Google stellt Picasa ein – und nun?

14. Februar 2016 Kategorie: Backup & Security, Google, geschrieben von: caschy

artikel_google fotosZig Jahre haben Menschen ihre Fotos bei Picasa eingestellt. Schön sortiert, vielleicht mit Tags und Kommentaren versehen. Mühevolle Kleinarbeit bei vielen. Und nun? Feierabend zum 1. Mai 2016, Google stellt den Dienst ein. Ein absehbares Ende. Bei Picasa tat sich schon lange nichts mehr, der neue Star am Himmel heißt bei Google eben „Google Fotos„. Google interessiert es einen feuchten Kehricht, ob viele Menschen mit Herzblut einen Dienst nutzen. Passt der Dienst nicht in das Portfolio, so wird er rasiert. Die Liste der eingestellten Google-Dienste ist lang und Picasa durchaus eines der populäreren Todesopfer.

Aber das Schöne ist: du weisst mal wieder, wie Google von Kunden denkt. Geht die (Misch-)Kalkulation nicht auf, darf die Karawane weiterziehen. Und wenn wir ehrlich sind: das ist doch das Problem bei vielen von uns. Wir wollen Speicher haben, alles haben – und natürlich alles für lau. Und wenn nicht für lau, dann am besten ganz billig. Daumen drücken und hoffen, dass Dienste wie Evernote, Dropbox und Co den zahlfaulen Nutzer durschschleifen, bezahlt wird von denen, die mehr wollen.

Ein Grund, warum es kaum relevante Fotodienste ausserhalb der großen Halden gibt. Die kleinen Startup-Klitschen haben nicht selten tolle Ideen, bauen ihre ganze Hoffnung aber nicht auf ein langfristiges Geschäft, sondern wollen gekauft werden. Schnell geile Features einbauen, alle Nutzer für lau anlocken und zwei Jahre später den Verkauf an Microsoft, Google, Yahoo, Apple oder whatever melden.

Was ich so ausprobiert habe? Fast alles. Wo bin ich bin meinen Fotos? In meinen eigenen vier Wänden. Echt. Flickr hat ein nettes Angebot, wenn man manuell rumschubsen will, sämtliche Tools für Automatismen, Uploads oder Synchronisation sind in der Summe einfach Schrott, mit dem man keine Zeit verschwenden darf.

Google? Synchronisiert auf Wunsch auch mit dem Dienst Google Fotos – falls ihr dahin umziehen wollt. Ich habe einige wenige Fotos bei Google Fotos liegen. Der Dienst sagt mir fast am meisten zu – wenn auch die Sharing-Einstellungen von Alben von offenbar lobotimierten Entwicklern realisiert wurden. Microsoft OneDrive? X Mal getestet, x mal bei mir durchgefallen. Ist aber eine persönliche Geschichte, wenn man wirklich nach Alternativen sucht, muss man auch den OneDrive in Betracht ziehen, bietet er doch mit dem Tool auf Desktop-Seite eine bequeme Lösung, um Fotos zu synchronisieren.

Apples Fotodienst? Mag ich wirklich, gerade bei Einsatz von iPhone und iPad – hilft mir aber nichts, wenn ich mit dem Android-Smartphone was aufnehme. Wenn Apple da mal in die Richtung entwickelt – gerne. Zahle ich dann sogar für.

photostation

Doch zurück zu Picasa. Mich betrifft der Spaß nicht. Mein Fotodienst heißt weiterhin (!) „Synology NAS“ (beziehungsweise PhotoStation)und da liegen die Fotos echt in Jahresordnern, getrennt nach Event. Reicht uns, ich kann sie am TV betrachten und mobile Apps gibt es auch zum betrachten. Dezentrales Backup? Klar, kann man machen, man kann automatisiert die (auch verschlüsselten) Fotos automatisiert an zig Dienste schicken, auch über das NAS. Hilft allerdings nicht jenen, die nun vor ihrem Picasa-Scherbenhaufen sitzen.

Vorteil ist ja: Wer bei Google Fotos bleiben will, muss nichts großartig anstellen, Picasa ist mit Google Fotos verzahnt. Und auch nach Einstellung von Picasa am 1. Mai 2016 soll es laut Google eine Lösung geben, Tags, Kommentare und Co einzusehen, die ihr in Picasa erstellt habt. Anschauen und löschen: ja – doch keine Neu-Uploads erlaubt. Das Wochenende ist doch eigentlich ein guter Zeitpunkt, mal alles zu sichern, oder? Schaut einmal was ihr wollt. Braucht ihr Picasa? Falls nicht: es gibt Google Takeout. Da könnt ihr sämtliche Fotos herunterladen.

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 10.34.57

Was man offline vorliegen hat, hat man so zur schnelleren Weiterverarbeitung da. Und wo euer schlussendliches Ziel ist? Ich weiss es nicht. Liegt an euren Bedürfnissen. Ich benötige nicht alle meine Fotos zum direkten Zugriff in höchster Auflösung in irgendeiner Wolke. Von allen Lösungen mit ihren Schwächen hier und da ist das neue Google Fotos doch vielleicht die bequemste Variante derzeit. Zumindest für die nächsten Jahre. Bis es Google wieder in den Fingern juckt.

Ich würde mich freuen, wenn Picasa-Nutzer nun ihre Wege beschreiben, die sie gehen werden. Vielleicht finden auch andere Nutzer dadurch eine gute Lösung für sie. In den Kommentaren zur Schließung von Picasa finden sich bereits einige Ideen.

Weiterführend:

Google Photos: Ein Blick hinein – Teil 1

Google Photos: Ein Blick hinein – Teil 2

Google Photos: Ein Blick hinein – Teil 3

Google Photos: Ein Blick hinein – Teil 4

Google Photos mit Apple Fotos synchronisieren

Google Photos: Gesichtserkennung in Deutschland freischalten

Facebook & Instagram: Fotos zu Google Fotos umziehen

Google Fotos findet Ordner ohne Ordner

Google Fotos: nicht geteilte Bilder sind öffentlich aufrufbar!

Google Fotos: Lokalen Speicher freiräumen


Über den Autor: caschy

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