Verbraucherzentrale: Entschädigung sollte es bei Zugverspätung ab 30 Minuten geben

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt fordert Chefin der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) neue Regularien für die Entschädigung bei Zugverspätung. Ich kann da beim letztwöchigen Trip zum Matter-Event nach Amsterdam ein Lied von singen. Derzeit erstattet man bei einer Verspätung ab 60 Minuten ein Viertel des Ticketkaufpreises, bei 120 Minuten sind es der halbe Preis. Insbesondere wenn man beim Ticketkauf auf einen guten Preis geachtet hat, sind das dann doch eher Peanuts.

Während Bahnverspätungen zur Normalität gehören, könnten überarbeitete Fahrgastrechte ein Anreiz für die Bahn zu mehr Pünktlichkeit sein. Man unterbreitet daher den Vorschlag, dass die Bahn bereits ab 30 Minuten eine Entschädigung bezahlt. Verbraucherfreundlich wäre zudem eine automatisierte Erstattung für Online-Tickets. Die derzeitige Verordnung basiert auf einer EU-Verordnung, welche ab 2023 gilt. Es gäbe aber die Möglichkeit, in einigen Punkten national nachzuschärfen.

Die Verbraucherschützer schlagen zudem ein Minimum eines Zehn-Euro-Gutscheins vor. Entsprechend würde dies dann bei 30-minütiger-Verspätung ungeachtet des Ticketpreises einen stärkeren Anreiz für mehr Pünktlichkeit bieten.

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23 Kommentare

  1. Wäre auch was für den Nahverkehr.
    Wenn man einen Termin hat und auf die Öffis angewiesen ist muss man wirklich großzügig die Anreise planen.
    Zugausfälle und Schienenersatzverkehr sind an der Tagesordnung.

  2. Unsere Nachbarn in Frankreich machen das schon lange (und online über ein Web-Formular) – und sogar bis zu 75%:
    https://www.sncf.com/de/kundendienst/verspaetung/tgv-intercites
    – zwischen 30 Min. und 2 h Verspätung: 25% des Fahrpreises
    – zwischen 2 h und 3 h Verspätung: 50% des Fahrpreises
    – über 3 h Verspätung: 75% des Fahrpreises
    Ich hab das auch schon mal (erfolgreich) gemacht – ging wirklich problemlos.
    Da könnte sich unsere DB mal ein Beispiel dran nehmen…

    • Im Fernverkehr zumindest geht es bei der Bahn auch direkt über die DBNavigator App. Letzte Erstattung hat bei mir 5 Tage gedauert, aber leider nicht bis zu 75%.

    • Ist meiner Meinung nach jetzt nicht der riesen Unterschied zur Bahn. Antrag geht online und per App und für alles zwischen 1h und 3h ist es identisch

      • Mit einem kleinen Unterschied: alle meine Fahrten mit dem TGV in Frankreich waren seinerzeit pünktlich, bis auf eine, die war doch sage und schreibe 10 Minuten … zu früh (!) da, wofür sich dann in ungenuscheltem Französisch bei den Fahrgästen entschuldigt wurde (!) die jetzt ggf. 10 Minuten auf diejenigen warten müssten, von denen sie abgeholt würden.

        Außerdem kann man in FR die Fahrscheine auch nach Fahrtbeginn direkt am Bahnsteig retournieren und bekam eine ordentliche Erstattung (wenn man mal den Zug verpasst haben sollte). Bei der DB gibt es da bei den Sparpreisen genau nix.

        Weiterhin gibt es im TGV keine Stehplätze, per Definition. Wenn er voll ist, dann ist er voll, keinem wird zugemutet 5h vor der Zugtoilette rumzulungern (für den vollen Preis …).

        Also mindestens im Fernverkehr kann sich die DB wirklich etliche Scheiben von der SNCF abschneiden…

        • Das mit kein Stehplatz findet man auch nur solange toll bis man an überlaufenen Tagen kein Ticket mehr bekommt und dadurch nicht von A nach B kommt. Dazu geht die komplette Flexibilität flöten und wenn die Vorlesung/Meeting länger oder kürzer dauert kann man nicht mal eben den Zug davor nutzen um früher zuhause zu sein.

        • Sparpreise kann man bis zu einen Tag vor der Fahrt stornieren und bekommt einen Gutschein abzüglich 10 Euro Gebühr, nur Super Sparpreise kann man nicht stornieren. Und gerade dieses offene System bei der DB kann auch ein Vorteil sein, wer eine BC100 ein Abo oder eben nur den nächsten Zug nehmen möchte steigt einfach ein und braucht keinen Reservierung.

  3. Man sollte auch Autofahrer bei Staus entschädigen dann könnte man mehr Straßen bauen…

  4. Ich lese hier mehrfach, dass diese Maßnahme ein Anreiz für die Bahn für mehr Pünktlichkeit sein soll und halte das für populistisch. Ja, es ist total hip, auch die Bahn zu schimpfen. Und ironischerweise musste ich mir erst letzte Woche wieder so einen dummen Spruch im ICE anhören: „ach, wir fahren pünktlich ab, da kann man ja ein Kreuz im Kalender machen“.

    Fakt ist, dass bei meinen letzten drei Verspätungen im Fernverkehr die Gründe waren: Engstelle und damit warten auf entgegenkommenden Zug (Verspätung wurde im Laufe der Fahrt wieder hereingeholt), Personen im Gleis und zu viele Menschen, die sich trotz Sicherheitsmängel in den Zug gequetscht haben. Letzteres verursachte eine Verspätung von einer Stunde, weil keiner bereit war, den Zug wieder zu verlassen.

    Weitere Top-Gründe sind Extrem-Wetterbedingungen, Waldbrände oder Streiks. Und für Verspätungen aus solchen Gründen soll die Bahn dann quasi „Strafe“ zahlen? Was soll das bringen? Dass die Bahnmitarbeiter stärker motiviert sind, Menschen an Bahnhöfen von Selbstmord oder von Streiks abzuhalten?

    Echt jetzt, mir geht das sinnlose Gebashe der Bahn auf die Nerven.

    Und bevor jetzt wieder jemand nach Japan zeigt, die dortigen Gesellschaften profitieren noch heute von Strukturen, die sich der Staat 230 Milliarden Dollar hat kosten lassen. Was die damalige Betreibergesellschaft in den Ruin getrieben hat. Zudem haben wir hinsichtlich Liegenschaften, Nutzung der Bahnhöfe, gesellschaftlichen Dispositionen und Unternehmen wie Yamato völlig andere Voraussetzungen, die einen Vergleich unmöglich machen.

    • Mir geht Faktenignoranz aufn kecks… so hat jeder so seine Probleme.

    • Na dann zeigen wir auf die Schweizer, die Franzosen, die Italiener, die Österreicher, die Finnen … die es alle unter vergleichbaren Witterungsbedingungen hinbekommen. Man könnte es ja mal versuchen, einfach mehr Zeit pro Strecke einzuplanen, dann wäre einfach mehr Luft im System. Pünktlichkeit zählt für viele mehr als die letzten 15 Minuten Zeitersparnis. Klar ist, dass die Bahn lange kaputtgespart wurde und jetzt die Strecken aus dem vorletzten Loch pfeifen. Ja die Schweizer geben eben ca. 8 Mal so viel / Bürger aus für ihren Schienenverkehr und das merkt man dann auch. Und bis das deutsche Schienennetz saniert ist (an separate Schnellstrecken möchte ich bei der deutschen Unfähigkeit zu fast jedweden Großprojekten gar nicht träumen), wird nur ein „kreativer“ Fahrplan für mehr Pünktlichkeit sorgen können.

      • Danke benQ, Du hast wenigstens Fakten genannt. Allerdings finde ich es schon irre, wenn man die Bahn erst kaputt spart und das defizitäre Geschäft nun auch noch mit Strafen weiter unter Druck setzt. Das andauernde Gemecker geht mir ja nicht auf die Nerven, weil es keine Probleme gibt. Die gehen allerdings durch das Gemecker auch nicht weg.

      • Das mit „mehr Zeit pro Strecke“ haben sie ja kürzlich zumindest fürs Umsteigen eingeführt: Da wird jetzt ein größerer Zeitpuffer bei der Fahrplanerstellung berücksichtigt: „Ab sofort werden im DB Navigator oder auf bahn.de großzügigere Umsteigezeiten angegeben, damit Anschlusszüge zuverlässiger erreicht werden können.“ Netterweise darf man dann aber (auch mit Sparpreis) trotzdem einen früheren Anschlusszug nehmen, wenn man den Spurt dorthin rechtzeitig geschafft hat:
        https://www.bahn.de/service/ueber-uns/inside-bahn/tipps-tricks/zugbindung-sparpreis

        • Und wie sieht das dann in er Praxis aus ? Ich kann doch jetzt wenn ich zb eine Umsteigezeit von 20min habe nicht einfach den Zug nehmen der 10min früher fährt ? Ich buche zb öfter einen Sparpreis mit einem günstigeren IC statt eines ICE der vielleicht kurz vorher abfährt.

          • Du darfst natürlich nur innerhalb der gleichen Zugklasse (oder darunter, aber das lohnt sich idR. nicht) früher fahren. Ein Upgrade vom IC auf den ICE ist selbstverständlich nicht beinhaltet.

            • Beim Sparpreis gibt keine Zugklassen, bei einer Verspätung darf man ja auch einen ICE nehmen selbst wenn man einen eigentlich einen Nahverkehrszug über eine komplett andere Strecke gebucht hat.

  5. In Dänemark gilt ab 30 Minuten 25%, ab 1h 50%, 1,5h 75% und ab 2h gibt es 100% zurück.

  6. Ob eine höhere Erstattung die Bahn dazu bewegen könnte, pünktlicher zu sein? Geht das nicht nur, wenn es Wettbewerb gäbe oder die Bahn etwas zu verlieren hätte?

    Es wäre damit einfach eine höhere Entschädigung für den Einzelnen, den das System über höhere Preise wieder bezahlt.

    Seit Einführung der Fahrgastrechte 2009 ist die Bahn um wie viel pünktlicher geworden?

  7. Witzig das scheinbar gedacht wird das die Bahn aus Langeweile oder fehlenden Anreizen zu spät kommt…

    • Die Gründe sind zweitrangig wenn einfach mehr als 75% der Züge verspätet sind oder ausfallen oder oder oder…und das mein Lieber ist nicht mehr witzig…

      Bin zum Glück dank HO nicht mehr darauf angewiesen, davor war es eine Farce….russisches Roulette ist zuverlässiger als eine Zugverbindung in Deutschland.

      • Zweitrangig, soso… Dann stecken wir Dich einmal in ein grauenhaft verkorkstes Projekt mit lauter Kollegen, die unabhängig von Deiner Performanz dauernd alles Mögliche an die Wand fahren. Und bei jedem Misserfolg in Deinem Projekt wird Dir erst 25, dann 50 und dann 75% Deines Gehalts abgezogen. Die Misserfolge haben andere Personen im Projekt zu verantworten? Das ist doch zweitrangig.

        Aber ansonsten kann ich Deinen Frust schon nachvollziehen.

  8. Nudging für Konzerne? ja seids ihr denn des Woahnsinns?!!

  9. Viele Probleme sind in den Abläufen /Organisation der Bahn begründet.

    Wir haben zuletzt bei einer Fahrt im Ice von München nach Köln die Situation mit überfülltem Zug erlebt.
    Was vielleicht nicht allen bekannt ist. Auch die Plätze in deutschen Zügen sind begrenzt- nämlich auf das doppelte der Zahl der Sitzplätze. Dann darf der Zugführer nicht mehr losfahren, was ja auch so sein sollte. Man will ja niemanden gefährden.

    Die Lautsprecher Ansagen gingen dann auch von 30€-Gutschein (selbst abholen im info-zentrum haha-die nächste schlange zum zeitverlieten) bis Zwangsräumung von allen ohne sitzplatz. Ist doch klar, dass da erstmal keiner aussteigt.

    Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Warum macht man keine buchungsmöglichkeit für stehplätze, wenn diese begrenzt sind? das geht per App in 2 minuten, wenn man spontan zmsteigen muss oder per qr code beim einsteigen in den zug. Und das geht auch für bc100 karten.

    Der Zug war übrigens überfüllt, weil ein anderer ice frühzeitig umgedreht hat (pofalla wende). War also auch vermeidbar.

    Und da wundert man sich im Management der Bahn? Bei so schlechter orga in einem komplexen system potenzieren sich solche fehler massiv.

    Der einzelne Fahrgast und auch das einfache bahnpersonal kann da nix für. Das Management gehört jedoch gefeuert. Insbesondere auch für die kundenunfreundliche Art und Weise.

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