Klimaforschung bei Twitter: Der Blick ins soziale Netzwerk hilft der Wissenschaft

Der Klimawandel ist aktuell in aller Munde. Doch es ist nichts Neues, dass Wissenschaftler das Klima der Erde erforschen – nicht nur um langfristige Veränderungen vorhersagen zu können, sondern auch um kurz- und mittelfristig z. B. Katastrophen zu erkennen. Dafür lohnt manchmal auch der Blick an Stellen, an denen man zunächst vielleicht keine relevanten Informationen vermuten würde – z. B. bei Twitter.

Dabei geht es den Forschern in diesem speziellen Fall nicht unbedingt um riesige Katastrophen, sondern um leichte Überflutungen, die bereits bei leichten, saisonalen Anstiegen des Meeresspiegels die Folge sein können. Diese können insbesondere im Herbst an der Atlantik- und Golfküste auftreten. Da hilft nämlich manchmal nicht der Blick auf lokale Flutmesser, wenn es darum geht, welche Straßen man in der Praxis sperren müsste oder ob etwa eine Schule geschlossen bleiben sollte, weil Gefahr besteht.

Wie kann denn da nun Twitter aushelfen? Nun, auf Twitter lassen sich durch die Berichte vieler Nutzer in der Regel sehr zeitnah Angaben dazu finden, was eine Flut für Konsequenzen hat. Laut der Wissenschaftlerin Katherine Mach der Universität Miami, helfe das dabei, die Auswirkungen von Fluten auf die Anwohner besser zu verstehen und vorherzusagen. Dafür hatte man im Rahmen einer Studie über eine halbe Mio. Tweets, die mit Geotags versehen gewesen sind, ausgewertet. Die Daten wurden in den Jahren 2014 bis 2016 erhoben. Anhand der Daten konnte man z. B. entdecken, dass Überflutungen weit häufiger auftreten, als offiziell ausgewiesen wurde.

Das liegt daran, dass die gängigen Flutmesser manchmal noch keine Überflutung auswiesen – für die in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen, aber Auswirkungen spürbar gewesen sind. Zurate gezogen hatte man Tweets, die mindestens eins von 45 festgelegten Keywords enthielten, die sich auf Überflutungen beziehen – etwa „Flut“ (tide), „Kanalabfluss“ (storm drain) oder auch „überschwemmen“ (inundate). Die Tweets mit den Keywords, glich man dann mit den Daten der Flutmesser ab.

Spannend sei daran gewesen, dass die Twitter-Nachrichten in der Regel deutlich schneller auf die Flut verwiesen haben, als die offiziellen Messungen. Somit besteht hier die Möglichkeit den physischen Anstieg des Wassers mit den tatsächlich spürbaren Auswirkungen abzugleichen. Die Autorin der Studie, Frances Moore, hatte bereits eine ähnlich angelegte Studie zu extremen Temperaturveränderungen in Kombination mit Twitter-Nachrichten durchgeführt. Jene Studie war aber etwas umfassender, da man mehr als 60 Mio. Tweets ausgewertet hatte.

Moore gibt aber zu bedenken, dass die Methodologie noch verfeinert werden müsste. So musste man ca. 50 % der Tweets als falsch positiv aussortieren – sie enthielten also relevante Schlüsselwörter, befassten sich aber nicht mit einer realen Überflutung. Dazu komme, dass die Twitter-Community nicht repräsentativ für die Bevölkerung sei. Auch sei ein Hindernis, dass nur wenige Tweets Geotags nutzen, was derlei Auswertungen ebenfalls erschweren könne. Dennoch gebe es da viel Potenzial, um Daten aus sozialen Netzwerken für die Klimaforschung zu verwenden und dadurch andere, traditioneller Informationsquellen zu ergänzen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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3 Kommentare

  1. Benjamin Mewes says:

    Das Potential war da, ist allerdings durch die API Änderungen versiegt. Twitter versteht selbst in keinster Weise sein Produkt.

    Flutmesser sind wohl Pegelanlagen, denke ich mal. Interessant ist ja eh die Auswirkung auf die Bevölkerung und ab einem gewissen Abflussniveau ist das Wasser im Gerinne eh egal, da die Schäden im Umland entstehen. Daher top Forschungsansatz der Autoren!

    Spannende Studie, cooles Tool, leider obsolet wegen Twitter.

  2. Und wenn Twitter mal ausfällt, gibt es keine Überschwemmungen mehr und das Klima ist gerettet! Außerdem stimmt ja alles, was auf Twitter geschrieben wird! Einen Relotius hätte es bei Twitter nie gegeben, so brutal wie da geprüft wird.

    Wissenschaftler sagen uns vermutlich bald, wie gefährlich die Grippesaison ist, indem sie beobachten, wie oft auf Instagram gehustet wird! Millennials go sciences!

    • Benjamin Mewes says:

      Du hast den Kern der Studie nicht verstanden: Hydrologen benötigen eine flächige Information über das Abflussgeschehen. Das haben sie aber mit den bestehenden Messsystemen nicht: weder mit der zeitlichen noch der räumlichen Auflösung die so eine Tweet Analyse erlaubt.

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