Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert Elektroschrott-Aufkommen

7. Juni 2017 Kategorie: Hardware, geschrieben von: André Westphal

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) wünscht sich weniger Elektroschrott und kostengünstigere Reparaturen von defekten Geräten. In der Tat lohnt es sich heute meistens nicht nach Ablauf der Garantiezeit z. B. ein Notebook, ein Smartphone oder einen Fernseher reparieren zu lassen, da man häufig mit dem Kauf eines Neugeräts besser fährt. Ob die Forderung des VZBV nach kostengünstigen Ersatzteilen aber auf Gehör stößt, ist zu bezweifeln.

So wünscht sich der VZBV, dass die Hersteller selbst zu fairen Preisen Ersatzteile anbieten. Allerdings haben die Hersteller grundsätzlich in der Regel ein größeres Interesse daran neue Produkte zu verkaufen, als alte Hardware zu pflegen. Laut VZBV habe eine Umfrage von Kantar Emnid ergeben, dass defekte Elektrogeräte deswegen heute statt in der Werkstatt meistens auf dem Müll landen. 74 % der Befragten gaben an, dass eine Reparatur zu teuer gewesen wäre.

In vielen Fällen ist eine Reparatur fast so teuer wie ein neues Gerät. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich für Verbraucher. Die nächste Bundesregierung muss dafür sorgen, dass es sich für Verbraucher lohnt, sich für eine Reparatur zu entscheiden“, meint Ingmar Streese, Geschäftsbereichsleiter Verbraucherpolitik des VZBV. Streese fordert deshalb recht vage ein Recht auf Reparatur, was für mich etwas merkwürdig klingt. Denn wie soll ein solches Recht aussehen und wie wollte man es durchsetzen? Es ist nur die Rede davon, dass die Hersteller verpflichtet werden sollten Verbrauchern und Dienstleistern originale Ersatzteile zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung zu stellen und Reparaturanleitungen zu veröffentlichen.

Das wäre allerdings ein erheblicher Eingriff in den Wirtschaftskreislauf und dürfte viele Unternehmen auf die Barrikaden bringen. Zudem man dann auch festlegen müsste, wie lange derlei Ersatzteile bereitgestellt werden müssen. Es stimmt allerdings, dass man aktuell oft Reparaturen nur beim Hersteller selbst durchführen lassen kann und jenes dann den Kunden entsprechend teuer zu stehen kommt. Durch Konkurrenz mehrerer Werkstätten, welche die Ersatzteile nutzen können, dürfte sich hier mehr Vielfalt ergeben.

Der VZBV will diese Verpflichtung sogar am liebsten auf Software-Updates ausdehnen – die Android-Partner dürften dann wohl große Augen machen. So hätten laut der Befragung 30 % der Kunden auch schon Elektrogeräte ausgetauscht, weil sie schlichtweg keine neuen Programme mehr aufspielen konnten. Zudem wünschen sich die Verbraucherschützer eine Kennzeichnung zur wahrscheinlichen Lebensdauer der Produkte. 81 % wollen „eine verbindliche Kennzeichnung zu Lebensdauer “ und 82 % meinen, dass auch die Reparaturfähigkeit klar angegeben werden sollte.

Da frage ich mich allerdings auch, wie man das mit der Lebensdauer so genau beziffern möchte. In vielen Fällen könnte das durchaus schwierig werden, da die Lebensdauer oft enorm von der Art und Dauer der Nutzung durch die Kunden abhängt. Zumal die pauschale Lebensdauer manchmal wenig aussagt – etwa altert ein Bildschirm und mag auch nach 30 Jahren noch funktionieren, Farbdarstellung und Beleuchtung dürften dann aber weniger ansehnlich anmuten als noch direkt nach dem Kauf. Wie man das berücksichtigen möchte, ohne noch mehr zu verwirren, verrät der Verbraucherzentrale Bundesverband aktuell noch nicht.

Grundsätzlich klingen die Forderungen des Verbraucherzentrale Bundesverband kundenfreundlich und sinnvoll, doch die Umsetzung dürfte sehr komplex werden. Entsprechend bin ich deswegen gespannt, ob es hier noch einen Nachhall geben wird.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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