Kostenlosmentalität im Netz

5. Januar 2011 Kategorie: Internet, Privates, Software & Co, geschrieben von: caschy

Nicht über den fehlenden roten Faden wundern, der Beitrag wurde in mehreren Etappen unterwegs geschrieben. Ich verbinde diesen Beitrag mal mit einer Frage, die ich letztens per Twitter bekam und einem Kommentar, der im Zusammenhang mit SugarSync aufschlug. Die Frage bei Twitter bezog sich auf Software oder Dienste, die ich besitze oder nutze, die Geld kosten.

Auch ich komme nicht ganz drum rum, mir mal gelegentlich eine Software zu leisten. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es einfach will. Ab und zu hat man ja sogar als Blogger das Glück, die eine oder andere Lizenz kostenlos zu bekommen. Das ist schön, aber nicht die Regel. Mich interessiert als Blogger eine kostenlose Lizenz auch herzhaft wenig, weil ich immer wie ein normaler Anwender denke. Der, der eben nicht das Glück hat, eine kostenlose Lizenz zu bekommen.

Anfangen möchte ich mit dem Windows-PC, hier benötige ich die meiste Freeware und kaum kaufbare Software. Ich besitze Windows 7 und Microsoft Office 2010. Alles andere ist mittlerweile Freeware. Brennprogramm, Editoren, Bildbetrachter und Co. Alles für umme. Mag nicht auf jeden zutreffen, da es ja logischerweise unterschiedliche Anwendungsbereiche gibt, aber ich komme mit meinem Computerleben für umme gut klar.

Es geht hier nicht um Geiz oder anarchisches „Ich unterstütze keine Bonzen“-Tum, sondern lediglich um die Tatsache, dass ich nicht Geld ausgeben will, weil ich es muss, sondern weil ich es darf. Wenn eine Freeware ausgezeichnet ist, dann klicke ich auf den meist vorhandenen Donate-Button oder klicke auf Werbung des Programmierers.

Hier spende ich freiwillig Geld für eine freiwillig erstellte kostenlose Software. Warum sollte ich Geld für Software ausgeben, die Dinge kann, die ich nicht benötige? Nahrungsmittel kaufe zumindest ich auch nur nach Bedarf. Ich gebe nicht mehr für Dinge aus, die ich nicht esse.

Schwenken wir rüber zu Mac OS X, welches ich auch benutze. In der Anfangsphase musste ich mich auch erst einmal umschauen. Was geht, was geht nicht, was kostet, was nicht, was brauchst du und was nicht. Betriebssystem? Ist dabei. Office? Jau, ich habe Mac Office 2011. Habe ich aber geschenkt bekommen. Könnte wahrscheinlich sogar ohne leben und würde Google Docs oder Libre Office nutzen.

Soviel schreibe ich nicht. Bildbearbeitung? Pixelmator. Damals kostenlos bekommen, hätte ich mir aber auch gekauft, da ich es zum bloggen doch ab und an mal brauche, und nicht soviel kostenloser Kram wie unter Windows zu finden ist. Dateimanager und FTP? Forklift, auch Kaufware. Fasse ich aber kaum noch an, da ich mit Cyberduck und dem Finder gut fahre. VMware habe ich mir zum Emulieren von Windows gekauft – aber auch da habe ich ein Schnäppchen gemacht, schließlich gabs VMware Fusion 3 für nur ganz wenige Euro.

Das wirkliche (kleine) Groschengrab ist mein iPad. Hier mal ein paar Cent für eine App – da mal ein paar Cent. Das kann sich läppern. Für jeden Blogger eine echte Bereicherung für 79 Cent: der App Ticker. Hier erfahre ich, welche Apps im Preis gesenkt worden sind und welche kostenlos wurden. Vorteil für eure Leser, sofern ihr Blogger seid: ihr könnt über kostenlose Apps für das iPhone oder das iPad bloggen. Vorteil für euch: ihr nehmt am kostenlosen Partnerprogramm von Tradedoubler teil und verlinkt auf die kostenlosen iPad- oder iPhone-Apps. Euer Leser muss dafür nichts zahlen, kauft er aber vielleicht über euren Link eine App, dann bekommt ihr ein paar Cent Provision.

Auch kleine Fische können bekanntlich stinken. Wenn ihr eh eure Apps bloggt, ja dann knallt eure Links rein. Lieber ein paar Euro als gar keine. Tut euren Lesern aber nen Gefallen: bloggt Dinge, die ihr interessant findet, keinen Bullshit, nur weil er euch ein paar Euronen bringt. Treue Leser sind immer mehr wert als der schnöde Mammon. Aber ich schweife ab, will ja keine Bloggertipps geben. Dann gibt es noch einige Spiele, die ich mir gegönnt habe und einige wenige Apps, die es nicht kostenlos gab. Alles zusammen gerechnet aber keine große Summe. Läppert sich halt nur zusammen.

Android? Nur kostenlose Apps. Ohne Ausnahme.

Onlinedienste? Für Flickr bezahle ich, bringt mir aber keinen wirklichen Mehrwert, von daher werde ich dort nicht verlängern. Entweder kommen die Fotos auf den eigenen Space oder ich gönne mir für Google mehr Space, denn dieser ist spottbillig und ich kann vernünftig Picasa nutzen. Dropbox? Langt bislang der kostenlose Account mit knapp 20 GB, aber dieser Dienste wäre einer, den ich ruhigen Gewissens bezahle. Evernote? Kostenloser Account langt.

Facebook, Google und Co? Die bezahlen wir mit unseren demographischen Daten und der passenden Werbung die wir sehen. Muss jeder selber entscheiden – ihr entscheidet ja selbst, was ihr an Daten in das Netz bläst.

Ich als Blogger bin da ja eh ein ganz schlechtes Beispiel… Ich akzeptiere ja auch Werbung bei gerne gelesenen Blogs oder Newsseiten (kaufe ab und an sogar Hardware über die Amazon-Partnerlinks). Die müssen die Server und die Schreiber auch bezahlen. Wenn das Geschäftsmodell Online-News mit Werbung rechenbar ist, warum nicht? Ich kaufe zumindest keine Print-Dinger mehr. Und wenn eine Online-Zeitung der Meinung ist, eine kurze News mit einer 80-seitigen Bilderklickstrecke auszustatten – dann werden eben Alternativen gesucht.

Ich weiss, dieser Beitrag kann und wird Diskussionen auslösen. Dies liegt aber daran, dass wir alle das Netz und seine Programme drum herum anders nutzen. Software und das Netz ist ein Baukastensystem, aus dem sich jeder Anwender das passende heraus suchen darf. Ich selber handhabe das mittlerweile wirklich so (war früher mal anders)

– Kaufe nur Dinge die du wirklich brauchst
– Unterstütze Programmierer von Freeware, wenn die Software deine Zufriedenheit genießt
– AdBlocker auf geschätzten Seiten auslassen
– nimm kostenlose Dienste nicht als selbstverständlich hin


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Über den Autor: caschy

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