Wi-Fi: Das sind die Unterschiede zwischen den Versionen

Wi-Fi: Fast täglich erwähne ich es in irgendeinem Artikel – täglich nutzen wir drahtlose Netzwerke. In Deutschland verwendet man dabei des Öfteren auch den Begriff WLAN synonym, obwohl beide Bezeichnungen streng genommen unterschiedliche Dinge meinen. Dann gibt es auch noch unterschiedliche Wi-Fi-Versionen. In diesem Artikel liefere ich euch einmal einen Überblick für den schnellen Blick – analog zu meinem vor einiger Zeit veröffentlichten USB-Beitrag.

Zunächst: Wi-Fi ist ein Markenbegriff, den man sich bei der Wi-Fi Alliance bzw. den dahinter stehenden Unternehmen ausgedacht hat, weil das so schön an Hi-Fi erinnert (kein Witz). Streng genommen bezeichnet Wi-Fi dabei aber gar nicht ein Funknetzwerk, sondern die Zertifizierung bzw. die Standards der Wi-Fi Alliance. Im Alltag mischt man das meistens dennoch durch – selbst in Tech Blogs. Daran stört sich auch selten jemand, da in diesem speziellen Fall einfach Marketing-Slang, technischer Standard und Umgangssprache schwer trennbar sind.

Der Unterschied zu WLAN? WLAN steht für Wireless Local Area Network und bezeichnet ein lokales Funknetz. Letzteres baut aber in aller Regel auf dem Wi-Fi-Standard auf, so dass genau so oft durchaus passenderweise von Wi-Fi-Netzwerken die Rede ist. Hier im Blog schreiben wir im Übrigen etwa bei Smartphones immer dazu, welche Wi-Fi-Version genutzt wird. Bei aktuellen Modellen ist das in aller Regel Wi-Fi 802.11 ac. Es besteht aber Abwärtskompatibilität: Wenn also ein Anwender einen veralteten Router nutzt, welcher nur Wi-Fi 802.11 b/g/n bietet, dann kann das brandneue Smartphone natürlich dennoch auf das drahtlose Netzwerk zugreifen – aber logischerweise nicht mit der höheren Geschwindigkeit von Wi-Fi 802.11 ac.

Bezeichnung IEEE Standard Maximale Linkrate
Wi-Fi 6 802.11 ax 600–9.608 MBit/s
Wi-Fi 5 802.11 ac 433–6.933 MBit/s
Wi-Fi 4 802.11 n 72–600 MBit/s
Wi-Fi 3 802.11 g 54 MBit/s
Wi-Fi 2 802.11 b 11 MBit/s
Wi-Fi 1 802.11 2 MBit/s

In der obigen Tabelle seht ihr dann auch, wie die Geschwindigkeiten variieren. Zu beachten ist, dass das natürlich Angaben sind, welche sich auf das Maximum beziehen. Was ihr im Alltag erreicht, das hängt sowohl von eurer Wohnumgebung als auch den Geräten ab, die ihr verwendet. Je nach Smartphone, PC, Fernseher oder war auch immer erreicht ihr andere Geschwindigkeiten. Auch vom Router und der Stabilität der Verbindung sowie der Entfernung zwischen Empfangsgerät und Router hängt einiges ab. Merkt man etwa in meiner Wohnung sehr schön: Latsche ich in mein Badezimmer, das mal nachträglich angebaut wurde und deswegen in den Wänden viel Stahl enthält, so ist die Wi-Fi-Verbindung dort schlechter, als unten vor meiner Haustür (ich wohne im dritten Stock).

Es gibt übrigens auch noch neben den oben in der Tabelle erwähnten Varianten Sonderfälle: Wi-Fi 802.11 h habe ich nicht aufgeführt, da ihr damit vermutlich im Alltag nicht in Berührung kommen werdet. Es handelt sich dabei um eine Erweiterung des Standards 802.11 a, die Transmission Power Control (TPC) und Dynamic Frequency Selection (DFS) ergänzt. Im Wesentlichen geht es dabei darum, dass Radaranlagen, Satelliten- und Ortungsdienste nicht gestört werden. Ist aber nur für den Betrieb mit sehr großen Sendeleistungen außerhalb von Gebäuden wichtig.

Falls ihr euch zudem nun am Kopf kratzt: Da war doch mal was mit Wi-Fi 802.11 ad? Warum taucht das oben nicht auf? Nun, Wi-Fi  802.11 ad ist nicht abwärtskompatibel und nutzt den 60-GHz-Bereich. Dieser Standard ist eher für die Industrie interessant als für Privatkunden und besetzt eine spezielle Nische. So erreicht man nur sehr geringe Reichweiten von wenigen Metern bei Sichtverbindung – im Grunde muss alles im selben Zimmer stattfinden. Dafür erreicht man aber sehr hohe Übertragungsraten von mehr als 6,75 Gbps auf jedem der vier Kanäle. Aktuell gibt es aber kaum erhältliche Produkte die Wi-Fi 802.11 ad verwenden, weil sich der Standard in erster Linie für direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen eignet – etwa um Videos von einem Smartphone direkt auf einen PC zu übertragen.

Name veröffentlicht Frequenz Modulations-/
Multiplex­verfahren
Reichweite in Metern
802.11 1997 2,4 GHz FHSS-GFSK, DSSS-DBPSK/DQPSK 20 (drinnen) / 100 (draußen)
802.11 a 1999 5 GHz OFDM-BPSK/QPSK/QAM 35 (drinnen) / 120 (draußen)
802.11 b 1999 2,4 GHZ DSSS-CCK 38 (drinnen) /( 140 (draußen)
802.11 g 2003 2,4 GHz OFDM-BPSK/QPSK/QAM 38 (drinnen) / 140 (draußen)
802.11 y 2008 3,6 GHz wie 802.11 a 50 (drinnen) / 5.000 (draußen)
802.11 n 2009 2,5 / 5 GHz MIMO-OFDM-BPSK/QPSK/QAM 70 (drinnen) / 250 (draußen)
802.11 ac 2013 5 GHZ wie 802.11 n 50 (drinnen) / 200 /draußen)
802.11 ad 2014 60 GHz QAM64 im selben Raum
802.11 ax 2019 (voraussichtlich) 2,4 / 5 GHz 1024QAM noch keine Angaben

Stattdessen wird nach aktuellem Stand der Dinge das in der obigen Tabelle aufgeführte Wi-Fi 802.11 ax wohl in Zukunft den Ton angeben. Wi-Fi 802.11 ax ist gleichermaßen der Nachfolger von 802.11 n bei 2,4 GHz wie von 802.11 ac bei 5 GHz. In erster Linie soll der neue Standard dabei in der Praxis den oft vorhandenen Unterschied zwischen der rein rechnerisch vorhandenen Datenübertragungsrate und der tatsächlichen Geschwindigkeit reduzieren. Man möchte also die Effizienz verbessern – speziell bei einer hohen Teilnehmerdichte.

Der Standard ist aber noch nicht final, man rechnet für Ende 2019 mit der Verabschiedung. Es steht auch im Raun, dass die Abwärtskompatibilität zu IEEE 802.11 und IEEE 802.11b rausfliegt. Im 2,4-GHz-Bereich will man sich wiederum voraussichtlich auf  die Kanäle 1, 6 bzw. 11 beschränken, damit Störsignale und Überlappungen bei den Kanälen reduziert werden. Zudem ist noch „Spatial Reuse“ dabei fast schon ein Buzzword. Damit ist gemeint, dass benachbarte Stationen parallel auf dem selben Kanal senden können, ohne sich gegenseitig zu stören. Wie ihr vielleicht etwas herauslest: Wi-Fi 802.11 ax wird auch bzw. vor allem für öffentliche Netzwerke Vorteile mit sich bringen.

Weil es oft Kritik an der Namensgebung gab, nummeriert die Wi-Fi-Allianz nun übrigens durch – siehe die erste Tabelle. Wi-Fi 802.11 ax wird man demnach als Wi-Fi 6 vermarkten. Einige Geräte wären übrigens in der Theorie schon bereit für den neuen Standard: Qualcomms High-End-SoC, der Snapdragon 855, ist beispielsweise schon für Wi-Fi 802.11 ax gerüstet. Bis ihr in der Praxis aber mehr von dem neuen Standard mitbekommt und die Hersteller die Werbetrommel rühren, wird noch etwas Zeit ins Land gehen: Wie bereits erwähnt, steht die Finalisierung erst für Ende 2019 an.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Im englischsprachigen Bereich ist WLAN einfach umständlich auszusprechen, deshalb nutzt man dort in der Regel den WiFi Begriff.

    Zum Thema Datenrate, die meisten Personen werden diese wohl nie ausnutzen, da der Internetanschluss die Leistung nicht her gibt.

    Nur wer für große Daten einen Netzwerkspeicher und einen Laptop verwendet ist im Vorteil.

    • Heisenberg says:

      Wichtiger ist mir nur mu-mimo, hier im 4 Personen Haushalt, mit fast 20 Always on Geräten ist das schon erheblich geschmeidiger, seit wir die 7490 gegen die 7590 ausgewechselt haben, mit den richtigen Einstellungen reicht dann sogar 50mbit (haben aber keine 4K TVs)!

      • Da hast du recht. Das läuft so geschmeidig, dass wir bewusst auf VDSL 100 bzw inzwischen Super Vectoring verzichten und mit dem gesparten Geld lieber 1x im Jahr zusätzlich zusammen in die Pizzeria gehen. VDSL 50 reicht uns problemlos.

        Viele Leute haben dickere Internetanschlüsse als sie wirklich brauchen (!) und bremsen sich hinterher selbst mit möglichst billigen und veralteten Routern. Das ist mir noch nie in die Birne gegangen, ist aber sehr verbreitet. Jeden Monat teures Geld für überflüssige Bandbreite zahlen, aber für einen guten Router kein Cent übrig. Am besten noch so eine Easy Irgendwas Box gratis vom Provider, die nur 2.4 GHz WLAN beherrscht und als „fortgeschrittener Nutzer“ stellt derjenige dann manuell auf Kanal 2 um, „der war ja noch frei, das Auto-Kanal braucht kein Mensch“ (lachend-weinendes Emoji)

        Mein Nachbar zahlt ordentlich für seinen 1.000 Megabit Anschluss an seinen Kabelprovider, hat aber nur den kostenlosen Basis-Router dran, da könnt ich kreischen vor lachen!

        • Nur mal so am Rande: „Autokanal“ ist bei meinem Router die schlechteste Wahl ever. Er scannt nur nach dem Anschalten nach dem besten Kanal, dann bleibt er dort bis zum Verrecken. Da ich meinen Router nicht ständig an und ausschalte (ich weiß ja nicht, wie Du das so handhabst), wird der Kanal von mir vorgegeben. Da die Zahl der Funknetze in meinem Umfeld überschaubar ist, ist das die optimale Lösung (für mich).

    • Na ja, eigentlich redet man überall von Wi-Fi – nur im deutschsprachigen Raumn hat sich WLAN eingebürgert. Wie beim UMTS oder LTE wo auch alle von 3G und 4G reden. Bei 5G scheinen wir ja endlich unseren Sonderweg aufzugeben.

    • Also das würde ich nicht sagen war letzt bei einem Kunden der hatte 500Mbit und sein Laptop stand einen Raum weiter über das W-Lan kam max. 20Mbit. Habe auch schon viele Router und AP´s getestet bei allen kommt nach 3m nur noch die hälfte an. Teilweise sogar noch weniger. Wenn dann noch eine Wand dazwischen ist können Leute schon mit 50Mbit nicht mehr die volle Geschwindigkeit nutzen. Zumal meist nicht nur einer das W-Lan nutzt. Ich nutzte Privat kein W-Lan entweder Kabel für die PC´s und Laptops und am Handy nur noch LTE. W-Lan ist stark von der Umgebung abhängig. Lustig finde ich immer Leute die im ganzen haus eine Wasser Fußbodenheizung haben und sich wundern das da kein W-Lan 2,4Ghz durch geht.

  2. was hier und woanders auch immer gerne vergessen wird, dass ist neben MiMo (wie oben erwähnt) die anzahl der Antennen. Denn was nützt dir MiMo und sonstige goile Marketing Bla Bla wenn du nur 2 Antennen im Router hast.
    Standard ist leider eher 4 Antennen besser sind 6 Antennen. Aber das will ja keiner bezahlen. Aber sich dann aufregen, wenn das Bild auf dem iPad ruckelt, nicht schnell genug geladen wird oder sonst irgendwas wieder mit dem Internet ist.
    Und dann wird mal schnell ne neue fette Leitung bestellt, wie auch oben geschrieben in der Hoffnung damit alle Probleme gelöst werden (lol)….

    Seit 2013 glücklich mit super WehLan dank Apple Airport Extrem Time Capsule mit 6 Antennen. (meines wissen bietet nur noch Linksys WRT und Velop 6 Antennen)

  3. WLAN wird auch gerne als Synonym für Internet verwendet. Durchaus hin und wieder ein Grund, am Geisteszustand der Familienmitglieder zu zweifeln, wenn man als Familienadmin mal wieder zum Telefonsupport genötigt wird.

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