Silicon Valley – Staffel 2: Meine Serien-Empfehlung für Techies

16. Mai 2016 Kategorie: Streaming, geschrieben von: André Westphal

silicon valley staffel 2Ich weiß, ich bin etwas spät dran… oder vielleicht auch etwas früh, je nachdem wie und wo ihr eure Serien konsumiert: Silicon Valley – Staffel 2 ist kürzlich bei unserem Nachbarn im Vereinigten Königreich auf den Markt gekommen. Und aufgrund meiner Begeisterung für diese HBO-Serie, die ich wirklich jedem Techie mit einem Faible für Dramedy ans Herz legen kann, möchte ich euch quasi ein Mini-Review zum Wochenstart mitgeben. Staffel 1 erschien bei uns Mitte 2015 auf Blu-ray, für die zweite Runde gibt es hierzulande noch kein Datum. Entweder ihr greift also wie ich zu einem Import oder schlagt z. B. bei Amazon Instant Video zu.

Bekanntermaßen haut HBO (Game of Thrones, Vinyl, True Detective) seine Serien aber nicht mir nichts dir nichts an Streaming-Anbieter raus, so dass ihr bei Amazon noch saftige 2,99 Euro pro Folge löhnen sollt -10 Folgen à jeweils ca. 30 Minuten sind es in Staffel 2 von Silicon Valley. Ähnlich wie die HBO-Serien Entourage, Bored to Death oder Veep mischt Silicon Valley dabei Drama mit Comedy, legt den Fokus aber eindeutig auf letzteres. Wie der Name unschwer andeutet, spielt die Serie in Amerikas Wiege der IT-Industrie. Der Fokus liegt auf dem aufstrebenden Startup Pied Piper, das mit einem neuen Algorithmus zur Dateikomprimierung die Aufmerksamkeit von Investoren erregt.

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Die Charaktere sind dabei sehr heterogen und greifen natürlich auch die Entwickler- / Programmierer-Klischees auf: Da wären Richard, der stets nervöse aber gutherzige Erfinder des Algorithmus, Dinesh ein hochtalentierter Programmierer aus Pakistan, Gilfoyle ein offener Satanist, der für die Systemsicherheit verantwortlich ist, Jared, der höfliche aber sozial zurückgezogene Zahlendreher und schließlich Erlich (brillant gespielt von T. J. Miller), der das Team in seinem „Inkubator“ unterbringt und im Gegenzug mit seiner lauten Art ins Geschäft pfuschen möchte.

Man könnte nun annehmen, dass Silicon Valley ähnlich wie The Big Bang Theory (TBBT) den einfachen Weg gehen würde: Mit dem Finger auf die Hauptcharaktere zeigen und gröhlen „Guck mal, wie doof die Nerds sind, hö, hö!“ Versteht mich nicht falsch, ich schaue TBBT durchaus ab und zu ganz gerne, aber den Holzhammerhumor der Serie kann ich nur in kleinen Dosen vertragen. Silicon Valley geht, besonders in Staffel 2, einen anderen Weg.

Silicon Valley lebt nicht nur von etlichen, sarkastischen Anspielungen auf Ereignisse der Tech-Indistrie, sondern auch vom Wortwitz der toll geschriebenen Dialoge, absurden Situationen und den schrägen aber liebenswerten und greifbaren Charakteren. T. J. Millers Erlich etwa ist nicht nur ein lauter Kiffer, der zum rechten Zeitpunkt durch den Verkauf seiner Firma Aviato eine Menge Kohle gescheffelt hat, sondern eine durchaus dreidimensionale Figur. Hinter seiner lauten Art verbirgt sich der Wunsch nach Anerkennung und das Streben danach mit Pied Piper im neuen Anlauf eben nicht wegen des schnöden Mammons sein Baby aufzugeben, sondern bis zum Ende dabei zu bleiben.

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In Staffel 2 wird dies um so deutlicher, da die Macher um Mike Judge (Beavis and Butthead) den neuen Charakter Russ Hannemann einführen: Einen überkandidelten Protzer, der eventuell auf Deutschland übertragen an gewisse StudiVZ-Mitbegründer oder auch andere schillernde Figuren der Tech-Industrie erinnern mag. Doch das Schöne an Silicon Valley Staffel 2 ist: Auch wenn man nicht jeden Tag Tech-Sites durchkämmt bzw. aus seinen RSS-Feeds jede Neuigkeit aufsaugt, funktioniert der Humor. Denn getragen wird alles am Ende von den Charakteren.

Klar, gewinnt die Serie, wenn man etwa durchschaut, dass Gavin Belson, Chef des Online-Gigantens Hooli, Pied Piper in einem gewitzten Manöver nur verklagt, um das finanziell hoffnungslos unterlegene Startup lahmzulegen und möglichst zu schlucken. Silicon Valley zeigt mit viel Ironie sowohl die hellen als auch die dunklen Seiten der an der Oberfläche so fröhlich bunten IT-Industrie. Das fängt übrigens schon beim cleveren Kurz-Vorspann an, der jeweils neue Entwicklungen der Branche einbindet. Klar, dass da etwa das Facebook-Logo gierig die Firmen WhatsApp und Oculus VR schluckt.

Aber ich kann hier lange reden: Falls die Serie bisher unter eurem Radar vorbeigerauscht ist: Schaut rein und ich hoffe ihr habt genau so viel Spaß wie ich. Lasst euch übrigens nicht vom Namen Mike Judge abschrecken: Ich selbst kann ebenfalls weder mit Beavis and Butthead noch King of the Hill etwas anfangen, bin von Silicon Valley aber dennoch schwer begeistert. Staffel 2 setzt gegenüber der ersten Runde nochmals eins drauf, so dass ich mich schon jetzt auf die Blu-ray zum dritten Jahr freue. Da die Serie in den USA bereits eine feste Fanbasis gefunden hat, hoffe ich, dass seitens HBO und dem Team hinter Silicon Valley noch viele Staffeln folgen.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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