Luftreiniger: Viele Modelle könne man sich laut Vergleichstest sparen

In der Corona-Krise rücken viele Produkte mehr ins Rampenlicht, die sonst eher eine Nische besetzt haben. Dazu zählen neben UV-Reinigungsgeräten z. B. auch Luftreiniger. Die Kollegen von CBC Marketplace haben mit der Hilfe eines Universitätsprofessors der University of Toronto aus dem Fachbereich Ingenieurswissenschaften einmal mehrere Produkte unter die Lupe genommen. Insbesondere bei teuren Produkten stellten sich die vollmundigen Versprechungen der Hersteller als Unfug heraus.

So kann man direkt zusammenfassen: Selbstgebaute DIY-Luftreiniger schlugen sich im Vergleichstest besser als teure Produkte von etwa Dyson. So behaupten viele Hersteller, dass ihre Luftreiniger für Sicherheit sorgen würden oder UV-C-Licht im Zimmer Bakterien und Viren abtöten würde. Jeffrey Siegel, besagter Professor aus Toronto, spricht da auch von einem „Marketing Dschungel“. Gemeinsam getestet hat da man nun folgende Produkte: Levoit LV-H132, GermGuardian AC5350B, Dyson Pure Hot + Cool, BlueAir Blue Pure 211+ und den Honeywell HPA 160 plus eine DIY-Konstruktion.

CADR (Clearn Air Delivery Rate) bezeichnet nun als eine Art Benchmark-Vergleichswert, wie schnell die Luftreiniger Pollen und anderen Schmutz aus der Luft entfernen. Oben seht ihr, dass sich eine selbstgebastelte Konstruktion ironischerweise besser geschlagen hat, als der hochpreisige Dyson Pure Hot + Cool. Siegel empfiehlt Kunden hier, nach Modellen mit einem CADR-Wert von 200-300 m3/Stunde (118-176 cfm) für Rauch bei mittlerer Raumgröße Ausschau zu halten. Er rät, speziell auf die Angabe zu Rauch zu achten, weil dies in der Regel die niedrigste und konservativste, darum vertrauenswürdigste, Information sei.

Dyson, die mit ihrem teuren Produkt recht schlecht abschnitten, verwiesen darauf, dass sie dem CADR-Wert nicht so viel Bedeutung beimessen und andere Metriken vorzögen. Man biete den Kunden ein tolles Gesamtprodukt an, so ein Mitarbeiter des Unternehmens. Wie zu erwarten sein sollte, sahen das unabhängige Forscher anders und bewerteten den CADR-Wert als wichtigste Orientierung.

Kritik gab es auch am GermGuardian, der zudem ein geringes Maß an UV-C-Strahlung zur Reinigung einsetzen könne. Laut den Forschern seine die Herstellerbehauptungen dazu aber „Unsinn“. Es gebe professionelle UV-C-Beleuchtung, die in der Tat Bakterien abtöten könne, das sei aber bei den geringen Dosen des AC5350B 28″ Air Purifiers nicht der Fall. Viele Firmen würden ihre UV-C-Produkte völlig überzogen bewerten, obwohl sie praktisch keinerlei Effekt hätten.

Was sollte man noch ergänzen? Laut Siegel sollten keine Luftreiniger mit Plasma-Technologie oder ionisierenden Eigenschaften verwendet werden. Sie geben nämlich oft Ozon ab, was gesundheitsschädlich sei. Auch PCO-Modelle (photokatalytische Oxidation) seien zu meiden. Sie erzeugen oft Formaldehyd, Acetaldehyd, Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid, was ebenfalls gesundheitsschädlich sei.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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28 Kommentare

  1. Der Gag beim Dyson ist, dass nur ein Bruchteil des Luftstroms überhaupt die Filter passiert.

    • Ich hatte damals einen der ersten Dyson. Da wurde der Luftdurchsatz mit 414l beziffert. Das mag sein, aber gefiltert wurde faktisch nur 33l. Und das ist meiner Meinung nach irreführend. Die neuen Modelle mögen bessere Werte haben, aber die Dinger sind einfach überteuert und taugen nix. Der schwedische Stiftung Warentest Testfakta hat auch mal einen Test gemacht und da kam der Dyson genauso schlecht weg.

    • Beim Dyson merkt man halt dass da nur auf das Design Wert gelegt wurde, aber nicht auf die wirkliche Effizienz bzw dem Nutzen.

  2. Vor allem letzten Absatz betreffend hoffe ich dann mal, dass mein Bundesland Hessen das beim Kauf aus dem 75 Mio € Topf – der meiner Meinung nach ohnehin überflüssigen Luftreiniger -berücksichtigt hat.
    Hätte es da nicht auch eine luftreinigende Pflanze getan ;-), heute morgen auf MyDealz entdeckt.
    Freut euch schon, Corona-Soli incoming.

    • Wolfgang D. says:

      @Maceo „Freut euch schon, Corona-Soli incoming“

      Die Rechnung für die ganze Kohle, die obsoleten Industrien/Unternehmen reingeschoben wurde, wird uns (also eher der nicht-verrenteten Bevölkerung) bestimmt noch viel Freude machen. Vorboten sind bereits kräftig gestiegene Preise für Sachen die man dringend braucht, und man gefahrlos abzocken kann. Oder wo Gutmenschentum von der Allgemeinheit gezahlt wird, wie beim Strom und Kraftstoff.

      Der Test bestätigt mir ansonsten, dass der Luftwäscher hier (den ich sowieso im Winter zur Anfeuchtung brauche) die richtige Wahl war. Man sollte auf jeden Fall die Finger von Ultraschallzerstäubern lassen, außer man mag den auf Möbeln und senkrechten Flächen hartnäckig klebenden gebundenen Staub.

    • Eine luftreinigende Pflanze reicht da aber nicht. Auch wenn die Vermarktung von etwas anderem spricht, bräuchte man für ein Durchschnittswohnzimmer für eine effektive Luftreinigung eine Anzahl an Pflanzen, die einer Dschungellandschaft ähnelt

  3. Wer kauft sich sowas, ausgenommen Chefetagen 😀

    • Meine Physiotherapie-Praxis.
      Geil auch die Werbung für den Schrott direkt unter dem Artikel Aber ist schon OK

    • Ich habe einen für 140€ von Xiaomi im Arbeitszimmer stehen. Jetzt muss ich nicht mehr raus gehen zum rauchen, sondern kann easy im Arbeitszimmer quarzen, weil das Teil den Rauch schneller aus der Luft zieht, als ein geöffnetes Fenster im Winter. Und kalt wird mir dabei auch nicht mehr… 🙂
      Und wenn dann der Filter für 40€ fällig ist, kleben da Kippen im X-Fachen Wert drin, es wäre lächerlich wenn ich mir dann um das Geld für Luftreiniger und Filter einen Kopf machen würde.
      Dass es funktioniert, merke ich daran, dass man jetzt im rest der Wohnung absolut nichts mehr riecht von meinen schlechten Angewohnheiten bei der Arbeit, das war anders als ich gelegentlich mal mit offenem Fenster geraucht habe. Meistens bin ich aber raus gegangen, eben damit nicht die ganze Bude stinkt.
      Ich rede mir den Effekt auch nicht ein, mehrere Besucher haben es bestätigt.
      Letztens hatte irgendeine Testzeitschrift auch behauptet, dass die meisten Luftreiniger nach einer Handvoll Kippen bereits die Filter so verklebt hätten, dass sie nicht mehr richtig reinigen. Zumindest beim Xiaomi ist das Quatsch, der hat schon reichlich Teer gefressen und filtert noch immer wie in der ersten Woche.
      Also für Leute die drinnen rauchen, direkt an vielbefahren Straßen wohnen und Allergiker halte ich das schon für sinnvoll. Alle anderen können das Geld bestimmt besser verballern.

    • Oder Personen die nicht rauchen.
      Der Dyson kostet doch nur ca. 100 Schachteln Zigaretten.
      Wenn man das dann so betrachtet, ist der gar nicht mehr so teuer.

      • Wolfgang D. says:

        @Andreas K. „Der Dyson kostet doch nur ca. 100 Schachteln Zigaretten“

        Das Geld sollte man lieber in Mittel zur innerlichen Desinfektion, wie Strohrum 80%, anlegen. Mach ich aber alle drei nicht.

  4. Können alle testen soviel sie wollen, seit ich dem Dyson im Schlafzimmer habe kann ich endlich durchschlafen ohne von der Allergie im Sommer nen kaputten Rachen und brennende Augen zu haben. Egal was er nicht Filtert, ich würde ihn wieder kaufen!

  5. Welchen könnt Ihr denn empfehlen, wenn man den Dyson nicht kaufen soll?

  6. Es gibt auch professionelle Luft-Filter, die mithilfe von UV Strahlen nachweislich Viren bekämpfen. Wie z.B. Geräte von Airsteril. Die sehen aber nicht so toll aus 🙂

  7. Moin,
    bei Stiftung Warentest haben die Geräte von der Fa. Soehnle sehr gut abgeschnitten.
    Viele Grüße

  8. Ralf Anderegg says:

    Wenn man sich bewusst ist, das bspw. der SarsCoc2 erst am 19. Tag auf den Nägeln nicht mehr aktiv ist, berichtet man gerne auf allerbeste Filteranlagen. Ein Filterwechsel wird vermutlich für den unachtsamen Betreiber zu aufwändig sein?
    Persönlich nutze und empfehle ich ungefilterte UV-C Apparate. Bspw. von Dinies oder Sterilsystems.
    Lassen wir frische Luft rein, kommt frischer Staub mit Mikroorganismen in den Innenraum. UV-C deaktiviert die lebenden Teile und Staub ist in seiner Form und unproblematisch wie bisher vorhanden.
    Ein HEPA ist nach Sekunden kontaminiert und wird nie entkeimt.

  9. Ralf Anderegg says:

    Wenn man sich bewusst ist, das bspw. der SarsCov2 erst am 19. Tag auf dem Bargeld nicht mehr aktiv ist, verzichtet man gerne auf allerbeste Filteranlagen.
    Ein Filterwechsel wird vermutlich für den unachtsamen Betreiber zu aufwändig sein?
    Persönlich nutze und empfehle ich ungefilterte UV-C Apparate. Bspw. von Dinies oder Sterilsystems.
    Lassen wir frische Luft von Aussen rein, kommt frischer Staub mit Mikroorganismen in den Innenraum. UV-C deaktiviert die lebenden Teile und Staub ist in seiner Form und unproblematisch wie bisher vorhanden.
    Ein HEPA ist nach Sekunden kontaminiert und wird nie entkeimt.

  10. Was ist denn mit dem erwähnten DIY-Reiniger? Lässt der sich einfach & kostengünstig selber nachbauen?

    • Wolfgang D. says:

      @Jens „einfach & kostengünstig selber nachbauen“
      Preis von Einzelanfertigung vs. Serie, + Prüfmöglichkeiten der Ingenieure = keinesfalls günstiger.

      Im hier erwähnten Mi Luftreiniger fehlt im übrigen *im* Filterraum eine Desinfektionsmöglichkeit per UV-C, für den problemlosen Wechsel ohne Schutzanzug… Nur als Anmerkung, falls den jemand ernsthaft für was anderes wie gegen Allergien oder Stäube einsetzen will. Die Bazillenphobiker sollten sich einfach mal den Verlauf der Luftwege *vor* Filterung anschauen, und zwei Wochen das Gerät ungenutzt in die Ecke stellen als Abklingzeit ist auch nicht der Bringer.

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