Umsonst geht nicht immer: über Kostenlosmentalität, Musik und andere Dienste

20. Januar 2012 Kategorie: Internet, Privates, geschrieben von: caschy

Kurz vor drei Uhr morgens. Ich schlief nicht einmal zwei Stunden. Der Regen prasselt an das Fenster, spielt eine Melodie. 1000 Gedanken über die vielen Themen der letzten Tage. Grooveshark. Gema. Musik. Onlinedienste generell. Ich versuche gar nicht erst einzuschlafen. Ich stehe auf und mache das, was für mich nicht nur Beruf, Hobby oder Therapie ist – sondern eine Berufung: bloggen. Meine Gedanken mit euch teilen. Es geht um Musik und andere Onlinedienste. Wem mein Geschreibe zu lang ist (tl;dr) der schaut nach ganz unten.

Das Internet bietet uns so viel. Digitale Güter. Kostenlos. Unendlich zu vervielfältigen. Wenn ich will, bekomme ich fast jede Software, jeden Film & alles an Musik kostenlos. Alles eine Sache der Bequemlichkeit. Und der Legalität. Ich kopierte bereits früh Musik. Von Schallplatten. Aus dem Radio. Meine Liebe zur Musik fing bereits als kleines Kind an.

Ich fand zuhause Schallplatten die ich hörte. Ätzenden Kram wie Codo von Döf (1983) oder gar richtig geilen 80er-Kram wie I like Chopin von Gazebo oder Ti Sento von Matia Bazar. Ebenfalls von 1983. Ich war 6 und hatte früh Musik für mich entdeckt. Bis zu meiner ersten Schallplatte vom eigenen Geld sollte es aber noch dauern, bis dahin langten mir Platten meines Onkels, der gerade mal 8 Jahre älter als ich war und massig Geld in die Musikindustrie pumpte und mit daran Schuld trägt, wie sich mein Musikgeschmack entwickelte.

Meine erste Schallplatte war – unglaublich aber wahr – der Ghostbusters-Soundtrack, weil ich mich während des Films in den Song Hot Night von Laura Branigan verliebte. Die Schallplatte kaufte ich mir aber wesentlich später, als der Film im TV lief. Muss 1988 oder 1989 gewesen sein. Kurz darauf kaufte ich mir dann auch noch die Single von Bobby Brown zum zweiten Ghostbusters-Film. On our own. Mein Gott, hat mich dieser Song geprägt.

Ja, da war ich dann voll drin in der Schiene. Es folgte Lambada von Kaoma und mein absoluter Bis-heute-Ohrwurm: Killer von Adamski (mit Seal). Von da an gab ich viel, viel Geld für meine Hobbys aus. Fussball, Partys und Musik. Ich kaufte Platten am laufenden Meter, die sich im Laufe der Jahre in CDs verwandelten. Ja, natürlich konnte man damals den Kram auch von Freunden kopieren oder sich aus dem Radio aufnehmen, alternativ bei Kombi Verstärker <-> TV <-> Tapedeck den Kram von MTV oder VIVA (ab 1993) aufnehmen. Hätte man alles machen können. Habe ich auch. Aber ich kaufte auch ohne Ende Musik.

Weil es nichts geileres gab, als eine geile Scheibe abzuspielen. Die Maxi von Last Train to Trancentral (KLF) oder auch die Maxi von Enigma. Sadness. Ich gab Tausende Mark aus. Sicherlich. Ich weiss gar nicht mehr, was eine Single (CD) damals kostete. 7 oder 8 Mark? Oder waren es schon 9,99 Mark?

Musik ist Teil eines jeden Lebens. Du hörst in so vielen Lebenssituationen Musik. Glaube mir, du wirst jeden noch so unscheinbaren Titel, den du bei prägenden Erlebnissen hörtest, später lieben. Diese Songs begleiten dich immer. Du wirst dich nicht an ihnen satt hören können. Alle Songs gesammelt werden zum Soundtrack deines Lebens.

Dann kam das Internet. Und MP3. Die Zeit, in der WinAmp noch was kostete. Ich nahm Musik hin. Mit steigenden Downloadgeschwindigkeiten stieg auch meine Sammelleidenschaft. Ich nahm, nahm und nahm. Bezahldienste damals? Nicht wirklich. Meine Dienste hießen Napster, Audiogalaxy, Kazaa & Co. Ich verlor die Kunst, die Kunst (Musik) zu schätzen.Künstler, die in der Tat sicherlich Arbeit haben, einen Song aufzunehmen nahm ich als gegeben hin. Kostenlos. Während ich früher alle gehörten Künstler irgendwie gleich entlohnte, kamen in der Internetzeit nur wenige Künstler in meine Gunst.

„Was? Der und der hat einen guten Song? Ich sauge die komplette Discographie!“ <- Na, kennt das jemand von euch? Künstler, deren Alben und DVDs ich trotzdem kaufte, weil ich sie haben wollte und vielleicht auch Konzerte besuchte. Depeche Mode. Nightwish. JBO. Onkelz. Manowar.

Das Streaming-Zeitalter begann. YouTube, Grooveshark & Co, Dienste, die mir kostenlos Medien anboten. Irgendwie gefühlt legal. Aber irgendwie doch nicht. Ich kann mir immer noch nehmen, nehmen, nehmen – doch die Quellen bleiben undurchsichtig, ich weiss nicht, ob der Künstler sein verdientes Stück am Kuchen abbekommt.

Mit aufkommenden Bezahldiensten schaute ich mir auch diese an. Last.fm. Simfy und wie sie alle heißen. Irgendwann boten alle ein Premium-Modell an. Und dann begann ich etwas zu sehen, was ich nie sehen wollte. Etwas was mich nervte. Der Aufschrei der Leute, die lange etwas kostenlos bekamen, nun aber dafür zahlen sollten. Ich musste mir an den Kopf fassen. Da bekommen Leute kostenlos Musik nach Wahl zu hören und sie reißen den Hals auf, weil es einen Dienst nicht mehr gibt? Bei kostenlos hat man gefälligst, sorry für die Ausdrucksweise, das Maul zu halten. Man bekommt etwas für lutsche. Nimm es hin oder lass es. Und wenn es was kostet und du nicht latzen willst, dann geh bitte weiter.

Nun kommt der aufmerksame Leser und sagt: „Aber du gibst doch immer Tipps, wie man kostenlos etwas nutzen kann“. Richtig. Wenn euch etwas kostenlos gegeben wird, dann nutzt es ruhig. Es ist bei Musik wie mit dem Dienst Dropbox. Die geben Speicher für lau raus. Wenn mir der kostenlose Speicher aber eines Tages nicht mehr reicht, dann muss ich in den sauren Apfel beißen. Ich muss Speicher kaufen oder mir eine andere Alternative suchen. Nehmt Kostenloses hin, wenn es euch gegeben wird. Ihr wäret bescheuert (und ich auch), wenn ihr es nicht annehmen würdet.

Ich habe auch keinen Goldesel im Keller der sich freut wenn ich sage: „hier, ich bekomme es zwar für lau, aber ich latze“. In der heutigen Zeit, in der jeder seine paar Mücken zusammen halten muss bzw. sollte, ist das nur logisch. Nur, wie bereits erwähnt: ich darf mich nicht beschweren, wenn es etwas Kostenloses nicht mehr gibt. Ich bekomme kein Recht. Keine Garantie.

Und wenn ich mehr will, dann muss ich zahlen. Will ich mehr Speicher bei Google oder Dropbox, dann muss ich zahlen.Will ich im TV in HD Fussball schauen, dann mache ich das legal via Sky. Nicht mittels eines Dienstes, den ich im Internet sehe, diesen aber zeitversetzt und mit einer Bildquali, die an Lego Stop Motion erinnert. Und wenn ich Musik will, die ich hören will – zuhause & Co, dann muss ich auch ablatzen.

Meistens sind das in Sachen Musik 10 Euro im Monat. Dafür streamt man ohne Ende. Napster, simfy, rdio, juke und vielleicht auch mal Spotify. Für die Kohle gab es früher mal gerade 3 Maxis. Heute meistens um über 10 (eher 15) Millionen Songs bei diversen Diensten. Ich brauche nicht mehr los. Probehören. Ich kann zuhause entdecken. Am PC. Am Tablet. Am Smartphone.

Nein, in Sachen Musik ist nichts perfekt gelöst. Die Fragmentation der Dienste ist unglaublich. Der eine hat dies, der andere das. Apps sehen alle gleich aus. Wir befinden uns immer noch in einem Umbruch. Sowohl was unsere menschliche Kommunikation dank Internet angeht, als auch in Sachen Diensten, Film, Medien und Co via Internet. Das ist zwar alles manchmal auf den ersten Blick sehr suboptimal, doch wir müssen uns eben das rauspicken, was für unsere Belange passt.

Wer viel Zeit und wenig Kohle hat, der wird weiterhin seine Mucke als MP3 von YouTube rippen oder direkt die Alben zerren. Ich würde es ihm nicht verübeln. Soll jeder so machen, wie er kann und will. Ich für mich habe erkannt, dass ich Kostenloses logischerweise gerne annehme, selber aber bereit bin, für digitale Dinge im Internet zu bezahlen.Obwohl ich sie kostenlos bekommen könnte. Denn es kann nichts funktionierten, wenn alle nur kostenlos illegal nehmen. Das betrifft Dienste. Musik. Kino & Co.. Unterstützt so gut ihr könnt. Besucht Konzerte. Kauft Alben. Wenn euch Free-Features nicht ausreichen – prüft, ob Premium für euch infrage kommt. Kurz vor halb 5 morgens. Der Beitrag erscheint fertig. rdio läuft. Bobby Brown singt zum vierten Mal „On our own“. Auch Enigma und Co gaben ihr Stelldichein. Ich bin dankbar für diese Musik. Für diese Dienste.

Zusammenfassung für Leute, die den langen Text nicht lesen wollen. (tl;dr – too long, don’t read): Wenn ihr Kostenloses bekommt, dann nehmt es ruhig. Ohne schlechtes Gewissen. Musik. Speicherplatz. Whatever. Aber wir haben nicht das Recht zu meckern, wenn Kostenloses eingestellt oder eingeschränkt wird. Nein, auch nicht, wenn es digital ist und ohne Aufwand zu vervielfältigen ist.



Über den Autor: caschy

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112 Kommentare

Ben 20. Januar 2012 um 09:25 Uhr

DANKE für diesen Post. Du sprichst mir aus der Seele. Dieses ewige „gratis ist Standard“ Verhalten kann ich kaum noch ertragen.

Ein spannendes Phänomen, dass ich bei mir selbst auch beobachte: Seit dem Beginn des digitalen Zeitalters hat die Anzahl an prägenden Künstlern abgenommen. Ob das nun damit zu tun hat oder andere Gründe hat – keine Ahnung. Trotzdem interessant zu beobachten…

caschy 20. Januar 2012 um 09:27 Uhr

@ben: liegt am Alter 😉

Andi 20. Januar 2012 um 09:27 Uhr

Und ich finde, weil es digital ist, muss sich was ändern.

Wir sollten hier für Dienstleistungen, für Services und Support zahlen – nicht für den digitalen „Gegenstand“. Siehe WordPress Philosophie.

Gilly 20. Januar 2012 um 09:32 Uhr

“Was? Der und der hat einen guten Song? Ich sauge die komplette Discographie!” <- Na, kennt das jemand von euch? <– Aber sowas von! Am Ende hatte man dann von nem Künstler, von dem man einen Song geil fand, 60 weitere Songs auffer Platte, die man eh nie gehört hat. Einer der Gründe, warum ich meine MP3-Sammlung vor 2-3 Jahren komplett gelöscht habe.

Ansonsten zum Fazit: +1

Viktor 20. Januar 2012 um 09:34 Uhr

Ich glaube ein wichtiger Punkt ist das Alter der Leute.
Ich bin jetzt gerade noch Anfang 20 und als es für mich relevant wurde, ob ich Musik kaufe, gab es diese Dienste schon alle, das heißt, ich war nicht darauf angewiesen Musik zu kaufen.

Trotzdem sind deine Ausführungen richtig. nur ist die junge Zielgruppe schwer davon zu überzeugen, vermutlich.

Gilly 20. Januar 2012 um 09:35 Uhr

@Andi aber ein MP3 ist doch eine Dienstleistung, die der Künstler dir gegenüber erbringt. Er unterhält dich mit seiner Musik. Dafür muss man ihm auch Geld „geben“.

Mirko 20. Januar 2012 um 09:36 Uhr

Leider hinkt deine Argumentation an mehreren Stellen. Natürlich kann man via Streaming für 10 Euro im Monat mehr als 3 Maxis hören. Aber sobald man irgendwann nicht mehr zahlen oder den Anbieter wechseln will ist alles Asche. Dann ist alles bisher mühsam zusammengesuchte, sortierte, liebgewonnene futsch und man muss von vorn anfangen.

Nun ist es aber auch so, dass die Musikindustrie über Jahrzehnte versucht hat, den Kunden zu verarschen. Downloads kosteten genauso viel wie die CD im Laden – das Kostenverhältnis der Dinge unterscheidet sich aber nicht nur geringfügig. Die Kunden wurden mit DRM-Schutz verbombt, um ja die Tracks nicht auf den MP3-Player kopieren zu können, Bootkits für Kauf-CDs eingerichtet.

Nun läuft die Abwahnwelle. Ein tolles Geschäft für Anwälte & Musikindustrie. Aber die Kreativen – die Künstler sehen davon keinen Cent. Danke an Jan Delay für seine ehrlichen Worte zu diesem Thema. Und was darf man auch nicht vergessen, bei all den schönen Schätzungen, wieviel Geld der Musikindustrie verloren geht? Dass eben nicht all diejenigen, die Sachen mitnehmen weil sie kostenlos sind dafür auch nur im entferntesten je Geld bezahlt hätten. Vielmehr werden Sachen geladen, weil sie gerade da sind und verkümmern dann ungehört oder ungesehen auf der Festplatte.

Dieses ganze Business ist noch so nutzerfern, gewinnorientiert und verdient deshalb gar nicht, vom Kunden durch Geld entlohnt zu werden. Kein Ding, dass Künstler ihr Geld für ihre kreative Arbeit bekommen sollen. Aber warum soll ich die ausverschämten Musikmanager, die Anwälte, die dusselige PR- und Media Markt Vertriebs-Maschinerie mitbezahlen?

Sebastian Halbig 20. Januar 2012 um 09:36 Uhr

Ich bin beeindruckt. Ein fast schon poetischer Beitrag.

Ich selbst habe bis vor etwa 2 Jahren an die 100 % meiner Musiksammlung von Youtube und anderen Quellen. Nachdem ich aber mit einem befreundeten DJ eine interessante Diskussion über das Thema Musik im digitalen Zeitalter hatte, sah ich dass die heutigen Künstler es sehr schwer haben. Am selben Tag habe ich mich dann mal umgesehen welche Streamingdienste es so gibt, und wie groß der Anteil für die Künstler ist.

Wenn ich Musik für`s Auto brauche dann kaufe ich mir entweder eine CD (ja sowas soll es auch noch geben) oder das Album bei Zune bzw. iTunes.

Genau wie bei dir Carsten, spielt auch bei mir die Musik eine wichtige Rolle. Ob als Begleiter auf dem Weg von und zur Arbeit oder einfach zum Entspannen auf der Couch.

Von daher ist meine Meinung klar: Musik kaufen oder es sein lassen.

Gruß Sebastian

Sascha H. 20. Januar 2012 um 09:38 Uhr

Wow…. 100% mein Reden…. und das gilt in ALLEN Lebenslagen und nicht nur beim Internet.

Lars 20. Januar 2012 um 09:42 Uhr

Absolut Bei Dir. Ich bin gerne bereit für gute Dinge gutes Geld zu lassen.

Simfy ist optimal und wird gerne bezahlt. Auch für Hulu.com würde ich (wenn es denn endlich mal nach DE kommt) Geld hinlegen. Vielleicht auch gar nicht mal so wenig. Warum? Weil das Qualität ist. Und Qualität hat seinen Preis.

Allerdings ist das mit der Musik im Laufe der letzen 15 Jahre aber auch so seine Sache. Da wurde unglaublich viel Rotz produziert. Da kaufte man sich das Album eines Künstlers weil die Single ach so toll war und bekommt eine Scheibe mit einem Hit und im besten Falle 10 weitere schnell-mal-zusammen-gebastelte Massenware.

Mittlerwerweile kann man diesen Crap gottseidank bei Simfy & Co. anspielen und für schlecht befinden – ohne das man sauer über das verschwendete Geld ist. Vor ein paar Jahren war das noch anders.

Das war der Run auf die illegalen Quellen.

Schnell gesaugt, für schlecht befunden, gelöscht. Aber leider eben auch: schnell gesaugt, für gut befunden, behalten ohne zu bezahlen.

Gleiches gilt im Übrigen und eigentlich auch noch in viel stärkerem Maße für Filme…

Aber sehr guter Artikel 😉 Meine erste „Schallplatte“ war übrigens Michael Jacksons Thriller.

Cheers
Lars

Jens 20. Januar 2012 um 09:42 Uhr

Wunderbar auch meine Meinung zusammengefasst… Wenn ich etwas umsonst bekomme freue ich mich… will ich mehr muss ich bezahlen.Besser kann man es nicht ausdrücken…

Croaker 20. Januar 2012 um 09:43 Uhr

Wenn du einem Obdachlosen an einem Tag 10€ schenkst, dann freut er sich.
Wenn du anfängst den Obdachlosen jeden Tag 10€ zu geben, dann freut er sich mehr. Er nimmt es aber auch als Selbstverständlich hin. Wenn du Ihm dann (warum auch immer) die 10€ nicht mehr schenkst wird er wütend werden und sich bei dir beklagen warum du Ihm die 10€ nicht gibst.

Genau so nur ein bisschen anders ist es mit Musik und Video.
Wir haben uns daran gewöhnt Musik und Video geschnkt zu bekommen. Jetzt nimmt man den Usern etwas Weg und sie werden wütend. Dabei hätten die User doch eigentlich immer für diese Dienste zahlen müssen.

Und das Fazit: Nimm nichts als selbstverständlich hin, du kannst alles was du bekommst auch wieder genommen bekommen.

Damien 20. Januar 2012 um 09:44 Uhr

Super Text, aber wo bleibt eigentlich kein Comment zur SOPA-Sache? 😀

Benjamin 20. Januar 2012 um 09:45 Uhr

@Mirko: Es geht einfach darum, dass Du von der Musik überhaupt erst erfährst. Und dafür waren mal die A&R Manager zuständig. Eine Liebe zur Musik entwickelt sich erst, wenn man auf Künstler getroffen ist, die das eigene Leben verändert haben. Bei mir waren das z.B. Nirvana. Klar wurden sie vom Erfolg und geldgierigen Managern ausgesaugt. Auf der anderen Seite hätte ich niemals ein Leben geführt wie meins jetzt, wenn ich nicht vor 21 Jahren den Coca Cola Report mit Kristiane Backer auf MTV gesehen hätte, bei dem ich zum ersten Mal „Smells like teen spirit“ gesehen habe. Deswegen gebe ich auch gerne einem Vertrieb und einem Manager etwas von meinem Geld ab, wenn er für mich Künstler auftreibt, die ich gerne mag. NATÜRLICH muss das in einem annehmbaren Rahmen und fair sein. Aber dass man z.b. Künstler wie Radiohead anführt, die inzwischen diesen ganzen Weg umgehen, bedeutet zu vergessen, dass die ja schon bekannt sind. Auf die braucht mich niemand aufmerksam zu machen. Es ist immer etwas zwischen mir und dem Künstler zwischengschaltet, immer. Sei es nun ein Online-Fanzine (wie Pitchfork z.B.), oder eine Plattform wie Myspace oder Lastfm oder das Plakat an der Wand, das mich auf einen Live-Auftritt hinweist. Und ich möchte mein Geld gerne gerecht an all die verteilen, die mir den Genuss des Musikhörens ermöglichen. Das wäre ein faires System, das es im Moment so noch nicht gibt.

Jörg 20. Januar 2012 um 09:46 Uhr

Danke für den Post. Sehe ich genauso.

Was mich dann allerdings stört, sind Hinweise im Blog, wie man etws kostenlos bekommen kann, obwohl man gar nicht zur Zielgruppe der angepeilten Kostenlosnutzer gehört. Zusätzlichen Dropbox-Speicher? Mach ne VM auf und fake den „Freund“. Mehr Platz bei box.net? Fake den Provider. Kostenlose Apps bei Amazon? Nimm ne Text-Kreditkartennummer. Sowas halt.

Aber es freut mich, dass du dazu aufforderst, legale und bezahlte Dienste zu nutzen. Simfy ist für mich die Entdeckung vieler Künstler, die ich sonst nie zu Gehör bekommen hätte. Lohnt sich!

Yvonne Dörfer 20. Januar 2012 um 09:46 Uhr

Sehr schönes Posting!
Ich habe zwar an allen Streamingdiensten (noch) etwas auszusetzen, aber mir trotzdem einen ausgesucht. 10 Euro im Monat ist nichts gegen meine CD- und Plattenkäufe von vor 20 Jahren.
Ich genieße grade diesen Luxus mir abends einfach 5 Alben auszusuchen nur weil mir das Cover gefällt, sie mit meinem Tablet zu syncen um tagsüber mal zu hören, was es so gibt. Es gibt einfach soviel Musik die sich lohnt gehört zu werden. Und bei der Vielfalt ist es mir auch grade egal, dass Teile meiner Lieblingsmusik noch nicht verfügbar sind. Die habe ich eh auf CD oder auf meiner Festplatte. 10 Euro sind ein Fliegenschiss für das was einem geboten wird. Wer das nicht sieht, liebt die Musik nicht wirklich.

Dominik 20. Januar 2012 um 09:46 Uhr

Vielen Dank für den Beitrag Caschy, ich hoffe viele deiner Leser nehmen sich dem einfach mal an.
Denn: Nichts ist umsonst! Die Leute sollen so langsam aber sich einfach mal diese ekelhafte Art ablegen.

Ich sehe das alles genau so wie du, wer zahlt wird entlohnt und wie du geschrieben hast gibt es doch heute soooo viele und gute Möglichkeiten die Musik, Filme etc. zu konsumieren.

Mit 16 Millionen Songs bei Simfy ( den Dienst den ich liebe und nutze, PremiumPlus ) kann ich (fast) alles hören was ich mag, viele neue Releases usw.. und das mit dem Notebook, Smartphone oder Tablet, absolut genial.

Die Leute verstehen einfach nicht, das wenn man zahlt, die Firmen auch mehr Etat für noch mehr Künster, Bands, etc. haben und den Dienst dann auch ausbauen zu können um so das Angebot zu erweitern. Ich hoffe, wie Du, das die Leute das alles mal verinnerlichen.

Andre 20. Januar 2012 um 09:48 Uhr

Definitiv guter Artikel, wo du schon mit vielem Recht hast. Als Beispiele hätte ich noch die ganzen Apps aufgezählt, die sich illegal beschafft werden.

Zumindest kenne ich viele, die zwar Pay-Apps auf dem Smartphone haben, aber nie dafür bezahlt haben, wo ich den Entwickler gerne unterstütze.

Achja und sollte es nicht bei tl;dr didn’t read statt don’t heißen 😉

JSG 20. Januar 2012 um 09:48 Uhr

So what, Mirko? Wenn man sie nicht gekauft hätte, dannn soll man es lassen!

Ich bin seit es Simfy gibt auch kurz davor, meine Musiksammlung zu löschen. Es hält mich ab, dass es online noch nicht alles gibt, dass ich nicht alles verlieren will und die viele Arbeit die ich in die Digitalisierung hunderter CDs gesteckt habe… Anfangs noch ohne automatischer Titelinformationen…..

Kostenlos geht nicht. Das Schließen von Megaload zeigt aber auch mal wieder: Leute sind sogar für schlechte Qualität bereit, Geld zu zahlen. Immerhin einige Euro im Monat, diejenigen die „Pplus-User“ wurden!! Wenn es Filme für 10-20 Euro/Monat gibt, wird die Industrie war weniger pro Person verdienen, aber von mehr Personen!

Übrigens, relaiv still und leise kann man bei lovefilm.de nun offenbar auch immer mehr Filme online streamen, all inclusive (?). Quasi ein DVD-Verleih mit angeschlossener Streaming-Flat, wenn ich da jetzt nichts übersehen habe. Startet bei 7,xx Euro.

ToBa 20. Januar 2012 um 09:53 Uhr

Ich könnte dir mehr zustimmen, wenn du auf Wörter wie „lutsche“ und „latzen“ verzichtet hättest 😉

Aber insgesamt hast du völlig recht. Meiner Meinung nach, ist das Unverständnis auf der Anbieterseite im Moment aber noch größer, als auf der Konsumentenseite. Seit man Musik vernünftig online kaufen kann, machen das auch sehr viele. Bezahlen für digitale Inhalte ist für Konsumenten nachweislich kein Problem, nur muss es dafür die passenden Angebote geben. Wie die aussehen, hat Felix Schwenzel vor einiger Zeit mal skizziert – wichtiger als das „kostenlos“ sind das „sofort“ und „einfach“.

Bei Filmen und Serien sind wir da noch weit weit entfernt, es ist unglaublich schwer, sich legal online zu versorgen, sobald man ein klitzekleines bisschen vom Mainstream abweicht oder der englischen Sprache mächtig ist 🙁

Manfred 20. Januar 2012 um 09:54 Uhr

@caschy:
@ben: liegt am Alter

Liegt am Alter wessen? Der alternden Künstler oder Hörer?
Ich denke von beiden.

Heute erlöschen Sterne viel schneller als zu meinen Jugendzeiten.
Burnout also auch in der Musikbranche.
Und die einstig Großen haben wei Kodak nicht der Schnelllebigkeit nicht mithalten können bzw. wollen.

Berta 20. Januar 2012 um 09:58 Uhr

Ich lese deinen Blog wirklich sehr gern. Wenn du dich aber zum digitalen Ethik-Wächter/Richter aufschwingst wird es für mich schwer nachvollziehbar. Wer, glaubst du, braucht denn deine Absolution. Es macht ohnehin jeder, was er will und warum er es will – ob du es ihm erlaubst oder nicht. Wer für etwas bezahlt, das er auch (gefahrlos) umsonst bekommen kann, tut das wohl in den seltensten Fällen auf Grund moralischer Entscheidungen. Meißtens ist es schlicht Angst oder Dummheit. Bezahldienste werden ja auch nicht gestartet, um darbende Künstler zu unterstützen, sondern weil Leute mit diesen Künstlern Kohle verdienen wollen.

Schellman 20. Januar 2012 um 09:59 Uhr

Beitrag gelesen, erst den Langen, dann den Kurzen. Damn. 😉

Kann ich nur eins zu sagen: Amen, Brother.

kiliman 20. Januar 2012 um 10:02 Uhr

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten =) Aber wie.. Alles halb so wild, die LP ist wieder da und der größte Knauserer gibt 20+ Euro für seine Lieblinge aus.

Fraggle 20. Januar 2012 um 10:02 Uhr

Es ist etwas einseitig beschrieben. Persönlich habe ich Internetradios gehört und dadurch neue Künstler kennengelernt und deren CDs gekauft selbst wenn ich sie nur zum umwandeln in MP3 brauchte, aber sie liegen als Original vor.
Wie auch immer, wenn man sie über die Beschwerden aufregt daß es jetzt kostet, muß in meinen Augen zwangsläufig auch über die Zwangsabgaben aufregen, die auf CDs, CD-Player, Brenner, Drucker Festplatten, Smartphones etc. anfallen. Denn man zahlt für das Recht der Privatkopie. Und das, obwohl sie in den meisten Fällen nicht kopiert werden dürfen.

Andi 20. Januar 2012 um 10:04 Uhr

@Gilly

Nein. Eine Musik CD kaufst du als physischen Gegenstand. Das MP3 Album ist das digitale, nicht greifbare Pendant dazu. Wenn ich mir ein Buch kaufe ist das doch auch keine Dienstleistung, obwohl der Autor mich damit unterhalten (oder lehren) will – bei einem E-Book soll das aber wiederum eine sein?

Von einer Dienstleistung können wir sprechen, wenn eine Sammlung von MP3 Songs bzw. Alben beispielsweise gegen jährliche Gebühr bereitgestellt werden. Eine Gebühr für die Bereitstellung, den Zugang und die damit verbundenen Nutzungsrechte an den Songs, ähnlich wie es Simfy und Co machen. Nicht aber für die Dateien selbst. Aus den Gebühren die jeder zahlt, werden auch die Künstler entlohnt. Klar müssen die auch Geld verdienen – auf digitalem Wege sollte man allerdings andere Mittel finden um das zu erreichen, als es im klassischen Geschäft der Fall ist. (= CD kaufen und trotzdem Privat- oder Digitalkopien verbieten.)

Peter 20. Januar 2012 um 10:11 Uhr

@Mirko da muss ich dir vollkommen Recht geben.

Genau das ist das Problem, dass das Geld gar nicht bei den Künstlern ankommt, sondern nur bei den Plattenfirmen und bei den Anwälten landet. Und wenn die Plattenfirma genug hat, dann setzen sie den Künstler auf die Straße…

Und mal ganz ehrlich? Müssen alle Musiker Millionäre werden? Ich bekomme sie auch nicht für meine Arbeit. Oder reichen auch z.B. 5.000 netto pro Monat?

Horst Schulte 20. Januar 2012 um 10:12 Uhr

Nachdem ich iTunes jahrelang genutzt und dort einiges an Geld gelassen habe, bin ich zu Simfy gewechselt.

Den Tipp hatte ich damals (wo sonst?) hier bekommen. Zuerst habe ich den Dienst ausprobiert und jetzt seit Monaten Premiumkunde. Ich genieße es, Musik ausgiebig anhören (ausprobieren) zu können. Es ist auch ein Vorteil und wesentlich komfortabler. In erinnere mich, in grauer Vorzeit vor dem Kauf Schallplatten :-)anzuhören, um zu erkunden, ob die Musik auch wirklich gefällt. Der Punkt ist, dass die Angebote passen müssen. Der Service muss technisch ansprechend sein und budgettechnisch natürlich passen. Unter diesen Voraussetzungen steigt vielleicht auch die theoretische Chance einen Mentalitätswechsel (sogar in Deutschland) zu erreichen. Obwohl für diese Hoffnung doch eher wenig Anlass besteht. 🙂

Jay F. Kay 20. Januar 2012 um 10:23 Uhr

Wahre Worte… Danke! +1

passsy 20. Januar 2012 um 10:24 Uhr

Ich bin immer noch sehr skeptisch, wenn ich für Musik Streaming abos zahlen soll. Im Endeffekt bekomme ich ja nichts, außer die Musik zu hören. Doch das bekomme ich ja auch kostenlos.
Wenn ich aber eine CD kaufe ist das was ganz anderes. Die habe ich dann für immer, sie gehört wirklich mir und die bekomme ich einfach nicht günstiger von jemandem anders.
Für die Lieder selber sollen sich die Künstler andere Wege ausdenken. Sie müssen sich einfach anders finanzieren, als „nur“ ihre Musik zu verkaufen. Das geht im heutigen Zeitalter einfach nicht anders. Kopiert wird sowieso, egal welcher Schutz da ist, welche Strafen es gibt.

Außerdem: Wenn ich mein Abo dann kündige, habe ich nichts. Natürlich bin ich für das was ich gehört habe günstiger weg gekommen, aber so ganz damit anfreunden kann ich mich nicht.

Sehr interessante Diskussion dazu übrigens auch hier: https://plus.google.com/110351160992477343545/posts/c5a6dGvKpRH

BOP 20. Januar 2012 um 10:28 Uhr

Ja immer diese sprichwörtliche „Geiz ist geil“ Thematik.

Mein Umdenken kam noch zu meiner Amiga Zeit, als es noch Mailboxen und tägliches polling gab [nein keine Sprachmailbox ala Handy, ist hier nicht gemeint].
Wenn man selber mal einige Wochen an einem Programm, für die damals eingesetzten Mailboxsoftware, geschrieben hat, da sieht man es alles von zwei Seiten.
Jeder andere Betreiber wollte die Software zwar nutzen, aber niemand war bereit auch nur 2-5 DM zu zahlen. [Kurz angerissen das Thema]

Danach fragt man sich doch selber was das soll und was man selber vielleicht macht. Oha da kann ich mir Programm xy herunterladen, dort gibt es ein neues Album meines Lieblingskünstlers – und das noch kostenlos, obwohl es im Laden um die Ecke alles andere als umsonst ist.

Man sollte immer darüber nachdenken, dass hinter einem Produkt nicht nur ein Händler, Publisher, oder große Plattenfirma steckt die nur Geld verdienen wollen, sondern auch immer jemand der das ganze mit seiner Arbeit & Herzblut erschaffen hat!

Schließlich willst DU doch auch für deine Arbeit entlohnt werden, oder?
Stellt euch umgekehrt doch mal folgendes vor; ihr geht jeden Tag zur Arbeit, egal was, und bei der nächsten Gehaltsabrechnung steht dann verdienst 0,00 Euro.
Ihr fragt euren Chef ob das ein schlechter Scherz ist, dieser antwortet nur lapidar; tja sorry, du hast zwar gute Arbeit geleistet, aber die Kunden wollten diesen Monat alles umsonst ….

PS: ich bin einer derjenigen die ein Grooveshark Abo haben (ja das gegen Geld), tja im November für ein Jahr verlängert um festzustellen das da mehr im argen liegt als gedacht …

Ben 20. Januar 2012 um 10:33 Uhr

Sehr richtig kann ich nur sagen!

rene-ka69 20. Januar 2012 um 10:34 Uhr

@Caschy
1. Ich lese gerne seit Jahren Deinem Blog und dies hier ist der vielleicht respektverdienende Beitrag von Dir.
2. Da ich etwas älter bin und erst ´89 Zugang zum internationalen Markt bekam waren meine ersten Scheiben doch eher Lizenzausgaben von Nena, Modern Talking, Bonnie Tyler und Michael Jackson (Thriller). Ansonsten waren Radiomitschnitte bei mir an der Tagesordnung. Da hatte man in Berlin ja ne gute Auswahl. Doch mit ´89 war es mir auch möglich, meine Musikinteressen wie Enigma, Depeche Mode, SoftCell uvm als LP, später als CD, im Regal zu präsentieren.
Aber irgendwie glaube ich, da passt man seine Interessen an seine Möglichkeiten an. Heute heist das: kaum noch Zeit zum Mucke hören und die schrottlastige MP3-Sammlung gekillt. Das echt gute Zeug hab ich eh als CD oder sogar classisch als Vinyl.

Bei Software ist es ja eher so, dass es immer mehr gute FreeWare gibt. Klar, wenn man sich daran gewöhnt hat wie zum Beispiel OpenOffice, wo man nach der Übernahme durch Oracle plötzlich Angst hatte, dass man das in Zukunft bezahlen muss. Anders bei X-Marks, da kamen ja nach der Übernahme ja wirklich für einige Leistungen Kosten mit.

Meine Meinung kurz und knapp: Jeder nach seinen Möglichkeiten, also wer kann, der sollte sich auch erkenntlich zeigen.

Javex 20. Januar 2012 um 10:39 Uhr

Spitzen-Beitrag, danke Caschy. Bin dann auch grad mal zu simfy gegangen und werde es testen 🙂

Frank 20. Januar 2012 um 10:58 Uhr

meine sammelleidenschaft im bezug auf musik hat sich mittlerweile in konzertbesuche umkanalisiert! wenn ich einen künstler mag, dann besuche ich seine konzerte… an einer cd oder mp3 verdienen die künstler ja eh kaum was…

so ist das 20. Januar 2012 um 11:06 Uhr

Er hat es genau auf den Punkt gebracht.

Sascha H. 20. Januar 2012 um 11:11 Uhr

@passsy
Ein Künstler (Musiker) soll sich sein Geld anders verdienen als zu verkaufen? (ok… Konzerte)
Aber was ist das bitte für eine Aussage?
Ein Maurer soll bitte sein Geld auch anders verdienen als mit mauern???? OK… durch Schwarzarbeit als Elektriker oder was?
Ein Künstler lebt davon, dass man seine Werke kauft oder anschaut/anhört oder hab ich da was falsch verstanden?

Und @alle die Caschys Sicht einseitig finden…. schlimm wenn man nicht den ganzen Text mit Verstand liest und sich nur das heraus zieht, was der eigenen Argumentation entspricht.

Grundsätzlich haben viele in den letzten Jahren sowohl im Internet als auch in den Geiz-ist-geil-Läden den Sinn verloren, für einer Dienstleistung oder dem Erstellen einer Sache.
Und jeder der das anders sieht, darf gerne 1x die Woche kommen und mir meine Wohnung sauber machen und mein Auto waschen…

Danke.

m.o.m. 20. Januar 2012 um 11:18 Uhr

Zustimmung! Wenn was toll ist, einem Spaß macht, das Leben bereichert, dann sollte man es auch honorieren. Auch bei Software sehe ich das so.

wolfi 20. Januar 2012 um 11:32 Uhr

und wenn es die torrents, uploads und shares nicht gegeben hätte, wäre die Industrie längst nicht so weit und es gäb ausser vielleicht itunes kaum nen legalen (streaming)dienst, weil diese Industrie ja sowas von flexibel und innovativ ist …

Oliver Springer 20. Januar 2012 um 11:54 Uhr

Wenn ich daran denke, wie viel Geld ich früher für Platten ausgegeben habe, fühle ich mich mit meinem simfy-Premium-Abo fast wie ein Dieb.

Ja, man hat bei einem Streaming-Abo die Musik nicht für immer, aber der Kauf von Musik ist heute doch auch billiger als früher. Die wichtigsten Titel/Alben kann man sich ja zusätzlich kaufen und spart immer noch Geld, weil man das Meiste eben nicht besitzen muss.

Was den Vergleich mit Open Source Software angeht: Es gibt auch Unmengen an Musik, die verschenkt wird. Niemand ist dazu gezwungen, Musik aus den Verkaufscharts zu hören. Wer für Musik nicht bezahlen möchte, kann sich ja bei seinen Downloads auf diese Künstler beschränken. (Zudem gibt es ja auch von vielen Künstlern, die ihre Musik verkaufen, Gratis-Tracks zu Promo-Zwecken.)

Thomas 20. Januar 2012 um 11:56 Uhr

@caschys

die Einstellung die du dazu hast ist gut aber wie konsequent bist du dabei? Wo fängt es an nur bei der Musik? Klar sollen die Musiker nicht leer ausgehen und sicherlich auch nicht die anderen Beteiligten. Aber was ist zb. mit den Zulieferbetrieben für deine (unsere) High Tech Telefone und andere Gadget. Was ist mit Kleidung? etc.? Ist da nicht genauso eine “ No geiz ist Geil“ Mentalität angesagt? Auf jeden Fall regt dein Beitrag zum Nachdenken an. Danke

Thorsten 20. Januar 2012 um 11:58 Uhr

@ Caschy: Eine Single kostete früher rund 6 DM; eine Maxi 9,99 🙂

Und kurz zum Thema „Scheibe abspielen“ etc.: Ich habe (durch größere Schwester bedingt) früh mit Platten-Kaufen angefangen. – Das war immer ein echtes Event, wenn von einem meiner Lieblinge (u.a. auch Depeche Mode) eine neue Platte rauskam. Irgendwie 20 Mark zusammengekratzt (LP-Preise schwankten zwischen 15 und 20 DM), mit der Strassenbhan in die City gefahren und in den Plattenladen. Voller Vorfreude heimgefahren, Platte vorsichtigst ausgepackt, gefreut wenn Texte dabei waren, aufgelegt und komplett mindestens einmal durchgehört am Stück (ok, ein Mal wenden Pflicht 😉
Selbst wenn ich mir heute CDs kaufe, dann iss das irgendwie nicht mehr so wie früher. Liegt aber natürlich nicht nur am Medium, sondern wohl auch am Zeitgeist: man konsumiert gaaaaanz anderst als noch vor 20 Jahren. Gilt -bei mir- nebenbei auch fürs TV.

Sollte jetzt aber keine „Trauerrede“ sein – man hat heute dafür auch soooooo unendlich viel mehr Auswahl in allen Bereichen, was auch seine schönen Seiten hat.

plerzelwupp 20. Januar 2012 um 11:59 Uhr

Ich oute mich mal und teile mit, dass ich das alles ein bisschen anders sehe. Prinzipiell sind wir auf einer Linie: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Ganz meine Rede.

Aber in diesem Zusammenhang gibt es doch ein paar Umstände, die meines Erachtens für Ärger sorgen. Nehmen wir z.B. Youtube: Beinahe auf der ganzen Welt kann man dort Videos bekannter Künstler sehen. Aber in Deutschland kommt einfach keine Einigung zwischen den sturköpfigen verantwortlichen Kreisen zustande.

Ich mag den schwarzen Peter nicht in Richtung Youtube, GEMA, Künstler oder sonst wen schieben. Aber ich mag mich aufregen dürfen, dass alle Welt schauen darf, nur wir nicht. Und: ich bin durchaus bereit, für Musik zu zahlen.

Hotdogxxxx 20. Januar 2012 um 12:00 Uhr

Ich stimme deinem Beitrag voll zu. Ich denke, dass die Lebenssituation das Verhalten der Nutzer bestimmt. Wer selber Arbeitet und realisiert, dass er für seine Arbeit auch entsprechend entlohnt werden möchte, der wird auch anfangen Medieninhalte im Wert zu schätzen.

Wer Geld verdient und Geld übrig hat wird eher ein Produkt kaufen, als Jugendliche die Rechts und Links schnuppern wollen. Ich habe früher auch viel aus dem Web geladen und habe mir über Konsequenzen keine Gedanken gemacht. Meine Motivation ist leicht zu definieren: „Hey, was neues, lass mal testen!“ Heute weiß ich welche Medienprodukte mir gefallen, habe aber auch die finanziellen Mittel mir diese zu leisten. Heute ist es mir wichtiger meinen Computer vor Viren zu schützen, als jeden Müll aus dem Web zu laden. Gerade bei Software ist doch mittlerweile 90% der illegalen Angebote mit Trojanern bestückt.

Andi 20. Januar 2012 um 12:02 Uhr

@ Sascha H.

Im Bezug auf passsy’s Kommentar geht eines unter: Es ist völlig richtig, dass Musiker mit ihren Werken Geld verdienen (können / sollen / müssen). Kaufst du als Fan eine Musik CD, Vinyl oder dergleichen, dann hast du einen physikalischen Gegenwert für dein Geld. Die Authentizität deiner erworbenen CD ist jederzeit einwandfrei nachweisbar.

Kaufst du jedoch MP3 Alben in digitaler Form am PC ist das jedoch unter Umständen garnicht möglich – es sei denn, man kann dir eindeutig nachweisen wann du es von welcher Quelle bezogen hast. Die Technik samt Internet bietet den bösen Raubkopierern viel zu viel Freiraum, als dass die traditionelle Distribution problemlos 1:1 auf das digitale Modell übertragbar sei. Es sei denn, du findest dich damit ab, dass Raubkopierer eben dazu gehören – denn jene haben sich vormals auch CDs ausgeliehen und gebrannt, Songs im Radio mitgeschnitten oder die Musik anderweitig kostenlos bezogen, ohne den Künstler dafür zu entlohnen.

Willst du das Raubkopieren allerdings unterbinden, bleiben dir zwei Möglichkeiten:
Bei jedem Mail-Provider gibt es künftig nur noch Postfächer die maximal 10 mb fassen. Ein Anhang darf nicht größer als 250 kb sein. Die Nutzung von Ports wird auf ein Minimum für HTTP und Co beschränkt, ebenso wie der maximale Up- / Downstream für den Normalbürger. Betriebssysteme, Festplatten und Co werden mit Schutzeinrichtungen ausgestattet, Inhalte auf CDs und DVDs verschlüsselt, USB Sticks nicht mehr überall verwendet werden können.

Oder du änderst als Künstler (bzw. die Content Industrie) deine Verkaufsstrategie im Internet. Dienste wie Kino.to oder Megaupload kann man sich hier gerne mal als Vorbild nehmen. Die Content Industrie beklagt sich ja pausenlos über die unzähligen Verluste durch Raubkopierer. Betrachtet man dagegen mal Megaupload: Angeblich sollen sie einen Schaden von 500 mio USD angerichtet haben und 150 mio registrierte, zahlende Nutzer haben. Zahlt in diesem Fall jeder Kunde also einmalig 3,3 Euro, ist der Schaden ausgeglichen. Universal, Sony und Co entschädigt – der Konsument günstig weggekommen.
Was könnte die Musikindustrie also verdienen, wenn sie ein vergleichbares Modell selbst auf die Beine stellt? Einnahmen durch Werbung und dergleichen ist ja nicht einmal mit einbezogen.

TmoWizard 20. Januar 2012 um 12:04 Uhr

Hallo Caschy!

Irgendwie kommt mir das sehr bekannt vor, da es mir ziemlich ähnlich ging! Ich brauche nur an meine sehr große MP3-Sammlung denken und dann mit den wenigen CDs im Schrank vergleichen. 😉

Sehr viele dieser Songs kommen bei mir allerdings von einem Online-Radiosender, bei dem ich eine gewisse Zeit so nebenbei als Moderator mitmachte. Die sind also wie meine CDs auch legal, aber das gilt wohl nicht für alle Songs.

Inzwischen ist hier das Einzige was z. B. noch über Torrent & Co eintrudelt eventuell mal eine neue Version von Kubuntu oder so, und das ist ja auch erlaubt! Es stellt sich mir nämlich auch die Frage, wann ich eigentlich all diese Songs hören will. Wenn ich die ab heute 24/7 am Stück laufen lassen würde, dann dürfte der letzte Song wohl im Jahr 2014 laufen! 😛

Es regen sich nun sehr viele Leute darüber auf, daß Dienste wie MegaUpload oder Kino.to dicht gemacht werden. Auf der einen Seite versteh ich diese Leute schon. Andererseits sollten die daran denken, daß es eben illegal ist. Mir selbst stinkt an der ganzen Sache eigentlich mehr, daß das meiste Geld für CDs und DVDs gar nicht beim Künstler ankommt, sondern in den Taschen der MI landet.

Grüße aus TmoWizard’s Castle

Mike, TmoWizard

Dimitriou 20. Januar 2012 um 12:11 Uhr

Danke für den Posts – ähnliches wie du in der Zusammenfassung – musste ich auch vor kurzem von mir geben, weil jemand eine kostenlose App sehr schlecht gemacht hat.

Lg Christina

René 20. Januar 2012 um 12:12 Uhr

Ich konnte mir CD´s nur sehr selten leisten.
Ging fast alles für Kippen oder so nen Kram drauf.
Und aus diesem Grund werden viele Jugendliche ihre Musik auch weiterhin kostenlos aus dem Netz saugen. Und irgendwie finde ich das auch gut so. Zu meiner Zeit gab es das leider noch nicht.
Aber zum Glück sieht meine heutige (Nichtraucher 😉 ) Situation anders aus.
Nach dem „Ende“ von Grooveshark werde ich jetzt wohl mal Simfy Premium testen.
Ich bin auch der Meinung, sofern man es sich leisten kann, das für Musik, Programme, Filme etc… bezahlt werden sollte.
Nur dürfen wir nicht diejenigen vergessen die vielleicht nicht so viel haben. Man kann sich ja auch von der GEZ befreien lassen. Familien mit weniger Geld sollte die Streaming Flat kostenlos zur Verfügung stehen.

Denis 20. Januar 2012 um 12:13 Uhr

Unglaublich….. dieser Beitrag ist das Paradebeispiel für die Tatsache, dass die Qualität der Beitrage in diesem Blog ständig abnimmt. Früher (vor 5 Jahren) hat Caschy noch unbekannte und/oder interessante Software oder Dienste und interessante Ideen (papierloses Büro) vorgestellt und jetzt…. „Technik muss Spaß machen“-Beitrag in dem das Wort Spaß gefühlt 1000 mal vorkommt (etwa vor einem Jahr), dieser Beitrag jetzt und alle andere sinnlose werbe-Berichte über Hardware (vor allem Smartphones) machen für mich diesen Blog immer uninteressanter. Ich vermisse den alten „Internet Pionier Caschy“ Blog…..

Gruß Denis




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