Kauf zu nehmen. Ob Reuters Behauptungen allerdings wirklich den Tatsachen entsprechen, muss natürlich bis zu einem gewissen Grad offen bleiben. Sollte die Regierung Ägyptens tatsächlich eine Überwachung der Free-Basics-Nutzer angestrebt haben, dürfte sie es kaum nachträglich zugeben.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

8 Kommentare

  1. Nochmal macht keiner den Fehler eine „arabische revolution“ durch ungesteuerete Kommunikation zu erlauben….

  2. Schröppke says:

    Klar, Facebook spioniert letztendlich auch seine Nutzer aus, aber der Vergleich hinkt gewaltig, droht doch von Ägyptens Regierung Inhaftierung und Folter.

  3. Richtig guter Artikel, Spionage via Facebook wieder mal exellent LG aus Bochum

  4. Schröppke says:

    @Freizeitcafe Was willst du eigentlich sagen? Facebook macht sich nicht zum Handlanger einer Unrechtsregierung. Da gibts nix dran zu kritisieren.

  5. @Schröppke, Inhaftierung und Folter der Ägyptische Regierung wirkt irgendwie harmlos zudem was in der USA immer passiert… Folter direkt auf der Straße vor der Inhaftierung!

  6. Zwar aus den falschen Gründen, aber trotzdem gut dass Free Basics auch in Ägypten ein Riegel vorgeschoben wurde. So kann man hoffen, dass diese Art der Verletzung der Netzneutralität niemals in Gang kommt.

  7. Schröppke says:

    @EGH Das Traktieren mit Elektroschocks oder glimmenden Zigaretten ist also irgendwie harmlos zu…. was?
    Also ich möchte es bloß nicht erleben, wenn es in USA eine ähnliche Regierung wid in Ägypten gäbe.

  8. Netzneutralität ist also nich nur seitens der Internetprovider? Klar klingt einleuchtend…