„Halt and Catch Fire“: Vierte und letzte Staffel fliegt bei Amazon Prime Video unterm Radar

24. September 2017 Kategorie: Streaming, geschrieben von:

Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen hattet, denn mir ist es zumindest bis Anfang dieser Woche entgangen: Die Tech-Serie „Halt and Catch Fire“ läuft aktuell in der vierten Staffel und steht jeden Montag mit neuen Folgen bei Amazon Prime Video in Deutschland stramm. Dass die vierte Runde in den USA an den Start gegangen war, hatte ich natürlich als Fan der Serie mitbekommen. Komplett an mir vorübergegangen war jedoch, dass Amazon zeitnah die neuen Folgen ins Programm bei Prime Video nimmt. Denn groß beworben hat Amazon jenes nicht und empfahl mir die neue Staffel komischerweise auch nicht über die App.

Kleiner Haken: Wer gerne Serien synchronisiert konsumiert, muss noch abwarten. Denn „Halt and Catch Fire“ in der vierten Staffel gibt es aktuell nur im englischsprachigen Originalton mit optionalen, deutschen Untertiteln. Für mich ist das einerlei, da ich englischsprachige Produktionen grundsätzlich im O-Ton ansehe. Aber darauf hat nicht jeder Lust, was wohl auch der Grund sein dürfte, dass Amazon die neuen Episoden zwar aktuell jeden Montag ins Angebot nimmt, aber keine großen Bemühungen anstrengt, um die Abonnenten von Prime Video darauf aufmerksam zu machen. Ich suchte einfach mal aus Neugierde, weil ich Staffel 3 in meiner Playlist wiederentdeckte.

Fünf Folgen sind bisher verfügbar und es gibt erneut einen gewissen Zeitsprung: Joe (Lee Pace) und Gordon (Scoot McNairy) betreiben gemeinsam eine der ersten Internet Service Provider, während Cameron (Mackenzie Davis) in Japan unterwegs ist, um sich der Spieleentwicklung zu widmen. Gordons Exfrau Donna (Kerry Bishé) entscheidet hingegen mittlerweile in einer Investmentfirma darüber, welchen Startups man Geld zuschießt und welche eiskalt fallen gelassen werden. Doch es dauert nicht lange, bis es zu einem Interessenskonflikt kommt: Denn Joe, der zwischenzeitlich mit seinen bombastischen aber realitätsfernen Zukunftsvisionen ein wenig zu einem Einsiedler geworden ist, kommt gemeinsam mit der gemeinsamen Tochter von Gordon und Donna auf eine revolutionäre Idee – eine Tür zum Web, die einlädt andere Sites zu entdecken. Dumm nur, dass Donna eine direkte Konkurrenz heranzüchtet.

Ihr ahnt vielleicht worum es geht: „Halt and Catch Fire“ hatte sich in der Vergangenheit bereits den ersten Computerviren und Onlinespielen gewidmet. Jetzt kommen Suchmaschinen an die Reihe. Dabei will Joe auf die menschliche Seite setzen und die in den 1990er-Jahren überschaubare Anzahl an Websites von Angestellten katalogisieren und mit redaktionellen Beschreibungen versehen lassen. Doch die Konkurrenz denkt da eher an Algorithmen, weil man für die nächsten Jahre und Jahrzehnte damit rechnet, dass kein Mensch der Anzahl an Websites manuell mehr Herr werden könnte. Dabei will ich euch jetzt nicht mehr verraten, außer, dass die zentralen Charaktere wieder einmal stark aneinander geraten.

„Halt and Catch Fire“ ist dabei nun mittlerweile in den 1990er-Jahren angekommen. Die vierte Staffel wird auch die letzte sein, was mich persönlich schon jetzt mit einem bittersüßen Gefühl zurücklässt. Denn einerseits ist es ganz gut, dass man rechtzeitig ein Ende plant, damit sich die Charaktere nicht unnötig im Kreis drehen. Andererseits hätte ich gerne noch gemeinsam mit Joe, Gordon, Cameron und Co. weitere, technische Revolutionen erlebt. Alle Figuren haben sich im Rahmen der bisherigen Staffeln spürbar entwickelt. Erinnert man sich etwa an den abgebrühten Joe aus Staffel 1, so wirkt der von Lee Pace wirklich toll gespielte Mann, stets auf der Suche nach DER großen Vision, nun deutlich verletzlicher aber auch reflektierter.

Lediglich zu Cameron verbindet mich immer noch eine Art Hassliebe: Die in Staffel 1 als brillante Hackerin und Programmiererin eingeführte Figur schafft es nur ohne einen Nervfaktor über die Runden zu kommen, weil Mackenzie Davis ihre Impulsivität trotz allem so sympathisch rüberbringt. Ich will hier keine Details ausplaudern, die euch die Spannung nehmen könnten: Aber die Entscheidungen der Figur sind teilweise immer noch reichlich irrational bis beknackt. Das passt schon dazu, wie der Charakter angelegt ist, führt aber doch dazu, dass man sich in einigen Situationen ein Kopfschütteln nicht verkneifen kann.

Die AMC-Produktion ist im Übrigen immer noch visuell sehr schön in Szene gesetzt und integriert für diejenigen von euch, die in den 1990er-Jahren aufgewachsen sind, viele Eastereggs. Als das Computerspiel „Doom“ etwa einen für die Handlung gar nicht so unwichtigen Auftritt hinlegt, musste ich schon breit grinsen. Klar, auch das Super Nintendo begeistert die Protagonisten der Serie mindestens genau so wie die Möglichkeit im Web pixelige Bilder darzustellen. Und auch das damalige Aufstreben der Online-Pornografie wird augenzwinkernd gewürdigt.

Im Kern lebt „Halt and Catch Fire“ aber auch in Staffel 4 von seinen Charakteren und ihrer Entwicklung. Das Tech-Setting ist meiner Ansicht nach wirklich glaubwürdig und mit Liebe zum Detail umgesetzt, aber es sind eben die Figuren, welche die Serie prägen. Erwartet also nicht mit Informationen und Fakten über die Entwicklung der Industrie in den 1990er-Jahren bombardiert zu werden. Freut euch aber über ein Charakter-Drama mit einem sehr ansprechenden Tech-Setting.

Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste Episode morgen Abend. Vielleicht ist ja auch dem ein oder anderen von euch entgangen, dass Staffel 4 zu „Halt and Catch Fire“ mittlerweile bei Amazon Prime Video (im Originalton mit optionalen, deutschen Untertiteln) läuft.


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Über den Autor:

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