Speicherkarten sicher löschen

27. April 2009 Kategorie: Apfelmus, mit eigene Photos, Portable Programme, geschrieben von: caschy

Spricht man eigentlich auch von Fremdschämen, wenn man SD-Karten anderer Leute unter Zuhilfenahme von Software einige peinliche Bilder entlockt? Ich bin ja großer Freund der Testdisk. Diese kann Bilder und / oder Daten wirklich klasse wiederherstellen. Testdisk / Photorec liegt übrigens in einer neuen Version vor und alleine das rechtfertigt eine weitere Erwähnung hier. Mir persönlich ist nichts besseres bekannt – ausserdem läuft das gute Stück Software unter Windows, Mac OSX und Linux.

Terminal — photorec — 98×26.jpg

Sieht zwar gefährlich aus – ist aber “eigentlich” ganz einfach zu bedienen (siehe meine kleine Anleitung).

Jetzt bin ich wieder voll vom Thema abgekommen – eigentlich wollte ich euch nur eine weitere kostenlose Software vorschlagen um Speicherkarten sicher zu löschen. DiskWipe (Download, Screenshots und FAQ hier) ist kostenlos und portabel. Löscht nicht nur USB-Sticks, SD-Karten sondern auch Partitionen.

diskwipe.jpg

Die Erwähnung des Programms ist übrigens wertfrei – ich habe ja bereits einiges an Software gelistet, welche den gleichen Zweck erfüllt: SafeErase, Eraser und WipeDisk.

Erspart euch und euren Leuten peinliche Momente – nur weil sich wieder jemand an euren Speicherkarten versucht ;)

Über den Autor: caschy
Dortmunder im Norden. Blogger, Freund gepflegter Technik, BVB-Maniac und Hausmeister dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING und YouTube.

21 Kommentare

Hannes 27. April 2009 um 17:36 Uhr

Testdisk und Photorec sind wunderbar. Bin letztens bei portablefreeware.com drüber gestolpert.

Schon erstaunlich/erschreckend was man so alles wieder herstellen kann.

Gruß

Hannes

stoiberjugend (twitter ) 27. April 2009 um 17:52 Uhr

was für peinliche momente wurden bei dir schon aufgedeckt? gliedbilder???

pantox 27. April 2009 um 18:06 Uhr

Können diese Tools auch versehentlich zu klein formatierte Karten auf ihre ursprünglich angedachte Speichergröße zurückformatieren?
Ich hatte einmal das Problem mit meiner alten Kamera, welche aus einer 2GB SD-Card im handumdrehen durch die Formatierung eine 1GB machte. Oftmals besteht dieses Problem auch mit älteren Card-Readern.

Geholfen hat ein Stück Software namens SD Memory Card Formatting Software aus dem Hause Panasonic.

Hannes 27. April 2009 um 18:26 Uhr

stoiberjugend sagt

was für peinliche momente wurden bei
dir schon aufgedeckt? gliedbilder???

Ein paar Dokumente mit Passwörtern.

Und natürlich “Gliedbilder” -.-”

Gruß

Hannes

Roman 27. April 2009 um 19:16 Uhr

Ich frage mich immer nach dem Sinn fremde Speicherkarten nach Überresten nach dem Löschen zu durchsuchen. Wenn man sowas macht, dann erhofft man sich ja schon intime Bilder vom Verkäufer.

@ndreas 27. April 2009 um 19:32 Uhr

@stoiberjugend
lol Gliedbilder …
das Wort des Tages …

Defender 27. April 2009 um 20:18 Uhr

Ich kann einfach die DEL Taste drücken und anschließend formatieren. Die peinlichen Sachen waren in einem Truecrypt Container :)

Paul 27. April 2009 um 20:25 Uhr

Ich hab gehört, dass einige über eBay nur Datenträger kaufen weil diese benutzt und eventuell noch Daten beinhalten.

G. 27. April 2009 um 20:39 Uhr

Ergänzungen, Unterstützung für Caschy – Teil 1

1.) Ihr könnt in Photorec noch die Option BruteForce aktivieren für ein noch besseres Ergebnis.

Der Grund für die kinderleichte Herstellung vieler Daten liegt am Dateisystem (NTFS, Reiser, Ext3 usw.) und dem logischem Aufbau von Magnetfestplatten.

Einige Teile bleiben vom OS unberührt (HPA) – den HPA könnt ihr aber mit HDD Tools löschen. Dann gibt es noch etliche Teile eurer Festplatte auf die ihr teilweise keinen Einfluss habt.:

Slack Space
Master File Table
Bad Blocks
Reserved Space
Unallocated Space
ADS Alternative Data Streams
Directories

Ich selbst habe auf meiner HDD schon 50 000 Dateien in einem Durchgang wiederhergestellt. Sogar von verschiedenen OS (Linux + Windows).

2.) Dann haben wir ja noch die OS Probleme mit SWAP Partitionen und / oder Volumeschattenkopien (XP / Vista) uvm. Auch hier sieht Forensik nach.

3.) Foremost von der United States Air Force Office of Special Investigations and The Center for Information Systems Security Studies and Research ist nach meiner Erfahrung die Referenz.

Die Resultate noch schockierender als mit PhotoRec. Wer sich durch den Parameterdschungel durcharbeitet und mit Linux umgehen kann wird Erfolg haben. Einige LiveCD’s haben Foremost drin.

4.) Forensik braucht und arbeitet oft mit S.M.A.R.T und Metadaten nach ISO Standard. Kann sie den Header der Datei nicht verstehen ist eine Wiederherstellung nicht möglich. Ohne diese SOI-Marker kann es nicht verarbeitet werden. Teste es mal selbst und verändere eine JPG Bilddatei mit einem portablen Hex-Editor. Lösche den SOI-Marker FF D8 und versuche dann mit allen Bildprogrammen diese Datei zu öffnen. Gleiches gilt für Video, Audio und Texte.

G. 27. April 2009 um 20:41 Uhr

@Paul

… oder im Sperrmüll nach Disketten und uralte Festplatten suchen.

G. 27. April 2009 um 21:15 Uhr

Ergänzungen, Unterstützung für Caschy – Teil 2

1.) Löschmethoden

Peter Gutmann hat selbst in einer Email geschrieben, dass seine Löschmethode (35 x) für moderne Festplatten nicht mehr ausreichend ist.

Man sollte lieber kein Rechenverfahren nehmen ohne Zufallszahlen. In der Regel steht dann in der Anwendung PRNG (Pseudorandom Number Generator). Erhöhe die Überschreibvorgänge auf mehr als 8.

2.) Informatiklüge – es gibt keine Löschung von Daten. Beim “Löschvorgang” werden die Dateien nur neu belegt. Schwer zu erklären – der Weg hin ist auch der Weg zurück.

3.) Ein weiterer, kleiner Schutz erreicht man durch Defragmentierung.

4.) Durch die Anhebung der Clusergrösse auf den höchsten Wert bist Du auch noch ein wenig mehr sicher.

Martin 27. April 2009 um 22:13 Uhr

BTW – Festspeicher (SSD, Flashspeicher etc) mit ner Wipe-Methode zu löschen ist eigentlich ziemlich sinnfrei, da die Technik ganz anders funktioniert, als bei magnetischen Datenträgern.

JürgenHugo (twitter ) 27. April 2009 um 22:42 Uhr

Wenn bei den “Gliedbildern” die Aufnahmequalität und die Dimensionen (des Gliedes – nicht der Aufnahme!) stimmen – muß das vielleicht gar nicht peinlich sein… :-P

G. 27. April 2009 um 22:50 Uhr

Löschprorgamme

Caschy hat schon Anwendungen beschrieben. Hier noch 2 die ich benutze bzw. kenne.:

Darik’s Boot And Nuke – spezialisiert auf Löschung von Speichermedien. Disketten-, USB- und CD-R Version. Sicherste Methode PRNG Stream nach Mersenne Twister und mehr als 11 Überschreibvorgänge.

Sdelete – meine Liebling. :D

Löschprorgramm auf Kommandozeilenebene. Gut beim freien Speicherplatz überschreiben. Den Parameter -c nicht anwenden, weil dann Sdelete keine Zufallszahlen sondern nur Nullen verwendet.

FAQ

Was ist die sicherste Löschmethode für Speichermedien?

Die Verschlüsselung – LoL – vor dem Verkauf einer HDD mit TrueCrypt alles verschlüsseln und anschliessend nochmals die Festplatte formatieren und / oder sehr einfach überschreiben. 99 % Sicherheit. Ich habs getestet. Passwortlänge so hoch es geht (muss man sich ja beim Verkauf nicht merken), RettungsCD zerschneiden und wegwerfen.

Was macht mich wirklich sicher?

Die Kombination aus Verschlüsselung, sicherem löschen, verstecken und Mobilität. Je kleiner desto besser. Sieh Dir mal XD-Picture Cards an oder sehr kleine USB Sticks. Nimm Dein Schulbuch, mach ein Loch rein und versteck da ein Netbook. Versteck Deinen USB Stick wo eklige Gefühle sind – Deine Eltern werden Deine verkackte, angepisste Unterhose nicht anfassen.

Macht mich dieses Thema nicht zwangsläufig paranoid, zu ängstlich oder verrückt?

Nein – Paranoide waren schon vor ihrer Beschäftigung mit diesem Thema paranoid.

Kann ich jeh 100% Sicherheit erreichen?

Ja – ist aber illegal. Identitätsdiebstahl ist die grösste “Sicherheit”. Surfen über Hotspots oder Wlan des Nachbarn, fremde Rechner (Bots), Internetcafe, geklaute Prepaidhandys aus dem Ausland usw. uvm. Kostet dich aber bis zu 15 Jahre Haft bei Entdeckung oder ne empfindliche Geldstrafe.

G. bitte hilf mir! Ich habe Panik, Angst u. bin verzweifelt – sag mir die Methode die mich beruhigt und mich vor meinen Eltern, Staat, Personenkreis beschützt!

Ok! Dann müssen wir den Speicher im Handy, Router, Digitalkamera und alle Speichermedien bzw. Deinen Wohnraum ganz verlasssen.

Externe Filehosts / Fileserver / Webdienste in Asien, Südamerika und Osteuropa – mindestens doppelt verteilt – verschlüsselt in einem Archiv. Abholung über SFTP / FTPs / SSL / TLS.

Bald kommen Speichermedien mit RFID (Funk) und entsprechende Suchgeräte. Ich finde Deinen USB Stick in 2 Sekunden. In der Müslitüte verstecken geht nicht.

Low Level Formatierung – funkioniert das jetzt oder nicht?

Ja – funktioniert als “Löschvorgang”. Völlige Neuordnung und Addressierung der HDD möglich.

http://www.samsung.com/global/.....;Tool.html <— Damit kannst Du auch S.M.A.R.T abschalten.

S.M.A.R.T lässt sich im BIOS abschalten.

G. 27. April 2009 um 22:52 Uhr

@JürgenHugo = “Wenn bei den “Gliedbildern” die Aufnahmequalität und die Dimensionen (des Gliedes – nicht der Aufnahme!) stimmen – muß das vielleicht gar nicht peinlich sein…”

Muhuhuha – Rofl – hab schon Bauchschmerzen – lach mir so derbe eins ab …

:D

Robert 28. April 2009 um 09:20 Uhr

@G.

Das waren mal wirklich brauchbare, aussagekräftige Kommentare.

Vielen Dank dafür.

R.

JürgenHugo (twitter ) 28. April 2009 um 13:44 Uhr

Wenn hier nach brauchbaren Kommentaren gerufen wird – bitte schön.

Es gibt nämlich eine ganz simple Methode – die der physischen Vernichtung.

Kleiner Amboß/Betonfußboden + solider Hammer: paarmal mit der flachen Seite, paar mal mit der Spitze – das halten weder Speicherkarten noch USB-Sticks aus. Man muß nur ordentlich draufschlagen!

Bei HDDs ist ein wenig mehr Mühe erforderlich – vielleicht hat ein Freund/Bekannter eine bessere Hobbywerkstatt. Die HDD mit der Bandsäge in 4 handliche Teile, Schweißbrenner draufhalten – zum Schluß dann der Hammer.

Auch wenn jetzt einige aufschreien – das ist sicher. Natürlich kann man die Teile dann nicht mehr verkaufen – aber mal ehrlich: Was kriegt man denn für eine alte Festplatte?

“Null Euro-fünfzich” – das sollte einem die Sicherheit schon wert sein.

G. 28. April 2009 um 20:19 Uhr

@JogiVLBG

Nimm eine HDD und mach einen einmaligen “Lösch”durchgang nur mit Nullen, anschliessend versuchst Du mit PhotoRec oder Foremost Dateien wiederherzustellen. Schreib bitte hier auf was passiert.

den 1. Juni 2010 um 11:13 Uhr

Für die ganz Paranoiden kann man noch einen Psychologischen Trick dazu nehmen: Nach dem man die Platte Sauber gelöscht hat, neu Formatieren mit einem Label wie es frisch ab Werk sein könnte (z.B. der Name des Herstellers). Danach die Platte mit Daten füllen die problemlos weg gegeben werden können (z.B. Medien unter einer CC Lizenz). Beim Füllen darauf achten das die Zeitstempel unterschiedlich sind und etwas Fragmentierung entsteht. Diese Daten dann normal löschen.
Nun sieht die Platte ganz normal gebraucht und von einem unbedarften User gelöscht aus – ein Grund weniger noch tiefer nach Daten zu suchen…

Matthias (twitter ) 20. Mai 2011 um 14:24 Uhr

Immer wenn ich was technisches Suche, dann wird immer bevorzugt auf caschy geklickt… Ergebnis: wieder nen super Tipp, der auch funktioniert…



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