Yale Linus Smart Lock – Smartes Schloss ausprobiert

Das Unternehmen Yale ist schon sehr lange im Markt der Schlösser etc. unterwegs. Auch ein smartes Türschloss hat man im Programm, das auf den Namen Yale Linus hört und Nuki, Tedee und Co. Konkurrenz machen soll. Ich hatte Gelegenheit, mir das Schloss etwas näher anzusehen, habe bisher auch schon Erfahrungen mit Tedee und Nuki machen dürfen.

Bevor ihr euch das Schloss von Yale zulegt, solltet ihr – genau wie bei Nuki auch – überprüfen, ob Linus mit eurer Tür kompatibel ist. Dazu hat man einen praktischen Checker entwickelt, den jeder kurz durchklicken kann, um herauszufinden, ob das Produkt passt oder nicht. Ist das der Fall und ihr habt euch das Gerät zugelegt, könnt ihr mit der Einrichtung beginnen.

Aber bevor ich dazu komme, lasst mich kurz etwas zur Verarbeitung sagen. Das Linus besteht komplett aus einem Gehäuse aus Metall und ist sehr wertig verarbeitet. Ein großes Rad kann von Innen zum Auf- und Zuschließen benutzt werden. Einen Knopf wie bei Nuki, der das Schloss auch von Innen aktiviert, gibt es hier nicht. Ringsherum um das Rad gibt es aber eine LED, die beim Zuschließen rot und beim Aufschließen grün leuchtet.

Das Batteriefach ist bei dem Yale-Schloss clever versteckt und muss nicht wie bei Nuki über einen kniffligen Hebelmechanismus aufgemacht werden. Ihr kommt ganz leicht an die Batterien heran, indem ihr die kleine, runde Metallplatte mit dem Yale-Logo oben drückt, dann kann die Platte abgenommen werden. Diese haftet magnetisch im Gehäuse. Zum Herausnehmen der Batterien bei einem Wechsel dient eine Lasche.

Kommen wir zur Einrichtung, die relativ schnell erklärt ist. Als vorbereitende Maßnahme solltet ihr euch die Yale-Access-App und einen Account bei Yale zulegen. Ist das der Fall, öffnet ihr die App, loggt euch ein und man wird euch durch die Installation führen. Zuerst klappt ihr die zwei kleinen Hebel nach außen, die euch die Halteplatte vom Schloss nehmen lassen.

Dort wird nun die mitgelieferte Klebefläche angebracht, die nun inklusive Platte auf das Schloss geklebt wird, und zwar so, dass das Schloss genau mittig durch das Loch schaut. Jetzt den Schlüssel ins Schloss stecken und senkrecht stellen, dann das Schloss so ausrichten, dass der Schlitz ebenfalls senkrecht ist. Anschließend das Schloss auf die Platte stecken, die kleinen Hebel wieder betätigen und fertig. Mitgeliefert wird auch ein Magnet, der als Türsensor dient. Diesen klebt ihr auf Höhe des Yale-Logos an den Türrahmen.

Nun erfolgt die Kalibrierung des Schlosses, bei dem euch die App sagt, dass ihr das Schloss komplett zu- und wieder aufschließen sollt und so weiter und so weiter. Ist relativ zügig erledigt und in Summe hat mich das Setup ca. 15 Minuten gekostet. So wie es inzwischen installiert ist, funktioniert es schon und kann beispielsweise in Alexa, den Google Assistant oder HomeKit eingebunden und dort oder per App genutzt werden. Wer mehr will, benötigt jedoch die Bridge, die das Schloss ins Internet bringt. Das KeyPad ermöglicht das Aufschließen per Zahlencode. Beides ist über die App ebenfalls zügig eingerichtet und ersetzt ab sofort meine Nuki Combo mit KeyPad.

Was ist mir in der Benutzung als Erstes aufgefallen? Der Türsensor, ist – wie schon erwähnt – hier leider auch kein echter Sensor, sondern nur ein Magnet. Das sorgt dafür, dass dieser wie beim Nuki-Schloss bedauerlicherweise nicht besonders zuverlässig ist. Nuki hat das mit der neuen Version erkannt und einen echten Sensor entworfen. Auch muss man mit Nuki 3.0 keine Bridge mehr nutzen, was die Wartung wesentlich einfacher macht und Kosten spart. Denn das Smart Lock 3.0 Pro kostet 249 Euro während allein das Schloss von Yale schon so teuer ist und für die Bridge noch einmal 80 Euro zu Buche schlagen. Das KeyPad kostet wie bei Nuki auch knapp 70 Euro.

Doch kommen wir zurück zum Yale Linus und meinen Erfahrungen damit. Denn Yale macht euch einiges besser als das Nuki-Schloss. Im Vergleich zu diesem ist das Linus wesentlich leiser beim Schließen. Wer das Gerät von Nuki kennt, der weiß, dass dieses sehr laut in Aktion ist. Das Linus ist ein Leisetreter und im Vergleich auf dem Niveau des Tedee-Schlosses.

Auch in puncto Reaktionsfreudigkeit ist Yale eine Nasenlänge vorne. Es reagiert sehr flott, egal ob ihr über die App oder das KeyPad öffnet. Die Schaltung über HomeKit bestätigt das Verhalten. Funktionen wie Auto-Lock und -Unlock bieten euch die Möglichkeit, die Tür automatisch aufzuschließen, solltet ihr euch dem Schloss nähern. Dasselbe gilt für das Abschließen, wenn ihr das Haus verlasst. Yale nutzt dafür einen Geo-Fence, der über eure Adresse gelegt wird. Ehrliche Meinung dazu? Das Einzige, was ich davon wirklich nutze, ist Auto-Lock. Ich bin einfach skeptisch, wenn es um das automatische Aufschließen der Tür geht. Wenn da doch einmal was schiefläuft, ist die Tür offen und ich wollte gar nicht ins Haus.

Yale benutzt bei der App auch eine Verschlüsselung über Bluetooth Low Energy, sodass sich niemand in euren BT-Stream reinhängen kann, um etwaige Codes abzufangen. Das Yale-Access-Konto ist über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung abgesichert. Beides sind Standards, die man von Sicherheitssystem erwarten kann. Nützlich ist der Aktivitäten-Feed innerhalb der App, der euch anzeigt, wann jemand ins Haus oder die Wohnung gekommen ist.

Ihr könnt außerdem Smart Alerts einstellen, die euch benachrichtigen, wenn etwas mit oder an eurer Haustür passiert. In meinem Test funktionierten alle diese Features zuverlässig. Die App ist bug-frei, könnte aber vom Design und Aufbau her, etwas zugänglicher sein. Zudem gibt es keine Optionen, um einzustellen, wann die Falle eingezogen wird und wann nicht. Die Tür schließt immer komplett auf, vor allem dann, wenn man über HomeKit aufschließt. Habt ihr also eine Routine, in der die Tür früh automatisch aufgeschlossen wird, wird diese immer komplett entriegelt, steht also offen.  Ich hoffe, da bessert man noch nach.

Lasst uns noch einen Blick auf das KeyPad werfen, das mir im Vergleich zum Nuki-Pendant besser gefällt. Das Nuki-KeyPad hat beispielsweise keine echten, spürbaren Tasten. Das ist hier anders. Die Tasten sind ordentlich spürbar und lassen sich gut drücken. Eine LED-Anzeige, wie viele Zahlen bereits eingegeben wurden, gibt es hier nicht. Hat Vor- und Nachteile.

So sieht niemand, dass der Zahlencode sechsstellig ist, ihr könnt aber bei einer falschen Zahl nicht wieder zurück und müsst den falschen Code mit der Yale-Taste bestätigen, um neu anzufangen. Dann blinkt die Hintergrundbeleuchtung, die hier rot ist, und lässt erneute Eingaben zu. Wie bereits erwähnt, reagiert das Schloss sehr schnell auf die Eingabe am KeyPad, da hat Nuki noch ordentlich nachzubessern.

Alles in allem gefällt mir das Yale-Schloss ziemlich gut und die Integration in mein Bosch Smart Home ist ein zusätzlicher Bonus, aber nicht unbedingt vonnöten. Wer sich aktuell nach einem smarten Schloss umsieht, hat die Qual der Wahl, denn alle können mittlerweile viel und unterscheiden sich nur in Nuancen. Vorteil für Nuki ist beispielsweise auch, dass man neben dem günstigeren Preis auch Fobs bietet, die man den Kindern geben kann, anstatt eines Schlüssels. Diese können bei Verlust fix deaktiviert werden und man muss das Schloss nicht austauschen. Gibt es von Yale leider nicht.

Ein weiterer Ökosystem-Vorteil von Nuki ist der Opener, der Eingriffe in die Schließanlage eines Wohnhauses mit mehreren Wohnungen macht. Dennoch: Allein der Geräuschpegel macht das Yale Linus für mich zu einem potenten Kandidaten und das Schloss wird nun seine Dienste an meiner Wohnungstür verrichten.

In diesem Artikel sind Partner-Links enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

5 Kommentare

  1. Schöne Review. Fand das Schloss auch sehr interessant aber konnte dann günstig ein Nuki erwerben. Da bin ich auch nicht so 100% zufrieden.

    Aktuell warte ich auf eine neue Generation SmartLocks mit Unterstützung für Apple Home key. Falls ihr da mal was von Yale oder anderen Anbietern hört, hoffe ich auf einen weiteren Beitrag.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag, da er vor einiger Zeit gewünscht wurde.

  3. Was interessant beim Test wäre: mit welcher Kraft lab Yale das Schloss öffnen? Ist der Motor kräftiger als Nuki?
    Hintergrund ist, ich versuche eine Balkontür (typischer Fenstergriff, darunter ist ein Vierkant-Kolben. Es gibt eben Adapter für Nuki – jedoch reicht die Kraft bei Nuki nicht aus)

    • Oje. Die automatische Texterkennung hat echt Mist gebaut. Sorry.

      • Oliver Posselt says:

        Ohne eine wissenschaftliche Messung gemacht zu haben, würde ich behaupten, dass der Teedee-Motor kräftiger ist, als der von Yale und Nuki. Die beiden letztgenannten liegen mMn auf einem Niveau.

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.