Twitch: Ärger um Aufteilung der Einnahmen spitzt sich zu

Twitch halt mal als Streaming-Netzwerk begonnen, das sich auf die Bedürfnisse der Creators konzentrierte. Doch intern gibt es da wohl zahlreiche Zerwürfnisse. Mehrmals schraubte man nun schon an der Vergütung für Creators und bastelte auch an den Monetarisierungsoptionen. Aktuell sind nun ausgerechnet die Top-Streamer der Plattform unglücklich: Erhielten sie bisher 70 % der über ihre Abonnements generierten Einnahmen, so sollen es in Zukunft größtenteils nur noch 50 % sein.

Jetzt könnte man einwenden: Bei den erfolgreichsten Streamern handelt es sich um Menschen, die mit ihrer Arbeit bereits exzellent verdienen – auch mit 50 % der Einnahmen werden diese Personen nicht gerade am Hungertuch nagen. Dennoch wird für sie eben viel Geld wegfallen. Dazu kommt Kritik an der Plattform, da zwischenzeitlich Glücksspiel-Streams Unmut aufkommen ließen (mittlerweile untersagt) und die Kommunikation mit den Nutzern oft zu wünschen übrig ließ.

Viele Creators hatten sich zuletzt für eine allgemeine Aufteilung der Einnahmen im Verhältnis 70 (Streamer) / 30 (Twitch) eingesetzt, wie The Verge berichtet. Denn diese Aufteilung greift beispielsweise auch bei YouTube und Facebook. Gerade kleineren Streamern würde dies auch ermöglichen, mehr Geld in neues Equipment und somit das Wachstum ihres Kanals zu stecken. Auch Twitch könnte davon profitieren, denn man hätte dann logischerweise mehr / hochwertigeren Content zu bieten.

Stattdessen wird Twitch für einige Top-Streamer, die bisher 70 % der Einnahmen aus Abonnements erhalten haben, Kürzungen vornehmen. Man argumentiert, das sei fairer für die Gesamt-Community. So erhalten die Top-Creators nur noch für die ersten 100.000 US-Dollar, die sie im Jahr einnehmen, eine Verteilung von 70 /30. Danach greift die Aufteilung 50 / 50. Die Creators stören sich da wohl auch in der Art und Weise, wie Twitch die Anpassungen mitteilte.

So schlug man Parolen à la „Wir sind alle eine Familie“ an, ist aber unter dem Dach eines Milliarden-Konzerns (Amazon) platziert. So zweifelten auch viele Creators an Twitchs Aussagen, dass die Kosten für das Hosting erfolgreicher Streamer sehr hoch seien, denn Twitch dürfte vom Mutterkonzern Amazon Sonderkonditionen für die AWS (Amazon Web Services) erhalten. Letzten Endes rollte aber noch keine Welle von Rückzügen von der Plattform auf Twitch zu – denn viele Creators sehen derzeit keine Alternative.

Creators und ihre Agenturen argumentieren, dass Twitch für viele Jugendliche wie ihr Fernsehprogramm sei. Wer sich aus dem Programm verabschiede, sei schnell vergessen. Nur selten würden die Zuschauer den Streamern dann wirklich zu einer andren Plattform folgen. Twitch jedoch ist trotz kuscheliger Aussagen des Managements mittlerweile ein harter Partner, der in erster Linie auf seine eigenen Zahlen unterm Strich schaut und erst an zweiter Stelle auf die Bedürfnisse der Videomacher. Ob das langfristig die richtige Strategie ist, muss sich zeigen.

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6 Kommentare

  1. Zum Glück haben die Streamer jedenfalls gemerkt, dass sie ALLE ersetzbar sind. Selbst solche Megastars wie Ninja sind plötzlich alleine, wenn sie die Plattform wechseln, siehe Zune Streaming 😉

    Meine Meinung ist, dass je erfolgreicher die Streamer sind, desto höher sollte der Anteil sein, den Twitch einbehält. Unter $100.000 für ALLE 70/30, danach 50/50. In den App Stores müssen ja kleine Entwickler auch weniger an Google und Apple abgeben.

    • Sollte man bei dir (falls du überhaupt arbeitest) auch mal machen. Je erfolgreicher und besser du arbeitest, desto mehr sollte dein Arbeitgeber einbehalten. Mal schauen, ob dir das dann auch so gefällt.
      Du darfst Eins nicht vergessen: Auch wenn dir der Beruf als Streamer nicht schmeckt und du den (finanziellen) Erfolg mancher Streamer nicht packst, heißt das nicht, dass man denen deswegen ihre ganze Kohle abknöpfen muss. Immer selbstreflektierend denken. Hilft ungemein

    • André Westphal says:

      Wie KaaaFuuuKooo schon meinte, ergibt deine Argumentation wenig Sinn: Demnach müsste man dir auch immer weniger bezahlen, um so erfolgreicher du arbeitest – ersetzbar wirst du für deinen Arbeitgeber auch sein. Ich denke mal, da würdest du dann rasch eine Kehrtwende in deinen Aussagen hinlegen.

      Ohne die Streamer hätte Twitch nix, der Content ist ja das, weswegen die Leute kommen. Twitch ist also durchaus genau so von seinen Streamern abhängig wie umgekehrt. Aktuell kann Twitch sich diese Nummern leisten, langfristig öffnet man damit aber natürlich einerseits der Option Raum, dass sich bekannte Streamer mal zusammentun und als Gruppe Forderungen stellen oder aber Konkurrenzplattformen mit besseren Bedingungen Fahrt aufnehmen.

      Letzten Endes sieht man eben, dass hinter den Kulissen einige Wechsel stattgefunden haben, sodass sich die interne Mentalität arg geändert hat. Dass die Plattform es auf Wirtschaftlichkeit abgesehen hat, ist nur fair. Aber dann mit Schein-Argumentationen wie „Wir sind alle eine Familie“ und Co. anzukommen, klar, dass das für Hohn sorgt.

  2. Amazon wird da schon ordentlich Druck machen das Twitch mehr Gewinn abwirft.
    Es gab doch schon vor Monaten die Meldung das Marketing und Sales immer mehr die Richtung von Twitch bestimmen und die Programmierer und Enthusiasten immer mehr verdrängt werden.
    Das ist wohl der Schweinezyklus eines jeden großen Konzerns.

  3. Man sollte vielleicht erwähnen, dass die bisherigen 70% kein regulärer Vertragspart waren, sondern eine Sonderleistung, die früher nach Lust und Laune (und wie man so raushört auch häufig auf Kumpel-Basis) an einzelnen Partner vergeben wurde. Neue Partner haben das praktisch gar nicht mehr. Das heißt, hier findet tatsächlich eine Gleichstellung statt. Ist halt blöd für jene, die es betrifft, und psychologisch ungeschickt.

    Ansonsten merkt man hier auch die asymetrische Marktmacht deutlich. Die Streamer brauchen Twitch viel mehr als Twitch die Streamer braucht. Den es gibt immer jemanden der einen wegfallenden Streamer ersetzen kann. Twich kann aber bisher keine Plattform wirklich ersetzten, auch wenn viele es versuchen.

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