Internet: Eltern setzen auf Überwachung, Kinder versuchen sie zu umgehen

Für Kinder und Jugendliche lauern im Netz viele Gefahren. Diese müssen nicht einmal von fremden ausgehen, das Thema Cybermobbing kann auch ganz aus der Nähe gesteuert werden – das Netz bietet hier perfekte Plattformen. Damit Kinder den richtigen Umgang mit dem Internet und allem was dazu gehört lernen, sind die Erwachsenen gefragt. Das Problem ist jedoch, dass viele Erwachsene selbst nicht sicher sind, was den Umgang mit sozialen Netzwerken und die Gefahren des Netzes angeht.

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Eine im Auftrag von Intel Security durchgeführte Umfrage brachte nun hervor, dass die Sorgen und Ängste der Eltern auch die Sorgen und Ängste der Kinder sind. Und sie zeigt, dass Eltern heute gar nicht mehr so hilflos sind, wenn es um die Netzerziehung der Kinder geht. Diese sind allerdings schon dabei, sich den Überwachungsmaßnahmen der Eltern zu entziehen.

Für die befragten Eltern ist das schlimmste Ereignis im Netz Cybermobbing. 58 Prozent der Eltern sehen dies so. Dicht dahinter kommt bereits die Weitergabe von persönlichen Daten, davor fürchten sich 57 Prozent der Eltern. Auf Platz 3 liegt der Reputationsverlust mit den entsprechenden Konsequenzen, 51 Prozent der Eltern fürchten sich davor. Das sehen die Kinder ähnlich. Unter ihnen sind Opfer und Täter. 7 Prozent gaben an, schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein, 22 Prozent waren sogar schon einmal Täter, ausgeführt über soziale Netzwerke.

Interessant ist auch der Grund, warum Jugendliche ein Pseudonym in sozialen Netzen nutzen. 64 Prozent treten nicht mit ihrem Realnamen auf, um sich so vor Mobbing zu schützen. 79 Prozent der Befragten gaben allerdings an, dass sie sich auf diese Weise vor Kriminellen (Cyberkriminelle oder Pädophile) Kontakten schützen wollen. Viel zu bringen scheint dies aber nicht, denn 47 Prozent geben auch an, schon einmal eine Person geblockt zu haben, weil sie ihnen unsympathisch waren oder zu viele Nachrichten kamen.

Je älter die Kinder sind, desto aktiver werden sie im Netz, logisch. Im Schnitt sind es 58 Prozent der 8 – 16-jährigen, die in sozialen Netzwerken aktiv sind. Allerdings sollte man sich von der Zahl nicht täuschen lassen. Im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sind es nämlich 75 Prozent, die soziale Netzwerke nutzen. WhatsApp ist hier Spitzenreiter, von 57 Prozent der Jugendlichen wird der Messenger genutzt. Facebook und YouTube sind mit je 38 Prozent gleich auf.

Etwas überrascht hat mich die Nutzungsdauer von Smartphones. Gerade einmal 36 Prozent der Befragten nutzen ihr Gerät mehr als 2 Stunden am Tag. Ob das an der Überwachung durch die Eltern liegt? 58 Prozent gaben nämlich an, dass sie die Internetaktivitäten ihrer Kinder überwachen, sei es durch Software (41 Prozent) oder durch das Folgen in sozialen Netzen (30 Prozent). Immerhin 29 Prozent der Eltern durchsuchen auch die Geräte der Kinder. Diese wissen sich natürlich zu wehren. 38 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie Online-Aktivitäten zumindest teilweise vor ihren Eltern verbergen, sei es durch das Löschen von Nachrichten / des Browserverlaufs oder durch geschickten Einsatz der Privacy-Einstellungen direkt auf den Geräten.

Die beste Zahl der Umfrage ist jedoch die Kommunikation der Eltern mit den Kindern. 91 Prozent der Eltern sprechen mit ihren Kindern offen sowohl über die Gefahren, als auch über die Schutzmaßnahmen, die man als Eltern ergreift. Nur durch eine offene Kommunikation kann sichergestellt werden, dass Kinder auch offen über Probleme im Netz reden, sei es weil sie gemobbt werden oder weil jemand Fremdes Dinge wissen will, die die Person nichts angehen. Durch Gespräche schwindet die Hemmschwelle für die Kinder, mit Problemen zu den Eltern zu kommen.

Wichtig ist natürlich auch, dass Eltern am Ball bleiben. Es bringt relativ wenig, wenn diese irgendwo einmal aufgeschnappt haben, Facebook sei böse und dem Kind daraufhin die Nutzung verbieten. Aktuelle Trends dürfen ruhig auch von Eltern verfolgt werden. Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen kann man „mitreden“, wenn solche Themen angeschnitten werden, zum anderen verlieren solche Trends dann auch schnell den Reiz, wenn die Eltern auch am Start sind.

Ein interessantes Thema, mit dem ich mich als Vater einer 13-jährigen Tochter, zwangsläufig auch auseinandersetzen muss. Bei uns lief das so, dass wir unserer Tochter sehr früh (vielleicht sogar zu früh?) den Einstieg ins Netz ermöglicht haben. Viele Gespräche, viele Verbote und noch mehr Nichteinhaltungen später können wir uns nun aber relativ sicher sein, dass unsere Tochter sich „vernünftiger“ im Netz bewegt als mancher Erwachsener. Kontrolle gibt es noch immer, bei Weitem aber nicht mehr so umfangreich und häufig wie noch vor ein paar Jahren.

Und ja, auch wir merken, dass unsere Tochter versucht, ihre Spuren vor uns zu verwischen. Sie weiß nicht, dass wir es wissen (sorry, falls Du das jetzt liest), es zeigt uns aber, dass sie sich an die Regeln hält. Die vermeintlich verwischten Spuren sind auch nie etwas Schlimmes oder so, aber halt Dinge von denen Kinder nicht unbedingt wollen, dass ihre Eltern darüber Bescheid wissen.

Man kann nur an alle Eltern appellieren, es mit den Kindern zu versuchen, anstatt mit Verboten und Strafen um sich zu schmeißen. Gemeinsam Netznutzungspläne erstellen, Regeln aufstellen mit denen Kinder und Eltern leben können, je früher, desto besser. Das Internet wird weder heute noch morgen wieder verschwinden, die Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen zu erziehen, liegt aktuell auch noch rein bei den Eltern, von schulischer Seite ist hier nicht allzu viel zu erwarten (ja, hier gibt es sicher Ausnahmen, wie überall).

Und nun zu Euch. Wie handhabt Ihr das mit Kindern und dem Internet? Volle Kontrolle, eingreifende Maßnahmen oder überlasst Ihr Euren Kindern selbst, die nötigen Erfahrungen zu sammeln?

An der Online-Umfrage zum Online-Verhalten und den Social Media-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern nahmen in Deutschland insgesamt 2.000 Personen teil: 1.000 Eltern (Mütter und Väter) von Kindern im Alter zwischen acht und 16 Jahren sowie 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren. Die Umfrage wurde im April und Mai 2015 durchgeführt.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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15 Kommentare

  1. Peter Lambio says:

    Eine sehr vernünftige Einstellung. Verbieten bringt sowieso nichts, man muß die Risiken aufzeigen und an den Verstand appellieren.

  2. Bei uns ist ne Fritzbox im Einsatz und alle Rechner und Smartphones haben nur eingeschränkten Zugriff auf das Internet (BPJS-Filterliste ist aktiviert) und sobald unsere Kinder alt genug sind, um selber online zu gehen, wird das auch offen kommuniziert. Sicher werden wir auch die Online-Zeit begrenzen, was die FritzBox ja auch ermöglicht. Auch das wird dann genau so, wie mögliche Sanktionen für das Missachten der Spielregeln, klar und offen kommuniziert werden und zur Not auch schriftlich festgehalten.

  3. Ich bin ziemlich froh, dass das Internet erst groß rauskam, als ich so langsam einschätzen konnte, was man vielleicht doch besser lassen sollte.

    Mir persönlich graust es schon, mich später mit dem Medienkonsum meiner Kinder auseinandersetzen zu müssen. Auch wenn mich die kleinen Racker aktuell sicher nicht abhängen könnten – in 10 Jahren sieht das garantiert anders aus.

  4. Platon2015 says:

    Das Anthropologische Problem ist – „Es gibt keine Moral, wie Wir es verstehen“ „vernünftiger“ im Netz bewegen ist relativ. „^^Papa ist Internet-Blogger, der erklärt das mal kurz, was sich gehört und was nicht^^“

    Das Netz ist grenzenlos und sich benehmen im Sinne von einem erwarten Verhalten – ist da selbst für Erwachsene schwierig.

    Aktuelle Trends dürfen ruhig auch von Eltern verfolgt werden??? Ja klar ist nur peinlich – wenn die eigenen Eltern egal – wie alt das gleiche machen. Wenn der Opi das gleiche Auto kauft versucht man sich abzugrenzen.Wenn Mami auch die Hochsteckfrisur sich macht – die die Freundinnen ausprobieren – peinliche Qualen. Wenn Mutti an den Browserverlauf geht und hysterisch wir, weil das oder jenes gegoogelt wird – ist jedes Kind gut beraten, Strng*shift+n zu mal kurz zu nutzen.

    Bin noch nicht so alt, habe das bei jüngeren Geschwistern in dem beschriebenen Alter beobachtet. 1, die Eltern sind machtlos. (insbs. zeitlich.)
    2. Das wird sich nicht ändern 3. Ultima Ratio Totalverbot drückt eher die eigene Beschränktheit vor dem Kind aus,

    ….und dann ist da noch so ne Sache, die das Kinder sehr sehr schnell lernen- die gehen dann an euren Browserverlauf und ihr müsst einen haben, weil Ihr vergesslich werdet, kennen eure Passwörter und überfliegen die Mails – dann könnt ihr nicht sagen Ihr habt Privatsphäre und den Kindern das sagen, was darunter versteht.(sollte man nicht unterschätzen)

    …ich könnte so viele Negativ Beispiele aufführen, wie man es aber richtig macht – das weis keiner wirklich. Ist es besser Kinder streng zu erziehen oder sollte man das vermeiden, das wird seit Jahren diskutiert – ohne Ergebnis. Würde versuchen „normal“ Regeln aufzustellen indem man guckt, was andere Eltern mit gleichaltrigen machen. Je weiger Regeln, desto besser (auch nicht ganz einfach, bei erodierender Gemeinschaft).

    Die erste wäre „VPN“ ist immer einzuschalten, – Bevor ein Bild hochgeladen wird, bitte vorher überlegen, wie man es wieder raus bekommt (FB ist eine Datenbank mit mysql Oberfläche). Böse Kommentare; da gilt Kants Imperativ als Richtlinie mit Einschränkungen – bei Leuten die auch im „Real Life“ bekannt sind uneingeschränkt – in Chats und Foren ohne Namen gilt das nicht- wenn ihr beleidigt werdet hat das keinen Wert, ist wie im PC-Spiel da spielt jeder eine Rolle nur nicht die Zeit damit verplempern.

  5. Gesunde Einstellung, Sascha.
    Mit meinen Katzen habe ich solche Probleme bisher nicht – Wenn ich mal Kinder habe, ist eines Fakt: Sie werden fluchen, einen IT’ler zum Vater zu haben. 😀

    @Heiko: Es kursieren im Netz haufenweise Anleitungen zum Umgehen der Fritz!Box Filter. Solltest du mal schauen, nicht dass deine Kleinen dann doch mal fernab von toggo und co Seiten besuchen, die ich mir als Erwachsener nicht ansehen würde 🙂

  6. „… zum anderen verlieren solche Trends dann auch schnell den Reiz, wenn die Eltern auch am Start sind.“ rofl Danke dafür!

  7. Ich frage mich, ob ich auch vieles nicht mehr verstehe, wie heutige Eltern…

  8. Keine Ahnung wie ich das machen werde. Denke, in der Anfangszeit dabei sein. Fragen. Reden. Verbieten? Allerhöchstens illegale Dinge, die nachher für Ärger sorgen, den Mama und Papa dann abwehren dürfen. Infolge von P2P eine Abmahnung etc. Auf sowas habe ich keinen Bock. ‚Cybermobbing‘? Ich werde alles versuchen, meinem Sohn einen respektablen Umgang mit anderen Menschen näher zu bringen. Ich persönlich denke, wenn man das für die reale Welt außerhalb des Internet schafft, existiert auch eine hohe Hemmschwelle, das im Netz umzusetzen. Lieber soll er einen Streit riskieren, wenn er einem ‚Gegner‘ im echten Leben die Meinung sagt, als im Internet anonym gegen diese Person zu hetzen oder sich an so etwas zu beteiligen. Wenn sich nach einer Prügelei Eltern melden und beschweren, kann ich nämlich hinter meinem Sohn stehen. Bei anonym im Internet abgezogenen Hetzkampagnen kann man nämlich nie sicher sein und das ist das schlimmste, was ich mir vorstellen kann.

  9. Find Kommunikation das Wichtigste. Verbote und übermässige Kontrollen bringen nichts. Es gibt immer eine Möglichkeit diese zu umgehen.

  10. Ich konnte von Kind auf alle Verbote umgehen, weil ich von Natur aus neugierig und IT-Interessiert war. Ich habe das Glück noch die Zeit zu erleben wo man P2P nutzen konnte ohne rechtliche Folgen befürchten zu müssen. Ich habe auch vieles gesehen was nicht für mein Alter gedacht war, damit meine ich nicht nur Pornos. Aber geschädigt hat es mich nicht, eher nachdenklich gemacht und mir die Augen geöffnet.

  11. Ich finde Kommunikation und Aufklärung das Wichtigste, sperren und Einschränkungen sorgen nicht dafür das sich Kinder an etwas halten sondern dienen eher als Anreiz diese zu umgehen oder das ganze wird einfach bei Freunden gemacht bei denen das Internet ungefildert ist.

  12. Vielleicht sollte man in der Schulpolitik dazu übergehen, Medienpädagogen an jeder Schule ebenfalls einzusetzen und gezielt auch an der Schule Medienarbeit einfließen zu lassen.

  13. Ich hab nur die Überschrift gelesen.
    Finde ich gut, das die Kinder versuchen, uns „Erwachsene“ zu überlisten! Hoffentlich schaffen sie es, sonst wird nix aus ihnen…

  14. thestring says:

    Es war früher ein Katz und Maus Spiel mit meinem Vater.
    Erst habe ich versucht die Passwörter für die Rechner meiner Eltern und die der Fritz Box heraus zu bekommen, als das nicht funktioniert hat musste ich mich mit der Materie beschäftigen und habe die IP Adresse geändert so wie die Mac Adresse gespooft.
    Nun, irgendwann hab ich selbst erkannt das es gut ist sich selber Grenzen zusetzen und dir zeit sinnvoller zu nutzen. Das kann ich an jeden jungen Leser hier appellieren.

  15. Woodstock says:

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

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