Angefahren: Anki Overdrive

15. Oktober 2015 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

artikel_ankiDie Väter mit digitalem Hintergrund kennen sie bereits: die Rennbahn Anki Overdrive. In den ersten Versionen bereits 2013 vorgestellt, gibt es das neue Spielzeug für Groß und Klein mittlerweile auch in Deutschland. Ich hatte bereits Zeit, mich einige Stunden mit der digitalen Bahn zu befassen. Doch steigen wir mal für alle ein, die noch nie etwas von Anki Overdrive gehört haben. Vorgestellt wurde die erste Version während der Apple Entwicklerkonferenz 2013, weil Anki die Steuer-App initial für iOS auf den Markt brachte, zudem die Symbiose aus Spiel und Technik den Leuten bei Apple wohl gut in den Kram passte.

Danach wurde es um Anki eine Ecke ruhiger, bis dann die neue Version der „Carrerabahn“ der Neuzeit erschien. Das Besondere ist halt, dass ihr eine modular erweiterbare Bahn habt, die Autos aber nicht mit Controllern gesteuert werden, sondern eben mit Smartphones oder Tablets.

Supercars auf der Ladestation

Supercars auf der Ladestation

Die Supercars genannten Fahrzeuge werden aber mit den Möglichkeiten der heutigen Zeit ausgestattet. Ein kleiner Rechner ist drin und auch Sensoren. Die komplexen Berechnungen werden auf dem Smartphone durchgeführt und an das Fahrzeug weitergegeben. So der grobe Anriss. Ihr kauft euch also eine Bahn und steuert Autos mit dem Smartphone oder dem Tablet.

Die Supercars

Die Supercars

Das war es dann schon? Natürlich nicht. Zuerst einmal ist wichtig zu wissen, dass die Steuerung als solches gar nicht so komplex ist, wie von mir gedacht. Gas geben und bremsen – eventuell die Spur wechseln, das war es schon – Kurven werden selbständig umfahren, die Strecke gibt die automatische Richtung vor. Klingt auch nicht sonderlich spannend. Hat man wohl auch bei Anki kapiert und so das digitale in das analoge Leben geholt. Dinge, die man vielleicht aus der einen oder anderen flotten Mario Kart-Runde kennt, die findet man auch bei Anki vor.

Räder gelegentlich reinigen - der Grip muss passen

Räder gelegentlich reinigen – der Grip muss passen

Ob alleine oder mit Freunden: es lassen sich Runden fahren, die eben nicht nur auf geschicktes Fahren Wert legen, stattdessen müssen Waffen und Booster eingesetzt werden. Diese werden komplett über euer Display gesteuert und werden dann auf andere Spielteilnehmer angewandt. Der Booster befördert euch nach vorne, während eine Waffe euren Gegner für eine gewisse Zeit ausser Kraft setzt.

Boxenstopp zum Aufladen

Boxenstopp zum Aufladen

Ist der Angriff erfolgreich, so sieht man das auch auf der Bahn. Der Gegner rotiert und blinkt – doch aufgepasst: überhitzt eure Power-Ups nicht, sonst setzt ihr euch selber außer Gefecht. Damit das Ganze nicht langweilig wird, gibt es diverse Charaktere und Modi, die ihr über das Smartphone auswählen könnt. Kommandos und Co kommen direkt aus dem Smartphone, quasi eure Kommandozentrale.

Als Spieler fährt man also die Rennen, man bekommt Missionen und sofern man diese erfüllt, erhält man neue Funktionen, wie das schnellere Fahren der Kisten. Die App ist dabei das wirkliche Herzstück des Spieles, und dient als Rechen- und Schaltzentrale für alle A.I.-Manöver.

Flott zusammengebaut

Flott zusammengebaut

Die Supercars tasten die Strecke ca. 500 mal pro Sekunde ab und teilen der Steuerungseinheit seine exakte Position und den gerade genutzten Streckenabschnitt per Bluetooth-Verbindung mit. So weiß die App jedem Zeitpunkt genau, welches Fahrzeug sich gerade wo aufhält und kann mit diesem Wissen die Fahrzeuge strategisch steuern, Gemeinheiten planen, vor Kreuzungen abbremsen oder vor Sprüngen beschleunigen.

On the road

On the road

Überzogene Vorfreude und Erwartungen meinerseits

Man sollte Anki offen gegenüberstehen. Macht nicht den Fehler und erwartet eine Fehlerfreiheit in der Fahrweise, nur weil der Spaß voll digital und mit vorab abgetasteter Strecke ist. Das kann zu Frustration führen. Wie im Stile der alten Carrera kann man auch bei Anki Overdrive das Fahrzeug aus der Strecke fliegen lassen. Oft sogar! Kommt auf die Bauweise und euren Speed an. So kann es sein, dass ihr aus der Kurve fliegt, wenn ihr in diese mit Vollgas fahrt.

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Ebenfalls ist es ratsam, hinter den Sprungschanzen längere Geraden zu bauen, denn gerade vor einer Schanze beschleunigt ein Supercar ja. Fliegt ein Fahrzeug von der Strecke, dann könnt ihr es wieder auf die Strecke setzen, gelegentlich habt ihr das Glück, dass es selbst wieder in die Spur kommt. Ach ja: ihr könnt euren Gegner natürlich fahrtechnisch so schneiden, dass dieser selber Probleme hat, in der Spur zu bleiben.

Ich gestehe – ich bin ob meiner initial schlechten Fahrkünste fast ausgeflippt, wenn mein Auto von der Spur abkam. Solltet ihr bei solchen Sachen also zum HB-Männchen werden: passt eure Erwartungen und die Fahrweise an und ihr werdet eine Menge Spaß haben. Lediglich die Sprungschanzen sind für mich ein Rätsel, hier passierten trotz korrektem Aufbau viele Abflüge aus der Bahn. Müsst ihr vielleicht mal selber beobachten.

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Die Strecke als solches

Die Bauteile sind flexibel und werden magnetisch miteinander verzahnt. Das geht flott von der Hand. Durch die Flexibilität und die Dünne des Ganzen kann man es nicht nur platzsparend lagern, man kann auch so für Erhebungen auf der Strecke als solches sorgen – ein Kissen, ein Buch oder die Duplosteine eurer Kiddies werden so zum Bauteil um die Fahrerei noch etwas zu verschärfen.

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Anki vertreibt einmal ein Starterkit, des Weiteren gibt es diverse Erweiterungen, durch die ihr längere und kompliziertere Strecken bauen könnt, eurer Kreativität sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

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Was schade ist: Die Supercars müssen grundsätzlich eine Runde fahren, um die Strecke zu scannen. Immer. Eine Möglichkeit, das Rennen direkt zu wiederholen fehlt bislang leider.

Die Fahrzeuge

Optisch recht futuristisch, haben die Supercars die bereits beschriebenen Merkmale, wie die Kamera mit den Sensoren zum Abtasten der Strecke. Gelegentlich sollte man die Reifen unter die Lupe nehmen und diese vielleicht auch mit dem Reinigungstool reinigen, damit der Halt bei flotter Fahrt gewährleistet ist. Hier sind übrigens die Vorderräder aus Kunststoff, während die Rückräder gummiert sind. Hier sitzt dann auch der Antrieb. Gefahren werden kann pro Akkuladung um 20 Minuten, danach braucht man circa sechs bis sieben Minuten, bis die Karren wieder aufgeladen sind.

Die App

Die App steht für Android und iOS zur Verfügung und bietet alle Facetten des Spiels. Ob gegen die Zeit oder im Kampf – ihr könnt gegen unterschiedlich agierende Computer-Gegner fahren oder ihr ladet Freunde, Kinder oder Verwandte zum flotten Match ein. Ein bisschen Übungssache ist natürlich dabei, das fehlende haptische Feedback irritiert anfangs doch. Ihr merkt also gar nicht, ob ihr langsam oder schnell fahrt, das Ganze geschieht über einen Softwareregler ohne Widerstand.

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Dafür hat man zumindest ein wenig Feeling für die Ohren, denn aus den Lautsprechern eures Smartphones oder Tablets werden die Fahrgeräusche, Waffenlärm und Kommentare der Gegner abgegeben – mit ordentlichen Lautsprechern kommt da futuristisches Rennstall-Feeling auf.

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Mit der Rennerfahrung steigen auch die Möglichkeiten, so kann man Powerups oder auch Geschwindigkeit hinzugewinnen. So gibt es beispielsweise Waffen wie den Traktorstrahl, die sich für mich als sehr nützlich in der Fahrt gegen meine Gegner erwiesen haben. Man fährt also nicht nur tumbe im Kreis, sondern muss auch etwas geschickter gegen die Gegner agieren, wenn Waffen im Spiel sind.

Gerade die Fahrt gegen den Computergegner ist ein schickes Merkmal der Bahn, denn ganz ehrlich: wer setzt sich alleine vor die Carrerabahn? Hier hat man wenigstens Gegner – wie bei einem richtigen Computerspiel. Dass ihr vom Tablet oder dem Smartphone abgelenkt seid, um die Kontrolle zu behalten, sollte nicht der Fall sein. Die Steuerung ist einfach, geht nach recht kurzer Zeit in Fleisch und Blut über – und auch die Waffen sind an Ort und Stelle, sodass der Blick auf der Bahn bleibt.

Abschließend:

Beachtet man meinen Punkt „Überzogene Vorfreude und Erwartungen“, dann macht Anki Overdrive jede Menge Spaß. Wenn Frau, Familie und Freunde fragen, ob sie beim Aufbau helfen oder mitspielen dürfen, dann weiss man: da hat man etwas stehen, was vielen Spaß macht und recht altersunabhängig ist. Anki hat es gut verstanden, das klassische Autorennen wiederzubeleben, dem heutzutage fast ausschließlich digitalen ein Zweitleben mit einer Analog-Symbiose einzuhauchen.

Kritikpunkte habe ich ja bereits erwähnt, die Sprungschanze ist für mich einer. Darüber hinaus schwebt über allem natürlich auch der Anschaffungspreis, der es in sich hat. So kostet das Starterset bei Amazon derzeit 180 Euro. Hier findet man dann eine erste Strecke und zwei Fahrzeuge vor – Erweiterungen lassen sich separat erwerben. So kostet das Collision Kit noch einmal 35 Euro, einzelne Fahrzeuge liegen bei 60 Euro. Man kann also eine ganze Stange Geld ausgeben, was so ein Spielzeug natürlich nur eingeschränkt empfehlenswert macht. Wer sich allerdings dazu entscheidet, seinen (größeren) Kindern diese Freude zu machen (oder sich selbst), der kann zum nahenden Weihnachtsfest etwaigen Schenkwilligen seinen Wunschzettel für einzelne Module in die Hand drücken – ich empfehle aber auf jeden Fall das erstmalige Ausprobieren mit dem Starter Kit.


 

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Über den Autor: caschy

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