Phonebloks-Designer Dave Hakkens über Project Ara: „Google kann es besser“

artikel_araDer ein oder andere wird von Euch wird sich noch an Dave Hakkens erinnern: Der niederländische Designer war einst treibende Kraft hinter dem „Phonebloks“-Konzept-Video, welches 2013 veröffentlicht wurde und sich dann mit der Idee dahinter quasi viral verbreitete: Aktuell zählt das Video noch 22 Millionen Abrufe und verdeutlichte bereits damals die Idee hinter einem modularen, upgrade-fähigen Telefon, welche Motorola vor dem eigenen Verkauf an Google aufgriff und so Project Ara in Leben rief. Seitdem ist natürlich einige Zeit vergangen und mittlerweile hat sich Dave Hakkens zu dem aktuellen Weg des modularen Smartphones unter der Flagge Googles geäussert.

Die finale Schlussfolgerung, die Hakkens auf seiner eigenen Webseite kund tut, ist recht einfach zu beschreiben: Man solle über das gesamte Projekt noch einmal nachdenken, denn eigentlich kann Google es besser machen als bisher.

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Video-Link: https://youtu.be/oDAw7vW7H0c

Zwei Gründe führt er zur Untermauerung dieser Aussage an: Auf der einen Seite gefällt ihm der Grad des Einflusses und der Kontrolle, die Google bei dem Projekt hat, schlichtweg nicht. Es geschieht alles unter der Schirmherrschaft von Google und Hakkens kritisiert genau das: Google ist für das Projekt verantwortlich und wenn plötzlich die Verbindungen der einzelnen Module oder das Design geändert werden sollen, würde das auch entsprechend geschehen und damit alle bisherigen Module obsolet machen. Ein solches Ökosystem sollte sich einfach nicht in den Händen nur eines Konzerns befinden, so der niederländische Designer.

projectara_2016

Auch das aktuelle Produktdesign hat sich laut Hakkens deutlich von der ursprünglichen Idee entfernt: Waren seinerzeit noch alle Teile in modularer Bauweise angedacht, so soll das Grundgerüst der kommenden „Ara“-Geräte immerhin aus einem kastrierten Telefon mit Display, CPU, Antenne und Akku bestehen – was mit der Zeit automatisch einen Alterungsprozess der vorhandenen Komponenten mit sich bringen würde. Ein kompletter Tausch aller Module somit weg und es würden dann irgendwann aus Performancegründen eben doch ganze Grundgerüste für Smartphones entsorgt werden müssen, was dem ursprünglichen Gedanken hinter Project Ara („Ein Telefon für die ganze Welt“) widerspricht.


Project_Ara_Modules

Am Ende seines Statements gibt Hakkens aber auch zu, dass Google durchaus die meisten Energien und Bemühungen in dieses Projekt steckt und wie weit das Ganze – aller Kritik zum Trotze – bereits gereift sei. Geht er aber davon aus, was für ein Konzern Google ist und welche Ressourcen den Herrschaften aus Mountain View zur Verfügung stehen, ist er aber schlichtweg der Meinung, dass Google sich hier hätte durchaus besser verkaufen können – oder es eben besser hätte machen können. Man solle den Fokus nicht auf den das nächste Telefon, was sich gut verkauft, legen sondern vielmehr darauf, ein Telefon für die ganze Welt zu produzieren.

Ein wahrhaft ritterlicher Gedanke, wenngleich ich bezweifele, dass dieser in der heutigen Welt auch nur ansatzweise zu realisieren ist, dafür dreht sich alles einfach viel zu sehr um die Verkaufszahlen. Was meint Ihr? Hat Dave Hakkens mit seiner Kritik Recht und Project Ara hat sich zu weit von seinen Wurzeln entfernt oder ist die Vorgehensweise Googles durchaus vertretbar?

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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2 Kommentare

  1. Vertretbar ist es auf jeden Fall. Ich weiß zwar nicht, welche besonderen Schwierigkeiten dahinter stecken auch die jetzt in den Rahmen gepackten Komponenten modular zu machen (vor allem im Vergleich zu den tatsächlich modularen Komponenten), allerdings wird es wohl einen Grund haben, dass Google sich so entschieden hat.
    Außerdem darf man den Preis nicht außer Acht lassen, was scheinbar durchaus häufig geschieht. Wenn Display, Prozessor, GPU etc. wechselbar wären, würde sich das auch preislich realisieren lassen oder wäre es schon fast billiger sich einen kompletten neuen Rahmen zu kaufen? Das kann wohl erstmal nicht beantwortet werden.
    So gesehen könnte man sich außerdem verschiedene Rahmen kaufen und die Module auf diese verteilen.
    Nichtsdestotrotz zähle ich mich selbst auch zu den Leuten, die gerne die Möglichkeit hätten, diese Komponenten auch zu wechseln. Deshalb bin ich tatsächlich etwas enttäuscht, dass Ara scheinbar so auf den Markt kommt, wie es auf der I/O präsentiert wurde.

  2. Ich hatte viel auf Projekt Ara gesetzt. Doch die nun gezeigten Module gehen für mich in die falsche Richtung.
    Die im Video gezeigte Funktionalität hat eine Smartphone-Hülle auch.
    Bsp.: http://www.inkcase.com/en.php
    Das was wirklich gereizt hatte hat Google weg rationalisiert,Schade.

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