AdBlock Plus will gemeinsam mit Flattr Geld von den Lesern an die Verlage weiterreichen

artikel_adblockplusEs gibt Geschichten, die könnten ein Aprilscherz sein, so kurios klingen sie. Das gilt auch für die neue Zusammenarbeit des umstrittenen Werbeblockers AdBlock Plus mit Flattr. AdBlock Plus genießt einen zweifelhaften Ruf, da das Unternehmen dahinter, Eyeo, sich über das Durchlassen von „Acceptable Ads“ finanziert. Im Klartext können Werbeanbieter Geld an Eyeo zahlen, um ihre Anzeigen durchzudrücken. Behält man das im Kopf, klingt sehr „überraschend“, dass Eyeo nun mit Flattr kooperiert, um Geld von den Nutzern einzusammeln und an die Verlage bzw. Anbieter von Content weiterzuleiten.

AdBlock Plus hat im gleichen Atemzug auch ein kleines Sümmchen in Flattr investiert – die Höhe des Betrags hält man unter Verschluss. Das gemeinsame Produkt soll sich übrigens Flattr Plus nennen. Nutzer können dort dann ein monatliches Budget zuweisen, welches an die Content-Ersteller verteilt werden kann. Während der jeweilige User das beim regulären Flattr aber manuell erledigt, soll Flattr Plus das Budget automatisiert auf die besuchten Websites verteilen, bei denen AdBlock Plus zum Einsatz gekommen ist. Je nachdem wo die Nutzer am längsten verharrt haben bzw. am meisten Content konsumiert haben, wird dann mehr Geld ausgeschüttet.

flattr

Ein Problem könnte dabei sein, dass auf diese Weise auch Geld an Sites gehen könnte, auf die ihr nur durch eine Clickbait-Überschrift gelockt wurdet oder einen Artikel gelesen habt, über den ihr euch geärgert habt. Zudem könnte es passieren, dass ihr einmal einen Tab aktiv lasst, obwohl ihr gerade am Telefon hockt und den Artikel gar nicht lest. Man sieht, die automatisierte Ausschüttung von Geld über Flattr Plus hat eventuell seine Tücken.

Laut Ben Williams von AdBlock Plus bzw. Eyeo befinde sich Flattr Plus noch in der Beta-Phase. Der offizielle Launch soll aber noch 2016 folgen. Verlage und andere Autoren, die über Flattr Plus Geld erhalten wollen, müssen sich übrigens für den Dienst anmelden. Wer sich nicht anmeldet, für den will Eyeo eingegangenes Geld allerdings bereit halten, bis die potentielle Anmeldung erfolge. Ziel sei es, innerhalb eines Jahres etwa eine halbe Mrd. US-Dollar an Verlage / Autoren auszuschütten. Williams behauptet viele Nutzer von AdBlock Plus hätten ein Feature wie Flattr Plus gefordert, das man jenen nun an die Hand gebe. So sei es den Nutzern dann möglich, die Websites zu unterstützen und gleichzeitig auf Werbung zu verzichten.

Meine Meinung? Für mich klingt das alles sehr fragwürdig. Bereits jetzt ist es in der Regel unproblematisch möglich, Content-Ersteller freiwillig zu unterstützen. Hier bei uns geht das etwa über PayPal.me. Andere Websites nutzen ebenfalls PayPal, Flattr oder ähnliche freiwillige Premium-Varianten, welche dann die Werbung reduzieren bzw. entfernen. Zumal es perfide wirkt, dass Eyeo nun Geld von den Lesern an die Verlage weiterreichen will, während man selbst sich schon bei der Werbeindustrie bedient. Nun will Eyeo sich quasi doppelt zwischenschalten.

Das ist allerdings nur meine Ansicht, es gibt sicherlich auch Argumente für Flattr Plus. Eventuell sind ja wirklich viele Nutzer zu bequem selbst aktiv zu werden und ihre Lieblings-Websites zu unterstützen, würden aber bei einer automatisierten Lösung nicht nein sagen.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

18 Kommentare

  1. hutattedonmyarm says:

    > Ein Problem könnte dabei sein, dass auf diese Weise auch Geld an Sites gehen könnte, auf die ihr nur durch eine Clickbait-Überschrift gelockt wurdet

    Dann klickt man einfach nicht auf Clickbait

    Ich mache das eh anders, Seiten die ich unterstütze kommen auf die Whitelist

  2. Das heißt doch auch, dass Adblock Plus detailliert den Browserverlauf inkl. Verweilzeit loggt und in Kombination mit Flattr sogar auf eine bestimmte Person zurückführen kann?!

  3. André Westphal says:

    Na ja, manchmal ist die Neugierde bei einigen Lesern doch zu groß. Oder man klickt auf einen Artikel, über den man bei anderen Quellen gelesen hat -einfach um mal den „Blödsinn“ selbst zu erleben. Das mache ich selbst beispielsweise auch manchmal, weil mir Bekannte etwas weiterleiten und wir dann ins Diskutieren kommen. Dann möchte ich allerdings sicher nicht die Veröffentlichung unterstützen. In dem Fall hätte ich mir den Klick dann doch gespart.

  4. Datenschutztechnisch ist das ja wohl mehr als tiefdunkel-grau. Aber naja, ich sags mal so: Wer Adblock Plus nutzt und auch noch Flattr Plus verwenden sollte, der muss sich nicht wundern, wenn er früher oder später über den Tisch gezogen wird.

    Solln se mal machen, wie se meinen.

  5. Oliver K. says:

    Flatrr Plus ist exakt das, was ich seit Beginn haben wollte: Eine Verteilung von Geldbeträgen an die Seiten, die ich aufrufe. Automatisch.

    Die Verbindung mit Adblock Plus geht allerdings gar nicht. Da hätte sich flattr auch eine eigene Browser-Extension schreiben können.

  6. Ist doch egal !?! Man braucht AdBlock ja nicht zu nutzen. Dann erledigt sich das alles von ganz alleine.

  7. Ublock Origin und gut ist – Problem gelöst.

  8. J de Shadaim says:

    Die Grundidee halte ich – abgesehen von der Datenschutzproblematik – gar nicht mal für so falsch. Um das Problem mit Clickbait oder Finanzierung anderer ungewünschter Seiten zu vermeiden, könnte man ja auch eine (optionale) Monatsabrechnung anbieten, auf der man per White- oder Blacklisting die entsprechenden Seiten markieren kann.

  9. Adblock Plus ist nicht nur zweifelhaft, das sollte man einfach nicht nutzen.
    Und ich whiteliste gar nichts. Erstens wollen mich alle tracken. Zweitens wegen zu viel Traffic. Drittens nervt es oftmals ungemein. Viertens – last but not least – es wird immer wieder Schadsoftware verteilt über Werbung und es stellt ein Sicherheitsrisiko dar.
    Wer dann meckert, dass sein Geschäftsmodell nicht funktioniert, soll halt was anbieten, was funktioniert anstatt seine Zielgruppe niederzumachen. Gerne lasse ich mich dann auch aussperren.
    Dass es anders funktionieren kann zeigen einige Webseiten, die weder tracken noch nervige Werbung schalten, die Traffic verbraucht und Schadsoftware verteilen könnte.

  10. Für mich klingt die Idee super! Ich möchte prinzipiell keine Werbung sehen. Auch wenn ich Seiten wie diese gerne lese und auch unterstürzten möchte, möchte ich keine Werbung sehen. Deswegen kaufe ich bei Apps auch immer die Adfree-Variante. Ein einzelnes Spenden für eine Seite ist mir zu umständlich, denn ich lese viele Seiten gerne.

    Ein blocken so wie z.B. die Bild-Zeitung und dann Abo verkaufen ist auch der falsche Weg.
    Golem hat da schon eine bessere Variante, aber der Beitrag ist mir für die einzelne Seite Golem zu hoch. Ich bekomme die selben Infos ja auch auf Heise. Dann müsste ich zu viele Abos haben, da ich wie gesagt nicht bereit bin Werbung zu sehen.

    Aber für alle Sites pauschal 20 Euro/Monat automatisch zu verteilen würde ich super finden,

  11. Wenn ich Werbung zulasse, zahle ich die zumindest schon mal über meinen Traffic, möglicherweise auch mit geringerer Online-Sicherheit und vermindertem Datenschutz.
    Also blocke ich Werbung, wo immer ich kann und ohne jedes schlechte Gewissen.

    Die Idee, dass ich dafür zahlen soll, keine Werbung zu sehen, ist irgendwie schon absurd und erinnert mich persönlich schon fast an gewisse Methoden der Schutzgeldzahlung.

    Wessen Geschäftsmodell darauf beruht, dass er mich im Internet mit möglichst viel unerwünschter Werbung berieseln darf, sollte sich vielleicht Gedanken über andere Möglichkeiten der Finanzierung machen.

    Allerdings werden Abo-Modelle wie im altherkömmlichen klassischen Zeitschriftenhandel auch kaum funktionieren. Zum Einen, weil sie auch dort langsam aber sicher wegen der fehlenden Kundschaft aussterben und zum Anderen, weil das Angebot im Internet einfach viel zu groß ist.

    Eine Alternative wären vereinheitlichte vernünftige Micro-Payment-Systeme, mit denen man schnell und sicher (was sich leider teilweise gegenseitig ausschließt) einen einzelnen Beitrag oder Artikel bezahlen kann.
    Aber nicht 100 verschiedene Systeme, bei denen man sich jeweils einzeln anmelden muss und von denen jedes ein anderes Procedere oder Handling erwartet und die alle so umständlich sind, dass das Bezahlen eines Artikels länger dauert als das Lesen.

    Und die Preise müssen stimmen, ich zahle für einen Artikel mit wenigen Seiten Umfang nicht 1/5 des Preises, den ein komplettes Printmedium kostet.
    Außerdem erwarte ich für den bezahlten Artikel vollständige Werbefreiheit!

    In dieser Hinsicht sind so ziemlich alle Anbieter noch sehr weit von meinen Erwartungen als Konsument und potentiell zahlendem Kunden entfernt.

  12. @Grainger Sehr gut. Trifft es auf den Kopf!

  13. „Im Klartext können Werbeanbieter Geld an Eyeo zahlen, um ihre Anzeigen durchzudrücken.“

    Sorry das ist gelogen. Ich hasse es wenn immer wieder Propaganda gegen ADBlock gemacht wird.

    Einmal auch wenn eine Firma zahlt. Was nicht alle müssen. Muß man sich an die Akzetabel Ads regeln halten. Es ist gelogen das man sich einfach frei kaufen kann.

    Und Der Nutzer kann das abstellen. Also kann da gar nix durchgedrückt werden.

  14. @John
    Weil Eyeo sagt, dass es gelogen ist? Ich habe bei einigen Beiträgen, die gegen Eyeo gehen, mindestens Indizienbeweise vorgelegt bekommen. Was bietest Du an, um Deine These, das wäre gelogen, zu festigen?

    Und nur, weil ich als User irgendwo ein Häkchen setzen kann, heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich eine Funktion hat.

  15. Mithrandir says:

    An die „Adblocker und gut“-Fraktion: Ihr löst das Problem nicht. Das ist wie ein Stoppschild für eine Seite mit illegalem Inhalt.

    Ich mache es momentan so: Für Golem und Gamestar habe ich mir die Abo-Varianten gegönnt. Das Monatsabo ist tatsächlich lächerlich günstig. Der Rest an Tracking von diesen Seiten wird geblockt.

    Bei anderen Seiten, die Qualitativ gut sind, es mit der Werbung nicht übertreiben und keine Abos anbieten, wird die Werbung zähneknirschend angeschaltet – hier übrigens auch (im Regelfall, gerade nicht).

    Alle anderen Seiten besuche ich nicht mehr – Gott, war ich schon lange nicht mehr auf heise…

    Ich finde es nicht verwerflich, für Online-Texte Geld zu verlangen. Von irgendetwas muss auch ein Online-Redakteur in Vollzeit leben. Ich hasse nur das Gebuhle um die Kundschaft, mit einer Click-Bait-Überschrift nach der anderen. Das wird im Moment immer schlimmer.

    Als Heise Online damit angefangen hat, habe ich das Offline-Abo gekündigt und die Seite gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Schade eigentlich.

  16. „Acceptable Ads“. Was ist das denn? Wer definiert das denn? Der Höchstbietende wohl. Ich habe gleich mal gecheckt: Auf einem PC war das Teil doch tatsächlich noch drauf. Gleich entfernt und „Adblock Edge“ als Alternative installiert – hoffentlich hat der nicht auch so eine „Hintertür“…

  17. Würde man nicht nur haten dann könnte man sich Informieren. Aber es geht ja nicht um Information sondern haten.

    Acceptable Ads.
    https://acceptableads.org/de/

    https://adblockplus.org/de/acceptable-ads

    @Mithrandir
    Das Problem ist einfach man kann nicht bezahlen. Sicher wenn man 1-2 Webseiten aufruft dann schon. Aber wenn Du eben 50 aufrufst und jede will 3 Euro im Monat. Vor allem fast alle Seiten sind nicht exklusiv. Man hat zig andere Angebote.

    Und Werbung? das Problem an Werbung ist ja, das man als Nutzer erschlagen wird. Das ganze ist ja über das erträgliche maß längst hinaus.

    Der Größe Witz ist aber die einzige Lösung ADBlock Plus wird von beiden Seiten bekämpft. Einmal vom Dummvolk das sagt. Man kann sich Freikaufen was So nicht stimmt: Und dann von Firmen die sich nix vorschreiben lassen wollen.

    Würde man das ganze unterstützen also Acceptable Ads. wäre allen geholfen. Die Werbetreibende benehmen sich bei der Werbung. Und der Nutzer muß nicht zur Notwehr greifen.

    Wobei ja ADBlock auch nur von großen etwas will für die Pflege der Listen zu Acceptable Ads.

    Man sieht wenn man sich das mal neutral ansieht. Man will gar keine Lösung.