Testbericht: Meizu MX4 – Ubuntu Edition

30. Juli 2015 Kategorie: Linux, Mobile, geschrieben von: Gastautor

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Seit Ende Juni ist das Meizu MX4 in der EU über ein Invite-System bestellbar, nach knapp einem Monat wurde das Invite-System aufgehoben und man kann es nun normal erwerben. Zeit also, sich das Gerät näher anzuschauen. Das Meizu MX4 ist das dritte verfügbare Smartphone, welches mit Ubuntu als Betriebssystem ausgeliefert wird. Die ersten beiden Smartphones sind vom spanischen Hersteller bq erwerbbar, dabei handelt es sich um das bq Aquaris E4.5 (hier zum Testbericht) für einen Preis von 170€ und das bq Aquaris E5, welches für 200€ zu haben ist. Alle drei Geräte erschienen im Vorfeld bereits in einer Variante mit Android.

Software

Der größte Teil der Software von Ubuntu Phone wurde im Testbericht zum Aquaris E4.5 bereits behandelt. Die Software-Ausstattung auf beiden Geräten ist identisch, sodass die gleichen Apps und Scopes vorinstalliert sind. Ubuntu Phone bekommt allerdings regelmäßig System-Aktualisierungen, der Abstand zwischen den Updates entspricht etwa sechs Wochen. Die Updates werden an allen drei Geräten gleichzeitig ausgeliefert und beinhalten nicht nur Fehlerkorrekturen, sondern auch neue Funktionen. So bekam Ubuntu Phone im Verlaufe der letzten Monate einige Updates. Unter anderem wurde das Basis-System von Ubuntu 14.10 auf 15.04 aktualisiert, zahlreiche Fehler korrigiert und einige Funktionen in den Core-Apps erweitert. Der Browser unterstützt beispielsweise mittlerweile einen privaten Modus.

Dieser Artikel behandelt alle Software-Eigenschaften, die mit der verbauten Hardware zusammenhängen. Ein genauer Blick auf die System-Funktionen werden hier nicht zusätzlich genannt, da sie im Testbericht zum Aquaris E4.5 enthalten sind.

Hardware

Der Bildschirm

Das Schmuckstück dieses Smartphones ist das Display. Dieses hat eine Größe von 5,36 Zoll und gehört damit zu den größeren Smartphones im Markt. Das Display löst mit einer Auflösung von 1920 x 1152 Pixeln sehr hoch auf. Dies entspricht einer Pixeldichte von 418 ppi – zum Vergleich: das bq Aquaris E4.5 hat nur ein 4,5 Zoll großes Display mit 240 ppi.

Die bloßen Zahlen lesen sich nicht nur auf dem Papier gut, sie sind auch in der Realität sehr gut. Fotos, App-Icons und Texte sind gestochen scharf. Sowohl die Helligkeit als auch die Farbdarstellung ist mit dem bloßen Auge beurteilt ziemlich gut. Auch an der Blickwinkelstabilität gibt es subjektiv nicht sehr viel auszusetzen.

Beim Auslieferungszustand wurde die hohe Auflösung softwareseitig noch nicht wirklich ausgenutzt. Schrift, Buttons und Icons waren größtenteils ziemlich riesig. Mit dem OTA-Update vom 20. Juli wurde das korrigiert. Die App-Icons, Buttons und Schriften sind systemweit geschrumpft und der Platz auf dem Display wird deutlich besser ausgenutzt. Für einige könnte allerdings diese Anpassung zu extrem sein, besonders für die Personen mit schlechten Augen oder sehr dicken Fingern.

Die Kamera

Groß beworben wird auch die Kamera, die eine Auflösung von 20,7 Megapixel aufweist. Die geschossenen Bilder haben letztendlich aber eine Auflösung von knapp 14 Megapixeln. Die Kamera vom bq Aquaris E4.5 macht eher verwaschene Fotos, dies ist beim Meizu MX4 nicht der Fall, so sind die Farben satt und kräftig. Auch bei schlechteren Lichtverhältnissen macht die Kamera akzeptable Fotos. Problematisch ist nur, dass die Kamera unter Umständen bei schlechten Lichtverhältnissen nicht ordentlich fokussiert, was in verschwommenen Bildern resultiert.

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Mobilfunk und WLAN

Das bq Aquaris E4.5 wurde von einigen Personen kritisiert, weil es keine LTE-Frequenzen unterstützt. Das MX4 ist das erste Ubuntu Phone mit der Unterstützung von gängigen LTE-Frequenzen die in Europa genutzt werden. Natürlich wird auch HSDPA unterstützt. Dieses Smartphone besitzt allerdings keine zwei, sondern nur einen micro-SIM-Einschub, welches sich auf der Rückseite befindet. Die hintere Abdeckung muss dazu entfernt werden.

Problematisch ist, dass das MX4 eher schlecht zwischen Mobilfunk- und WLAN-Datenverbindungen automatisch wechselt. Wenn man also ein WLAN-Netz verlässt, wechselt man in der Regel zwar häufig in den Mobilfunk, allerdings ist dies andersrum nicht sonderlich zuverlässig. So wird dann häufig nach dem WLAN-Passwort nachgefragt, obwohl dieses bereits gespeichert ist. Nach einem weiteren Klick auf den Namen des WLAN-Netzes wird die Verbindung dann erst aufgebaut. Diese Fehler werden hoffentlich in einem System-Update in naher Zukunft korrigiert.

Akkuleistung

Der Akku hat eine Kapazität von 3100 mAh. Dieser Akku treibt unter anderem den MediaTek Octa-Core Prozessor, 2GB Arbeitsspeicher und das große Display an. Im Auslieferungszustand war noch ein Bug enthalten, welches den Akku schnell entleert hat, sodass es selten ein Tag durchhält. Viele andere Testberichte schrieben ebenfalls über diesen Fehler, dieser wurde mit dem letzten Update korrigiert, sodass nun das Handy locker auf einer Laufzeit von 2 Tagen kommen kann, bei „normaler Nutzung“. Laut den Entwicklern wird weiterhin daran gearbeitet die Leistungsaufnahme zu verringern, vor allem im Standby, wenn das Handy nicht genutzt wird. Ein ähnliches Problem besaß auch das bq Aquaris E4.5, welches nach der Auslieferung der ersten Geräte erst eine Korrektur erhielt, welches den Stromverbrauch gravierend verbessert hat.

Obwohl man die Rückseite des Telefons öffnen kann, ist ein einfaches Austauschen des Akkus nicht möglich. Dieser ist nämlich fest verbaut und somit nicht einfach wechselbar.

Verarbeitung, Haptik & Qualität

Die äußerliche Verarbeitung ist sehr gut. Das Gerät ist größtenteils aus Aluminium gefertigt, dies entspricht vor allem dem Rahmen und die Rückseite. Ein Knarzen ist an keiner Stelle zu hören und es ist definitiv deutlich hochwertiger verarbeitet als das bq Aquaris E4.5. Letzteres Gerät wurde hauptsächlich aus hartem Kunststoff gefertigt. Das Display des MX4 wird mit Gorilla Glass 3 geschützt, welches kratzfest sein soll. Allerdings erschienen bereits nach wenigen Wochen die ersten kleinen Kratzer am Display, obwohl es nur in der Hosentasche mitgeschleppt wurde. Anders sieht es bei dem Glas au der Kamera-Linse aus, die wird durch Saphir-Glas geschützt. Auch die Aluminium-Rückseite hat einen kleinen Kratzer abbekommen, diese lässt sich wenigstens problemlos bei Bedarf auswechseln. Das Gerät besitzt insgesamt drei Hardware-Tasten: die beiden Lautstärke-Knöpfe die sich auf der linken Seite befinden, sowie der Power-Button auf der oberen Kante des Smartphones. Dieser Knopf ist ungünstig platziert, da er bei einer Ein-Hand-Bedienung nur sehr schwer mit dem Zeigefinger erreicht werden kann. Die Tasten selbst lassen sich allerdings gut betätigen, sind weder zu fest noch zu lasch.

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Obwohl das Smartphone recht groß ist, liegt es gut in der Hand. Am Anfang muss man sich noch an die glatte Rückseite gewöhnen, wodurch es leicht aus den Händen rutschen kann.

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Leistung

Das Meizu MX4 wird angetrieben von einem MediaTek Octa-Core Prozessor. Diese CPU besteht aus einem ARM Cortex-A17 mit 4 Kernen und einem ARM Cortext-A7 ebenfalls mit 4 Kernen. Es folgt der Big.LITTLE CPU-Architektur, sodass die höher-getakteten Kerne nur bei hoher Rechenlast genutzt werden und sonst ausgeschaltet sind, sodass hauptsächlich die schwächeren vier Kerne genutzt werden. Vorteil ist dabei, dass sowohl hohe Leistungsfähigkeiten abgerufen werden können, als auch der Energieverbrauch gering gehalten werden kann.

Trotz der theoretisch hohen Leistungsfähigkeit, ist die Bedienung von Ubuntu auch an diesem Gerät eher hakelig, vor allem wenn man es mit anderen High-End Smartphones vergleicht. Beim Wechseln zwischen Scopes kommt es so weiterhin zu Rucklern, die nervig sein können. Das Starten von Apps dauert mit rund drei Sekunden immer noch recht lange; es ist immerhin doppelt so schnell wie beim bq Aquaris E4.5, was die App-Startzeit angeht.

Neben der CPU sind noch zwei GB Arbeitsspeicher verbaut, allerdings scheint noch ein Memory-Leak vorhanden zu sein, denn Apps starten sich häufig neu, auch wenn nicht zu viele Anwendungen geöffnet sind. Auch an diesem Fehler wird noch gearbeitet.

Kritik

Prinzipiell besitzt das MX4 eine sehr gute Hardware, besonders das Display und die Kamera sind sehr gut. Die eher mäßige Software-Unterstützung trübt allerdings den guten Eindruck. Durch das letzte Update ist es allerdings noch deutlich aufgewertet worden. Neben den oben genannten Fehler gibt bzw. gab es noch einige weitere Fehler. Es gibt etwa einen Soft-Home-Button unterhalb des Displays, welches von Ubuntu eigentlich nicht gebraucht wird, aber in diesem Gerät auch als Notification-LED genutzt wird. Diese funktionierte bis zum letzten Update zunächst gar nicht, mittlerweile wurde es korrigiert und pulsiert bei vorhandenen Benachrichtigungen. Der Soft-Home-Button wechselt zum ersten Scope. Dies widerspricht allerdings der Benutzerführung von Ubuntu Phone, welches eigentlich ohne jegliche Hardware-Buttons verwendbar ist. So wird häufig aus Versehen betätigt, wenn man eine andere Wischgeste durchführen will.

Neben den oben genannten Fehler und Ungereimtheiten ist das MX4 im Alltag im direkten Vergleich schneller als das Aquaris E4.5, was während der allgemeinen Nutzung auffällt. Die Startzeit von Apps ist etwa doppelt so schnell, nichtsdestotrotz kommt es zu zahlreichen Rucklern bei System-Elementen, wie den Scopes. Es bedient sich manchmal also eher träge, wie es auch beim Aquaris E4.5 der Fall ist. Der allgemeine Eindruck ist, dass Ubuntu nicht so wirklich gut an die Hardware des Meizu MX4 angepasst ist und das obwohl es einige Korrekturen mit dem letzten Update erhalten hat. Vieles lässt sich noch durch Software-Updates korrigieren, denn auch das Aquaris E4.5 war in den Wochen vor der Auslieferung an die Endkunden mit einigen Bugs versehen.

Das Meizu MX4 lässt sich für knapp 300€ kaufen, sofern man in der EU wohnt. Es richtet sich weiterhin explizit an Ubuntu-Enthusiasten und Early-Adopter, die damit leben können, dass das ein oder andere noch nicht perfekt ist.

Über den Autor:

Sujeevan Vijayakumaran ist seit über vier Jahren in der deutschen Ubuntu-Community auf ubuntuusers.de aktiv. Man findet ihn auf Google+ und Twitter und er bloggt auch manchmal auf seinem eigenen Blog.



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Über den Autor: Gastautor

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