Windows 10: US-Sammelklage wegen Datenverlusten gestartet

In den USA haben sich drei Menschen zusammengetan und konkret in Illinois eine Sammelklage gegen Microsoft gestartet. Anlass ihres Ärgers sind Datenverluste, welche durch den Umstieg von Windows 7 zu Windows 10 verursacht worden seien. So werfen die Betroffenen bzw. ihre Rechtsanwälte Microsoft vor, unzureichend über die Risiken des Upgrades informiert  bzw. mit Windows 10 gar ein defektes Produkt verbreitet zu haben.

Die Anwälte erklären: „Microsoft hat versäumt die angemessene Sorgfalt in das Design und die Herstellung des Windows-10-Updates fließen zu lassen, bevor es kommerziell verbreitet wurde.“ Man ergänzt: „Als Ergebnis dieses Versäumnisses hat das Unternehmen ein Betriebssystem verteilt, welches anfällig für Datenverluste und Beschädigungen der Hardware ist.“ Da eine Sammelklage angestrebt wird, will man potentiell alle Personen in den Prozess einbeziehen, die von Windows 7 zu Windows 10 gewechselt sind und anschließend innerhalb von 30 Tagen Probleme mit Soft- und / oder Hardware hatten.

Einer der wichtigsten Kritikpunkte der Kläger ist, dass die Anwender zu wenig Kontrolle über das Update gehabt hätten, welches teilweise ohne manuelle Usereingaben mit der Installation begonnen hätte. Erst kürzlich hat Microsoft seine Verfahrensweise rund um Update-Installationen übrigens geändert, um den Anwendern mehr Flexibilität zu geben – hatte ich bereits drüber gebloggt.

Die Klägerin Stephanie Watson wirft Microsoft spezifisch vor, durch das Update auf Windows 10 wichtige Daten ihrer Arbeit verloren zu haben. Das Update auf Windows 10 habe sich ohne ihre manuelle Bestätigung installiert. Anschließend habe sie festgestellt, dass viele Daten gelöscht worden sein, die sie für ihre Arbeit benötige. Zwar konnte sie mithilfe einer Firma einige Daten wiederherstellen, jedoch nicht alle.

Wiederum ist der Vorwurf des zweiten Klägers, Robert Saiger, dass er dem Update zwar zugestimmt habe, sein PC danach aber den Dienst versagt habe. Auch ihm seien Daten verloren gegangen. Der Dritte im Bunde, Howard Goldberg, entschied sich nach sechs Monaten permanenter Hinweise auf das Update Windows 10 zu installieren. Doch mehrere Download-Versuche scheiterten und sein PC versagte laut seinen Aussagen dann ebenfalls den Dienst bzw. Daten wurden gelöscht.

Microsoft hat sich bereits zur Klage geäußert: „Kunden hatten die Option das Update auf Windows 10 zu verweigern. Kunden, die Hilfe beim Umstiegsprozess benötigten, hatten mehrere, kostenlose Möglichkeiten sich Unterstützung über den Kundendienst zu sichern. Zudem war es 31 Tage möglich zum alten Betriebssystem zurückzukehren. Wir sind der Meinung die Vorwürfe der Kläger sind bar jeglicher Grundlage.“

Was haltet ihr davon? Für mich klingt das auch etwas merkwürdig, denn auch mich gängelte Microsoft damals am Desktop-PC mit dem Update auf Windows 10 – was ich lange ignorierte. Probleme gab es nur in der Form, dass im Hintergrund ohne meine Zustimmung die Dateien für den Umstieg heruntergeladen wurden, was ich als nervig empfand. Irgendwann wechselte ich bei einer notwendigen Neuinstallation dann ganz frisch zu Windows 10 – ohne Probleme. Dass das Drüberinstallieren immer Glücksspiel ist, weiß wiederum jeder, der sich mit Windows auskennt. Ich persönlich sehe das Problem hier also tatsächlich auch eher bei den Nutzern, die ihre Daten offenbar nicht ausreichend sicherten bzw. sich nicht wirklich mit dem Wechselprozess von Windows 7 zu Windows 10 beschäftigt hatten.

Keine Frage: Sauber lief der ganze Umstiegsprozess rund um Windows 10 auch meiner Ansicht nicht ab – siehe eben der automatische Download der Dateien im Hintergrund, ohne dass man zugestimmt hatte. Da kann man Microsoft berechtigt an vielen Stellen kritisieren. Die Vorwürfe der Kläger klingen für mich allerdings auch lückenhaft. Man darf gespannt sein, wie es nun rechtlich weitergeht. Es gab bereits in der Vergangenheit einen ähnlichen Streifall – Microsoft zahle 10.000 US-Dollar an die Klägerin. So schlecht stehen die Chancen der aktuellen Sammelklage deswegen wohl auch nicht.

(via The Register)

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

6 Kommentare

  1. Ich bezweifle nicht, daß unter den Drölfzillionen PCs auf dieser Welt auch ein paar sind, die beim Upgrade Probleme machten. Ich kann dies aber selbst nicht nachvollziehen. Da lief alles rund.

  2. Wobei MS auch lustig ist. Bekommt man die Daten wieder wenn man ein Rollback macht? wohl kaum.

    Sehe aber das Problem auch so. Wer kein Backup machte ist selber schuld. Es wird nie Perfektion geben.

  3. Ich weiß nicht mehr wie der Prozess ablief beim Update, sollte Microsoft nicht ausreichend auf Datenverlust/Datensicherung hingewiesen haben sind Klagen mMn berechtigt.
    Ich denke da an meine Eltern die das Glück haben das ich so etwas für Sie tue aber viele ältere Bekannte meiner Eltern haben das eben nicht und die haben es bei so manchen Updates schwer. Ein schönes Beispiel für schwer finde ich auch Adobe Gedöns.

  4. Nach der nervigen Aktion mit dem GWX-Kit, das perment ungefragt im Hintergrund Dateien geladen hat, meine Platte zugemüllt hat (ich erzeuge alle zwei Tage ein Image der Platte und da ist ein Windowssetup das überflüssigste, was ich benötige), ist das in meinen Augen mehr als verdient.

    Mein Notebook hat das Update auf Windows 10 zwar überstanden, allerdings war kein WLAN mehr möglich. Ein Downgrade, das angeboten wurde, hat die Platte in einem desolaten Zustand hinterlassen. Windows hat nicht erkannt, dass eine Festplattenverschlüsselung lief und hat daher alles zerschossen. Ich hatte ja ein Image davon, daher kein Datenverlust.

    Aber verärgert war ich schon und bin es heute noch. Habe bislang keinen Grund gefunden, warum ich auf Windows 10 wechseln soll. Alle Rechner bei uns daheim laufen mit Windows 7 und wenn es dafür keine Patche mehr gibt, werde ich mich DANN umsehen.

    Tendeziell zu 80 % auf Mac OS X, passt besser zu meinen iDevices.

    Habe mit DOS 1.x angefangen und fast alles (außer ME) mitgemacht. Aber Win 10 mit seiner für mich undurchdachten Oberfläche (Mischung aus Kacheln, Win 7 und was sonst noch alles), ne Danke. Schon genug, dass mein Arbeitgeber mich irgendwann dazu zwingen wird. Da will ich privat Ruhe haben. Sind noch ein paar Programme, für die ich keine Mac OS-Version habe, aber ggfls. fliegen ein paar raus.

    Fazit – Dass Anwender Daten/Zeit (auch wertvoll) verloren haben durch Windows 10 kann ich absolut nachvollziehen und so wie Microsoft alle versucht hat zu Windows 10 zu zwingen, da ist -vorallem aus amerikanischer Nutzersicht- eine Sammelklage angebracht.

  5. Habe mehrere Rechner von 7 und 8 upgedatet und alle Daten behalten. Eine abrauchende Festplatte ist gefährlicher. Es gelten auch immer noch die drei Grundregeln der IT : 1. Sichern, 2. Sichern und 3. Sichern!

  6. Zu dem Upgrade kann ich wenig sagen, ich ziehe eine saubere Neuinstallation (clean install) auf jeden Fall vor.
    Nur von Win 10 war ich nach mehreren Versuchen nicht überzeugt und bin jetzt endültig zurück zu Win7 (danach werde ich wohl endgültig auf Linux umsteigen. zurzeit arbeite ich mit ZorinOS wieder etwas in die Linux-Welt ein).

    Datensicherung/BackUp’s ist leider immer noch keine Selbstverständlichkeit (Komisch, sonst schliessen die Leute für jeden Mist eine Versicherung ab, sei sie auch noch so unsinnig). Ich finde etwas Eigenverantwortung kann man dem PC-Benutzer schon zumuten.

    Allerdings ist diese Klage ja in Ami-Land erhoben worden. Das Land wo MacDonalds Schmerzensgeld bezahlen mußte, weil so ne Tritsche zu blöd war ihren Kaffebecher richtig festzuhalten/Tablet zu stellen und sich verbrannt hat. Oder Warnhinweise auf Mikrowellen sind weil jemand seinen nassen Hund darin trocknen wollte….

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