Volksverschlüsselung: Telekom & Fraunhofer-Institut wollen E-Mail-Verschlüsselung einfach machen

18. November 2015 Kategorie: Backup & Security, Internet, geschrieben von: caschy

mail app microsoftStellt man Menschen die Frage, warum sie ihre Mails nicht verschlüsseln, dann bekommt man viele Antworten. Eine die immer dabei ist: es ist zu kompliziert. Und ja, dem durchschnittlichen Anwender darf man da durchaus Recht geben. Oftmals wirkt eine solche Software auf den Nicht-Profi wie das sprichwörtliche Buch mit den sieben Siegeln. Anläufe für eine etwas leichtere Verschlüsselung hat es schon zuhauf gegeben. Die letzten Ambitionen hatten da Web.de und GMX, die auf die bereits bei uns im Blog vorgestellte Open Source-Lösung Mailvelope setzen.

Der neuste Schrei hört auf den ganz schlimmen Namen „Volksverschlüsselung“ und kommt vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie. Die haben sich mit der Deutschen Telekom zusammengetan, um Menschen das einfache Verschlüsseln von E-Mails möglich zu machen. Der Fokus liegt hier auf Benutzerfreundlichkeit, im ersten Halbjahr 2016 soll die Lösung verfügbar gemacht werden. Die Volksverschlüsselung ist eine Entwicklung von Fraunhofer, die Deutsche Telekom betreibt die Lösung in einem Hochsicherheits-Rechenzentrum.

Die Volksverschlüsselung ist kostenlos, unkompliziert und transparent. Für uns das beste Werkzeug, um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails in der breiten Bevölkerung zu verankern. Mit jedem Entwicklungsschritt der Software wollen wir die Volksverschlüsselung für weitere Nutzer zugänglich machen und damit die Nutzerbasis verbreitern„, sagt Dr. Thomas Kremer, Datenschutzvorstand der Deutschen Telekom.

Prof. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT: „Mit der Volksverschlüsselung setzen wir die Prinzipien „Security by Design“ und „Usability by Design“ in die Praxis um. Beide haben in jeder Phase des Entwurfs eine wichtige Rolle gespielt. Durch die Volksverschlüsselung wollen wir kryptografische Methoden, die in der Forschung etabliert sind, endlich allen Menschen zugänglich machen. Als Institut der Fraunhofer-Gesellschaft sehen wir das als Teil unseres gesellschaftlichen Auftrags an.“

Die Volksverschlüsselung genannte Software soll im ersten Schritt mit Systemen zusammenarbeiten, die auf Windows setzen. Hier sollen Nutzer dann beispielsweise über Outlook oder Thunderbird verschlüsselt kommunizieren können. In weiteren Schritten sind Versionen für Mac OS X, Linux, iOS und Android geplant. Die Software unterstützt zunächst den S/MIME-Standard, in einem nächsten Schritt wird sie zusätzlich OpenPGP unterstützen.

Fraunhofer wird den Quellcode nach Veröffentlichung der Software allgemein zur Verfügung stellen.

Die Software erzeugt zunächst auf dem Gerät des Nutzers die kryptografischen Schlüssel, mit denen sich E-Mails und Daten verschlüsseln und signieren lassen. Nachdem sich der Nutzer erfolgreich per DTAG Telekom Login (entspricht dem Anmeldeverfahren im Kundencenter) oder dem elektronischen Personalausweis authentifiziert hat, werden bei der Zertifizierungsstelle der Volksverschlüsselung digitale Zertifikate für Verschlüsselung und Signatur erzeugt.

Nach Empfang der Zertifikate sucht die Software automatisch auf dem Gerät des Nutzers nach E-Mail-Programmen, Browsern und anderen Anwendungen, die Kryptografie nutzen können. Die Schlüssel und Zertifikate werden dann automatisch in die Anwendungsprogramme zur Nutzung der Zertifikate eingebracht, wie man seitens Telekom und Fraunhofer mitteilt.

Die steile Aussage: „Auch technisch weniger bewanderten Nutzern ist es somit möglich, ohne großen Aufwand ihre E-Mails und Daten zu verschlüsseln.“ Die Nutzung von Infrastruktur und Software soll in der ersten Ausbaustufe für Privatanwender kostenlos sein. Die Entwicklung von unternehmensspezifischen Lösungen soll kostenpflichtig sein. Eine FAQ zum Thema wurde vom Fraunhofer Institut bereits ins Netz gestellt.

Schaffen der Anbieter es tatsächlich E-Mail-Verschlüsselung extrem einfach für die Massen zu gestalten, dann bin ich der Erste, der sein Cap zieht und applaudiert. Dran glauben kann ich irgendwie nicht. Aber ich lasse mich 2016 gerne überraschen.


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Über den Autor: caschy

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