Samsung Galaxy S6 edge Testbericht: wie viel Kante braucht ein Smartphone?

1. April 2015 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von:

Das Samsung Galaxy S6 edge ist ab Mitte April in Deutschland verfügbar. Wir hatten vorab bereits die Möglichkeit, das Gerät ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Ein Test auf den ich mich wirklich gefreut habe, das Galaxy S6 edge erschien mir nach der Vorstellung im Rahmen des Mobile World Congress als das Gerät schlechthin. Ob es meine Erwartungen dann auch erfüllen konnte, lest Ihr in diesem Erfahrungsbericht mit dem schicken Handschmeichler.

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Regelmäßige Leser unseres Blogs wissen es, ich nutze als Hauptgerät ein iPhone. Aktuell ist es ein iPhone 6 Plus, dessen Größe mir auch heute noch nicht wirklich gefällt. Logischerweise wird sich das Galaxy S6 edge auch an diesem Vergleichsgerät messen lassen müssen, dennoch traue ich mir durchaus eine neutrale Haltung gegenüber dem Galaxy S6 edge zu.

Optik und Haptik – oder warum der erste Eindruck eben doch manchmal täuscht

Ich gebe es offen zu, direkt nach dem Auspacken des Galaxy S6 edge hätte ich es am liebsten direkt wieder eingepackt. Der Grund hierfür liegt in den relativ scharfen Kanten auf der Rückseite des Gerätes. Beim ersten Anfassen ein Schock, wenn man von einem etwas runderen Smartphone kommt. Nicht nur ein Schock, sondern richtig störend. Von vorne ein so schön abgerundetes Display und hinten flach mit Kanten. Geht ja gar nicht, dachte ich mir so. Aber ich kann Euch beruhigen, dieses störende Anfassgefühl war nach nicht einmal 24 Stunden Nutzung bereits verflogen, sodass sich auch das Galaxy S6 edge gut in der Hand anfühlt.

Die Rückseite aus Glas und der Metallrahmen verleihen dem Galaxy S6 edge nicht nur eine wertige Optik, sondern liefern auch das typische Premium-Feeling, auf das man bei Samsung so lange warten musste. Kein knarzendes Gehäuse, keine Ritzen, man hat einfach nur das Gefühl ein präzise gefertigtes Stück Technik in der Hand zu halten. Dafür auf den Wechselakku verzichten? Ich bin iPhone-Nutzer, natürlich verzichte ich für Optik und Haptik auf einen Wechselakku, es ist ja nicht so, dass ich hier fernab der Zivilisation lebe und keinen Zugang zu Steckdosen habe.

Optisch beeindruckend ist auch die Vorderseite des Gerätes. Dies wird natürlich durch das Display mit den beiden heruntergezogenen Kanten verursacht. Das sieht nicht nur phänomenal gut aus, sondern fasst sich ebenso gut an. Egal ob bei normaler Nutzung oder beim ausgiebigen Spielen mit dem Gerät, die abgerundeten Displaykanten sind für mein Empfinden eine grandiose Sache. Auf der Vorderseite befindet sich auch der Home-Button mit integriertem Fingerabdruck-Sensor, oben gibt es den Lautsprecher die Frontkamera und Helligkeitssensoren.

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Der Rahmen des Geräts ist mit Anschlüssen und Bedienelementen versehen. Oben befindet sich der SIM-Schacht für die Nano-SIM, ein kleiner Infrarot-Sender und ein Mikrofon. Auf der rechten Seite befindet sich ausschließlich der Power-Button. Unten gibt es Lautsprecher, Mikrofon, microUSB und den 3,5 mm Headset-Anschluss. Auf der linken Seite befinden sich die beiden Knöpfe für die Lautstärkeregelung.

Während die Kamera auf der Rückseite ein Stück aus dem Gehäuse heraussteht, sind Pulsmesser und LED-Blitz minimal in das Gehäuse eingelassen. Auf der Vorderseite überragt der Metallrahmen ebenfalls das Display, das kann sich als vorteilhaft erweisen, wenn man das Gerät mit dem Display nach unten ablegt.

Die drei Buttons für Lautstärke und Power sitzen fest im Rahmen, haben aber dennoch leichtes Spiel. Das ist nicht viel und auch nicht störend, aber sie sitzen eben auch nicht vollkommen perfekt.

Insgesamt ist das Galaxy S6 edge – mir liegt es in der weißen Variante vor – ein sehr ansehnliches Gerät, das auch beim Anfassen einen durchweg positiven Eindruck hinterlässt. Samsung versprach Premium und hat mit dem Galaxy S6 edge auch Premium geliefert. Das muss man einfach so anerkennen. Das erfreut das Herz des techbegeisterten Menschen.

Technische Details im Überblick

Display: 5,1 Zoll, QHD Super AMOLED, 2560 x 1440, 577 ppi, Dual-Edge
Maße: 142,1 x 70,1 x 7 mm
Gewicht: 132 Gramm
Prozessor: Samsung Exynos 64 Bit, Quad 2.1 GHz + Quad 1.5 Ghz, Octa-Core
Speicher: 32 GB, 64 GB, 128 GB, nicht erweiterbar
RAM: 3 GB, LPDDR4
Akku: 2.600 mAh
Konnektivität und Sensoren: Bluetooth 4.1, A2DP, apt-X, Kompass, Barometer, Beschleunigungssensor, Gyroskop, Fingerabdruckleser, Hall, NFC, USB 2.0, drahtloses Laden, LTE, WiFi Direct & Infrarot
Kamera: 16 Megapixel Rearcam mit OIS, 5 Megapixel Frontcam
System: Android 5.0.2 Lollipop

Das Display – und die Sinnfrage der Kanten

Das AMOLED-Display der beiden neuen Galaxy S6-Modelle setzen Maßstäbe. Das wurde auch schon von DisplayMate bescheinigt. Die Auflösung des Displays beträgt 2.560 x 1.440 Pixel, was bei einer Diagonalen von 5,1 Zoll für eine Pixeldichte von 577 ppi sorgt. Ja, hier kann man nun mit Subpixeln und der Diamond-Struktur argumentieren, dass es gar nicht so hoch aufgelöst ist, Fakt ist jedoch, dass es sich um ein unfassbar gutes Display handelt.

Samsung spendiert dem AMOLED-Display verschiedene Betriebsmodi, die vom Nutzer eingestellt werden können. Ausgeliefert wird das Gerät mit dem anpassungsfähigen Modus, hier wird die Farbwiedergabe je nach Inhalt automatisch geändert. Weitere Modi umfassen AMOLED-Kino, AMOLED-Foto und Einfach. Man sieht einen Unterschied, wenn man sich für die anderen Modi entscheidet, der anpassungsfähige Modus machte auf mich einen sehr ausgewogenen Eindruck, sodass ich diese dauerhaft nutzen konnte.

Einzelne Pixel kann man bei normaler Ansicht des Displays nicht ausmachen, das wäre bei 577 ppi auch erstaunlich. Meiner Meinung nach bringt das AMOLED-Display jedoch auch weiterhin zu kräftige Farben. Das ist bei Weitem nicht mehr so wie vor ein paar Jahren, aber man sieht einen deutlichen Unterschied zu LC-Displays, an diesen Unterschied gewöhnt man sich allerdings sehr schnell, sodass es einem gar nicht mehr so unnatürlich erscheint.

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Die Kanten sollen für einen Mehrwert beim Galaxy S6 edge sorgen. Tun sie das? Für mich ja, aber wohl anders als Samsung sich das gedacht hat. Sowohl das Signalisieren von Anrufen oder auch die Anzeige von Wetter, News und Uhrzeit auf einer Kante (welche kann festgelegt werden) sind für mich Funktionen, die mir nicht wirklich einen Mehrwert bieten. Schicke Spielerei, das definitiv, aber nicht unbedingt ein Mehrwert. Aber die Kanten bringen – für mich – einen ganz anderen Vorteil, nämlich im Bereich der Haptik.

Sei es bei der normalen Bedienung oder beim Spielen mit dem Smartphone, die runden Displaykanten sind sehr angenehm bei der Bedienung des Smartphones. Man gleitet einfach leichter mit dem Finger über die Kanten und auch beim Tippen auf der Tastatur macht sich dies angenehm bemerkbar. Ich empfinde das sogar so angenehm, dass ich allein aus diesem Grund den Aufpreis zum normalen Galaxy S6 in Kauf nehmen würde (neben den Design-Aspekten natürlich).

Die Ablesbarkeit des Displays in hellen Umgebungen, sprich bei Sonneneinstrahlung ist gut. Nicht perfekt, aber gut. Egal wie krass es spiegelt, man erkennt in den meisten Fällen gut das Geschehen auf dem Display. Viel ist hier aber natürlich auch von den individuellen Helligkeitseinstellungen abhängig. Wer sein Display akkuschonend betreibt, sollte vielleicht besser schattige Plätzchen aufsuchen, um etwas ablesen zu können.

Insgesamt ist das Display des Galaxy S6 edge das bisher beste Smartphone-Display, das mir zwischen die Finger kam. Sowohl die Darstellung, als auch die Bedienung sind hervorragend. Viel mehr kann man dazu nicht sagen.

Der Fingerabdruck-Sensor – es geht also doch

Ein eigener Abschnitt für einen Fingerabdruck-Scanner? Ja! Samsung setzt bei den neuen Galaxy S6-Modellen erstmals auf einen Touch-Sensor. Bei vorherigen Modellen musste man relativ genau vom Display über den Home-Button streichen. Bei meinen Erfahrungen mit dem Galaxy Alpha artete dies mehr zu einem Quest aus, anstatt das Smartphone zu entsperren. Hier hat Samsung nun sauber nachgelegt.

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Das Entsperren per Fingerabdruck funktioniert zuverlässig und auch zügig. Es ist nicht ganz so flott wie Touch ID, aber es verzögert den Entsperrvorgang auch nicht. Sauber gelöst und es macht Spaß das Feature zu nutzen. Der Fingerabdruck kann auch für die Anmeldung auf Webseiten oder für Bezahlvorgänge genutzt werden. Alles kann, kein Muss, wem die Funktion zu unsicher erscheint, der kann auf sie auch verzichten.

In diesem Fall ist der Fingerabdruck-Scanner ein echtes Komfort-Merkmal, das man auch gerne nutzt und man nicht das Gefühl hat, Samsung hat den da reingepackt, um halt auch einen zu haben. Schönes Ding, auch wenn man sich vorherige Versuche mit den Streich-Scannern gerne hätte sparen können.

Software und Performance

Ach Samsung, was wurde uns nicht alles versprochen. Weniger Bloatware, weniger Eingriff in das UI, weniger Samsung. Das ist nicht ganz der Fall, auch wenn sich Samsung teilweise etwas mehr zurückhält. Es gibt weiterhin vorinstallierte Apps. Darunter eher nützliche wie WhatsApp oder die Facebook-Apps, aber dann auch typische Bloatware wie zum Beispiel Cewe Photosmart oder die Prospekte-App kaufDA. Und dann gibt es noch Apps von Microsoft, mit denen ist Samsung bekanntlich eine neue Kooperation eingegangen.

Das Gute an diesen Apps: man kann sie löschen. Das Schlechte: nach einem Software-Update sind sie wieder da. Hier kann es sich später noch als zuträglich erweisen, wenn Samsung nicht allzu häufig Software-Updates ausliefert. Spaß beiseite, bei einem Gerät, das in seiner Höchstausstattung jenseits von 1.000 Euro kostet, möchte ich keine Bloatware, auch nicht, wenn sie für mich tatsächlich nützlich ist.

Auch Galaxy Gifts gibt es wieder, diese sind glücklicherweise nicht vorinstalliert, man wird über ein Widget auf diese aufmerksam gemacht. Hier gibt es teilweise brauchbare Angebote, zum Beispiel Wunderlist in der Pro-Version für ein Jahr kostenlos. Für diese Galaxy Gifts gibt es eine eigene Kategorie im Samsung Store, leicht erreichbar und kaum übersehbar. Da hätte man auch gerne die vorinstallierten Apps reinpacken dürfen und dem Nutzer die Entscheidung über eine Installation lassen können.

TouchWiz – Samsung eigene Android-Oberfläche – ist ebenfalls präsent. Ob man sich an dieser stört oder nicht, Geschmacksache. Ich fand die Oberfläche nicht störend, im Gegenteil, ich finde sie eigentlich gelungen. Klar, Android-Puristen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, das interessiert aber den Durchschnittsnutzer nicht, der eine leicht zu bedienende Oberfläche haben möchte. Das UI ist stimmig und man findet relativ schnell, wonach man sucht. TouchWiz setzt in diesem Fall auf Android 5.0.2 Lollipop auf.

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Was mir überraschend gut gefallen hat und auch häufiger als vorher gedacht von mir genutzt wurde: Flipboard. Das ganz linke Panel des Homescreens ist standardmäßig mit News von Flipboard versehen. Hier kann man News aus allerlei Kategorien konsumieren. Das geht alles ohne Anmeldung, die Personalisierung des Inhalts kann allerdings nur mit Account erfolgen. Man kann diesen Homescreen in den Einstellungen deaktivieren. Das habe ich allerdings nicht gemacht, da mir Flipboard tatsächlich brauchbare News lieferte. Diese Funktion ist nicht neu, aber im Dauereinsatz viel praktischer als ich vorher angenommen hatte.

Samsung bietet auch einen Theme-Store an, mit dem man das Aussehen der Oberfläche weiter individualisieren kann. Bislang stehen noch nicht allzu viele Themes zur Verfügung, wer es etwas kitschiger mag, wird aber auch in den aktuellen Offerten etwas Passendes finden. Die Themes verändert übrigens nicht nur das Aussehen, sondern können auch Klingel- und Benachrichtigungstöne enthalten.

Und was leistet der Exynos-Chipsatz? Um es kurz zu machen: ganze Arbeit. Ich habe versucht, das Galaxy S6 edge an seine Grenzen zu bringen, gelungen ist es mir jedoch nicht wirklich. Sicher, das Gerät wärmt sich etwas auf, wenn es gefordert wird, aber das ist nicht weiter beachtenswert, das es keinesfalls heiß wird. Die Bedienung ist durchgängig flüssig, auch aufwändigere Apps sind flott bedienbar. Das macht Spaß und gibt keinerlei Anlass zu Kritik.

Für die Freunde von nackten Zahlen gibt es hier noch das Benchmark-Ergebnis. Interessant ist hierbei, dass das Galaxy S6 edge direkt nach Inbetriebnahme ganz knapp an den 70.000 Punkten vorbeigeschrammt ist, ein Wert, der nach ein paar Tagen Nutzung nicht mehr erreicht wird. Ich gebe nicht viel auf Benchmark-Ergebnisse. Sie sagen so gut wie nichts über die tatsächliche Nutzungsperformance aus, außerdem optimieren Hersteller gerne ihre Geräte für Benchmarks.

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Bis auf die Bloatware-Geschichte bin ich mit Samsungs Software im Zusammenspiel mit der verbauten Hardware sehr zufrieden. Die optische Anpassungsmöglichkeit mittels Themen ist praktisch und wird sicher ihre Fans finden. Aussehen verändern, ohne groß neue Launcher oder Ähnliches installieren zu müssen, das klingt sehr attraktiv für die Masse, schätze ich.

Die Kamera

Samsung stattet das Galaxy S6 edge mit zwei Kameras aus. Auf der Rückseite gibt es einen 16 Megapixel-Sensor mit OIS, auf der Vorderseite eine 5 Megapixel-Kamera. Die rückseitige Kamera lässt sich sehr schnell mit einem Doppelklick des Home-Buttons öffnen. Sie ist nahezu sofort einsatzbereit und lässt sich auch beim Fokussieren eines Objektes nicht lange Zeit. OIS (Optische Bildstabilisierung) funktioniert super, das merkt man nicht nur, wenn man den Flattermann hat, sondern vor allem auch bei schlechten Lichtbedingungen, wenn die Belichtungszeit höher ist.

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Die Kamera-Software bietet auch gleich diverse Optionen, mit denen man Bilder auf verschiedene Weisen aufnehmen kann. Muss man wissen, ob man so etwas nutzt, ich bevorzuge das normale Fotografieren im Automatik-Modus (es ist halt einfach am bequemsten) und gegebenenfalls eine Bearbeitung mit einer der zahlreich verfügbaren Apps im Nachgang.

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Die verschiedenen Modi sind Pro, Selektiver Fokus, Panorama, Zeitlupe, Zeitraffer und Virtuelle Tour. Auch die Möglichkeit Live-Filter zu benutzen gibt es. Viel zum Ausprobieren und Herumspielen, die meisten Bilder werden vermutlich dennoch „normal“ gemacht. Die Funktionen sind aber allesamt brauchbar, es ist nicht so, dass Ihr mit einem der Modi plötzlich grottenschlechte Bilder fabriziert.

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Die Bilder sind durch die Bank gut, ein paar unbearbeitete Beispielbilder habe ich Euch an dieser Stelle hochgeladen. Die hier im Artikel zu findenden Beispiel-Fotos sind in der Größe optimiert und mit entsprechender JPEG-Kompression versehen.

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Die Kamera macht definitiv Spaß und lässt auch die immer hochgelobten Kameras des iPhone weit hinter sich. Die schnelle Inbetriebnahme und das schnelle Auslösen tragen ihren Teil zum Kamera-Spaß bei. Gut gemacht, nutzte ich wirklich gerne. Dass die Kamera auf der Rückseite ein Stück aus dem Gehäuse steht, sehe ich nicht als Nachteil. Sie ist zentriert und bietet genug Auflagefläche, damit das Galaxy S6 edge auch auf dem Tisch liegend ohne Gekippel bedient werden kann.

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Die Frontkamera eignet sich dank ihrer 5 Megapixel bestens für Fotos mit dem Selfie-Stick. Nichts worauf ich jetzt unbedingt scharf wäre, wer sich da draußen aber einmal umschaut, das Ganze ist ein Thema. Selfie-Sticks an jeder Ecke, Aufnahmen, die aus mehr als einem Meter Abstand gemacht werden, da machen sich 5 Megapixel wesentlich besser als Frontkameras mit 2 Megapixeln. Wer gerne Selfies macht, wird mit der Leistung zufrieden sein.

Der Akku

2.600 mAh bietet der im Galaxy S6 edge verbaute Akku an Kapazität. Das sind 50 mAh mehr als im Galaxy S6. Für mich leider dennoch nicht ausreichend. Ich nutze Smartphones wie vom Hersteller vorgesehen. Alle Benachrichtigungen an, Bluetooth an, GPS an, das Display auf höchster Stufe mit automatischer Helligkeitsanpassung (nicht unwichtig, ohne automatische Helligkeitsanpassung lässt sich das Display noch heller einstellen). Mit diesen Einstellungen komme ich bei meiner normalen Nutzung mit dem Akku nicht über den Tag. Das heißt nun allerdings nicht, dass der Akku grottenschlecht ist, wohl aber müsste ich die Einstellungen optimieren, wenn ich den Tag ohne Steckdose auskommen möchte.

Dafür ist Samsung bei der Versorgung mit Strom recht flexibel. Zum einen kann man das Galaxy S6 edge kabellos aufladen, wenn man eine entsprechende Ladevorrichtung sein Eigen nennt. Zum anderen gibt es mit Fast Charge schnell wieder genug Saft für ein paar Stunden. Fast Charge sorgt dafür, dass der Akku innerhalb kurzer Zeit wieder brauchbar gefüllt wird. In gut 20 Minuten sind so fast 50 Prozent Akku drin. Kommt aber auch auf den Ladestand an, der Akku wird bei niedrigem Akkusativ schneller gefüllt als wenn er kurz davor ist voll zu sein. Das ist schon sehr praktisch.

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Da der Akku-Benchmark einen guten Vergleich mit anderen Geräten liefert und die eigenen Präferenzen außen vor lässt, hier nun die entsprechenden Werte. Der Test wurde mit 50 Prozent Helligkeit (manuell) durchgeführt. Wie man sehen kann, erzählt der Akku-Benchmark eine ganz andere Geschichte. Mehr als 8 Stunden Nutzung, also auch mehr als ein Galaxy Note 4, soll das Galaxy S6 Edge durchhalten. Meine Vermutung ist, dass hier das Gerät weniger gefordert wird als im normalen Gebrauch, auch wenn der Test einen normalen Gebrauch simulieren soll. Ich möchte Samsung hier keine Benchmark-Trickserei unterstellen, schließlich flog Samsung mit solchen Spielchen schon einmal auf, wie andere Hersteller auch.

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Der Akku enttäuscht nicht wirklich, auch wenn er nicht so lange durchhält, wie ich es mir vielleicht wünschen würde. Fast Charge ist großartig, aber halt auch kein Ding, das nur Samsung zu bieten hat. Auch das kabellose Aufladen ist ein nettes Feature, wenn man entsprechend ausgestattet ist oder sich Orten aufhält, die Ladestationen zur Verfügung stellen.

Sound und andere Kleinigkeiten

Der Bereich Sound ist sehr subjektiv, allerdings hört man auch ohne perfektes Gehör, ob etwas gut klingt oder nicht. Das ist beim Galaxy S6 edge oftmals nicht der Fall. Also, dass es gut klingt. Bei reiner Sprachausgabe, also Telefonie, Podcasts oder Hörbücher, ist der Sound klar und deutlich und auch ausreichend laut. Kann man sehr gut mit leben.

Spannender wird es da schon bei Musik. Egal ob eigene MP3s oder Spotify-Streams, sobald Musik ins Spiel gebracht wird, zeigt sich sehr schnell, dass Samsung hier am falschen Ende gespart hat. Während die Lautstärke akzeptabel ist, ist es der Sound nicht. Klar, geringes Volumen im Gerät, da ist es schwierig, etwas wohlklingendes zu verbauen. Aber nicht unmöglich. Nicht falsch verstehen, der Sound ist nicht unbrauchbar miserabel, aber er entspricht auch nicht dem, was man von einem Premium-Gerät erwartet. Es klingt sehr schnell sehr blechern und kratzig, nichts was man sich auf Dauer antun würde.

Die Soundausgabe über das Headset oder Bluetooth-Boxen ist hingegen sehr gut. lediglich der interne Lautsprecher des Galaxy S6 edge mag da nicht so recht mitspielen. Schade, aber es gibt bei einem Smartphone wahrlich auch wichtigeres als einen internen Lautsprecher, der auch bei guter Qualität keine „echten“ Boxen ersetzen kann.

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Auch eine Infrarot-Schnittstelle bietet das Galaxy S6 edge. Diese ist auf der Oberseite des Gerätes angebracht. Samsung liefert für die Bedienung von Geräten zahlreicher Hersteller Peel Smart Remote mit. Die Einrichtung ist ein Kinderspiel, wenn man kompatible Geräte hat. Die Einrichtung für einen Panasonic TV und einen Entertain-Receiver dauerte keine drei Minuten, die Bedienung klappt perfekt. Gleichzeitig bekommt man auf dem Galaxy S6 edge auch noch das Fernsehprogramm angezeigt und kann sich auch Favoriten-Listen anlegen. Kann man durchaus nutzen.

Bei der Telefonie gibt es nicht viel zu berichten, man kann mit dem Galaxy S6 edge logischerweise auch telefonieren. Sehr gut sogar, sowohl man selbst, als auch das Gegenüber sind klar zu verstehen, auch spielt es hier keine Rolle, ob man frei spricht oder sich das Gerät ans Ohr hält.

Der Pulsmesser auf der Rückseite des Gerätes. Nun ja, er ist vorhanden und er funktioniert auch. Warum ich mit dem Smartphone meinen Puls messen sollte? Für mich gibt es da keinen Anwendungsfall. Wer es benötigt, um beispielsweise nach dem Sport seinen Puls zu überprüfen, kann dies tun, dazu ist der Sensor ja da.

Fazit

Mit dem Galaxy S6 edge ist Samsung ein verdammt guter Wurf gelungen. Das Gerät ist in sich stimmig, das Design ist überraschend erfrischend und das an beiden Seiten abgerundete Display ist der Hammer. Ich hatte bisher noch nie so viel Spaß bei einem Test mit einem Android-Smartphone. Ich hatte hohe Erwartungen an das Gerät, die in fast allen Bereichen auch erfüllt wurden. Die Sache mit dem Akku empfinde ich weniger tragisch, da es eben ausreicht, das Gerät mal kurz an den Strom zu hängen, um es noch einmal ein paar Stunden nutzen zu können. Ich behaupte sogar, dass der Durchschnittsnutzer locker mit dem Akku durch den Tag kommt.

Die schwachen Lautsprecher sind für mich ebenfalls nicht wirklich bewertungsrelevant, da ich nicht der Typ bin, der sich stundenlang Musik über interne Smartphone-Lautsprecher antut. Auf die Bloatware hätte Samsung gerne verzichten können, aber auch die tut nicht weh, da man sie entfernen kann.

Ob ich das Galaxy S6 edge empfehle? Kommt darauf an. Im Galaxy S6 erhält man technisch ein Gerät, das sich auf Augenhöhe mit dem Galaxy S6 edge befindet. Das heißt man zahlt beim Galaxy S6 edge 150 Euro Aufpreis für gebogene Displaykanten. Das ist dieses Design-Feature (mehr ist es in meinen Augen wirklich nicht) sicher nicht jedem wert. Mir wäre es das, weil es tatsächlich mal etwas neues auf Markt ist.

Es dürfte für andere Hersteller 2015 schwer werden, das Galaxy S6 edge zu toppen. Vielleicht nicht in einzelnen Spezifikationen, aber als Gesamtpaket. Ich bin schwer begeistert von dem, was Samsung hier abgeliefert hat. Müsste ich mich aktuell für ein Android-Smartphone entscheiden, es wäre das Galaxy S6 edge. Ich finde auch den Preis nicht überzogen und hoffe für alle Early Adopter, dass dieser halbwegs stabil bleibt. Wer sich dieses Jahr ein Premium-Smartphone anschaffen will, sollte ruhig einmal einen Blick auf das Galaxy S6 edge werfen, viel besser kann das dieses Jahr nicht mehr werden.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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