Jugendschutz: Junge Influencer können eine Gefahr für Kinder und Jugendliche darstellen

Kinder und Jugendliche nutzen soziale Netzwerke, Messenger und Portale wie YouTube mittlerweile häufig intensiv. Sie sind auch die Zielgruppe vieler Influencer. Letztere werden dann von den Kids wie Stars aus traditionellen Medien verehrt. Wo es im Fernsehern aber z. B. klare Richtlinien für Inhalte gibt, die sich an Kinder richten, wird es bei Plattformen wie etwa Instagram schwerer. Insofern überrascht es eventuell nicht, dass der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, Dr. Marc Jan Eumann, davon ausgeht, dass junge Influencer eine Gefahr für Kinder und Jugendliche darstellen können.

In einem Interview mit Medienpolitik.net hat Eumann dabei erklärt, dass die Medienanstalten deswegen dann auch ihre Aktivitäten gegen jugendgefährdende Inhalte in sozialen Netzwerken intensivieren wollen. Das sei auch die Folge einer durch die 14 Landesmedienanstalten durchgeführten Schwerpunktanalyse mit dem Titel „Alternative Medien und Influencer als Multiplikatoren von Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien“. 700 Websites, YouTube-Kanäle und Social-Media-Angebote untersuchte man dafür. Erstaunlich: In rund 35 Prozent der Fälle konnte man einen Anfangsverdacht auf strafbare, jugendgefährdende oder entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte feststellen.

Besonders häufig stieß man bei den VK- und Telegram-Angeboten auf Anfangsverdachte. Problematisch seien insbesondere junge Influencer, denen es häufig selbst an Reflexionsfähigkeit fehlen könnte, welche dann ihr Gedankengut mit Kindern und Jugendlichen teilen, die durch ihre Vorbilder natürlich beeinflussbar seien. Die große Reichweite der jugendaffinen Angebote sei bedenklich, denn im schlimmsten Fall könnten Kinder und Jugendliche durch strittige Angebote „nachhaltig desorientiert, verunsichert oder geängstigt werden“.

Die Untersuchung habe dabei ergeben, dass einige Anbieter sogar gezielt Inhalte mit ihren Followern geteilt hätten, die besonders hasserfüllte Kommentare und damit starke, negative Emotionen auslösen. Oft würden diese dann nach zwei oder drei Tagen wieder gelöscht. Natürlich sei dann aber schon die Wirkung erzielt worden. Der hohe Anteil an Angeboten mit Anfangsverdacht zeige, dass man da mit einer großen Gefahr rechnen müsse und die Kinder und Jugendliche mehr Schutz benötigen. Es seien aber nicht nur die Beiträge an sich ein Problem – gerade die Kommentare seien es, die über die Stränge schlagen. In den Reaktionen auf Posts von etwa Influencern würden sich dann oft noch extremere Hasskommentare, Falschinformationen und Verschwörungstheorien finden.

Wichtig sei es nun, gegen die Ersteller der Inhalte und auch die Betreiber der Plattformen vorzugehen. Etwa müssten gemeldete Inhalte schnell entfernt werden. Gleichzeitig könne man den Eltern natürlich nicht die Verantwortung abnehmen, jene sollten mit ihren Kindern immer im Gespräch bleiben. Denn je besser die Medienkompetenz und die Reflexionsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen sich entwickle, desto schneller könnten sie gefährliche Angebote kritisch hinterfragen.

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11 Kommentare

  1. Richtig so.
    Hoffen diesem Blödsinn wird endlich bald mal ein Ende gesetzt.
    Man kann das Internet so sinnvoll nutzen,aber durch die natürliche Dummheit der Menschheit wird es für solche schwachsinnige Dinge benutzt.
    Was haben denn Influencer bitte für einen Mehrwert?

    • Kniffel König says:

      Und? Was wollen Sie? Zensieren?
      Die Leute sind selbst dafür verantwortlich, was sie konsumieren. Gilt auch für Kinder und Jugendliche. Steuern können das Eltern. Sofern sie sich für ihre Brut interessieren.

      • muss ja nicht gleich in zensur enden. werkzeuge zur altersfreigabe gibt es ja schon, man muss sie nur richtig anwenden.

        • Kniffel König says:

          Ich war selbst mal jung. Und der Jugendschutz hat mich schon damals angekotzt.

          • Ja klar, und wir haben ihn umgangen, wo immer es geht. Aber wenn man die Menge an möglichen Einflüssen sieht, denen Heranwachsende heute ausgesetzt sind, ist das in meinen Augen eine ganz neue Dimension des Jugendschutz. Und es geht bei Jugendschutz auch nicht darum, Heranwachsenden Inhalte vorzuenthalten. Es kann einem auch selbst als Orientierung dienen, was für die eigenen Kinder thematisch geeignet ist und was nicht. Man geht mit einem 12-Jährigen doch auch nicht auf eine Hurtigruten-Schiffsreise. Nicht, weil man ihm das vorenthalten will. Sondern weil die meisten 12-Jährigen sich auf dem Schiff zu Tode langweilen werden. Wenn der Sohn dann dennoch ungewöhnliches Interesse zeigt, kann man doch durchaus in der Familie darüber reden. Und so sollte Jugendschutz auch funktionieren.

      • Das ist so Nen Quatsch den du erzählst. Als Eltern kann man das nicht kontrollieren an kann nur aufklären.

        Kinder wissen eigentlich ziemlich gut wie man jugendschutzfilter umgeht Desweiteren sind sie auch mal Bei Freunden, Verwandten oder jn der Schule (Smartphone und PC Raum) wo die Eltern keine Kontrolle haben.

        Hier ist eindeutig der Gesetzgeber gefragt.

        Ich find das auch bedenlicklich dass 6 jährige sich brutale streams von ballerspielen angucken können.

        Assis wie Tanz Verbot als Vorbild für kleine Kinder dienen.

        Oder wenn Kleinkinder süchtig von dem aktuellen slottrend werden.

  2. Einar Meckat says:

    Alles gut und schön, dieses überhandnehmende Influencing geht mir auch ziemlich auf den Nerv, aber mal ehrlich… Deutsche Kinder und Jugendliche bei VK und Telegram? Ich hab da so meine Zweifel, dass wir hier über eine auch nur halbwegs relevante Anzahl reden. Für mich riecht das eher nach so einer „die armen Kinder“ Aktion, wie sie immer gerne von der Politik herbeigeredet wird, besonders vor dem Hintergrund, dass es sich, wie es der Zufall so will, um genau die zwei Dienste handelt, die russische Wurzeln haben.

    • Ich seh das so ähnlich wie @Einar Meckat. Eine „die armen Kinder“-Aktion. Unabhängig davon von welchen Diensten da die Rede ist und wie die stärker Überwacht werden sollen. Hätten sich unsere Politiker früh genug um die Digitalisierung der Schul- und Bildungslandschaft gekümmert, dann würden die Kids sich nicht auf diesen „Nebenschauplätzen“ tummeln. Gerade in Zeiten der Pandemie, muss ich immer wieder mal das was Menschen absondern, die sich den Kinder- und Jugendschutz auf die Fahne schreiben, mit heftigem Kopfschütteln erwidern. Manchmal erwecken Politiker den Anschein sie würden das Internet am liebsten vollumfänglich kontrollieren. Im Gegenzug zeigen sie dann aber gerne mal auf Regime die das mehr oder weniger tatsächlich tun.

  3. Dieser Influencer-Mist kommt mir nicht auf den Schirm. Blöderweise finden gerade Kinder und jugendliche diesen Scheiß ziemlich toll. Erschwerend kommt hinzu, dass die den Mist dann auch noch glauben…

    • Heranwachsende suchen nach Orientierung und Rollenbildern, denen sie nacheifern können. Dass Influenzer… naja… „influenzen“, ist der erste, wenn auch ziemlich kleine Schritt zur Erkenntnis. Aber selbst gegen offensichtliche Werbung von Influenzern wird ja kaum vorgegangen, wie soll das dann effektiv bei „Multiplikatoren von Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien“ funktionieren? Hier sind die Grenzen meist fließend. Gut finde ich, dass am Ende für mehr Gespräche in der Familie plädiert und damit Medienkompetenz als Teil der Erziehung thematisiert wird. Wenn ich mir das Geheule wegen Homeschooling aber so anhöre, ist mir klar, dass wir darauf als Gesellschaft nur in den seltensten Fällen hoffen dürfen. Offenbar wird selbst in Familien vor allem erwartet, dass andere das „heavy lifting“ machen.

  4. verstrahlter says:

    Vielen Eltern fehlt einfach die Kompetenz Kinder zu handlen.
    In die Welt setzen aus Gründen klappt meistens, der Rest kommt dann oft überraschend.

    Klar, ist irgendwie ein Teufelskreis.
    Es sollen gefälligst Andere die Regeln aufstellen – Eigenanteil meckern – die Verantwortungsfrage ist damit auch gesetzt.
    Gibt natürlich sowohl Kids, die geschätzt werden, als auch die „Störfaktoren“; sowas sollte man sich eben vorab überlegen.

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