Google Lens: Auf einem Auge blöd

21. Oktober 2017 Kategorie: Android, Google, geschrieben von: caschy

Zugegeben, die Überschrift mag harsch sein, denn das vorliegende Konstrukt ist eine Beta. Aber eine, die irgendwie angekündigt anders wirkte. Google Lens soll das Tor in die Wissenswelt sein. Linse auf etwas Erfahrenswertes richten und zack – ist man schlauer. Die Wahrheit ist derzeit eine andere. Eine Wahrheit die beim Kunden landet. Zum Glück erst einmal nur bei denen, die sich ein Google Pixel 2 kaufen.

Denn diese haben Zugriff auf Google Lens. Google Lens ist Teil des Google Assistant. Seid ihr beispielsweise im Urlaub, dann könnt ihr mit dem Smartphone, bzw. dessen Kamera auf ein Gebäude zeigen – und im besten Falle werden euch dann Informationen über dieses Gebäude angezeigt. Das können Inhalte mit einer Beschreibung sein, aber auch Bewertungen.

Für weiterführende Informationen reicht dann ein Klick und man gelangt in die Suchergebnisse von Google. Eine erste Vorschau zeigte Google schon vor einiger Zeit, genauer gesagt im Mai 2017 im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O.

Neben dem genannten Beispiel mit dem Gebäude könnte man auch Informationen über eine Pflanze so einholen – oder man kann ein Konzertposter fotografieren, dann würde Google Informationen zur Band und einer Tour kredenzen, ja sogar der Kauf von Konzert-Tickets wird möglich sein, wenn die Anbieter die von Google zur Verfügung gestellten Tools nutzen und in ihre Dienste integrieren. Erinnert ein bisschen an einen Mix aus Google Translate oder Google Googgles.

Ich habe mir die Beta auf dem Pixel 2 XL angesehen. Ich empfand zu keiner Zeit einen wirklichen Nutzen. Das enttäuscht natürlich, wenn man hohe Erwartungen hatte, die Google weckte. Auf der anderen Seite auch irgendwie verständlich, denn wir erleben nicht von jetzt auf gleich einen solchen Technologiefortschritt, sodass Google da einen neuen Moonshot hat.

Dennoch bekommt der Nutzer eine Lösung in die Hand, die eben nicht so wirklich Mehrwert bietet, Google Lens darf also wirklich nicht Verkaufsargument sein. Aber man bewirbt den Spaß im Store. Mehr sehen. Momentan ist Google Lens eine Bildersuche. Ich muss ein Foto machen und dieses dann analysieren lassen. Mit Glück kommt was bei raus, mit Pech nicht. Adressen auf Papier? Werden erkannt und man könnte den Zauber auf Google Maps erleben. Pflanzen als Pflanze, Tassen als Tassen, Motive auf diesen eher nicht.

Google Lens hat viel Potenzial, aber es wird Zeit brauchen. Mir wird momentan nicht so ganz klar, warum Google das so rausgehetzt hat. Der Google Assistant war auch und ist noch Beta, aber hier lernten die Nutzer anders mit ihm zu interagieren. Bei Google Lens ist das ungleich schwieriger. Letzten Endes bin ich nicht zu großem Wissenszuwachs durch Google Lens gekommen, ich hatte eine Techdemo in der Hand, die so ein bisschen das Fenster in Googles AI aufgestoßen hat.

Die Erkenntnis bleibt, dass nicht nur bei anderen, sondern auch bei Google noch extrem viel Luft nach oben ist. Ob Microsoft, Apple oder auch Amazon und Google. Ihre Assistenten definieren sich mehr dadurch, was sie nicht können.


Über den Autor: caschy

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