Warner Bros. bringt Upscales in Ultra HD; Disks seien zu klein für viele Filme

28. Februar 2016 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Ultra_HD_Blu-ray

Bereits zum Start gibt es viele Kontroversen um die Ultra HD Blu-ray: Besonders die Tatsache, dass das Gros der Veröffentlichungen nur auf Upscales basiert, schlägt Wellen. Mit Jim Wuthrich, dem Chef von Warner Home Entertainment Amerika, meldet sich nun eine wichtige Führungskraft aus der Industrie zum Thema 4K / Ultra HD zu Wort. Doch seine Aussagen sind größtenteils wenig ermutigend – allerdings überraschend ehrlich. Beispielsweise hat Wuthrich bestätigt, dass Warner viele Filme zunächst nicht auf Ultra HD Blu-ray veröffentlichen könne, weil die Kapazität der ersten Disks zu gering ausfalle.

Das ist natürlich ein grandioser Start für ein neues Medium, wenn die Datenträger selbst nicht einmal den Ansprüchen genügen. So stehen für die Vertriebe zunächst nur UHD Blu-ray mit 66 GByte Speicherplatz zur Verfügung. Laut Wuthrich benötige man für manche Filme jedoch mehr Kapazität, um hohe Bildqualität zu gewährleisten und die Kompression im Zaum zu halten. Entsprechend warte Warner darauf, dass die Fertigung der optischen Datenträger mit 100 GByte in Schwung komme. Was traurig klingt, war allerdings zum Start der Blu-ray anno dazumal, wenn auch in geringerem Ausmaß, ebenfalls der Fall. Auch auf Blu-ray erschienen viele Filme zunächst nur auf den BD-25 mit weniger Fassungsvermögen, statt auf BD-50 mit 50 GByte.

warner ultra hd

Spannend ist, dass Wuthrich selbst deutlich betont, dass die höhere Auflösung (3840 x 2160 Bildpunkte) gegenüber Blu-rays (1920 x 1080 Bildpunkte) eine deutlich geringere Rolle spiele als High Dynamic Range (HDR) und die erweiterten Farbräume. Zwar predige ich dies selbst seit Jahren, doch dass ein Vertreter der Industrie dies so unverblümt und entgegen des Marketings für die Ultra HD Blu-ray zugibt, überrascht mich. Wirklich interessant sind dann aber die Aussagen des Chefs von Warner Home Entertainment Amerika zur Upscale-Problematik. Sie sind ebenfalls überraschend offen und differenziert:

„Das Gros der Inhalte wird heute noch nicht nativ in 4K produziert. Selbst wenn das der Fall wäre, hätten wir im Bezug auf die Special-Effects ein Problem. Denn jene entstehen in der Post-Production in der Regel in niedrigeren Auflösungen. Deswegen geschieht in fast allen Fällen an irgendeinem Punkt der Produktionskette eine Hochskalierung.“

Laut Wuthrich werde sich daran auch in Zukunft erstmal nichts ändern. Käufer der Ultra HD Blu-rays werden also wohl auch auf lange Sicht mit Upscales leben müssen. Wuthrich mahnt jedoch, dass Warner Bros. mit professionellen Scalern, entsprechender Software und technisch versiertem Personal an den Hochskalierungen arbeite. Die Ergebnisse seien daher ganz andere, als wenn ein Privatkunde seinen TV oder Player die Skalierung übernehmen lasse.

Zur Kluft zwischen physischen Medien und physischen Datenträgern gibt der Warner-Manager zu Protokoll, dass er selbst ein Fan physischer Medien sei und sehr wohl eine Zukunft für den Markt sehe. 70 % der Kunden würden immer noch physische Medien nutzen. Die Dominanz sei daher noch lange nicht gebrochen und das Interesse weiterhin hoch. Warner werde deswegen auch seine neuen Veröffentlichungen in naher Zukunft zeitgleich auf DVD, Blu-ray und Ultra HD Blu-ray veröffentlichen. Allerdings werde dies nicht bei allen Filmen der Fall sein, was auf die Probleme mit der Speicherkapazität der UHD Blu-rays zurückzuführen sei. So werden einige Titel zwar als UHD-Streams bereitstehen, aber erst später auf physischen Medien erscheinen, wenn die Datenträger mit 100 GByte Kapazität bereitstehen.

Ich bin selbst weiterhin gespannt, wie die Ultra HD Blu-ray langfristig am Markt aufgenommen wird. Mittlerweile rechne ich damit, dass es eine Art Vinyl für den Filmfan werden könnte. Allerdings müssten sich dafür noch einige Probleme lösen: Synchro-Fans etwa müssen damit leben, dass es bisher bei den angekündigten Titeln keine Verbesserungen zu den Blu-rays gibt. Außerdem steht das Bonusmaterial teilweise („The Martian“) nur auf Blu-ray bereit. Aber warten wir es ab, das Format ist ja noch jung.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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