OUYA – Ein kritischer Kommentar

13. Juli 2012 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von:

Vor ein paar Tagen gab es hier im Blog den Beitrag zum Kickstarter-Projekt OUYA, die kleine, auf Android basierende Konsole wurde euch hier von Casi vorgestellt. Es handelt sich bei OUYA um eine neuartige Spielkonsole auf Androidbasis, welche uns die ganzen Android-Games auf den Fernseher zaubern will und die bereits nach wenigen Tagen auf Kickstarter.com über vier Millionen Dollar erhalten hat.

Überschwängliches Lob an allen Orten, Jakob Löhnertz sieht das als Spieler ein wenig anders. Er schrieb mir einen langen Kommentar, den ich hier 1:1 veröffentlichen möchte, da er eine andere Seite der Medaille vielleicht ganz gut beschreibt. Der Beitrag ist die Meinung von Jakob und spiegelt nicht zwingend die Meinung der Blog-Schreiberlinge wieder. Ich selber teile die Meinung von Jakob übrigens nicht und sehe hier ein spannendes Produkt heranwachsen – was aber auch nur richtig erfolgreich wird, wenn es eine kritische Masse an Nutzern hat, die bereit sind, den einen oder anderen Euro für ein Casual Game auszugeben.

Direkt nach dem Start des Kickstarter Projektes OUYA hat es einen gewaltigen Knall in der Medienlandschaft gegeben. Von ZEIT Online über BILD bis hin zu (natürlich) den einschlägigen Techblogs berichteten viele Seiten im Internet über das neuste “Geniestreich”- Projekt auf der Internetplattform Kickstarter. In diesem Kommentar möchte ich mich mit der Idee hinter dem Projekt kritisch auseinandersetzen und einige Dinge klarstellen und besser beleuchten.

Ich selbst interessiere mich seit ich denken kann für jegliche Arten von digitalen Spielen, informiere mich viel über die Branche und habe ein (aus meiner bescheidenen Sicht) gutes Verständnis für Abläufe innerhalb der Computer- und Videospielbranche.

Was vor allem Medien abseits des Techgenres erstaunt haben muss ist die extrem schnelle Erhöhung der gesammelten Summe, das war vielen eine Newsmeldung wert. Keine Frage, auf kaum eine andere (legale) Art lassen sich innerhalb von 24 Stunden 2 Millionen US-Dollar von einer Privatperson “verdienen”. Diesen Erfolg finde auch ich äußerst beachtlich, nichtsdestotrotz sehe ich auch ein paar entscheidende Kritik- und Gefahrenpunkte.

Ich selber besitze und liebe Android-Devices und dachte im ersten Moment (wie wahrscheinlich viele andere) bei der Ansicht der bisher verfügbaren Spiele (siehe oben), dass ein Controller mit richtigen Buttons und Analog-Sticks das Spielvergnügen enorm verbessern kann. Denn wer schon mal ein Spiel auf einem Tablet aus einem Genre das ursprünglich mit Maus & Tastatur oder Controller gespielt wurde (Ego-Shooter, Fußball) der weiß (hoffentlich) was ich meine.

Die Steuerung ist, um es milde auszudrücken, bescheiden. Auf dem Touchscreen eingeblendete Sticks sind sehr unpräzise und ein Ego-Shooter beispielsweise funktioniert nur mit einem sehr starken Autoaim  (Erklärung: Das Autoaim ist eine einprogrammierte Hilfe, die das Fadenkreuz automatisch mehr oder weniger stark in Richtung Gegner zieht).

Das Spiel, was aktuell sowohl bei Tablets und Smartphones als auch bei OUYA immer als Referenzbeispiel gezeigt wird ist der Zombie-Survival-Ego-Shooter Dead Trigger des tschechischen Entwicklerstudios Madfinger Games (wer sich das Spiel noch nicht kennt kann sich hier einen Eindruck verschaffen: http://youtu.be/Etr67ca2VYw).

Das Spiel besitzt für ein im Gegensatz zu Heimkonsolen kleines Gerät wie Smartphones eine sehr gute Grafik, auch wenn es natürlich nicht mit aktuellen Spielehits mithalten kann. Das war dann aber meiner Meinung nach auch schon der einzige positive Aspekt, denn ein weiterer Kontrapunkt entsteht indirekt durch die schlechte Steuerung: das Gameplay.

Das Spiel ist extrem linear und einfach aufgebaut, die Missionsziele wiederholen sich schon nach wenigen Missionen immer und immer wieder und die Levels sind praktisch ohne freie Areale gestaltet.

Für einen aktuellen Konsolentitel wären diese Kritikpunkte praktisch ein “Todesurteil”, nicht jedoch für ein aktuelles Spiel auf einer mobilen Plattform wie Android oder iOS und genau darin liegt meine Kritik am Konzept hinter OUYA.

Für den normalen Benutzer und sicherlich auch für viele die sonst eher Spiele auf ihrem Computer oder ihrer Spielekonsole genießen ist ein Spiel wie Dead Trigger für zwischendurch, um mal schnell ein oder zwei Levels auf dem Weg zur Arbeit oder Schule oder durchaus auch auf der heimischen Couch mit dem Tablet zu spielen wunderbar!

Man kann es sofort auf seinem Smartphone (was die meisten heutzutage sicherlich ständig bei sich haben werden) spielen und braucht keine besondere mobile Spielekonsole, es geht einfach von der Hand und der Schwierigkeitsgrad ist gut für die Touch-Steuerung angepasst (Autoaim).

Wird das ganze nun jedoch auf das OUYA portiert, ist das Problem mit der Steuerung gelöst, die Linearität der Spiele bleibt jedoch erhalten und das ist meiner Meinung nach zu wenig um mit den “großen” Spielekonsolen konkurrieren zu können.

Der ein oder andere mag jetzt sagen:  “Dann werden eben kommende Titel für OUYA an den Umfang großer Konsolentitel angepasst!” Denjenigen möchte ich erst einmal folgendes Bild zeigen:

Aktuell über 4 Millionen gesammelte US-Dollar mögen auf den ersten Blick viel aussehen schaut man jedoch ein paar Pixel weiter oben auf die bisherige Anzahl an “Backers” sieht der Erfolg schon ganz anders aus. Ein extrem erfolgreiches mobiles Spiel wie Doodle Jump, wenn nicht sogar das erfolgreichste, kommt auf rund 10 Millionen Downloads seit seiner Veröffentlichung, die Nintendo Wii hat bisher knapp 100 Millionen Exemplare verkauft und ein Spiel wie  Call of Duty: Black Ops verkaufte 5,6 Millionen Exemplare mit einem Umsatz von 360 Millionen US-Dollar und das nur am Tag der Veröffentlichung.

Ein Spiel mit dem Umfang und den Freiheiten, die ein aktuelles Spiel auf Konsolen oder dem Computer bietet wäre mit einem Aufwand verbunden, der einerseits die Entwicklungskosten bei den (zumindest bisher) zu niedrigen Verkäufen kaum wieder einspielen könnte und andererseits am Konzept, die Spiele möglichst Free2Play mit zusätzlichem Micropayment anzubieten, vorbeizielt.

(Erklärung: Free2Play-Konzepte gibt auch derzeit schon viele, dabei ist das Spiel grundsätzlich kostenlos spielbar es können jedoch manchmal optional, teilweise auch schon mal zwingend, Zusatzinhalte nachgekauft werden. Den Android und iOS Benutzern ist dies sicherlich in Form von InApp-Käufe bekannt.)

Dazu kommt noch, dass die Entwickler wenn sie dem Anspruch eines Konsolenspiels genügen wollten und gleichzeitig auch auf Smartphones und Tablets vertreten bleiben wollen immer zwei Versionen einzeln entwickeln müssten – ein zu großer Aufwand für einen Indie-Entwickler.

Ich möchte das Projekt OUYA damit jedoch nicht schlecht reden, denn ein ganz anderer Aspekt als die Eroberung des Marktes, die Offenheit des Systems für Indie-Entwickler, wird zusätzlich von den Entwicklern von OUYA beworben.

Das Gerät soll einfach zu rooten sein und somit allen Android Entwicklern dieser Welt die Veröffentlichung ihrer Spiele erlauben auf einer vielleicht bald bekannteren Plattform die den Spielern zusätzlich einen Controller bietet. Dies ist für mich das einzige Verkaufsargument gegen die großen Konsolen auf denen dies

1. nicht so einfach möglich ist und
2. wenn dann nur am Thema Interessierte in Foren etc. auf neue Spiele aufmerksam werden.

Daran anschließend möchte ich zum Schluss noch das Bild, dass die potenziellen Käufer der Konsole von jener haben, mitgeben. Auf diesem ist zu sehen, was sich die Käufer an weiteren Spielen für OUYA wünschen würden.

Weniger als die Hälfte der Spiele sind von Indie-Entwicklern, somit wäre ein Ziel der Entwickler bereits verfehlt. Ich hoffe dieser kritische Kommentar hat euch einerseits ein wenig Spaß beim Lesen bereitet und euch möglicherweise andererseits eine zweite Sichtweise auf das Kickstarter Projekt OUYA gegeben.  Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass dies nur eine frühe Einschätzung von mir ist und sich meine Vorhersage durch einen starken Anstieg der “Backers” in den verbleibenden 25 Tagen noch ändern kann!


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Über den Autor:

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