Ring Fit Adventure für Nintendo Switch angespielt und durchgeschwitzt


Für die Nintendo Switch gibt es ein neues Spiel: Ring Fit Adventure. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Abenteuer-Spiel, das ihr mit dem normalen Controller spielt, sondern vielmehr um ein Fitness-Game, das auch Training durch ein Abenteuer vermitteln will. Je mehr ich im Vorfeld der Veröffentlichung über das Game nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass dies genau die Lösung für mein Problem sein könnte.

Dazu muss man erst einmal ein bisschen etwas zu mir wissen. Ich bin nicht (mehr) fett oder so, aber ich bin unfassbar bewegungsfaul. Das liegt zu 100 Prozent an mir, das weiß ich – und ich weiß, dass es mir nicht gut tut. Ich habe schon einige Versuche unternommen, „mehr Bewegung“ in mein Leben zu bekommen.

Pokémon GO ist da zum Beispiel super, aber da muss ich eben dann auch immer Lust drauf haben, dass ich rausgehe, meistens ist das ja auch mit einem größeren zeitlichen Aufwand verbunden. Zur Einschätzung, wie wenig ich mich tatsächlich aktiv verhalte: Bei meiner Apple Watch liegt mein tägliches Bewegungsziel bei 360 kcal. Das erreiche ich nicht allzu oft.

Ring Fit Adventure bewarb also ein Fitness-Spiel, das sich dem persönlichen Fitness-Level anpasst und das man zuhause nutzen kann. Ohne allzu großen Aufwand. Ich haderte eine Weile mit mir, bestellte dann aber doch, zur Not kann das Game auch in den Wiederverkauf.

Ring Fit Adventure besteht nicht nur aus dem Spiel, es kommt auch mit zwei Controller-Haltern. Einmal ist dies eine Beinmanschette, in die ein Joycon gesteckt wird. Er misst Laufbewegungen und kontrolliert zum Beispiel Übungen wie „Beine anziehen“.

Der zweite Halter ist der Ring-Con, ein größerer Ring, der den zweiten Joycon aufnimmt und eigentlich – nach dem Körper des Spielers – die Hauptsteuerungseinheit ist. Den Ring kann man drücken und ziehen, das wird über den Joycon registriert. Ohne dieses Zubehör ist Ring Fit Adventure nicht spielbar, wohl aber kann man den Ring-Con auch nutzen, wenn man das Game gerade nicht zockt, dazu später mehr bei den einzelnen Spiel-Modi.

Der Spielstart ist etwas langwierig, aber das ist auch ganz gut so. So bekommt man schon alles erklärt, bevor man sich dann in das Abenteuer stürzt. Den Anfang macht die Kalibrierung der Joycons, einer am linken Oberschenkel, einer im Ring. Man muss da schon ein paar „Übungen“ machen, also den Ring zum Beispiel kräftig drücken oder ziehen. Was soll ich sagen, nach der Einrichtung habe ich mich erst einmal meines langärmeligen Oberteils entledigt und es kam so die erste Realisierung wie unfit ich eigentlich wirklich bin, was mich allerdings auch ein bisschen über mich selbst lachen lässt.

Ist die Einrichtung der Controller abgeschlossen, kann man noch Angaben zu Alter und Gewicht hinterlegen – man muss diese Daten aber nicht angeben. Angeben sollte man aber, wie oft man Sport macht, denn auch daran wird dann die Spielschwierigkeit ermittelt. Zum Abschluss wird noch die Stärke des Ring-Cons eingestellt, man legt hier quasi selbst fest, was für einen ein starker Druck ist. Das ist ganz cool gemacht, weil es eben absolut keine Rolle spielt, wie viel Kraft man hat.

Und dann geht es auch schon auf ins Abenteuer. Die Einführung dauert 5 Minuten, die Story ist eher so lala, aber sie ist ja auch nur Mittel zum Zweck. Fitnessübungen stehen hier im Vordergrund, die hat Nintendo spielerisch verpackt.

Bevor man ein Level beginnt, wird angezeigt, wie lange man einplanen muss und welche Erfolge man erwarten kann. Das ist an sich super, hat mich aber fast davon abgehalten, das erste Mal auf den Endboss zu treffen. Die ersten beiden Level sind relativ kurz, knapp 5 Minuten.

Man läuft einen Weg entlang (also wirkliches Laufen auf der Stelle, damit sich die Spielfigur bewegt). Kommen Treppen, muss man die Knie beim Laufen höher anziehen. Und wenn der Boden unter den Füßen verschwindet, ist Sprinten angesagt. Natürlich auch nur auf der Stelle.

Ich rannte also durchs erste Level bis ich auf den ersten Gegner traf. Die Monster kann man leicht besiegen, man muss nur Fitness-Übungen absolvieren. Es stehen für Angriff und Verteidigung jeweils unterschiedliche Übungen zur Verfügung, die auch für unterschiedliche Angriffspunkte sorgen.

Diese Übungen kann man frei wählen oder zufällig auswählen lassen. Da ich nach dem Rennen – es ist kein Witz – wirklich schon erschöpft war, habe ich mir die vermeintlich einfachste Übung geschnappt, bei der man nur den Ring drücken muss. Vermeintlich einfach, weil auch das brachte mich dann schon wieder an meine Grenzen.

Das Spiel gibt vor, wie lange und wie intensiv Übungen ausgeführt werden müssen. Das beinhaltet logischerweise Wiederholungen. Und wenn man so einen Ring öfter mal stark drückt, wird das schnell anstrengender als mir lieb ist. Aber ich habe gebissen und die Übung abgeschlossen. Leider war das Monster dadurch noch nicht erledigt und es wurde eine weitere Übung gefordert.

Das war auch der erste Moment, an dem ich dachte: „Fuck it, da habe ich keinen Bock drauf.“ Und es war das zweite Bewusstwerden, wie unfassbar unfit ich bin. Also zweite Übung ausgesucht und durchgezogen. Es war nicht einfach für mich. Meine Beinmuskeln fühlten sich schon fies an (die haben das erste Mal seit Jahrzehnten Squats gemacht), in den Armen war auch keine Kraft mehr vorhanden, am liebsten hätte ich losgeheult.

Aber ich habe das Monster (und mich!) besiegt. Also das erste. In Level 1. Nach Abschluss des Levels bekommt man angezeigt, was man so geleistet hat, viel war das bei mir eigentlich gar nicht. Auch kann man seine Herzfrequenz messen, das geht ebenfalls direkt über den Joycon, der im Ring steckt. Man legt den Daumen auf die Infrarotschnittstelle und wartet eine Weile, dann wird das erfasst.

Next Stop: Couch. Ich musste ausruhen. Bei der Gelegenheit habe ich mein Outfit auch auf kurze Hose gewechselt, ich hatte ja noch ein bisschen was vor. Level 2 zum Beispiel, weil der erste Abschnitt bietet drei Level, die dann quasi eine Trainingseinheit darstellen.

Da ich im nächsten Level ja nun schon wusste, worauf ich mich einlasse, war das gar nicht so schlimm. Anfangs. Denn auch hier war ich am Ende quasi wieder am Ende. Mannomann. Das ist schon krass, wenn man das von einem Spiel so aufgezeigt bekommt.

Nach einer erneuten Pause – ich konnte das echt nicht am Stück wegspielen – wollte ich dann das „Endboss“-Level des Abschnitts angehen. Zwischenzeitlich kam meine Tochter hinzu und beobachtete höchst amüsiert mein Treiben – auch sie kennt es nicht, dass ich so etwas wie Sport mache. Bei ihr heulte ich mich dann auch aus, als ich das Level startete, denn da stand plötzlich etwas von 9 Minuten, also doppelt so lange wie die Level vorher.

Nun muss man bedenken, ich war da schon am Ende meiner Kräfte und sollte mich nun noch einmal so lange in das Abenteuer stürzen? Was bleibt mir übrig, ich hatte Caschy schon voreilig angeboten über Ring Fit Adventure zu schreiben, da muss ich ja wenigstens einen Abschnitt abschließen, um mir ein Bild machen zu können. Wohl oder übel habe ich das Level dann angefangen.

Ein sportliches Monster, das dank seiner jahrelangen Gefangenschaft nicht viel trainieren konnte – so soll angeblich auch ich eine Chance haben. Alles hat mir Drako abverlangt, aber letztendlich habe ich ihn nach ein paar Übungen besiegt. Als letzte Übung suchte ich mir dann „Beine anziehen“ heraus. Schlicht aus dem Grund, weil ich nicht mehr stehen konnte und dies eine Sitzübung ist. Das soll nicht heißen, dass mich diese Übung nicht gefordert hätte.

Aber geschafft ist geschafft. Ich war nach dem Abschnitt komplett durchgeschwitzt, meine Beine waren schwach und mit meinen Armen konnte ich auch nicht mehr so viel anstellen. Ich vermute, so fühlen sich normal fitte Menschen nach einem Triathlon oder ähnlichen verrückten Dingen, ich habe da keine Erfahrungswerte.

Das Game bot mir an dieser Stelle an für heute Schluss zu machen, was ich natürlich dankend bestätigte, nur um dann in die Cooldown-Phase geschickt zu werden, die schon wieder Aktivität erforderte. Aktivität heißt in diesem Fall ein paar Dehnübungen, wirklich nicht anstrengend, aber für einen Bewegungsmuffel wie mich auch schon wieder komisch. Sagte auch mein Rücken bei einer der Übungen, als er mal fröhlich alle Wirbel durchknackten.

Jeder normale Mensch hätte vermutlich direkt im zweiten Abschnitt weitergespielt, für mich war aber erst einmal genug. Es gibt ja auch noch andere Modi und ich muss mit meinen Kräften haushalten, das solltet ihr mittlerweile mitbekommen haben.

Schnellspiel, Individuell und Multitask findet man im Hauptmenü neben dem Abenteuer vor. Multitask ist dabei ziemlich nett, so kann man mit dem Ring-Con nämlich auch Übungen machen, wenn die Switch im Standby ist, zum Beispiel beim Serie oder Film schauen. 500 Aktionen lassen sich auf dem Ring-Con speichern, die werden dann in das Spiel als Bonus übertragen. Geht man online, kann man seinen Freunden sogar Geschenke schicken, die man auf diese Weise erspielt hat.

Schnellspiel ist hingegen eigentlich irreführend, denn dahinter verbergen sich nicht nur Spiele. Man kann hier zum Beispiel gezielt Muskelgruppen trainieren, also konkrete Übungen auswählen. Es stehen auch Sets zur Verfügung, man hat hier freie Auswahl, was man machen möchte. Das ist auch alles unabhängig vom Abenteuer.

Neben den Übungen stehen hier aber auch tatsächliche Minispiele zur Verfügung. Sie verleihen den Übungen quasi einfach ein spielerisches Aussehen, die Übungen werden dadurch aber nicht leichter. Vertraut mir, da habe ich ganz genau aufgepasst…

Zu guter Letzt hat man noch die Möglichkeit, unter Individuell einen Fitnessplan zu erstellen. Hier kann man ebenfalls seine Lieblingsübungen wählen oder sich auch Empfehlungen geben lassen. Das ist etwas, da werde ich mich bestimmt einmal näher mit beschäftigen, aber dazu muss ich erst einmal die Fitness haben, um mehr als eine Übung durchhalten zu können. Das ist aktuell nicht der Fall, da muss ich erst noch ein paar Darkos besiegen.

Damit man das tägliche Training nicht vergisst, kann man sich auch einen Alarm einrichten, der einen dann daran erinnert. Übrigens, wenn ihr das Spiel erhaltet, steht direkt ein Update zur Verfügung, das solltet ihr auch installieren, denn das bringt einige Funktionen erst in das Game, zum Beispiel jene Alarmfunktion.

Nun sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und merke bereits, wie sich der Muskelkater anbahnt. Und ich überlege wie ich zu einem Abschluss komme. Es wäre totaler Quatsch, wenn ich nun sagen würde, dass man das Game für Fitness empfehlen kann, da habe ich gar nicht die Expertise. Aber was ich sagen kann: Mich hat Ring Fit Adventure nicht nur dazu gebracht, dass ich meine Muskeln mal abseits meiner Normalität beansprucht habe – vor allem aber hat es mir so unfassbar deutlich, aber dennoch charmant gezeigt, wie schlimm es eigentlich um die Muskulatur meines Körpers bestellt ist.

Das ist etwas, das mir dann auch den entscheidenden Denkanstoß geben kann. Mein Ziel ist nun erst einmal, den Abenteuer-Modus von Ring Fit Adventure durchzuspielen. Das wird dauern, nehme ich an. Ich gehe nicht davon aus, dass mich Ring Fit Adventure zur Sportskanone machen wird. Aber ich gehe davon aus, dass ich mit Ring Fit Adventure mehr für mich tun werde.

Man muss sich auf so etwas natürlich einlassen können. Ich glaube keiner würde das Game wegen seiner Story spielen, hier steht ganz klar die körperliche Ertüchtigung – als fauler Mensch hätte ich mir da vielleicht etwas mehr Story und weniger Bewegung gewünscht, aber das wäre auch wieder irgendwie kontraproduktiv, ich sehe es ja ein.

Für 70 Euro, so viel kostet das Game mitsamt Ring-Con und Beinmanschette (die ich übrigens als eher knapp empfinde, vor allem, wenn über Kleidung getragen) bekommt man mit Ring Fit Adventure etwas, das anders ist, aber auch toll. Gerade auch das gezielte Trainieren von Muskelgruppen kann für so viele Menschen hilfreich sein, die für so etwas eben nicht ins Fitnessstudio gehen möchten.

Mich hat Ring Fit Adventure überraschend gut abgeholt, ich werde da auch dran bleiben. Es bringt auf jeden Fall Bewegung in den Alltag, falls man da also Defizite hat, kann man so vielleicht eine Lösung finden. Ring Fit Adventure ist insgesamt sehr toll gestaltet, gerade der Mix aus Spiel und Fitnessplan, also dass man das Spiel auch links liegen lassen kann, macht es eigentlich für jeden nutzbar.

Falls ihr Ring Fit Adventure schon ausprobiert habt – und eventuell etwas fitter seid als ich – wie gefällt euch das denn so?

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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5 Kommentare

  1. Ich vielleicht etwas fitter, kam aber auch ins Schwitzen. Habe bisher nur den Abenteuer-Modus gespielt, die erste „Welt“ mehrfach, einfach wegen der Punkte. 😉 Die anderen Bereiche stehen dann für das Wochenende auf dem Plan.

  2. Ich selbst habe mit 111 Kg ein kleines Problem, auch wenn ich bei gutem Wetter 40Km vor 8 Uhr fahre. Aber ich habe bis inklusive erste Stage in der 2. Welt es an 2 Tagen geschafft und war jedes mal sehr ausgelaugt. Und das trotz Trinkpausen udn Hadtuch. Nach Wii Fit und Wii Fit Plus hat sich Nintendo wirklich wieder etwas nettes einfallen lassen. Aktuell teste ich Multitask wo man eigentlich nur den Joy-Con am Ring aktiviert und den Ring drückt oder dehnt. Ist gut wenn man sonnst nichts zu tun hat oder beim TV-Sehen.

  3. Falls es dir viel zu anstrengend ist, könnte man bei der Kalibrierung das Drücken des Rings oder das laufen einfacher einstellen?

    • Sascha Ostermaier says:

      Jau, das habe ich heute gemacht. Zu Beginn wurde ich gefragt, ob zu anstrengend war, woraufhin 5 Stufen niedriger empfohlen wurde. So konnte ich das zweite Kapitel in drei Etappen abschließen. Aber zu einfach will ich es mir ja auch nicht machen.

  4. Der Sinn ist ja nicht, das Spiel durchzuspielen, sondern pro Durchgang gut fertig zu sein. Meine Grenze scheint derzeit bei Intensität stufe 30 zu liegen.

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