Kurz angeschaut: Linksys Velop Tri-Band WLAN Modulsystem AC6600

26. März 2017 Kategorie: Hardware, Internet, geschrieben von: caschy

Ich hatte in den letzten Tagen die Möglichkeit, mir ein Linksys Velop-System anzuschauen. Hierbei handelt es sich um ein Anfang 2017 vorgestelltes Netzwerksystem. Router alleine sind für viele Anbieter nicht mehr ausreichend, sie erschließen sich neue Geschäftsfelder mit dem Anbieten von Mesh-Systemen. Schnelles WLAN im ganzen Haus, möglichst einfach einzurichten, wer will das denn nicht?

Linksys bietet mehrere Pakete an, das große 3er-Set WHW0303 liegt derzeit bei knapp 600 Euro. Das ist eine ganze Menge Geld, gerade wenn man einen Blick auf diverse Router, Repeater und Access Points wirft. Der Preis kommt nicht von ungefähr: Jedes Velop „Node“ ist ein Tri-Band AC2200-Gerät, welches als Router, Range Extender, Access Point und Bridge agieren kann. Ihr habt also die drei Türme und habt mit jedem dieser die identischen Möglichkeiten.

Jedes Node wird beim Setup durch die mitgelieferte Linksys-App (verfügbar für iOS und Android) konfiguriert. Bei diesem Setup wird Bluetooth für die Kommunikation zwischen dem mobilen Gerät und jedem Node genutzt. Nach abgeschlossenem Setup wirkt die Linksys-App als WLAN-Management-Tool mit  Features, wie z. B. Gastzugang, Kindersicherung, Geräte-Priorisierung und mehr. Jedes Node ist so ausgelegt, dass es sich mit anderen Nodes über WLAN oder ein vorhandenes drahtgebundenes Ethernet-Netzwerk verbinden kann.

Die automatische Konfiguration stellt die Verbindungen in verschiedenen maschenartigen Topologien her. Die Nodes können den besten Weg zur Übertragung von Daten zwischen einem Client-Gerät und dem Internet bestimmen. Falls ein Node die Verbindung zu einem anderen Node verliert, wird die Internetverbindung quasi selbstheilend über die verbleibenden Nodes im Netzwerk wieder hergestellt.

Velop nutzt einen Chip von Qualcomm, laut Linksys den ersten seiner Art. Dieser enthält einen 716 MHz Quad-Core ARM Cortex-A7 Prozessor, drei WLAN-Funkeinheiten (eine für 2,4 GHz und zwei für 5,0 GHz) und zwei Autosensing LAN/WAN Gigabit-Ports. Ergänzt wird dies durch 4 GB Flash-Speicher, 512 MB DDR3-Speicher und eine Bluetooth 4.0/LE Funkeinheit. Velop enthält sechs Antennen sowie Leistungsverstärker.

Im Schnelldurchlauf

Die Einrichtung. Fantastisch. Die Einrichtung der Nodes war in wenigen Minuten erledigt. Das System fragt über die mobile App ab, wie man sich mit dem Netz verbindet (in meinem Falle über eine bereits eingerichtete Infrastruktur an einem Switch). Danach wird direkt ein Firmware-Check gemacht, das System gegebenenfalls aktualisiert.

Jedes Node ist nach wenigen Augenblicken im Netz und muss nicht immer separat eingerichtet werden. Schräg: Man muss ein Konto anlegen, das ist momentan allerdings nur für die Nutzung der App überall, einen klassische Cloud-Steuerung ist nicht möglich.

Die App. Die App selber macht einen aufgeräumten Eindruck Sie zeigt an, welches Gerät mit welchem Node verbunden ist. In der Übersicht kann der Nutzer ein Gerät priorisieren (maximal drei sind möglich) und auch Kinderschutzfunktionen definieren. Man kann ein Gerät komplett blocken, oder man pflegt eine Liste mit zu blockierenden Seiten.

Klickt aufs Bild zur Vergrößerung:

Ebenfalls richtet man hier per Klick ein Gäste-WLAN ein – oder man testet  auf die Schnelle den Speed des Internet. Ansonsten ist der Spaß in Sachen Funktionen schmal aufgebaut, wer weitreichende Verwaltungsmöglichkeiten sucht, der wird sicherlich enttäuscht. Ich habe euch zur besseren Visualisierung mal einen Schwung Bilder reingehauen, dann wisst ihr, was geht.

Der direkte und schnelle Vergleich bei nur einem Modul. Zum Einsatz kam hier unter anderem ein via WLAN angebundener iMac. Dieser schaltete wechselnd auf die FRITZ!Box 7490 und die Linksys Velop-Lösung. Speedtest gemacht in Sachen Internet: Kein Unterschied, wäre auch albern, ich habe ja „nur 100 Mbit“. Funktionierte also eigentlich wie gehabt, sodass ich dahingehend keine Unterschiede feststellte.

Marginale Unterschiede zugunsten der Velop-Lösung nahm ich aber beim Kopieren von Daten auf und von einem Netzwerkspeicher wahr. Hier schob ich einige Gigabyte in verschiedenen Konstellationen hin und her und bei großen Dateien hatte hier Linksys die Nase vor. Dazu sei aber erwähnt: Es waren nur wenige Sekunden. Im Helio LanTest war es bei direkter Nutzung auch so, dass ich kaum Unterschiede feststellte. Als Beispiel: 1,96 GB als eine Datei kamen in rund 37 Sekunden bei mir an. 2007 MB in 54,24 MB/s. In der unmittelbaren Nähe haben sich die beiden Lösungen bei mir also nichts getan.

Reichweite. Theoretisch kann ich es ja gar nicht mit meiner FRITZ!Box 7490 vergleichen, da das Linksys-Konzept ja ein anderes ist. Außerdem kann ich hier auch nur für meinen Gebäudetyp sprechen, der ja sicher ungleich zu eurem ist. Wände, Ecken, Beton und so weiter: Alles Dinge, die man bedenken muss. Grundsätzlich ist es bei mir so, dass die FRITZ!Box alles im Erd- und Obergeschoss abdeckt.

Dennoch habe ich einen Repeater im Obergeschoss an der ersten Steckdose, da ich mein Gästezimmer unter dem Dach auch mit WLAN versorgt wissen wollte. Die Netze sind bei mir in 2,4 GHz und 5 GHz getrennt, während die Linksys-Lösung auf einer SSID transparent unterwegs ist.

Ich habe zum Test bei mir erst einmal grundsätzlich auf ein Gerät umgestellt, also einen Node und nur die FRITZ!Box an einem Standort. Letzten Endes war es so, dass ich bei beiden Lösungen fast auf die identischen Messwerte kam – mit leichten Vorteilen für die Linksys-Lösung. Dennoch nichts wo ich sagen würde: Ich reiße mein altes System raus und stelle ein neues rein.

Die große Stärke sind dann bei Linksys die Nodes, die sich eben auch von Anfängern leicht ins Netz einbinden lassen und überall für schnelles WLAN sorgen. Nicht nur das: Wie weiter oben erwähnt, kann ja jeder Node wie ein „Hauptgerät“ arbeiten.

Jeder Velop-Node kann entweder als Router, drahtloser Repeater/Range Extender oder drahtgebundener Access Point funktionieren – ohne dass der Benutzer den Betriebsmodus wählen muss. Die Software erkennt, wie das Gerät verbunden ist und konfiguriert ihn entsprechend automatisch.

Der erste Velop-Node wird immer als Router konfiguriert, inklusiv Firewall, dem Routen von IP Verkehr, und dem Vergeben von IP-Adressen an lokale Netzwerkgeräte über DHCP. Hat man Geräte, die eine Kabelverbindung benötigen, so kann man auch diese nutzen, denn jeder Node hat zwei Netzwerkanschlüsse – und wer mehr Anschlüsse in Sachen RJ 45 braucht, der muss halt einen kleinen Switch dranhängen.

Eine Art Fazit? Als ich diese Zeilen tippte, kostet die Lösung mit drei Nodes rund 575 Euro. Das finde ich in seiner Gesamtheit zu viel. Die Einrichtung bekommt von mir Sonderpunkte, weil sie wirklich einfach ist und auch von Laien durchgezogen werden kann. Das Ergebnis als solches fand ich persönlich sehr gut, man kann mit geringem Zeitaufwand ein großes Netz aufspannen, muss relativ wenig Hirnschmalz investieren. Da wird es sicherlich Menschen geben, die sagen: „Ich will in unserem Zweifamilienhaus einfach nur WLAN und will mich nicht mit Dingen wie Unify beschäftigen“.

Auf der anderen Seite könnte man Linksys auch fragen, warum man in Sachen Hardware ein tolles System anbietet, fortgeschrittenen Nutzern aber Einstellungsmöglichkeiten verwehrt. Da könnte man sicher mal etwas nacharbeiten. So gibt es offiziell zum Beispiel keine Web-Oberfläche zur Konfiguration, alles geht über die App. Ich hab in den Linksys-Foren gewühlt, es gab wohl mal einige Möglichkeiten, die dann wieder mit einem Firmware-Update unterbunden wurden. Meines Wissens baut Linksys da aber momentan dran.

Wer den Anschaffungspreis nicht scheut sollte das bedenken: Es können weiterführende Funktionen kommen – oder nicht. Glücksspiel. Von daher sollte man schauen, dass man Dinge kauft, mit denen man in der Grundkonfiguration zufrieden ist.


Über den Autor: caschy

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