„Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“: Anime zum Mitspielen angezockt

„Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin“ für die Sony PlayStation 3 ist meines Erachtens eines der besten RPGs für die letzte Konsolengeneration. Entwickler Level-5 schaffte es in Kooperation mit den renommierten Anime-Machern vom Studio Ghibli ein Spiel zu kreieren, das zugleich spielerische Tiefe wie auch perfektes Art Design kombinierte. Nun ist mit „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“ endlich der Nachfolger für den PC sowie die PS4 erschienen. Als Fan des Erstlings habe ich die Fortsetzung bereits angespielt.

Auch wenn das Studio Ghibli am Nachfolger nicht mehr mitgearbeitet hat, haben einige Mitarbeiter Level-5 beim Art Design unter die Arme gegriffen. Das ist auch sofort erkennbar, denn die Charaktere könnten nach wie vor direkt einem Ghibli-Anime entsprungen sein. Mir persönlich gefällt dieser Cel-Shaded-Stil extrem gut. Wer aber gewisse Berührungsängste zu Anime hat, der wird hier, ähnlich wie bei etwa „Persona 5“ wohl abgeschreckt sein.

Technisch läuft „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“ auf meiner PS4 Pro in einer dynamischen 4K-Auflösung, es wird also skaliert, mit nicht immer stabilen 60 fps. So kommt es in hektischen Kämpfen, in denen durch Zaubersprüche und allerlei weitere Spielereien viele Partikeleffekte zum Einsatz kommen, durchaus zu Rucklern. Damit kann man aber leben, denn die Grafik sieht wirklich toll aus. Speziell in Städten bietet das Game einige Schauwerte. Die Mischung aus simplen aber knackscharfen Texturen, den Anime-Charakteren und stimmungsvoller Beleuchtung gibt einem das Gefühl in einem Anime zum Mitspielen zu agieren.

Da ich „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom 2“ wie jeder von euch ganz normal im Laden erstanden habe, in meinem Fall die Prince Edition via Amazon.de, habe ich das Game noch lange nicht durchgespielt. Mir persönlich gefällt aber schon jetzt die Mischung aus wirklich liebenswerten Charakteren und einer Story, die dieses Mal etwas größer angelegt ist, als beim Erstling. Stand beim ersten Teil die Suche des Protagonisten Oliver nach seiner Mutter im Zentrum, so will der Hauptcharakter Evan in Teil 2 ein eigenes Königreich aufbauen. Denn durch einen Coup hat der Stamm der Mäuse ihm seinen angedachten Platz als König von Ding Dong Dell genommen.

Am Anfang hatte ich Bedenken, dass mir Evan etwas auf die Nerven gehen könnte, denn in den Trailern wirkte der Junge recht weinerlich und naiv. Das mag aber an den gezeigten Szenen gelegen haben, denn zumindest in den ersten Spielstunden relativieren sich diese Charaktereigenschaften etwas. Ja, Evan ist naiv, aber im positiven Sinne. Sein Idealismus ein besseres Königreich aufzubauen wird nicht nur vom Spieler bewundert, sondern auch von den anderen Hauptfiguren wie etwa Roland. Letzterer ist aus unserer Welt unfreiwillig zu Evan und Co. übergesetzt und fungiert nun als sein erwachsener Berater – der dem angehenden König auch schonmal zurecht den Kopf wäscht.

Die Story gefällt mir bisher wieder sehr gut: Man nimmt zwar viele Anime- und Fantasy-Klischees mit, aber im Zentrum stehen die Charaktere und aufgrund ihrer Liebenswürdigkeit ist man durchaus schnell mitgerissen. Schade ist, dass es keine durchgehende Sprachausgabe gibt, sondern sich manchmal recht abrupt vertonte Dialoge mit Textboxen abwechseln. Das kennt man von JRPGs durchaus, denn es ist bei „Persona 5“ nicht anders. Trotzdem entstehen so immer wieder überraschende Brüche: Wenn Evan mit einem anderen Charakter quatscht und seine Zeilen mit guter Sprachausgabe vertont sind, sein Gegenüber aber nur als Textbox antwortet, dann wirkt das etwas merkwürdig.

Auch der Soundtrack zu „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“ ist klasse: Ghilbi-Stammkomponist Joe Hisaishi war genau wie bei Teil 1 am Werke. Man könnte kritisieren, dass sich einige der Orchesterstücke zu oft wiederholen, das ist meiner Ansicht aber meckern auf sehr hohem Niveau. Ich freue mich immer, wenn ein Spiel mehr bietet als das übliche Synthie-Gedudel. Und hier fällt „Ni No Kuni 2: Revenant Kindgom“ definitiv positiv aus dem Rahmen.

Die Kämpfe in diesem JRPG weichen übrigens stark vom eher taktischen, rundenbasierten Vorgänger ab. Ich hatte in „Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin“ speziell am Ende arg zu knabbern, denn ohne einiges an Level-Grinding war bei Bosskämpfen nichts mehr zu retten. In Teil 2 laufen die Kämpfe nun deutlich hektischer bzw. in Echtzeit ab und sind zudem deutlich einfacher. Wer sich nicht allzu dusselig anstellt und zwischen den Charakteren sowie deren Waffen regelmäßig wechselt, wird mit den meisten Gegnern keinerlei Probleme haben. Hier hätte ich mir durchaus etwas mehr Anspruch und Herausforderung gewünscht. Immerhin laufen die Gefechte so aber sehr flott ab.

Im späteren Spielverlauf kommen auch noch anderweitige Scharmützel hinzu, in denen man mehrere Truppen Evans steuert – vergleichbar mit Echtzeit-Stratgiespielen. Außerdem baut man sich ein eigenes Königreich auf: Hier levelt man Gebäude auf bzw. kauf neue hinzu, sichert sich durch das Erledigen von Nebenaufgaben neue Bewohner für sein Reich und weist ihnen Aufgaben zu. Derlei Basisbau finde ich immer ganz cool, da man das Gefühl hat sich eine Heimat zu schaffen und seinen Status als König in spe zu zementieren.

Die Nebenaufgaben könnten allerdings etwas facettenreicher sein. Die Questen, auf die ich bisher gestoßen bin, ähneln sich alle stark. Entweder man muss einen Gegenstand von A nach B bringen oder eine bestimmte Art von Monster plätten. Dadurch, dass die Aufgaben aber zumindest oft schon schrägen Questgebern verteilt werden und sich lustige Geschichten darum spinnen, macht es trotzdem Spaß. Der Abwechslungsreichtum anderer Games, wie etwa eines „The Witcher 3: Wild Hunt“, wird aber bei Weitem nicht erreicht.

Sollte ich ein erstes Fazit ziehen, dann würde ich sagen, dass „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“ bisher für mich nicht ganz an den ersten Teil rankommt. Mir gefiel das rundenbasierte Kampfsystem persönlich besser und beim Nachfolger fehlt mir bisher etwas die Herausforderung. Es handelt sich hier aber um ein wunderschönes JRPG mit tollen Charakteren und einer Story, die mich schon jetzt mitreißt. Ich werde also sicherlich noch einige Stunden in diesen Titel buttern und kann von meinem bisherigen Eindruck für Rollenspiel-Fans definitiv eine Empfehlung aussprechen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für die ausführlichen Ersteindrücke.

    Ich habe den ersten Teil geliebt und bin seit Freitag dabei den zweiten Teil zu spielen,und gefällt mir bisher wirklich sehr gut.

    • André Westphal says:

      Vielen Dank! Ja, ich find Teil 2 auch super, obwohl Teil 1 etwas mehr „Wow-Effekt“ hatte – mag aber auch daran liegen, dass der ganze Stil eben damals neu war. Aber definitiv ein schönes JRPG mit super Atmosphäre!

  2. geht das game eigentlich auch gut ohne den 1. teil zu kennen?

  3. weiß eig. jemand ob ne PS4Pro oder n PC mit 16GB RAM, Ryzen 1700X und RX560 das ding besser aussehen lässt oder irgendwelche interessanten unterschiede zw. PC und PS4 sind?

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