Steam Machines: Ein Flop, der sich abgezeichnet hat

steam logoSteam Machines… Mein Gedanke war von Anfang an: Was soll das? Mit Steam OS und Steam Controller versuchten Valve und seine Partner eine Art Brückenschlag zwischen Gaming-PCs und Spielekonsolen herzustellen. PC-Gamer kratzten sich am Kopf, passen sie ihre Rechner doch am liebsten selbst an und haben seit jeher die Option eine Verbindung zum TV herzustellen bzw. mit z. B. dem Controller der Xbox 360 zu zocken. Konsoleros zuckten mit den Schultern, weil sie sich bereits an PlayStation und Xbox gut aufgehoben fühlen. Nun haben wir allerdings mehr oder minder Schwarz auf Weiß, dass die Steam Machines ein Flop sind.

Kürzlich hat Valve bekannt gegeben, dass sich der hauseigene Steam Controller immerhin seit November 2015 bereits 500.000 mal verkauft hat. Gegenüber Ars Technica bestätigte ein Sprecher Valves aber nun den eigentlichen Knackpunkt hinter dieser Zahl: Es sind auch die Controller einberechnet, welche im Bundle mit jeder Steam Machine in Kundenhände wandern. Das erlaubt die Schlussfolgerung, dass im allerbesten Fall maximal 500.000 Steam Machines verkauft wurden. Realistisch gesehen,dürfte die Zahl aber weit darunter liegen. Denn einige PC-Gamer haben sich sicherlich auch einfach so den Controller gegönnt. Oder Besitzer einer Steam Machine haben sich einen Ersatzcontroller gekauft.

Alienware Steam Machine game console desktop computer, codename Coral SM.

An sich klingt die Zahl auf den ersten Blick trotzdem gar nicht so übel. Vergleicht man die 500.000 Einheiten aber beispielsweise mit den Verkaufszahlen der Sony PlayStation 4 und Microsoft Xbox One, sieht es düster aus: Bereits am jeweils ersten Tag nach Launch setzten Microsoft und Sony je 1 Mio. Konsolen, also das Doppelte von dem ab, was Valve und Partner in einem halben Jahr erreicht haben. Und der Vergleich ist durchaus legitim, schließlich bewirbt Valve die Steam Machines als Konkurrenz bzw. Ersatz für Spielekonsolen. Würde man die Steam Machines mit den allgemeinen Verkaufszahlen von Gaming-Hardware in Bezug setzen, sähe es wohl noch düsterer aus.

Letzten Endes dürfte es Valve mittelfristig schwer haben, Partner von seinen Steam Machines und dem Steam OS überzeugen, wenn das Interesse der Kunden weiterhin so schwach bleibt. Dabei standen die Steam Machines ohnehin von Anfang an unter keinem guten Stern: Valve nahm an, dass Microsoft nach dem Apple-Prinzip mehr Kontrolle über die Windows-Plattform erlangen wolle und Software z. B. nur noch zentralisiert über den eigenen Windows Store anbieten könnte. Doch das seitens Valve ausgemachte Problem ergab sich in der Praxis nie. Zudem fehlt dem auf Linux basierenden Steam OS die Unterstützung durch große Publisher. Zugkräftige Exklusivtitel, welche die Konsolen vorangetrieben haben, fehlen ebenfalls.

Teilweise liefen zudem einige Spiele unter dem Steam OS schlechter als unter Windows. Kein Wunder, dass das Interesse der Gamer gering bleibt. Ich selbst hatte, wie eingangs erwähnt, von Anfang an Zweifel an dem Konzept. Im Grunde ist also jetzt nur eingetreten, was wohl die meisten Gamer erwartet haben. Bleibt die Frage, wie lange Valve und Partner noch an den Steam Machines festhalten mögen. Bereits ein halbes Jahr nach dem wenig Aufsehen erregenden Launch ist es ruhig geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir bereits in einem weiteren halben Jahr nur noch von einer kleinen Fußnote in der Gaming-Szene sprechen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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20 Kommentare

  1. „Und der Vergleich ist durchaus legitim“

    Nein, ist er nicht. Du vergleichst hier etablierte, ausgereifte Systeme in der 4. Generation (Playstation) bzw. der zweiten Generation (Xbox) mit einem neuen Ansatz seitens Valve. Das ist ähnlich absurd, als würde man Smartwatches mit Smartphones vergleichen (außer „Äpfel mit Birnen“ fiel mir jetzt kein anderer Vergleich ein, der absurd genug ist).

    Nichtsdestotrotz sehe ich es wie Du. Das Projekt „Steam Machine“ ist jetzt nicht der Bringer, auch wenn ich zeitweise mit dem System geliebäugelt habe (wegen der Möglichkeit, meine Steam-Spiele auf dem TV zu spielen). Dann hab ich mir aber eine Shield von Nvidia geholt und das Thema „Steam Machine“ war vom Tisch, da ich mit der Shield auch wunderbar meine Steam-Spiele auf den TV streamen kann (und die Shield zudem um einiges günstiger ist und auf Android basiert – was weitere Möglichkeiten eröffnet).

    Für alles andere abseits von Streaming habe ich ohnehin seit diesem Jahr eine PS4. Da macht ein weiteres System, das ich möglicherweise nicht mal upgraden kann, keinen Sinn.

  2. Bye Bye Cashy! Der Blog stinkt eh schon seit langen zum Himmel. Das McDonald’s unter den Technik/Media Blogs. (nicht auf den Artikel bezogen)

  3. Für alle Leute die unter Linux zocken wollen ist SteamOS aber wohl jetzt schon der volle Erfolg 😉

    Ich denke es wird auch weiterhin Steam Machines geben, so wie es bisher auch fertige „Gaming PCs“ gibt, schließlich baut sich nicht jede Person seinen PC selbst zusammenn und unter SteamOS steckt. Desweiteren kann sich sogar jeder selbst eine Steam Machine basteln, indem er einfach SteamOS auf seinem Rechner installiert (siehe http://store.steampowered.com/steamos/buildyourown)

  4. @Kitti „nicht auf den Artikel bezogen“

    Warum kommentierst du dann?

  5. Aber eigentlich ist die XBox auch nur ein (inzwischen) Windows 10 mit Spiel-Oberfläche. Doch das verkauft sich scheinbar besser, ist aber trotzdem nicht besser. Schon seltsam wie sich alles so entwickelt. Ein echter PC/Laptop ist und bleibt aber das beste. Sei es Surfen aber auch wohl zum Spielen. Das wird keine kleine Console, kein Tablett oder Smartphone ändern. Das sind alles nur Spielereien dir im Grunde die Vielfalt der Möglichkeiten durch begrenzte Inputs einschränken.

  6. @wpressy

    Surfen auf PC/Laptop? Schon lange nicht mehr! Wozu gibt es Tablets? An den PC setzt man sich nur noch, wenn es nicht mehr anders geht.

    Spielen auf PC/Laptop? Sicher nur, wenn man PC Gamer ist. Ansonsten hat man genug Konsolen unter dem TV stehen. Und dann gibt es da ja auch noch Tablets und Smartphones.

    Man sollte auch mal über den Tellerrand schauen bzw mit der Zeit gehen. Das Nutzerverhalten hat sich nicht erst seit kurzem geändert und man sollte auch nicht unbedingt immer von sich auf den Rest der Welt schließen…

  7. Vollhorst says:

    @Sven Natürlich setzt man sich als Gamer an den PC, was sonst? Gerade das ist doch auch der Grund dafür, dass die Steam Machines floppen.

  8. Der Steam controller ist gar nich so verkehrt und war eigtl. mit das beste, was Valve da raus gebracht hat. Für mich ist schon lange der XBox-Controller gestorben. Sobald man sich an das „neue“ Steuerungskonzept gewöhnt hat, gibt es nix besseres. Shooter mit Gyroaiming, das umfangreiche Mappingfeature und die vielen fertigen Profile. Macht einfach Spass.

    @Sven: Naja, es gibt doch schon die ersten, wo bei denen das Tablet nur noch rumliegt, weil Surfen mit einer ordentlichen Tastatur weit aus mehr Spass macht 🙂
    Und „richtig“ gezockt wird nur auf dem PC und Konsole. Tablets und Smartphone Games sind meiner Meinung nach nur Zeitvertreib. Auf solchen Dingern will ich kein komplexes Spiel mit Story zocken…

  9. Ich bin auch eher ein pessimistischer Typ und suche erst die Gründe für ein Scheitern. Aber wo wären wir heute, wenn alle so denken würden…

  10. @Oink: Die selbe Trennung von mobile und PC ergibt sich auch bei mir.

    @TheCuda, @Andre (Autor): Ich sehe es so: Valve hat mit Steam OS eine wichtige Alternative geschaffen, durchbdie Microsoft unter Druck steht nicht zu aggressiv vorzugehen. So wie es jetzt läuft, könnte Microsoft mit dem Push Richtung „one platform“ PC-Kunden an Steam OS und Konsolenkunden an die PS4 verlieren. (Die Einführung inkrementeller Upgrades zur Konsolenhardware könnte ebenfalls zu einem Marketingdesaster führen, aber da zieht Sony ja mit…)

    Die Steam Machines hingegen… Das einzige was wirklich fehlgeschlagen ist, ist der Hype, der Hauptsächlich von Hardwareanbietern ausgegangen ist. Ich glaube aber nicht dass Valve eingeplant hat, dass sie sich schnell durchsetzen. Wichtiger dürfte sein, dass SteamOS im Hintergrund als Fallbackplan bereit steht. So wie die ersten UWP-Spiele angenommen wurden – den Konsolenspielern egal, die PC-Kunden verärgert über fehlende Features und Freiheiten – dürfte das aber fürs erste kein großes Thema sein.

  11. Valve ist mit seinen Strategien immer langfristig ausgerichtet, vieles wird ausprobiert, das Beste weitergeführt (wie es übrigens auch Google macht).

    Sowohl SteamOS als auch die SteamMachines sind dahingehend ein voller Erfolg, da sie – egal wie sich die anderen Player in Zukunft verhalten – die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit von Valve/Steam absichern.

    Wer unter Linux spielen möchte, für den ist SteamOS erste Wahl.

    Dass sich viele große Devs zurückhalten, ihre Games auch dafür zu entwickeln, liegt in erster Linie an den Gamern selbst.

    Einfach bei jedem Spiel anschreiben, dass man leider auf den Kauf verzichten musste, weil es nicht für SteamOS verfügbar ist.

    Das Abstimmen mit der Geldtasche ist das Einzige, worauf sie reagieren, dafür aber auch garantiert.

  12. Verstehe auch nicht warum man das Projekt so schlecht reden muss. Mag sein, dass man gern mehr als 500.000 Einheiten verkauft hätte. Aber – ich find es einfach herausragend wie konsequent Valve Gaming auf Linux vorantreibt. Mag sein, dass das eine Nische ist. Mag auch sein, dass das eine Nische bleibt. Die Frage ob das überhaupt geht hat Valve aber beantwortet. Interessant wird sein, ob diese Nische so profitabel wird, dass sie sich trägt.
    Zu dem Punkt, dass die Spiele unter Steam OS teilweise schlechter laufen als unter Windows – nun vielleicht liegt das ja daran, dass einige Grafikkartenhersteller (ich meine beide!) sich einfach weigern gute Treiber zu liefern?

  13. @Sven

    Die Gamer surfen auch meist am PC, denn da sind sie wenn sie ihrem Hobby nachgehen. Ich hab ein iPad , das nutze ich als Ersatz-Wecker und ab und an mal ne Runde Netflix im Bett. Beim surfen bin ich zu 90% am PC da hier die bester Performance und Usability geboten wird, unterwegs lese ich News meist mit Quote auf meinem Galaxy S7.

  14. Ehrlich gesagt habe ich fast befürchtet, dass Steam OS ein Bottleneck ist – denn zwar engagiert sich VALVe was Entwicklungen für Spiele unter Linux angeht, ein beträchtlicher Teil der Steam-Bibliothek ist jedoch immer noch Windows only.

    Was man vielleicht bei Steam Machines nicht vergessen darf: viele „Steam Machines“ sind inoffizielle Geräte und spieletechnisch ausgestattete HTPCs. Ich selbst nutze eine solche, ein Marke Eigenbau Windows-Rechner im Wohnzimmer, der direkt in XBMC erstmal bootet – und von dort auf Wunsch Steam startet. Zwei Bekannte in meinem unmittelbarem Freundeskreis könnte ich nennen, die genau das gleiche haben. Zum Steuern dient in meinem Fall ein DualShock 3-Controller der PS3.

  15. Interessant wäre, auf wievielen Steam Machines mittlerweile Windows läuft.

  16. Frank Schuster says:

    Bei nicht einmal aktuell 1% Linux-Nutzer-Anteil von Steam, der ja auch vor dem Verkauf der Steam-Machine-Konsolen nicht höher lag, ist das ganz einfach nicht Schlechtreden sondern die Realität.

  17. Michael S. says:

    Alleine das Spiele-Angebot für Linux wäre für mich schon ein Todesurteil für das Steam OS. Ein Großteil der Games nutzt DirectX als Grafikschnittstelle und läuft somit nicht auf Linux oder MacOS. Klar kommt in Zukunft vielleicht die neue Grafik-API Vulkan, die hier vieles verbessern würde. Nur: wie viele Entwickler werden in absehbarer Zeit auf Vulkan setzen?

    Was ist mir meinen aktuellen Games? Ich würde auch in Zukunft gerne mal wieder eine Retrorunde mit Mass Effect oder Witcher einlegen wollen. Ein Großteil meiner alten Steam-Spiele wird wohl nie auf SteamOS/Linux laufen.

    Welchen Vorteil habe ich also mit einer Steam Machine? Dass ich das Gerät nicht zusammenbauen muss? Es gibt überall fertige Spiele-Rechner zu kaufen. Das ist für mich kein Argument.

    Dass die Geräte sehr günstig sind? Auch im normalen Handel findet man Einstiegs-Gaming-PCs für 500-600 Euro, die oftmals mehr Leistung bieten als ein Steam-PC. Und noch dazu sind die Rechner aus dem Handel oftmals viel besser aufrüstbar.

    Dass ich mir die Windows-Lizenz spare? Naja das macht bei einem Neu-PC vielleicht 30-50 Euro aus. Dafür habe ich ein vollwertiges Betriebssystem auf dem nicht nur Spiele laufen. Gerade als Games brauche ich auch andere Tools wie z.B. Teamspeak/Discord, Aufnahmesoftware (Shadowplay, Fraps, etc.).

    Dass ich das ganze komfortabel am TV mit einem Controller spielen kann? Dann am PC einfach den Steam Big Picture-Modus einschalten, Steam in den Autostart und einen Controller anstöpseln. Auch kein wirkliches Problem.

    Ich sehe in einer Steam Machine bzw. dem Steam OS wirklich keinen wirklichen Vorteil.

  18. Wer in einem offenen und kostenlosen System gegenüber einem von den USA kontrollierten geschlossenen Kommerz-System (inkl. garantierter NSA-Hintertüren) keinen Vorteil erkennt, dem kann man es sicher auch in stundenlangen Diskussionen nicht erklären.

    Das wäre ein hoffnungsloser Fall und schade um die Zeit.

  19. @Sanders

    Bitte jetzt nicht wieder diese „Die NSA spioniert uns aus“-Totschlag-Argumentation. Als ob ein offenes, kostenloses System so viel sicherer vor dem Abhören wäre (ich behaupte sogar das Gegenteil, weil ein quelloffenes System weitaus mehr Möglichkeiten zum Einschleusen von Backdoors bietet – man ist nämlich nicht darauf angewiesen, dass der ursprüngliche Entwickler die Backdoor einbaut, sondern kann es selbst machen. Wenn man es geschickt genug anstellt, merkt es niemand).

    Ich weise noch mal darauf hin, dass ich eine Weile mit der Steam Machine von Alienware geliebäugelt habe (Kostenpunkt: 549 € bis 839 € – je nach Ausstattung). Letzten Dezember habe ich mich dann aber für die Nvidia Shield entschieden, um meine Steamspiele auf dem TV zu streamen (Kostenpunkt in meinem Fall: 159 € in der 16 GB-Variante inkl. Controller + gratis Fernbedienung). Und im Prinzip tut die Shield das, was auch die Steam Machine tun würde – mit dem Unterschied, dass ich nebenbei auch noch diverse Android-Apps drauf laufen lassen und z.B. Netflix streamen kann.

    Vielleicht hat Steam OS seine Vorteile (die ich derzeit nicht sehe, weil ich mich ehrlich gesagt auch nicht mit dem System befasst habe). Der Artikel besagt aber, dass Steam Machines gefloppt sind. Es war nie die Rede davon, dass Steam OS floppte (zumindest habe ich das nicht so empfunden).

  20. Wenn ich mir so manch penetrante Werbung für PS4/XBox One anschaue, dann kann ich mir vorstellen dass der Casualgamer (gemeinhin FIFA-Zocker) noch nie was von dem Teil gehört hat. Wer ohnehin nur auf Konsole zockt, der wird kaum Steam auf dem PC installiert haben.

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