„Halt and Catch Fire“: Serien-Traum eines Tech-Fans

18. September 2016 Kategorie: Streaming, geschrieben von: André Westphal

halt-and-catch-fire-artikelbildDer US-Sender AMC hat viele, erstklassige Serien im Programm: Mein persönlicher Favorit ist das mittlerweile abgeschlossene „Mad Men“. Auch „The Walking Dead“ mag ich, selbst wenn mir die Serie insgesamt etwas zu soapig ist. Klar, auch „Breaking Bad“ darf man nicht vergessen und dessen Quasi-Nachfolger „Better Call Saul“ läuft ebenfalls bei AMC. Doch neben diesen bekannten Namen gibt es auch bei AMC Serien, die wohl nicht nur bei mir lange Zeit unter dem Radar vorbeigerauscht sind. Eine davon ist „Halt and Catch Fire“, welche in Deutschland aktuell exklusiv bei Amazon Prime Instant Video in der dritten Staffel läuft. Falls ihr noch nicht reingeschaut hab, kann ich nur empfehlen das nachzuholen. Denn „Halt and Catch Fire“ ist quasi der Serien-Traum eines Tech-Fans.

Die Serie spielt in den 1980er-Jahren: PCs für Privatanwender sind noch mehr oder minder ein teures Luxusgut, IBM dominiert die gesamte IT-Sphäre und viele, kleine, hungrige Unternehmen wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Der ehemalige IBM-Manager Joe MacMillan (fantastisch gespielt von Lee Pace) trickst nun die Führungsspitze eines Herstellers namens Cardiff Electric aus, um sich selbst ein eigenes PC-Projekt zuzuschanzen. Doch Joe ist eher vom Schlage eines Steve Jobs: ein brillanter Geschäftsmann, doch von Programmieren und Hardware-Entwicklung hat er nur wenig Ahnung. Mit seinem Charisma zieht er jedoch den Ingenieur Gordon Clark (Scoot McNairy) genau so auf seine Seite wie das Programmierer-Wunderkind Cameron Howe (Mackenzie Davis). Mit letzterer beginnt Joe dann auch noch eine ziemlich turbulente Beziehung, die durch seine geschickten aber manipulativen Geschäftstricks immer wieder auf die Kippe gerät.

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Dabei will ich ehrlich sein: Die ersten Folgen der ersten Staffel habe ich mir vorwiegend angesehen, da ich Lee Pace einfach klasse finde. „Pushing Daisies“ ist eine meiner Lieblingsserien und auch im Film „The Fall“ fand ich Pace super. Klar, auch das Tech-Szenario hat mich gereizt. Allerdings hatte ich damit gerechnet, dass die Technik vermutlich ähnlich wie im Film „Steve Jobs“ zugunsten der dramatischen Elemente in den Hintergrund rücken würde. Und natürlich geht es auch bei „Halt and Catch Fire“ vor allem um die Hauptcharaktere und ihre inneren Dämonen sowie ihre Beziehungen zueinander. Allerdings greift die Serie dabei doch viele technische Entwicklungen der damaligen Zeit auf, etwa Nintendos überraschenden Erfolg mit dem NES, das Aufkommen von neuartigen, visuell ausgerichteten Betriebssystemen und die ersten Viren bzw. die erste AntiVirus-Software.

Natürlich nehmen sich die Macher dabei einige Freiheiten heraus, gerade was zum Beispiel die Darstellung der Arbeit der Programmierer betrifft. Trotzdem merkt man, dass hier Leute an der Serie arbeiten, die sich durchaus mit IT im weiteren Sinne beschäftigt haben und versuchen den Pioniergeist der 1980er-Jahre abzubilden. Während Staffel 1 allerdings bis etwa zur Halbzeit manchmal etwas spröde wirkt, zieht die Serie danach merklich an. Staffel 2 etwa ist fast eine Art Reboot und mischt die Karten völlig neu. Dabei möchte ich euch nicht spoilern, aber die Charaktere wachsen hier wirklich mit der Serie und es fiel mir als Zuschauer schwer meine Sympathien eindeutig zu verteilen. Cameron etwa, die ich anfangs sehr mochte, begann mir etwas auf die Nerven zu gehen, während der zunächst aalglatte Joe zunehmend zu meinem Lieblingscharkater wurde. Fies aber mit einem Herz aus Gold oder doch eher derjenige, der einem mit Zahnpasta-Grinsen den Dolch in den Rücken stößt? Joe ist irgendwie beides und das macht den Charakter so faszinierend.

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Die ersten beiden Staffeln von „Halt and Catch Fire“ gibt es schon eine Weile bei Amazon Prime, von der dritten Staffel stehen bisher fünf Folgen bereit – weil auch erst fünf Episoden in den USA ausgestrahlt wurden. Jeweils Dienstag erscheint immer eine neue Episode. Ich habe mir bereits alle fünf Folgen von Staffel 3 angesehen und bin immer noch ziemlich begeistert: Joe entwickelt in jener Staffel immer deutlichere Parallelen zu Steve Jobs, zugleich wird die Serie aber auch immer selbstbewusster und scheut sich nicht neue Charaktere einzuführen. Allerdings treten die technischen Elemente nach meinem Eindruck etwas zurück – hier gab es in den ersten beiden Staffeln deutlich mehr Querverweise. Der Eindruck kann jedoch auch täuschen. Zumal die Staffel ja noch nicht abgeschlossen ist.

Alles in allem ist „Halt and Catch Fire“ aber in etwa das, was ich mir eigentlich von „Steve Jobs“ versprochen hatte: Eine sehr runde Mischung aus Technik-Insidern, starkem Charakter-Drama und stilvoller Inszenierung. Nicht falsch verstehen, ich mochte auch Aaron Sorkins Film, fand aber, dass relativ viel Potential verschenkt wurde. Sollte „Halt and Catch Fire“ also auch bei euch bisher unter dem Radar vorbeigerauscht sein, dann schaut wirklich mal rein. Wie gesagt, die ersten Episoden sind teilweise noch etwas spröde, die Serie blüht aber dann richtig auf. Ich freue mich schon tierisch auf die sechste Episode am Dienstag und hoffe sehr, dass ich vielleicht den ein oder anderen mit einem „Geheimtipp“ erfreuen konnte.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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